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22. Türchen: Eine kleine Weihnachtsgeschichte, Teil 2 - Druckversion

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22. Türchen: Eine kleine Weihnachtsgeschichte, Teil 2 - Taoynin - 22.12.2019

Viel Spaß mit dem 2. Teil! Lächeln





Ein lautes Piepsen riss Liam mitten in der Nacht aus dem Schlaf. Schlaftrunken schob er die Beine aus dem Bett. Mit der einen Hand griff er nach seinem Global und ließ es aufschnappen, während er mit der anderen nach seinem Shirt tastete, das er vor dem Zubettgehen ans Fußende seines Schlafsofas geworfen hatte. „Da’an! Was ist los?“ Er unterdrückte ein Gähnen und kämpfte gegen die Müdigkeit an, die ihm die Augenlider zufallen lassen wollten.

„Bitte kommen Sie auf das Schiff!“
Da die Verbindung sofort beendet wurde, wusste Liam, dass Eile geboten war. Eilig schlüpfte er in seine Kleidung und saß Minuten später in seinem Shuttle. Hatte Da’an herausgefunden, warum sich T’than seit Tagen auf dem Mutterschiff aufhielt? War der Streit am Ende eskaliert?
Es blieb keine Zeit für irgendwelche Spekulationen. Das Shuttle sprang aus der Interdimension und landete in einer der Landebuchten. Da’an erwartete ihn dort.
„Bitte folgen Sie mir, Major!“ Ohne jede weitere Erklärung eilte der Taelon durch die Korridore des Mutterschiffes, bis sie in den Bereich kamen, der für Menschen gesperrt war. Die hier befindlichen Räume waren einzig und allein den Companions vorbehalten. Unter anderem befand sich hier das Privatquartier des amtierenden Synodenführers.
„Ich vertraue auf Ihre Diskretion“, sagte Da’an. „Was ich Ihnen jetzt zeige, muss unter uns bleiben.“
Liam nickte.
„Sie können sich auf mich verlassen, Da’an.“
Der Taelon berührte die Wand an einer besonderen Stelle. Es bildete sich ein Spalt, der sich so weit auseinanderzog, dass sie bequem hindurchgehen konnte, und der sich anschließend hinter ihnen wieder schloss. Sie folgten einem Korridor, dessen Wände mit besonders starken Verästelungen durchzogen waren. Sie ähnelten den Venen im menschlichen Körper und hatten vermutlich einen ähnlichen Zweck.
Der Korridor mündete in einem großen Bereich, in dem sich ein Ruhestuhl befand und diverse Konsolen. Liam stoppte so abrupt, dass sein Companion nur knapp einen Zusammenstoß verhindern konnte. Perplex starrte er auf Da’ans Geheimnis.
Niemand Geringeres als Zo’or hockte vor ihnen auf dem Boden und übte sich an einem Geschicklichkeitsspiel. Liam erkannte es sofort wieder, da er sich selbst als Kind erfolgreich daran versucht hatte. Es stellte das Mutterschiff dar. Zo’or hatte Schwierigkeiten, die einzelnen Teile in der richtigen Abfolge zusammenzufügen, und sie hörten ein leises „Sha’bra!“. Dann registrierte er den Besuch und erhob sich. Unsicher neigte er den Kopf zur Seite und machte dann zögerlich einen Schritt nach vorn. „Mein Name ist Zo’or. Ich bin ein Taelon. – Und wer bist du?“
Liam drehte sich verblüfft nach Da’an um.
„Was ist passiert?“
„Ich befürchte, das Pesh’tal-Virus ist erneut in Zo’or ausgebrochen“, sagte der Companion besorgt.
Zo’or kam einen weiteren Schritt auf sie zu, während er den Major neugierig betrachtete. „Ich bin Da’ans Kind“, sagte er freundlich.
„Er leidet unter Amnesie und ist etwas verwirrt, wie mir scheint“, bemerkte Da’ans etwas nervös.
„Wie kann das sein?“, fragte Liam, als hätte er Zo’ors Bemerkung gar nicht gehört. „Mit’gai hat das Gemeinwesen vom Virus befreit und allen eine Art Schutzimpfung verpasst.“
„Es handelt sich offenbar um eine Mutation“, erklärte der Taelon. „Außer der Amnesie leidet Zo’or unter keinen anderen Symptomen, wie sie für Pesh’tal bekannt sind. Weder Paranoia noch Energiefluktuationen. Mit’gai hat bereits eine Probe entnommen und analysiert.“
„Na, ja. Sehen wir es positiv. Er ist zumindest nicht in Gefahr.“
„Ganz im Gegenteil, Liam. Zo’or befindet sich sogar in sehr großer Gefahr. Sein Leben steht auf dem Spiel.“
Liam sah ihn überrascht an. „Wie das?“
„Die Synode wird ihn als Bedrohung für das Gemeinwesen betrachten.“
„Und was bedeutet das für ihn?“
„Er wird der Leere des Nichts übergeben.“
