Wie Sprachen Laute benutzen

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Folgendes fehlt hier noch: "Töne und Tonakzente" und Beispiele (Bilder) in "Silbenstrukturen"; Phonotaktik (siehe Diskussion:Sprachliche Silbenstrukturen)

Inhaltsverzeichnis

Funktionalisierung von Lauten: Das Phonem

Wer sich durch das zugegebenermaßen sehr theorielastige Kapitel "Das menschliche Lautinventar" gekämpft hat, darf sich freuen. Denn im aktuellen Kapitel wird es konkret. Wir kennen nun all die Möglichkeiten, um Laute zu erzeugen, und wir wissen auch, dass der einzelne Laut von seiner Umgebung beeinflusst wird. Meistens geschieht diese Beeinflussung einfach durch eine physikalisch-sprachökonomische Optimierung und kann auf jede Sprache angewendet werden. Doch was wäre der Mensch, wenn er es dabei belassen würde? Viele dieser Optimierungen werden in den einzelnen Sprachen aufgehoben, andere dazu eingesetzt, Unterschiede in den Bedeutungen herzustellen. Praktisch jede universelle Sprachökonomie kann durch sprachspezifische Regeln aufgehoben werden. Und es geht noch weiter: Unterschiedliche Laute können in einer Sprache zusammengefasst werden und der Sprecher erkennt oft gar nicht, dass es verschiedene Laute sind. Andere Laute werden einfach nicht gehört, weil es sie in der Muttersprache nicht gibt.

Um all die Phänomene zu überblicken, muss man anders denken als rein physikalisch. Man muss eine zusätzliche Ebene schaffen, die für jede Sprache individuell funktioniert. Das gilt auch für den Laut, den wir hierfür zweimal definieren müssen.

Der physikalisch-akustische Laut ist das Phon. Darüber müssen wir wissen, wie es gebildet wird und wie es sich anhört. Wir müssen im Detail wissen, was den Laut ausmacht, um zu verstehen, wie Lautsprache auf unterster Ebene funktioniert und wie sich die umgebenden Laute anpassen. Wir müssen davon aber keine Ahnung haben, wenn wir wissen wollen, wie die Sprachen damit umgehen. Für diese Ebene brauchen wir andere Kategorien, andere Einteilungen, die sich zwar an den physikalischen (und hier vor allem den artikulatorischen) Gegebenheiten orientieren, aber doch nicht identisch mit diesen sind.

Der sprachspezifische Laut ist das Phonem. Es wird definiert als "kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit" einer Sprache. Ein solches Phonem kann im einfachsten Fall aus einem einzigen Phon bestehen, aber auch mehrere Phone enthalten. Fies wird es, wenn eine Sprache Phone kennt, die in mehreren Phonemen zu finden sind. Auch das kommt vor, ist aber im Moment eher zweitrangig. Was aber ist ein Phonem nun? Es ist eine sprachliche Einheit, so ähnlich, wie es Wörter sind. Jedes Wort hat seine Bedeutung und man kann es aus dem Satz heraus nehmen und es zum Beispiel in ein Wörterbuch packen. Tun wir das, stoßen wir aber auch immer wieder auf ein Problem, nämlich welche Form wir schreiben sollen. Für das Deutsche und die meisten anderen Sprachen hat man sich bei Verben für die Infinitivform entschieden. (Das funktioniert auch ganz gut, vorausgesetzt, die Sprache hat Infinitive.) So ähnlich funktioniert das auch mit Phonemen. Wir können ein Lautinventar erstellen, in dem wir jedes Phonem beschreiben. Wir können sagen, wo es wie oft vorkommt und welche Phone das Phonem enthält. Enthält es mehrere Phone, müssen wir uns entscheiden, wie wir dieses Phonem nennen wollen.

Eine Bemerkung noch vorweg: Um diese beiden Ebenen leichter auseinanderhalten zu können, gibt es in der Sprachwissenschaft die Konvention, die phonetische Ebene (also die physikalisch-akustischen Laute) in eckigen Klammern zu notieren, während die phonemische Ebene (also die sprachspezifischen Phoneme) zwischen Schrägstrichen notiert wird.1 Für beide Ebenen wird üblicherweise das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) verwendet. Das, was dann tatsächlich notiert wird, ist oft für beide Ebenen gleich, kann aber je nach Sprache, Wort und Detailgenauigkeit auch sehr unterschiedlich aussehen. Als Beispiel: Das deutsche Wort "Wort" kann phonemisch als /vɔrt/ und phonetisch als [vɔɐ̯tʰ] repräsentiert werden.

Um nun genauer zu verstehen, wie ein Phonem aufgebaut ist, sehen wir uns ein paar Beispiele an. Bei "Dach" und "Dächer" haben wir das Phonem /x/, das in "Dach" als [χ] und in "Dächer" als [ç] realisiert wird. Es gibt Regeln, wann das Phonem /x/ in der deutschen Sprache wie realisiert wird. Es ist immer klar, welcher Laut wann gesprochen wird. Entsprechende Regeln werden wir uns später genauer ansehen. Bei "Rebe" sind wir wesentlich freier. Hier macht es keinen Unterschied, welchen r-Laut wir einsetzen, außer dass man daran heraushören kann, woher jemand kommt. Im Gegensatz zum ersten Beispiel gibt es also keine Regeln, sondern lediglich eine regionale Verteilung. Es gibt also Phoneme, deren Phone speziellen Regeln unterworfen sind, und es gibt Phoneme, deren Phone nur einer regionalen, sozialen oder rollenspezifischen Verbreitung unterliegen. Mit rollenspezifischer Verbreitung sind Phänomene gemeint, bei denen eine bestimmte Person in unterschiedlichen Umgebungen unterschiedlich spricht. Besonders deutlich ist dies bei der sogenannten Theatersprache. Hier wird das /r/ anders als sonst als [ʀ] (uvularer Vibrant) realisiert, was in diesem Fall zu einer besonders deutlichen Aussprache führen soll.

