Und hier geht es jetzt weiter.
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Liam hatte sein Shuttle ein gutes Stück von der Höhle, in der sich Ma'els Schiff befand, abgestellt. Vorsichtig bahnte er sich einen Weg durch das Dickicht. Er war überzeugt, daß Doors, sollte er tatsächlich ein unberechtigtes Eindringen befürchten, entsprechende Vorkehrungen getroffen hatte. Er zog sein Global hervor und aktivierte ein entsprechendes Programm, das ihm beim Aufspüren von Bewegungsmeldern und ähnlichem helfen sollte. Dann schlich er weiter. Als er den Eingang der Höhle erreichte, hielt er sich zunächst im Gebüsch versteckt, um die Lage zu prüfen. Von einer Wache war weit und breit nichts zu sehen. Hatte man ihn vielleicht schon entdeckt und wollte ihn in Sicherheit wiegen? Oder befand sich der Posten innerhalb der Höhle? Möglicherweise gab es auch mehr als nur eine Wache. Renees Informationen waren kein Garant. Sie konnte von Doors absichtlich getäuscht worden sein, um ihn, Liam, in die Falle zu locken.
Nervös checkte er erneut sein Global und ließ dabei wertvolle Zeit unnütz verstreichen. Als ihm dies bewußt wurde, rieb er sich das Gesicht und atmete tief durch. Diese Art der Unschlüssigkeit war ihm fremd. Vielleicht eine Folge seiner Übermüdung und Erschöpfung. Entschlossen steckte er das Global weg und zog dafür seine Waffe hervor. Gerade als er sich näher an die Höhle heranschleichen wollte, trat aus dem dunklen Eingang eine Gestalt in den Sonnenschein. Der Mann trug die Kleidung der ortsansässigen Miliz. Für seine Umgebung hatte er nur einen flüchtigen Blick übrig. In aller Seelenruhe stellte er sein Gewehr ab und zündete sich eine Zigarette an. Dann streckte er sich ausgiebig, nahm seine Waffe wieder auf und hielt sie locker in den Armen, während er ein paar Schritte umherging. Liam grinste in sich hinein. Leichter konnte man es ihm wirklich nicht machen. Er hob seine Pistole und stellte den niedrigsten Energiepegel ein. Ein gezielter Schuß, und der Mann sackte lautlos in sich zusammen. Rasch eilte er zu ihm hinüber, packte ihn und zog ihn in die Höhle. Nachdem er ihn gefesselt und geknebelt hatte, folgte er dem unterirdischen Gang, der ihn zu Ma'els Schiff führte.
***
Jemen schreckte aus ihrem Schlaf hoch. Im ersten Augenblick wußte sie überhaupt nicht, wo sie sich befand. "Zo'or?" Sie sah sich auf dem kleinen Plateau suchend um. "Zo'or, wo sind Sie?" Furcht machte sich in ihr breit. Hatte er sie nun doch einfach im Stich gelassen?
"Miss Tyler!"
Seine Stimme klang dünn und weit entfernt. Jemen brauchte eine Weile, um die Richtung zu bestimmen. Dann kroch sie an den Rand des Plateaus und starrte in die Tiefe. "Zo'or? Sind Sie da unten?"
"Ja, ich bin hier. Ich glaube, ich habe einen geeigneten Weg gefunden. Sie sollten jetzt ebenfalls herunterkommen."
"Und wie?" Jemen konnte ihn noch immer nicht entdecken.
"Sie müssen springen."
"Sind Sie wahnsinnig geworden? Ich bin doch nicht lebensmüde."
"Es ist bei weitem nicht so schwierig, wie es vielleicht aussieht", versicherte er.
"Das mag für einen Taelon zutreffen, aber bestimmt nicht für einen Menschen. Ich werde mir alle Knochen brechen oder abstürzen."
Eine Weile blieb es still, dann meldete sich Zo'or erneut. "In diesem Fall trennen sich wohl unsere Wege."