„Ich werde getötet“, sagte Zo’or und trat einen weiteren Schritt nach vorn. Er wirkte weder beunruhigt noch in irgendeiner Form aufgeregt. „Du bist Da’ans Beschützer. Ich erinnere mich. Ein guter Mann. Da’an hat dich in der Vergangenheit häufig gelobt. Es ist wichtig, einen loyalen Beschützer zu haben. Meiner heißt Sandoval, aber ich weiß nicht, ob er loyal ist.“ Er kehrte zu seinem Spielzeug zurück, das er offensichtlich für spannender hielt als seine beiden Besucher.
Liam sah ihm nachdenklich zu.
„Ist das nicht ein bisschen übertrieben, ihn gleich töten zu wollen? Wenn das Virus mutiert ist und keine Gefahr für die Taelongemeinschaft darstellt, welchen Sinn ergibt es dann, ihn umzubringen?“
„Die Synode wird der Auffassung sein, dass seine Essenz, das, was einen Taelon ausmacht, grundlegend gestört wurde und er somit zu einem Risiko für das Gemeinwesen wird.“
„Was sagt denn Mit’gai dazu?“
„Wozu?“ Unbemerkt von ihnen hatte sich der Eingang hinter ihnen ein weiteres Mal geöffnet, und hereinkam der Taelon-Heiler. Er trug ein stabähnliches Gerät bei sich, das er über Zo’or Körper führte.
„Stellt Zo’or eine Gefahr für Ihre Gemeinschaft dar?“
„Das kommt darauf an, aus welchem Blickwinkel Sie es betrachten. Ein Anführer, der sein Volk nicht leiten kann, stellt sicherlich eine Gefahr dar.“
„Ich meine den gesundheitlichen Aspekt“, erklärte Liam. „Kann seine ‚Krankheit‘ auf andere übergehen?“
„Das ist unwahrscheinlich“, sagte Mit’gai langsam, während er den Scanner interessiert betrachtete.
„Sie werden ihn doch wieder heilen können, nicht wahr?“
Mit’gai sah ihn ausdruckslos an.
„Wenn ich den Auslöser der erneuten Infektion kenne.“ Und dann war er so überraschend verschwunden, wie er gekommen war.
Liam rieb sich nachdenklich das Kinn.
„Könnte T’than dahinterstecken?“
„Möglicherweise.“ Da’an wirkte hilflos.
„Er hätte ein Motiv. Er will Zo’or als Synodenführer dauerhaft absetzen. Aber deshalb seinen Tod in Kauf nehmen? Das wäre nichts anderes als Mord.“
„Nun, es ist kein Mord im eigentlichen Sinn“, erklärte sein Companion. „Wenn ein Taelon eine Gefahr für die Gemeinschaft bedeutet und er der Leere des Nichts übergeben wird, so geschieht das auf freiwillige Basis. Der Delinquent stimmt dieser Entscheidung zu.“
Liam sah hinüber zu Zo’or. Er zweifelte daran, dass der Taelon die Tragweite einer solchen Entscheidung begriff. „Gab es schon einmal jemanden, der sich dem Urteil widersetzt hat?“
Da’an dachte an Ro’han, blieb aber schweigsam.
„Was machen wir jetzt?“
„Zo’or kann nicht auf dem Mutterschiff bleiben. Hier ist er am gefährdetsten. Wenn T’than für seinen Zustand verantwortlich ist, wird er dafür sorgen, dass Zo’or unter Aufsicht gestellt wird. Wenn er jedoch ahnungslos ist…“ Der Companion sprach nicht weiter. Das musste er auch nicht. Liam konnte seinen Gedankengang ahnen.
„… dann geben wir ihm praktisch das beste Mittel in die Hand, sich Zo’or zu entledigen. Ein geschwächter Konkurrent… Besser könnte er es ja gar nicht treffen.“ Nachdenklich ging er auf und ab. „In die Botschaft können wir ihn nicht bringen. Er blieb dort nicht lange unentdeckt. – Was ist mit Sandoval? Wird er eingeweiht?“
„Nein“, antwortete Da’an. „Das wäre zu riskant. Sein CVI könnte ihn dazu bringen, Zo’ors Standort preiszugeben.“
„Ja, Sie haben vermutlich Recht. Außerdem müssen wir davon ausgehen, dass er von T’than überwacht wird. – Tja, wo verstecken wir dich am besten?“, überlegte Liam, während er Zo’or zuschaute, der noch immer mit dem Taelonrätsel kämpfte.
„Ich dachte an den Widerstand“, schlug Da’an vor, doch sein Beschützer hatte etwas dagegen.
„Ausgeschlossen. Ich darf nicht die Sicherheit unserer Leute aufs Spiel setzen.“
„Es besteht keine Gefahr. Zo’or wird sich an nichts erinnern, was während seiner Erkrankung geschieht. Das hat mir Mit’gai versichert. Ich gebe Ihnen mein Wort darauf.“
„Es ist dennoch riskant.“
Nachdenklich ging Liam auf und ab.
„Kann ich mit dir kommen?“, fragte da Zo’or und erhob sich. Freundlich sah er den Beschützer an. „Dann wäre Da’an nicht mehr in so großer Sorge um mich.“
„Leider kann ich Sie nicht mitnehmen, Zo’or, aber mir kommt da gerade eine Idee.“ Liam grinste spitzbübisch. „Ich denke, es gibt eine Alternative, die Ihnen Spaß macht.“
„Spaß?“ Zo’ors Augen leuchteten auf. „Ja, das würde mir gefallen.“
 