Wenn du deine eigenen Phoneme bauen willst, solltest du noch wissen, dass die Phone eines Phonems normalerweise mindestens ein artikulatorisches Merkmal gemeinsam haben müssen. (Stimmhaftigkeit zählt dabei aber nicht.) [χ] und [ç] sind beispielsweise Frikative, die mit dem Zungenrücken gebildet werden. Die einzige Ausnahme dieser Regel sind die r-Laute, die artikulatorisch ziemlich unterschiedlich sein können. [h] und [ŋ] können deshalb kein gemeinsames Phonem bilden. Dieses Beispiel habe ich gewählt, weil sie in der deutschen Sprache nicht an den gleichen Stellen auftauchen können. ([h] kommt ausschließlich am Anfang einer Silbe vor und [ŋ] ausschließlich am Ende.) Sie erfüllen dadurch auf den ersten Blick das Merkmal eines gemeinsamen Phonems, sind es aber tatsächlich nicht, weil [h] ein Frikativ ist, der mit der Zungenwurzel gebildet wird und [ŋ] ein Nasal, bei dem der Zungenrücken zum Einsatz kommt.

1 Die phonemische Ebene wird oft auch "phonologisch" genannt.

Unterscheidungsmerkmale

Bei den Unterscheidungsmerkmalen handelt es sich um abstrakte Merkmale der Laute, die von den einzelnen Sprachen zur Unterscheidung von Phonemen genutzt werden. Diese Merkmale orientieren sich dabei hauptsächlich an den artikulatorischen Merkmalen, die im Kapitel "Das menschliche Lautinventar" beschrieben wurden. Die meisten der Unterscheidungsmerkmale sind binär, das heißt, ein Laut ist zum Beispiel entweder stimmhaft oder er ist nicht stimmhaft. Nur die Ortsmerkmale sind nicht binär, aber dazu kommen wir später.

Es gibt eine Reihe an Merkmalen, die jeden Laut betreffen, andere sind an bestimmte Ortsmerkmale geknüpft. Der Übersicht halber wurden die Merkmale in Gruppen unterteilt: Oberklassenmerkmale, Stimmbandmerkmale, Merkmale der Artikulationsart und die bereits erwähnten Ortsmerkmale. Unterscheidungsmerkmale werden immer in eckigen Klammern geschrieben, wobei die Ortsmerkmale in Großbuchstaben stehen, damit man direkt sieht, dass sie nicht binär sind.

Es gibt unzählige Abwandlungen der Merkmale, da das immer wieder auf die verschiedenen Sprachen zurechtgebogen wird. Daher kannst du da auch dran rumschrauben, bis es dir passt. Neue Merkmale erfinden, Merkmale umdefinieren, oder ganz unter den Tisch fallen lassen. Aber du solltest dir auf jeden Fall notieren, was du für dich geändert hast, damit du später nicht darüber stolperst.

Oberklassenmerkmale

[+/-kons] Konsonantisch [+kons] sind alle Laute, die eine Verengung im Ansatzrohr haben. Das betrifft alle Konsonanten außer den Approximanten und den Rachenlauten. Approximanten sind durch die Merkmale nicht von Vokalen zu unterscheiden, da es sich hierbei im Prinzip um Vokale handelt, die nicht im Silbenkern stehen. Die Unterscheidung geschieht also in der Silbe und nicht über die Merkmale. Rachenlaute sind nicht konsonantisch [-kons], weil sie unterhalb des Ansatzrohres gebildet werden.
[+/-son] Sonoranten [+son] sind alle Laute, die "spontan stimmhaft" sind. Das heißt, dass sie meistens stimmhaft gesprochen werden (Ausnahmen gibt es ja quasi immer). Zu ihnen gehören Vokale, Gleitlaute, Nasale und Liquide. Plosive, Frikative und Affrikaten sind dagegen Obstruenten [-son]. Bei ihnen ist es üblich, zwischen stimmhaften und stimmlosen Lauten zu unterscheiden.
[+/-appr] Approximantisch [+appr] sind die Laute, die weder Plosions- noch Reibegeräusche verursachen, also Vokale und Approximanten. Entsprechend sind Rachenlaute nicht approximantisch [-appr], was den Unterschied zum Merkmal [+/-kons] ausmacht.