"Was soll das bedeuten?" Jemen spähte beunruhigt in die Tiefe.
"Nun... Sie wollen nicht zu mir hinunter, aber ich kann auch nicht mehr zu Ihnen hinauf. Ich schlage vor, daß Sie dem Pfad weiter folgen. Wir treffen uns dann unten in der Schlucht."
Diesmal war es Jemen, die schwieg. Die veränderte Situation hatte sie völlig überrascht. Völlig ratlos setzte sie sich auf und sah sich um. Dann wandte sie sich wieder dem Abgrund zu. "Der Sims ist viel zu schmal, Zo'or. Das schaffe ich nicht."
"Selbstverständlich steht es Ihnen frei, umzukehren. Wenn Sie sich beeilen, erreichen Sie vielleicht das Plateau, bevor die Jaridian diesen Teil des Gebirges absuchen. Ich wünsche Ihnen viel Glück, Miss Tyler."
"Halt! Warten Sie, Zo'or!" Völlig entnervt fuhr sie sich durch das Haar. Sie wußte sehr wohl, was er bezweckte. Er benutzte ihre Angst, um sie dazu zu bewegen, ihm zu folgen.
"Sehr bedauerlich, daß Sie den umständlicheren Weg wählen", ließ sich der Taelon nach einer Weile vernehmen. "Nach meinen Berechnungen haben wir allenfalls einen Höhenunterschied von hundert Metern zu bewältigen. Leider kann ich jetzt nicht mehr länger warten."
Gehetzt blickte sie in die Richtung, aus der sie gekommen war. Selbst wenn es ihr gelang, das Plateau zu erreichen... wohin sollte sie sich wenden? Wie sollte sie ihn wiederfinden? Und ohne ihn konnte sie auch niemals die Kolonie erreichen. "Okay, ich tu es!" rief sie schließlich mit dem Mut des Verzweifelten. Sie hockte sich ganz nah an den Rand des sandigen Vorsprunges und starrte in die Tiefe. Dann sprang sie. Hart kam sie auf dem Kalksteinfelsen auf. Sie fühlte, wie die Wucht des Aufpralls ihre Knie stauchten. Dann fiel sie auch schon nach vorn. Instinktiv streckte sie die Arme aus. Ihre Hände suchten nach Halt, umklammerten krampfhaft die rauhen Kanten, während sie gleichzeitig den Rücken anspannte, um den Schwung abzubremsen. Das war knapp. Nach Luft schnappend und mit wild jagendem Herzen ließ sie sich auf den Felsen nieder.
"Miss Tyler?"
Jemen konnte nicht sofort antworten. Der Schrecken steckte ihr noch in allen Gliedern. Erst als sie sich ein wenig beruhigt hatte, sagte sie: "Ich bin hier." Vorsichtig richtete sie sich auf und blickte sich um. Das, was sie sah, nahm ein wenig von ihrer Anspannung. Sie befand sich unmittelbar von einer sandigen Aushöhlung, die genug Platz bot, um sich darin ausreichend zu bewegen oder sich auszuruhen. Sie wurde an der einen Seite durch eine Erdspalte begrenzt. Sowohl links als auch rechts entdeckte sie steinige Hänge, die zumindest den Anschein erweckten, daß sie zu bewältigen waren. Von Zo'or gab es jedoch keinerlei Spur. "Wo sind Sie?" rief sie. "Zo'or!"
"Ich bin hier."
Sie folgte seiner Stimme und entdeckte ihn schließlich in der Erdspalte. Er steckte in einer Verengung fest. Doch es war ihr ein Rätsel, wie er dorthin gekommen war. "Was machen Sie denn da?" fragte sie verblüfft.
"Sie erwarten doch wohl hoffentlich keine Antwort auf eine derart überflüssige Frage", sagte er gereizt. "Helfen Sie mir hier lieber heraus."
Jemen kniete sich hin und beugte sich dann zu ihm hinunter. "Und wie ist das passiert?" fragte sie weiter, während sie seine Hand packte, um ihn hochzuziehen.
