RE: Frieden wider Willen
Etwas länger her...
Sandoval sah ihm hinterher und war wenig einverstanden, dass sein Ebenbild einfach so verschwunden war. In den wenigen Tagen die er hatte begreifen müssen, dass es wahrscheinlich keine Rückkehr für ihn gab, hatte er angefangen auf der Station zu arbeiten, oder zumindest mit zu helfen. Er hatte mit der den Implantaten typischen Schnelligkeit alles wichtige dieser Zeit und Welt gelernt und verinnerlicht und war mittlerweile trotz fehlenden Abschlusses eine gute Hilfe, nur keine allzu gern gesehene. Aber das war nicht sein Problem. Er konnte nichts dafür, dass all diese Menschen ohne CVI ihm unterlegen waren.
Wenn der reguläre Betrieb, Dank ihm, sehr schnell von der Hand ging, hatte Siobhan mehr Freizeit und konnte sich den Dimensionsproblem zuwenden. An eine Aufgabe war noch lange nicht zu denken gewesen. Nun tauchten zudem auch noch Da'an und Liam auf. Letzterer würde in seiner Eigenart als Möchtegernbeschützer eine einzige Last sein.
"Du bist... die ganze Zeit schon hier?" fragte Liam etwas verwirrt.
In diesen Moment machte sich das Fehlen eines Implantats bemerkbar, denn er schien Sandoval doch etwas schwer von Begriff zu sein.
"Ja!" meinte er so mit Nachdruck und führte die beiden zu seinem Quartier.
Liam sah sich aufmerksam in den nahezu leeren Raum um, Sandoval begann mit seinen Schilderungen was in der Zwischenzeit geschehen war und welche Verhältnisse herrschten, während Da'an sehr konzentriert zuhörte.
Ronald wusste wo er Siobhan finden könnte und traf sie auch wie erwartet in ihrem gemeinsamen Quartier an. Seine Souvenirs legte er achtlos bei Seite, während er auf seine Frau zuging, die stur aus dem Fenster starrte. Ohne ein Wort stellte er sich neben sie und schaute dabei nicht auf die Sterne wie sie, sondern beobachtete die Wand vor sich. Grau. Mindestens so dumpf musste sie sich die Zeit dort gefühlt haben als er fort war und keinen einzigen Moment an die gedacht hatte. Aber konnte man ihm das zum Vorwurf machen?
Er war ein Gefangener gewesen, der gefoltert wurde, nur damit man Antworten von ihm bekam, die er gar nicht hatte. Das konnte er ihr allerdings auch nicht übergangslos mitteilen.
"Ich wurde aufgehalten."
"Hast du an mich gedacht?" Sie schien unsicher, ob sie glauben sollte, dass er freiwillig länger dort geblieben war, oder nur gezwungenermaßen. Ronald wollte und konnte sie nicht anlügen und wich aus auf eine Antwort, die mehr zur Klärung der Situation beitragen würde.
"Sie hielten mich für Sandoval und nahmen mich mit."
"Er kann in seiner Zeit nicht so ohne Einfluss gewesen sin, dass du nicht hättest gehen können", er widerte sie stur und sah ihn immer noch nicht an.
"Zo'or ist nicht da, Siobhan. Verstehst du das? Da war ein Beschützer im Portal, ohne Implantat, ohne Skrill und ohne Taelon! Sein Körper ist bei ihnen auf dem Mutterschiff und natürlich wollten sie wissen wo der Rest von ihm ist." Ungewollt war seine Stimme gereizter geworden, sie musste es verstehen. Es war nicht sein Fehler gewesen, er war nicht auf Shoppingtour gewesen.
"Hör zu," meinte er und stellte sich vor ihr "Irgendwann haben sie mir geglaubt. Liam hat mir geholfen, Augur hat den Transporter repariert und mit Da'an kamen wir hierher. Er möchte sein Kind sehen und auch nur ihm und Liam verdanke ich es, dass ich nun..."
Er sprach nicht weiter als er das erste Mal nach unglaublich langer Zeit Tränen ihre Wange herunterlaufen sehen konnte. Wenn er es sich genau überlegte, dann hatte er sie bisher nur einmal weinen sehen, als sie ihr gemeinsames Kind verlor. Behutsam nahm er sie in seine Arme und drückte sie einfach nur an sich. Man würde auf sie warten müssen.
"Le contraire du suicide, précisément, c'est le condamné à mort."
Albert Camus
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