Stimmbandmerkmale

[+/-sth] Stimmhaft [+sth] sind alle Laute, bei denen die Stimmbänder vibrieren. Auch halbstimmhafte Laute erhalten demnach das Merkmal [+sth]. (Sollte dir das nicht in den Kram passen, bist du natürlich frei, dir das entsprechend zurecht zu basteln.) Stimmlos [-sth] sind entsprechend alle Laute, bei denen die Stimmbänder nicht vibrieren.
[+/-asp] Als aspiriert [+asp] gelten alle Laute, die tatsächlich aspiriert sind, alle präaspirierten Laute und das [h], da das Merkmal über die gespreizten Stimmbänder definiert wird. Alle anderen Laute sind entsprechend unaspiriert [-asp]. Eine Unterscheidung zwischen aspirierten und präaspirierten Lauten sehen die momentan gängigen Systeme der Unterscheidungsmerkmale nicht vor.
[+/-glottal] Glottalisierte Laute [+glottal] sind Laute, die mit einem Verschluss der Stimmbänder gesprochen werden. Die meisten Laute sind jedoch nicht glottalisiert [-glottal]

Merkmale der Artikulationsart

[+/-kont] Kontinuierliche Laute [+kont] könnte jemand, der endlosen Atem hat, auch endlos lange aussprechen, da ein kontinuierlicher Luftstrom mittig durch das Ansatzrohr fließt. Alle Laute, die keinen kontinuierlichen Luftstrom erzeugen, sind entsprechend nicht kontinuierlich [-kont]. Aber auch Nasale und Laterale sind keine kontinuierlichen Laute [-kont], da bei Nasalen das Ansatzrohr geschlossen ist und bei Lateralen die Luft seitlich und nicht mittig entweicht.
[+/-nas] Nasal [+nas] sind alle Nasale und Nasalvokale, nicht nasal [-nas] alle anderen Laute. Nasale Laute macht aus, dass die Luft ganz (Nasale) oder teilweise (Nasalvokale) durch die Nase entweicht.
[+/-lat] Laterale [+lat] sind Laute, bei denen der Luftstrom seitlich an der Zunge vorbei fließt, anstatt durch die Mitte, wie bei allen anderen Lauten [-lat].
[+/-sibil] Sibilanten sind Frikative oder Affrikaten mit einem hochfrequentem Geräuschanteil. Das Merkmal wurde erfunden um in der englischen Sprache die Laute [s], [z], [ʃ] und [ʒ] ([+sibil]) von [θ] und [ð] ([-sibil]) zu unterscheiden. Das Merkmal ist allerdings nicht genau definiert, sodass manche Laute wie das [ç] mal als [+sibil], mal als [-sibil] gekennzeichnet werden.

Ortsmerkmale

Die Besonderheit der Ortsmerkmale ist, wie oben schon erwähnt, dass sie nicht binär sind. Auf jeden Laut triff immer genau ein Ortsmerkmal zu. Der Laut ist also entweder labial [LAB] oder koronal [KOR] oder dorsal [DORS] oder radikal [RAD].

[LAB] Alle Laute, die mit den Lippen gebildet werden, sind labial [LAB]. Dazu zählen alle bilabialen und labiodentalen Konsonanten, sowie alle gerundeten Vokale.
[KOR] Laute, die mit der Zungenspitze gebildet werden, sind koronal [KOR]. Das sind die dentalen, alveolaren, postalveolaren, retroflexen und manche palatalen Konsonanten.

Manche zählen auch die vorderen Vokale dazu, wodurch die dorsalen Merkmale (siehe unten) dann auch für die koronalen Vokale übernommen werden müssen.

[DORS] Laute, die mit dem Zungenrücken gebildet werden, sind dorsal [DORS]. Das sind die palatalen, velaren und uvularen Konsonanten und alle Vokale. (Ja, im Fall, dass sie gerundet sind, können Vokale sogar zwei Ortsmerkmale tragen.)
[RAD] Alle Laute, die mit der Zungenwurzel gebildet werden, sind radikal [RAD]. Das sind die pharyngalen und epiglottalen Konsonanten. Glottale Konsonanten haben kein Ortsmerkmal.

Weitere Merkmale sind davon abhängig, welches Ortsmerkmal zutrifft. So kann ein Laut nur dann gerundet oder nicht gerundet, also [+/-rund] sein, wenn der Laut auch labial [LAB] ist. Für das Ortsmerkmal [RAD] (radikal) gibt es keine untergeordneten Merkmale.