"Ein Mißgeschick", entgegnete er ausweichend. Es war für ihn schon entwürdigend genug, daß er sich in diese Lage gebracht hatte und nun auf ihre Hilfe angewiesen war. Aber niemand konnte von ihm verlangen, daß er dieses Mißgeschick in alle Einzelheiten darlegte. "Strengen Sie sich gefälligst etwas an", fuhr er sie grob an, als sie vergeblich an ihm zog.
"Sie haben gut reden", preßte sie angestrengt hervor. "Wenn ich mich... wenigstens gegen etwas... stemmen könnte..." Ihre freie Hand tastete über den felsigen Rand, suchte nach Löchern oder Ausbuchtungen, um einen besseren Halt zu bekommen.
"So geht das nicht." Der Taelon schüttelte unwillig ihre Hand ab. "Sie stellen sich viel zu ungeschickt an. Sie müssen zu mir herunterkommen."
"Warum haben Sie eigentlich nicht sofort gesagt, daß Sie feststecken?" fragte sie ihn, als sie sich langsam über den glatten Stein in die Tiefe rutschen ließ. Der sandige Boden dämpfte ihren Sprung ein wenig, dennoch fühlte sie einen heißen Schmerz in ihren Knien.
"Wären Sie dann ebenfalls gesprungen?"
Darauf wußte sie nichts zu antworten. Die Angst hatte sie bewogen, ihm zu folgen, weil sie sich davor fürchtete, daß er sie allein zurückließ. Nur deshalb hatte sie den riskanten Sprung gewagt. Sie ergriff seinen Arm und vermied es dabei, ihn anzusehen. Da sie ihn diesmal seitlich zog, hatte sie weit weniger Schwierigkeiten. Sie bohrte ihre Absätze in den sandigen Untergrund und zerrte mit ruckartigen Bewegungen an ihm. Schließlich kam er frei und fiel ihr entgegen. Durch die Wucht des Aufpralls verlor Jemen das Gleichgewicht und stürzte zu Boden, ihn mitziehend. Für einen Augenblick schwanden ihr die Sinne. Als sie wieder klar sehen konnte, starrte sie genau in seine blauen Augen. Und sie entdeckte dort den gleichen Widerwillen, den sie auch empfand. Ihre Hände stießen nach seinen Schultern, um ihn wegzudrängen, doch Zo'or hatte es ebenso eilig, von ihr abzurücken und eine gewisse Distanz zu schaffen.
Mühsam erhob sich Jemen und sah sich um. Die Felsspalte war langgezogen und schmal, bot aber genügend Platz, um sich darin zu bewegen. Unwillkürlich drängte sie ihr der Eindruck auf, daß es sich um einen Pfad handelte, und das erweckte ihre Neugierde. Zudem gab es etwas, das sie wirklich beunruhigte. Die Felsspalte war tief, zu tief. Selbst wenn es Zo'or gelang, hochzuklettern... wie sollte er sie hochziehen? Doch sie hütete sich davor, ihren Gedanken laut auszusprechen. Er hatte sie absichtlich getäuscht, damit sie ihm folgte, und er hatte ebenso rücksichtslos ihre Hilfsbereitschaft ausgenutzt, damit sie ihn aus seiner Falle befreite. Warum sollte er ausgerechnet jetzt Skrupel empfinden und sie nicht einfach zurücklassen? Er war ein Taelon, ein Wesen, das sie viel zu wenig kannte, um irgend etwas vorauszusetzen oder gar ihm zu vertrauen.
"Was tun Sie da?" rief ihr Zo'or überrascht hinterher. "Dafür haben wir nun wirklich keine Zeit."
"Ich will mich nur ein wenig umsehen." Sie folgte dem Lauf der Spalte, die plötzlich rechts abknickte und sich dann verzweigte. Und dann entdeckte sie etwas. "Zo'or!" rief sie aufgeregt. "Das müssen Sie sich ansehen."
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