Vielen Dank für euer Feedback und für eure Geduld.

Jetzt hat es doch wieder länger gedauert als ursprünglich geplant, aber ich war mit dem Stück nicht zufrieden und habe das jetzt am Wochenende komplett umgeschrieben. Und jetzt bin ich zufrieden.
Einerseits ist es tatsächlich befriedigend mitzuerleben, dass Jemen ihre Wut loswerden kann. Andererseits möchte ich wirklich nicht mit ihr tauschen. Immerhin hat sich gerade wieder einmal die Situation für sie verschlechtert.
Zo'or empfinde ich mittlerweile auch als naiv, was sein Verhalten Jemen gegenüber angeht. Und ich denke, es liegt tatsächlich daran, dass ihm bestimmte Denk- und Verhaltensstrukturen nicht beigebracht wurden. Er ist arrogant und anmaßend und von sich selbst überzeugt, weil er seine Spezies für überlegen hält. Andere Wesen für sich bzw. für die Ziele des Gemeinwesen auszunutzen, dürfte eine Eigenart sein, die die Taelons sehr früh beigebracht wird. Zumindest wachsen sie damit auf, es als etwas Natürliches zu betrachten. Und deshalb gibt es auch keinen Grund für Zo'or, dieses in Frage zu stellen. Er gerät immer dann aus dem Gleichgewicht, wenn er feststellt, dass sich Jemen nicht wie erwartet verhält, denn damit kann er nicht umgehen. Aber ich denke, dass er lernfähig ist.
So, und jetzt geht es endlich weiter.
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Sie suchte ein Versteck, irgendeinen Platz, an dem sie sich zurückziehen und in Ruhe über alles nachdenken konnte. Jetzt war sie viel zu aufgebracht und zu durcheinander, um einen klaren Gedanken zu fassen. Jemen lief über das Plateau, bis sie auf eine der Spalten stieß, die das ebenmäßige Gelände durchzogen. Bald fand sie eine Stelle, die ihr geeignet schien. Der Graben war nicht zu tief, und er besaß kleine sandige Ausbuchtungen. Sie wählte eine Stelle, die durch einen Vorsprung geschützt war. Dort würde sie Zo'or hoffentlich nicht finden, sollte er es tatsächlich wagen, ihr zu folgen. Erschöpft ließ sie sich nieder und umschlang ihre Knie. In den vergangenen Tagen hatte sie mehr als einmal mit dem Leben abgeschlossen, doch immer hatte sich das Blatt in letzter Sekunde gewendet, so als sei ihr ein anderes Schicksal zugedacht. Um letztendlich auf diesem Planeten zu sterben? Ständig schwankte sie zwischen Zuversicht und Entmutigung. Es gab nichts, an das sie sich halten konnte, kein Hoffnungsschimmer, an dem nicht auch der Schatten der Verzweifelung klebte. Was nur hatte sie getan, dass sie derart bestraft wurde! Trübsinnig starrte sie auf den fast dunkelroten Sand zu ihren Füssen. Und wenn sie nun doch den Rückweg versuchte? Mehr als scheitern konnte sie nicht. Vielleicht war ihre Misere entstanden, gerade weil sie das Portal verlassen hatten. Vielleicht war Hilfe längst unterwegs. Die Taelons würden wohl kaum jemanden ihrer Art so einfach im Stich lassen – noch dazu, wenn es sich um ihren Anführer handelte. Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass Zo'or diese Möglichkeit überhaupt nicht in Betracht gezogen hatte. Weil von vornherein feststand, dass ihm seine Artgenossen nicht helfen konnten ... oder wollten? Jemen hatte keine Ahnung, wie das Gemeinwesen funktionierte und wie hoch der Stellenwert eines Einzelnen innerhalb dieser Gemeinschaft war. Aber die Vorstellung, das Zo'or kaltblütig seinem Schicksal überlassen wurde, ließ sie erschaudern, und sie war froh, dass sich in dieser Hinsicht die Menschheit doch ein wenig von den Taelons unterschieden. Müde ließ sie sich gegen den Felsen sinken und schloss die Augen. Ein Geräusch ließ sie jedoch bald wieder hochschrecken.
"Miss Tyler?" Zo'or war nicht zu sehen, aber seine Stimme war unverkennbar. "Warum verstecken Sie sich vor mir?"
Jemen fuhr wie von einer Tarantel gestochen hoch und sah sich um. Der Taelon stand oberhalb des Felsens und starrte in beispielloser Verwunderung auf sie hinab. "Das kann doch wohl nicht wahr sein!" stieß sie fassungslos hervor. "Nach allem, was vorgefallen ist, wagen Sie es tatsächlich, hier aufzutauchen?"
Er gab keine Antwort, aber seine Verwunderung wich einer gewissen Verwirrung.
"Können Sie mich nicht einfach in Ruhe lassen?" schrie sie ihn an. "Was wollen Sie noch von mir? Mir vielleicht beim Sterben zusehen?" Es klang ein wenig dramatisch, aber das war ihr nur recht so. Er sollte sehen, dass sie litt und mit ihren Kräften am Ende war. "Wenn Sie der Meinung sind, die Kolonie finden zu können ... bitte schön! Was hält Sie zurück? – Oder wollen Sie mir etwa weismachen, dass Sie es ohne meine Hilfe nicht schaffen? Sie sind doch die Intelligenzbestie, die auf uns primitive Menschen so verächtlich herabsieht. Kann es sein, dass Ihr überragender Intellekt doch nicht so toll ist?"