[LAB]
[+/-rund] Laute, die das Merkmal [LAB] tragen, können auch gerundet [+rund] sein. Zu ihnen zählen labialisierte Konsonanten, gerundete Vokale und das [w]. Alle anderen Laute sind ungerundet [-rund]. Als ungerundet gelten auch halbgerundete Laute.
[KOR]
[+/-ant] Anterior [+ant] sind Laute, die an den Zähnen oder am Zahndamm gebildet werden, sprich dentale und alveolare Laute. Postalveolare und retroflexe Laute sind entsprechend nicht anterior [-ant]
[+/-apik] Laute, die mit der Zungenspitze gebildet werden, sind apikal [+apik], also dentale und retroflexe Laute. Die anderen koronalen Laute sind nicht apikal [-apik].
[DORS]
[+/-hoch] Palatale und velare Konsonanten sowie geschlossene Vokale sind hoch [+hoch], da die Zunge angehoben ist. Die anderen Laute sind entsprechend nicht hoch [-hoch]
[+/-tief] Offene Vokale sind tief [+tief], da hier Zunge und Kiefer nach unten verlagert sind. Alle anderen Laute sind entsprechend nicht tief [-tief].
[+/-hint] Velare und uvulare Konsonanten sowie hintere und zentrale Vokale sind hinten [+hint], da die Zunge nach hinten geschoben ist. Die anderen Laute sind entsprechend vorne [-hint].
[+/-gesp] Gespannt [+gesp] sind Vokale, die weiter vom Schwa entfernt sind als das ungespannte [-gesp] Gegenstück. Dieses Merkmal ist etwas zurechtgebastelt, weil es zwar eine eindeutige Einteilung ist, die einige Sprachen machen (darunter das Deutsche), es aber eigentlich keine bekannten physikalischen oder artikulatorischen Hinweise darauf gibt, warum das so ist. Geschlossene, halbgeschlossene und offene Vokale sind gespannt, während alle anderen Vokale (das Merkmal wird nur auf Vokale angewandt) ungespannt sind. Konkrete Beispiele für Paare von gespannten und ungespannten Vokalen sind [i]/[ɪ] und [e]/[ɛ]. In diesen Fällen sind [i] und [e] die gespannten und [ɪ] und [ɛ] die ungespannten Vokale.
[+/-red] Als reduziert [+red] werden Vokale bezeichnet, die nicht betont vorkommen können. Im Deutschen sind das Schwa [ə] und das Lehrer-Schwa [ɐ] reduziert. Alle anderen Vokale (das Merkmal wird nur auf Vokale angewandt) sind nicht reduziert [-red].

Um eine bessere Übersicht zu bekommen, welcher Laut welche Merkmale trägt, gibt es sogenannte Merkmalsmatrizen. Exemplarisch für die Vokale schreibe ich eine (etwas reduzierte) Merkmalsmatrix auf, da hier schwerer als bei den Konsonanten zu erfassen ist, welche Merkmale die Laute voneinander abgrenzen. Eine Matrix ist dabei nichts anderes als eine Tabelle, deren Zellen ein + oder ein - enthalten. Wenn dir die Ansicht der Merkmale als Matrix zusagt, kannst du sie auch für die Konsonanten erstellen.

Vokale sind immer [-kons], [+son], [+appr], [DORS] und wenn sie [+rund] sind, [LAB]. Das heißt, es reicht, nur die dorsalen Merkmale und das Merkmal [+/-rund] aufzuführen.

i ɪ y ʏ e ɛ ø œ æ u ʊ o ɔ ʌ ə ɐ a ɑ
[+/-hint] - - - - - - - - - + + + + + + + + +
[+/-hoch] + + + + - - - - - + + - - - - - - -
[+/-tief] - - - - - - - - + - - - - - - + + +
[+/-gesp] + - + - + - + - - + - + - - - - - +
[+/-red] - - - - - - - - - - - - - - + + - -
[+/-rund] + + + + + + + +

Natürlich gibt es noch mehr Vokale. Die hier aufgeführten sind exemplarisch, die Matrix kann natürlich angepasst werden. Für deine eigene Sprache solltest du dir eine eigene Matrix zusammenbasteln (sofern du solche Tabellen hilfreich findest). Dass bei dem Merkmal [+/-rund] übrigens kein [-] steht, hat seinen Grund: Das Merkmal [+/-rund] ist nur dann vorhanden, wenn der Laut [LAB] ist und da Vokale immer nur dann [LAB] sind, wenn sie rund sind, haben die übrigen Vokale das Merkmal [+/-rund] einfach nicht, also ist es weder [+] noch [-].

Phonemische Regeln

Nun haben wir einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, sprachliche Laute in Gruppen einzuteilen. Vielleicht hast du auch schon eine grobe Vorstellung, wie deine Phoneme aussehen könnten. Phoneme, deren Phone lediglich eine unterschiedliche Verbreitung haben, kannst du sogar bereits bauen. Allerdings sind die Phone eines Phonems meistens durch Regeln eingeschränkt, die sprach- oder dialektspezifisch auftreten. Die Form dieser Regeln ist relativ einfach. Wir haben ein Phonem, das in einer bestimmten Umgebung eine bestimmte Eigenschaft annimmt.

Formal wird diese Regel so aufgeschrieben:

A → B / X__Y

(A wird zu B in der Umgebung nach X und vor Y)
X und Y können dabei bestimmte Laute mit bestimmten Merkmalen sein oder Silben-, Morphem- oder Wortgrenzen.2 Silben werden dabei als $ dargestellt, Morpheme als + und Wörter als #. Wenn du die Silben genauer definieren willst, also zum Beispiel den Silbenkern benennen willst, musst du dir selbst Zeichen überlegen. Solche Silbenstrukturen werden nämlich normalerweise nicht linear dargestellt, aber dazu später mehr.

Eine anschauliche Regel ist die Auslautverhärtung im Deutschen:

/b d g v z ʒ/ → [p t k f s ʃ] / __$

Diese Regel besagt, dass die Phoneme zwischen den Schrägstrichen am Ende einer Silbe jeweils als die Phone realisiert werden, die in den eckigen Klammern stehen.
Wer nun nach oben zu den Unterscheidungsmerkmalen guckt, sieht, dass es sich jeweils um stimmhafte Obstruenten handelt, und diese die Merkmale [-son, +sth] tragen (also keine Sonoranten und nicht stimmlos sind). Wir können also verallgemeinert schreiben:

[-son, +sth] → [-sth] / __$

Also alle Laute, die die Merkmale [-son] und [+sth] tragen, werden am Ende einer Silbe stimmlos. Und da wir sehen, dass [+/-sth] das Merkmal ist, das geändert wird, können wir auch noch kürzer [-son] → [-sth] / __$ schreiben, da stimmlose Laute dadurch einfach nicht verändert werden.