 
Augur machte ein paar Mal seinen Mund auf und zu, ohne dass ein Laut aus seiner Kehle kam. Dann starrte er Liam Kincaid wirklich sehr, sehr entgeistert an, während das Adrenalin durch seinen Körper schoss. Sein Blick irrte zur Seite. Wenn er schnell genug war, konnte er vielleicht sein persönliches Portal aktivieren und verschwinden.
Das, was ihn da beinahe zu Tode erschreckte, kam vorsichtig auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen und sagte freundlich lächelnd: „Mein Name ist Zo’or. Ich bin ein Taelon.“
Liam lächelte beruhigend.
„Tief durchatmen, Augur. Es besteht kein Grund zur Panik. Zo’or ist aktuell so gefährlich wie ein Hundewelpe.“
Augur entspannte sich ein wenig, aber schon im nächsten Augenblick verfinsterte sich sein Blick. „Bist du von allen guten Geistern verlassen, ihn mitzubringen? Und dann auch noch hierher?“
„Lass mich erklären, Augur“, sagte Liam und ließ sich in das bequeme Sofa plumpsen, das in der Nähe stand. Zo’or machte es ihm nach. Nur wirkte es bei ihm ein wenig grotesk.
„Zo’or leidet an einer neuen Form von Pesh’tal. Laut Mit’gai ist sie ungefährlich für ihn und andere und beschert ihm nur eine Störung des Kurzzeitgedächtnisses. Das bedeutet, dass er sich nach seiner Heilung an nichts erinnern wird, was sich während seines Ausfalles zugetragen hat. Du musst dich also nicht darum sorgen, dass dein Unterschlupf auffliegen könnte.“
Der dunkelhäutige Mann rieb sich das Kinn.
„Woher willst du das wissen?“
„Ich habe Da’ans Wort.“
„Du weißt aber schon noch, dass dich Da’an bereits einmal verraten hat, um selbst nicht aufzufliegen?“
„Das war etwas anderes.“
Augur schüttelte den Kopf.
„Du und deine Gutgläubigkeit. Eines Tages gibt das ein ganz böses Erwachen für dich.“ Mit finsterem Blick taxierte er den Taelon, der sich in seinem Lieblingssofa bequem gemacht hatte und ihn anlächelte. Das Ganze ist doch ein schlechter Witz, dachte der Hacker. „Warum bringst du ihn ausgerechnet zu mir?“
„Da’an befürchtet, die Synode könnte in Zo’or eine Gefahr für das Gemeinwesen sehen und ihn töten lassen.“
Augur zuckte gleichgültig mit den Achseln. „Und was wäre daran so schlimm?“, fragte er mit seinem unschuldigsten Blick. „Wir wollen ihn doch loswerden. Oder etwa nicht?“
„Zum einen: Wir sind keine Mörder“, erklärte Liam. „Und zum anderen: Wenn Zo’or von der Synode abgesetzt wird und ge…“ Er hielt inne, als er Zo’ors aufmerksamen Blick bemerkte, „… und der Leere des Nichts überlassen wird, übernimmt T’than die Führung. Was dann passiert, muss ich ja nicht erst noch ausführlich schildern.“
„T’than ist auch ein Taelon“, ließ Zo’or verlauten. „Er ist aber nicht sehr freundlich. Das liegt am Alter, denke ich.“
Augur war in der Zwischenzeit von Computer zu Computer gegangen und hatte seine sensiblen Daten vom Netz genommen. Sollte ein Überfallkommando hereinstürmen, würden sie nichts anderes finden als ein paar alte Rechner mit noch älteren harmlosen Programmen.
„Und wie geht es jetzt weiter?“
Liam sprang auf, klopfte ihm kurz auf die Schulter und marschierte Richtung Ausgang. „Du wirst jetzt für eine kleine Weile den Babysitter spielen.“
„Warte – was? Liam! Liam! Das ist nicht dein Ernst! – Verdammt, was soll ich hier mit einem Taelon?“