Die Regeln dürfen bunt gemischt werden, was die Merkmale und die lautlichen Darstellungen angeht. Phone werden genau wie die Merkmale in eckigen Klammern geschrieben und Phoneme zwischen zwei Schrägstrichen gesetzt. Suche dir am besten immer die Darstellung, die am kürzesten ist. Ein Phonem und ein Phon sind quasi Abkürzungen, um eine bestimmte Menge an Merkmalen aufzuschreiben. Du solltest dir nur vor allem bei den Phonemen darüber klar sein, welche Merkmale dahinter stecken.

Wenn du einen beliebigen Laut brauchst, kannst du einfach Großbuchstaben nehmen, die den Laut repräsentieren. Dabei hat es sich eingebürgert, wenn es sich um einen Vokal handelt, ein V und wenn es sich um einen Konsonanten handelt, ein C zu schreiben, aber das kannst du halten, wie du willst.

Auf die gleiche Weise kann übrigens auch sprachgeschichtlicher Lautwandel dargestellt werden.

2 Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten einer Sprache (im Gegensatz zu den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten, den Phonemen). Mehr dazu erfährst du im nächsten Abschnitt dieses Tutorials "Was ist ein Wort?".

Phonemische Prozesse

Folgendes fehlt hier noch: Stufenwechsel (s. Wikipedia)

Neben der Auslautverhärtung gibt es noch andere phonemische Prozesse. Damit sind Veränderungen gemeint, die generell in Sprachen ablaufen können. Die Regeln lassen sich daher in die einzelnen Prozesse eingliedern.

Angleichung und Entähnlichung
Diese beiden Prozesse sind die häufigsten. Befindet sich ein Laut in der Nähe eines anderen Lautes, so kann sich dieser zugunsten der einfacheren Aussprache oder der besseren Verständlichkeit verändern. Es werden also ein oder mehrere Merkmale eines Lautes angepasst. Bei der Angleichung übernimmt der eine Laut Merkmale des angrenzenden Lautes. Wobei der angrenzende Laut nicht direkt angrenzen muss, sondern auch mehrere Laute entfernt sein kann. Ein Beispiel für die Angleichung im Deutschen ist, dass aus der Vorsilbe "an", wenn ein [b] folgt, [am] wird. Allgemeiner können wir sagen, aus einem [n] wird ein [m] wenn ein bilabialer, nicht kontinuierlicher Laut folgt:
[KOR, +nas] → [LAB] / __[LAB, -kont]
Da die Regel auch bei einem folgenden [p] oder [m] funktioniert, ist die Regel so auch vollständig. Beim [m] wird das [n] sogar komplett angeglichen, sodass es nicht mehr vom [m] zu trennen ist.
Natürlich kann die Angleichung auch in die umgekehrte Richtung verlaufen, also dass der vorhergehende Laut den nachfolgenden Laut verändert.
Ein anderes Beispiel für die Angleichung ist die Vokalharmonie, wie sie zum Beispiel im Türkischen existiert. Hierbei sind die Laute, die angeglichen werden, nicht direkt beieinander, sondern in verschiedenen Silben zu finden. Der Plural kann im Türkisch die Endung "lar" oder "ler" haben, was davon abhängt, wie der vorhergehende Vokal ist:
[-kons, +appr] → [αhint] / V[-kons, +appr, αhint]•C1__
(Ein nicht konsonantischer, approximantischer Laut wird [αhint], wenn der nächste nicht konsonantische, approximantische Laut an der Stelle α gebildet wird.) Der Punkt ist bei dieser Regel nur der Übersichtlichkeit halber eingefügt, die kleine 1 bedeutet, dass mindestens ein Laut dazwischen liegt. Das α steht für das + oder -, das heißt, ist das eine α '+', dann ist das andere α auch '+', steht das eine α für '-', dann ist auch das andere α '-'.
Die Entähnlichung funktioniert genau analog zur Angleichung und wird meistens eingesetzt, um einen Kontrast deutlicher zu machen, wie dies bei dem Wort "sechs" der Fall ist:
/x/ → [k] / __[s]
(Aus dem Phonem /x/ wird ein [k], wenn ein [s] folgt.)
Einfügung und Tilgung
Die Begriffe sagen es schon, hierbei werden Laute eingefügt oder entfernt. Als Beispiel für die Einfügung kann man die rheinische Schwa-Einfügung nehmen:
Ø → [ə] / [+kons, +son]__[f, ç]
Hierbei wird ein Schwa eingefügt (aus Nichts (Ø) wird [ə]), wenn ein konsonantischer, sonoranter Laut (also /m/, /n/, /l/ und /r/ und theoretisch auch das /ŋ/, nur dass das aufgrund anderer Regeln so nicht vorkommt) und ein [f] oder [ç] aufeinander folgen. (Hier habe ich mir jetzt die lange Liste an Merkmalen gespart, die nötig wären, um [f] und [ç] als Gruppe darzustellen.
Für die Tilgung kann als Beispiel das Schwa vor einem Nasal im Deutschen gelten, wie etwa bei "reden". Das Schwa wird hier üblicherweise nur dann ausgesprochen, wenn man besonders deutlich spricht. Für die Alltagssprache können wir jedoch davon ausgehen, dass die zugrunde liegende Regel lautet:
[ə] → Ø / __[+kons, +nas]
(Das Schwa wird getilgt vor einem konsonantischen, nasalen Laut.)
Im Übrigen handelt es sich bei der Ableitung von "ng" zum Laut [ŋ] nicht um eine Tilgung, auch wenn sich diese Behauptung ziemlich häufig im Internet findet. "ng" ist lediglich die orthographische Schreibweise des Phonems /ŋ/. Es liegt also eigentlich gar kein /g/ vor, obwohl uns die Rechtschreibung das vorgaukelt.
Neutralisierung
Unter einer Neutralisierung ist die Aufhebung eines Kontrastes zu verstehen. Das heißt, an einer bestimmten Stelle können bestimmte Phoneme nicht mehr auseinander gehalten werden. Das bekannteste Beispiel für die Neutralisierung ist die Auslautverhärtung, wie sie oben bereits erwähnt wurde. Am Ende einer Einheit (im Deutschen ist das die Silbe), wird bei der Auslautverhärtung der Kontrast zwischen stimmhaften und stimmlosen Obstruenten neutralisiert. Ob "Rat" oder "Rad" gemeint ist, können wir nur aus dem Zusammenhang heraus erfahren, oder wenn wir das Wort so verändern, dass der letze Laut nicht mehr am Silbenende steht, beispielsweise durch die Pluralbildung. Bei "Räte" und "Räder" ist klar, welches Phonem dort jeweils steht.
Ein weiteres Beispiel für die Neutralisierung finden wir im Russischen. Hier wird aus "Лес" ['lɛs] (Wald) im Plural Леса [li'sa] (Wälder). Analog dazu geschieht das auch mit dem /ɔ/, das zu einem [a] wird. Die Regel lautet also:
/e o/ → [i a] / _[-betont]_
Wenn wir es genau nehmen, handelt es sich hierbei um zwei Regeln, da /e/ und /o/ als Gruppe von Merkmalen nicht zu einer Gruppe [i] und [a] werden kann, da sie sich unterschiedlich verhalten. (Das sieht man besonders deutlich, wenn man sieht, wo sich die entsprechenden Laute im Vokalviereck befinden.)
Vertauschen
Das Vertauschen ist vor allem beim Sprachwandel (diachron) oft anzutreffen, aber als synchrones Phänomen einer Sprache eher selten zu finden. So ist aus dem alten "Born" der "Brunnen" geworden. Bevor das /o/ zu einem /u/ geworden ist, haben hier /r/ und /o/ ihre Plätze getauscht. Als Zwischenstufe ist der "Bronn" geworden, den wir tatsächlich auch in Ortsnamen und einigen in älteren Schriften finden können. Ein synchrones Beispiel für das Vertauschen gibt die Sprache Zoque [1]. Das Pronomen "sein" wird in dieser Sprache als Präfix vorne an das Wort gestellt, schiebt sich dann aber hinter den ersten Laut, wenn es ein Konsonant ist. So wird aus dem /gaju/ "Hahn" /gjaju/ "sein Hahn".
/j/ + [+kons] → [+kons] + /j/ / #__
Wie du an diesem Beispiel siehst, können wir auch später noch auf die Regeln zurückgreifen, um ganz andere grammatische Phänomene über die Laute zu realisieren.

[2]

Silbenstrukturen

Wenn du die Silbenstrukturen mit in deine Regeln einbeziehen willst, reicht es oft nicht mehr, die Regeln linear aufzuschreiben, weil es dann leicht etwas unübersichtlich werden kann. Eine Silbe lässt sich als Baum darstellen, der dann in die Regel mit einbezogen werden kann. Eine Silbe wird in der Baumstruktur für gewöhnlich mit σ gekennzeichnet.
--> Regelbeispiel

Allerdings können sich phonemische Regeln auch speziell auf die erste, zweite, vorletzte oder letzte Silbe beziehen, weshalb wir im Prinzip mehr als ein Zeichen benötigen.3 Günstig ist beispielsweise, wenn wir die Wortgrenze # hinzu nehmen. #σ kann dann für die erste und σ# für die letzte Silbe stehen. Die zweite und vorletzte Silbe können dann durch #_σ bzw. σ_# dargestellt werden.
--> Regelbeispiel

3 Natürlich kannst du auch alles ausschreiben, falls du dich von den ganzen Abkürzungen etwas überfahren fühlst. Für manchen ist es aber doch übersichtlicher, wenn es abgekürzt wird.

Töne und Tonakzente

Erstellen von sprachlichen Lautinventaren

Um für seine Sprache ein Lautinventar inklusive Regeln aufzubauen, sollte man immer wieder ausprobieren, ob die Regel oder das Phonem passt. Wo sie vorkommen und wo nicht. Wie man aber letztendlich zu seinen Lauten kommt, dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die im Folgenden beschriebenen Vorgehensweisen können kombiniert oder mit eigenen Ideen ergänzt werden. Sie sind nicht der Weisheit letzter Schluss und zudem auf den menschlichen Sprechapparat ausgerichtet.