„Du schaffst das schon, Augur!“
„Oh, nein. Auf keinen Fall. Du nimmst ihn gefälligst wieder mit und kümmerst dich selbst um ihn. Ich werde definitiv kein Babysitter spielen. Soweit kommt das noch. Das habe ich einmal gemacht, und das reicht mir. Ich bin für so etwas völlig ungeeignet...“ Augur hielt inne, als es begriff, dass er mit der geschlossenen Tür redete. Aufgebracht drehte er sich nach dem Taelon um.
Zo’or sah unschuldig drein, als könnte er kein Wässerchen trüben. Augur fand das ziemlich schräg und auch etwas gruselig. Schließlich kannte man den Synodenführer nur als erbarmungslosen und kalten Despoten, der keine Skrupel kannte, Menschen zu opfern, wenn dies das Überleben der Taelons sicherte. Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und murmelte: „Was mach ich jetzt mit dir?“
„Sind wir Freunde, Ogär?“, fragte Zo’or freundlich. „Ich kann mich leider nicht daran erinnern.“
„Nein, wir sind keine Freunde“, antworte Augur langsam und deutlich. „Und ich bin auch kein Oger! Das verbitte ich mir.“ Seine Augen funkelten aufgebracht.
„Oh, das tut mir leid.“ Zo’or hatte nicht wirklich verstanden, was Augur meinte. „Ich hoffe, wir finden einen Weg, um Freundschaft zu schließen.“
„Das bezweifle ich“, knurrte der Hacker. „Also gut, pass auf! Du bleibst schön brav auf dem Sofa sitzen, bis Liam Kincaid wiederkommt und dich abholt. Du wirst nichts anfassen und ganz still sein. Das heißt: Du wirst nicht reden“, betonte er. „Falls du dich langweilst…“ Er drehte sich suchend um die eigene Achse. „Ich habe sicher irgendwo noch eine Zeitschrift oder ein Buch.“ Augur hielt inne. Er erlebte gerade ein Déjà-vu. Vor seinem geistigen Auge erschien ein erst wenige Stunden alter Liam, dessen Pflegevater er plötzlich geworden war. Er schüttelte den Gedanken daran ab und wandte sich an Zo’or. „Haben wir uns verstanden?“
Zo’or nickte gehorsam.
Augur widmete sich wieder seine Arbeit. Allerdings fiel es ihm schwer, sich zu konzentrieren, während ihm sein Erzfeind im Nacken saß. Immer wieder sah er sich nach ihm um. Doch Zo’or war ein gehorsamer und folgsamer Gast. Er rührte sich nicht vom Fleck und sprach kein Wort. Seine Hände lagen ruhig auf dem Sofa. Hätten sich nicht seine Augen bewegt, so hätte man meinen können, er sei eine Puppe. Langsam entspannte sich Augur.
Gerade heute konnte er die Ablenkung überhaupt nicht gebrauchen. Er musste sein Sicherheitssystem aktualisieren. In letzter Zeit hatte er zu oft Zugriff auf Taelon-Technologie genommen. So etwas hinterließ Spuren. Bisher war ihm noch niemand nicht auf die Schliche gekommen, aber er wollte nichts riskieren. Dummerweise war ihm innerhalb der komplexen Programmierung ein Fehler unterlaufen. Den musste er nun schnellstens finden, sonst konnte er seine neue Firewall nicht aktivieren.
Nachdem er sich vergewissert hatte, dass sein ungebetener Gast seinen Platz nicht verließ, widmete er seinem Problem die volle Aufmerksamkeit.
„Das gibt es nicht!“, fluchte der Hacker nach einer Weile lautstark und betätigte mehrfach heftig die Löschtaste.