Brabbeln

Ich selbst spreche erst, bevor ich eine Sprache entwickle. Damit meine ich, dass ich zuerst "rumbrabbele" um dadurch den richtigen Klang zu bekommen. Dann nehme ich das auf und gucke, wie sich das generalisieren lässt. Du kannst das auch mit anderen zusammen als Spiel machen, zum Beispiel indem du mit einfachen Formen anfängst wie "bubu" oder "dada", und dein Mitspieler das Wort verändert oder mit einem ähnlichen Wort antwortet. Oder ihr versucht, einen bestimmten Klang zu erzeugen und hört, was für euch etwa "kratzig" oder "steinig" klingt.

Schreib dir zunächst einmal die Wörter auf, versuche sie möglichst genau aufzuschreiben. Als Beispiel dienen hier jetzt drei "Wörter", die bisher natürlich keine Bedeutung haben: [kveːrə'tʃɛn], ['bevɪstʰ], [tʰɛr'kʰɛʃ]. Am besten machst du dir eine etwas längere Liste, denn je mehr du hast, desto genauer wird deine "Analyse". Aus diesen Wörtern schreibst du dir dann alle vorhandenen Laute auf: [k v eː r ə tʃ ɛ n b e ɪ s tʰ kʰ ʃ] Das sind deine Laute. Natürlich kannst du dir auch überlegen, dass es noch weitere seltenere Laute gibt, die vielleicht nur in Fremdwörtern vorkommen.

Anschließend kannst du dir die Silben ansehen und "Regelmäßigkeiten" herausschreiben, die du entdeckst oder dazudichtest. Die Beispielwörter sehen mir nach einer Tonakzentsprache aus und es gibt scheinbar eine Auslautverhärtung am Ende des Wortes. Vor dem [v] ist das [k] nicht aspiriert, ansonsten schon, also werden wahrscheinlich stimmlose Plosive normalerweise aspiriert, aber vor Frikativen nicht: A → [-asp] /__[+kons, -son, +kont] (Da nur Plosive überhaupt aspiriert werden, reicht hier der Platzhalter A völlig aus.) Außerdem kann man sich überlegen, dass [ɪ] und [ə] nur in unbetonten Silben vorkommen, ansonsten werden sie zu [ɨ] und [e], und ein [n] kommt niemals am Anfang einer Silbe vor.

Dann kannst du die Laute nach den Phonemen sortieren (oder du machst es vorher und schreibst dann die Regeln dazu). An Vokalen haben wir: /eː/, /e/, /ɛ/, /ɨ/ und an Konsonanten /k/, /v/, /r/, /tʃ/, /n/, /b/, /s/, /t/, /ʃ/. Dabei enthalten die Phoneme /e/ und /ɨ/, sowie /k/ und /t/ jeweils zwei Laute, die kontextabhängig gesetzt werden. In einer Grammatik könnten diese Phoneme dann aufgeführt und erklärt werden.

Analysieren

Eine andere Möglichkeit wäre wohl, wenn man bereits Texte in seiner Sprache hat, diese quasi zu untersuchen. Dadurch lassen sich dann auch neue Wörter besser in die Sprache einpassen, oder ungewöhnlich klingende Fremdwörter einbauen. Man nimmt also einen vorhandenen Text, spricht ihn auf Band und untersucht dann, was man da gemacht hat. Die Schritte nach dem Aufschreiben sind denen bei der Brabbelmethode ähnlich: Wir schreiben auf, was wir hören, ziehen die vorhandenen Laute heraus und suchen dann unsere Phoneme und Regeln daraus. Je mehr Texte du auf diese Weise analysierst, desto genauer kannst du alles aufeinander abstimmen. Du wirst wahrscheinlich erstaunt sein, wie viele Prozesse du unbewusst angewendet hast. Vielleicht gefällt dir auch das ein oder andere nicht und du kannst ausprobieren, wie es klingt, wenn du genau diese oder jene Regel einfach mal brichst, oder eine neue hinzugibst.

Regelbasierte Silben

Eine dritte Idee wäre die Erstellung von Silben nach vorher festgelegten Regeln, diese dann sprechen und die Regeln verbessern oder erweitern. Das ist quasi die Umkehrung der vorhergehenden Methoden. Wir legen zuerst fest, welche Laute die Sprache haben soll und entwickeln zuerst ganz theoretisch unsere Phoneme und entsprechende Regeln dazu. Anschließend schreiben wir ein paar typische Lautfolgen auf, die so in der Sprache auftauchen könnten. Wie müsste eine typische Silbe aussehen, die aus der Sprache stammt? Haben wir ein paar dieser Silben erstellt, können wir sie kombinieren und vielleicht auch hier wieder Regeln anwenden. Erst jetzt versuchen wir, diese so erstellten Wörter auszusprechen. Klingen sie gut? Sind sie überhaupt produzierbar? Wenn nicht, ändere deine Regeln. Das wiederholst du so lange, bis zu mit dem Ergebnis zufrieden bist.

Nehmen wir an, wir wollten eine Sprache entwickeln, die Phone [l], [a], [e], [i], [d], [t], [k] und [g] sowie die grundlegende Silbenstruktur KV hat. Sagen wir, [l] kann sowohl als V, als auch als K verwendet werden. Sowohl [l], als auch [d] und [t] werden am Zahndamm gebildet, also ist es vielleicht einfacher, wenn dazwischen ein [ɪ] eingefügt wird: Ø → [ɪ] / [d, t]__[l]. Außerdem sollen die betonten Silben lang ausgesprochen werden: V → V[+lang] / [-betont]. [e] und [i] betrachten wir in unserer Beispielsprache als ein Phonem. Bei einem [k] oder [g] ist der Kiefer minimal geöffnet und der Weg zum [i] ist etwas kürzer als zum [e], während der Mundraum bei [d] und [t] mehr Freiheit hat, sich auf den folgenden Vokal einzustellen. Das Phonem /e/ wird also bei [g] und [k] zum [i]: /e/ → [i] / [g, k]__.

Nun haben wir einige Regeln und die Phoneme /l/, /a/, /e/, /d/, /k/ und /g/ und können ein paar typische Lautfolgen aufschreiben: dil, ta, ki, te, de, ga, gl. Wörter aus der Sprache wären dann: diltaki, gadete, tatedil.

Kopieren

Wenn du dich lieber an einer irdischen Sprache orientieren willst, kannst du dir die entsprechenden IPA-Tabellen von Sprachen ansehen, deren Klang in die Richtung geht, die du haben möchtest. Eine gute Anlaufstelle hierfür ist die Seite des IPA-Handbuches. Es ist zwar gerade bei "exotischen" Sprachen oft nicht so einfach, Phoneme und Regeln zu finden, aber für eine ganze Reihe von Sprachen gibt es bei Wikipedia zumindest ein Phoneminventar und manchmal auch detailliertere Beschreibungen (es lohnt sich oft auch ein Blick auf den englischsprachigen Artikel zu der jeweiligen Sprache). Und falls du keine Regeln findest, kannst du die ja auch nach Gutdünken selbst erstellen. Hör dir Sprachbeispiele an und analysier sie, wie in der Methode "Analysieren" beschrieben. Spiel mit der Sprache, verändere sie.

Wie stelle ich ein realistisches Lautinventar zusammen?

Prinzipiell können erfundene Sprachen ganz einfach all die Laute verwenden, die dem Erfinder gefallen. Wenn du deine Sprache allerdings für eine verhältnismäßig "normale" Welt bastelst - was auch immer das dann genau heißen mag -, dann legst du vielleicht auch Wert darauf, dass die linguistische Landschaft nach irdischen Maßstäben glaubwürdig ist. Hierzu ist es hilfreich, schon bei der Auswahl der Laute ein wenig darauf zu achten, ob sich deine eigene Sprache ähnlich verhält wie echte Sprachen. Letztere sind dabei nämlich meist recht systematisch: Wenn ein artikulatorisches Merkmal, z.B. [+/-sth], an einem Artikulationsort, z.B. an den Lippen (labial), als bedeutungsunterscheidend verwendet wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das gleiche Merkmal auch an anderen Artikulationsorten Unterscheidungskraft besitzt, z.B. am Zahndamm (alveolar) und/oder am weichen Gaumen (velar). Gleichzeitig haben die allermeisten natürlichen Sprachen aber trotz aller Systematik auch die eine oder andere "Lücke" in ihrem Lautinventar; es fehlt also ein Laut, den man anhand der in der Sprache verwendeten Unterscheidungsmerkmale eigentlich erwarten würde. So wird etwa im Deutschen normalerweise eine Unterscheidung der Stimmhaftigkeit für Frikative gemacht (Feld /fɛlt/ vs. Welt /vɛlt/; ließe /liːsə/ vs. Liese /liːzə/), aber das stimmhafte Gegenstück zum sch-Laut kommt nur sehr selten vor, wobei die bedeutungsunterscheidende Kraft zweifelhaft ist (bei rasche /raʃə/ vs. Rage /raːʒə/ könnte man problemlos die Länge des vorhergehenden Vokals als den eigentlich entscheidenden Unterschied interpretieren), und ein stimmhaftes Gegenstück zum ch-Laut fehlt völlig.4 Ein anderes Beispiel wäre das Arabische, das kein /p/ besitzt.

In der folgenden Liste sind ein paar Statistiken und sprachtypologische Verallgemeinerungen aufgeführt, die einen ersten Eindruck davon verschaffen sollen, wie ein realistisches Lautinventar aussehen könnte. Zu fast allen einzelnen Punkten gibt es auch Ausnahmen und Gegenbeispiele, es gibt jedoch ziemlich sicher keine einzige natürliche Sprache, die in mehr als der Hälfte dieser Punkte außergewöhnlich ist.5

Folgendes fehlt hier noch: weitere Statistiken und Universalien

4 Wenn man einmal außer Acht lässt, dass es zum nach hinteren Vokalen gesprochenen "Ach-Laut" [χ] im Standarddeutschen auf phonetischer Ebene durchaus ein stimmhaftes Gegenstück gibt, nämlich das r geschriebene [ʁ]: fluche /fluːxə/ [fluːχə] vs. Flure /fluːrə/ [fluːʁə]. Allerdings verhält sich dieser Laut im Deutschen nicht wie ein Frikativ, und ein stimmhaftes Gegenstück zum "Ich-Laut" [ç] kommt in der Standardsprache tatsächlich nicht vor.
5 Quellen: World Atlas of Language Structures (WALS), UPSID Database sowie The Universals Archive

Phonotaktik

Folgendes fehlt hier noch: Wie wirkt sich die Verteilung der Laute auf die Ästhetik der Sprache aus?
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