„Hast du Schwierigkeiten?“, fragte da eine wohlbekannte Stimme so dicht hinter ihm, dass Augur einen unmännlichen Quieklaut von sich gab und beinahe vor Schreck auf den Tisch gesprungen wäre. „Verdammt, ich sagte: sitzenbleiben und kein Wort!“
„Ich vergaß. Bitte entschuldige, Og-! Da’an sagte mir, ich hätte mein Gedächtnis verloren. Ich bin, wie mir scheint, auch sonst sehr vergesslich.“
Zo’or trat einen Schritt zurück, schaute aber weiterhin interessiert auf den Monitor. Als Augur das bemerkte, schob er sich in dessen Sichtfeld. „Da gibt es nichts zu sehen“, sagte er übellaunig.
Der Taelon nahm brav Platz auf dem Sofa, und der Hacker widmete sich wieder seinem Problem. Seit einer Woche arbeitete er an der Programmierung und nun konnte er wieder von vorn anfangen, weil sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen hatte. Ihn zu finden, würde mehr Zeit verschlingen, als ein kompletter neuer Versuch. „Verdammt!“ Er hätte sich gerne die Haare gerauft, aber sein kleiner Rastazopf gab nicht viel her. „Ich glaube das nicht!“, rief er wütend. „Jetzt kann ich alles in die Tonne werfen und noch einmal neu anfangen.“
„Das ist ärgerlich“, pflichtete ihm Zo’or bei. „Man muss bei solchen Arbeiten größte Sorgfalt walten lassen.“
Augur warf ihm einen warnenden Blick zu. Er stand kurz davor, zu explodieren. Ein Mensch hätte gewusst, dass man besser den Mund halten sollte. Nur waren den Taelons die menschlichen Verhaltensweisen zum größten Teil unbekannt und ein Taelon mit Amnesie ...
„Dass ein winziger Fehler so viel Unmut bereitet“, plapperte Zo’or unbekümmert weiter.
Augur lief rot an. Bevor der Zorn ihn blindlings irgendetwas kurz und klein schlagen ließ, besann er sich. „Winziger Fehler? Was meinst du damit?“, fragte er unwirsch.
Zo’or nickte. „Ich kann ihn dir gerne zeigen.“
„Nur zu.“
Natürlich glaubte der Hacker nicht, dass der Taelon auch nur annähernd begriff, was auf dem Monitor dargestellt wurde, aber er war frustriert und bereit, selbst nach dem klitzekleinsten Strohhalm zu greifen.
Zo’ors Finger zeigte zielsicher auf die vierte Programmierzeile.
„Ein falscher Code.“
Augur blinzelte kurzsichtig den Monitor an.
„Nein, nein – das ist nicht falsch, das ist ... verdammt! Du hast Recht.“ Seine Finger huschten über die Tastatur. „Aber das verschiebt die Variablen. Ich habe mich selbst in die Irre geführt. Verdammt!“ Frustriert stützte er sich mit den Händen ab. „Das kriege ich so nicht hin. Ich muss die Struktur neu überdenken. Ich...“
„Der Fehler ist leicht zu beheben“, sagte Zo’or, und dann gab er präzise Angaben, wie Augur seine Programmierung retten konnte.
„Woher weißt du das?“, staunte der Hacker.
Zo’or setzte sich wieder auf das Sofa.
„Bevor ich Synodenführer wurde, habe ich auf dem Mutterschiff in der Sicherheitsabteilung gearbeitet. Wir mussten die Kompatibilität mit den irdischen Systemen herstellen. Deshalb kenne ich alle gängigen Programmiersprachen der Menschen.“
Augur war mächtig beeindruckt. Doch es sollte noch besser kommen.


RE: 22. Türchen: Eine kleine Weihnachtsgeschichte, Teil 2 - Veria - 22.12.2019

Zerkugeln
Nicht schlecht. In deiner Geschichte sind die Taelons ja voll kompetent!


RE: 22. Türchen: Eine kleine Weihnachtsgeschichte, Teil 2 - Kolinahru - 22.12.2019

Stimmt Veria zu

Zo'or ist eigentlich ganz nett Lächeln