Zo'or wusste nicht, was ihn mehr aufbrachte – ihre unverschämten Anschuldigungen oder die Art, wie sie ihn anschrie. "Glauben Sie nur ja nicht, dass ich vergesse habe, wem ich meinen Aufenthalt auf diesem Planeten zu verdanken habe!" sagte er scharf.
"Wollen Sie das jetzt etwa mir in die Schuhe schieben?" rief sie verblüfft.
"Es ist eine Tatsache ..."
"Ich glaube es nicht!" Jemens entgeisterter Blick folgte ihm, als er zu ihr in die Spalte hinabstieg. "Wer hat denn hier sein Leben riskiert und Kincaid und seine Leute zum Versteck der Dark Blue geführt?"
Zo'or blieb in einem gebührender Abstand vor ihr stehen. "Halten Sie mich für so dumm, dass ich Ihr falsches Spiel nicht durchschaue? Es war sehr clever von Ihrer Widerstandsgruppe, Sie als Köder zu benutzen. Ihretwegen ließ ich mich dazu überreden, das Mutterschiff zu verlassen, obwohl ich dort vermutlich am sichersten gewesen wäre. Aber Ihr Plan, Miss Tyler, der geht leider nicht auf, denn jetzt sind Sie ebenfalls ein Opfer des Widerstandes geworden."
"Ich habe mit den Dark Blue nichts zutun. Ich wusste weder von dem Portal noch dass man beabsichtigte, Sie nach Jaridia zu schicken ..."
"Das nehme ich Ihnen sogar ab", erwiderte Zo'or mit einem wissenden Lächeln, das von einer Sekunde zu anderen einem finsteren Ausdruck wich. "Denn Sie beabsichtigten etwas ganz anders. Sie wollten mich töten!"
Jemen erbleichte, und einen Augenblick lang rang sie vergeblich nach den richtigen Worten, die unerhörte Anschuldigung von sich zu weisen, bis ihr bewusst wurde, dass es die Wahrheit war ... so wie er sie kannte. "Das war nicht ich", verteidigte sie sich mit wachsender Verzweifelung. "Eine fremde Macht beherrschte meinen Geist und zwang mich dazu, Dinge zutun, die mir zutiefst zuwider waren ..." Vergeblich suchte sie in seinem Gesicht nach etwas wie Verständnis, fand dort nur Ablehnung und Kälte. "Ma'els Botschaft ... sie war zu einem monströsem Ungeheuer verfremdet ... ich wusste nichts davon ... ich wusste nicht, dass sie in meinem Kopf war", fuhr sie zusammenhanglos fort. "Als ich auf dem Mutterschiff war, haben Sie diese fremde Macht gespürt. Aber davon ist jetzt nichts mehr übrig. Da'an und Kincaid konnten sie unschädlich machen. Überzeugen Sie sich!" Sie streckte ihm beide Hände entgegen.
Zo'ors Augen weiteten sich vor Überraschung, und er fuhr jäh zurück. Nur allzu deutlich hatte er die Gewalttätigkeit jener Entität in Erinnerung. Auf eine Wiederholung dieser Erfahrung legte er keinen Wert. "Kommen Sie mir nicht zunahe!" sagte er heftig, aber es klang eher furchtsam als drohend.
"Ich bin jetzt keine Gefahr mehr für Sie", versicherte sie ihm.
Der Taelon beäugte sie gleichsam wachsam wie misstrauisch, während er vor ihr auf und abging. "Die Botschaft von der Sie gerade sprachen", sagte er dann, und Neugierde zeigte sich jetzt ganz offen in seinem Antlitz, "Ma'els Botschaft – wie lautet sie?"
"Sie war an die Menschen gerichtet. Sie sollte uns auf Ihre Ankunft vorbereiten ..."
"Sha'bra", unterbrach er sie mit einer unwilligen Geste. Auch ohne dass er sich erklärte, vermochte Jemen seine Gedanken zu erahnen. In seinen Augen konnte Ma'els Vorhaben nur scheitern, da er sich mit den primitiven Menschen eingelassen hatte. Sie sah aber auch seine Enttäuschung und fragte sich, welche Art Botschaft er sich erhofft hatte. Es musste etwas Wichtiges sein, etwas, dass die Taelons unbedingt brauchten. Jemen erinnerte sich nur ungern an den Zwischenfall in der Botschaft, als Da'an gegen ihren Willen einen mentalen Kontakt herbeizwang. Auch wenn es letztendlich eine schicksalhafte Fügung war ... seine Unerbittlichkeit hatte sie erschreckt. Als hätte sich ihr ein völlig anderer Taelon offenbart, der nichts mit der Freundlichkeit Da'ans gemeinsam hatte.
Zo'or riss sie aus ihrer Nachdenklichkeit, als er sagte: "Wie konnten Sie von dieser gewalttätigen Macht infiziert werden?" Es war nicht erkennbar, ob er aus Neugierde fragte oder ihre Geschichte insgeheim anzweifelte. Sein Gesichtsausdruck war neutral und bot keinerlei Hinweis auf seine Gedanken.
"Ma'el hat seine Botschaft seinerzeit an eine Gruppe von Menschen weitergegeben, und dazu gehören offensichtlich meine Vorfahren."
"Demnach gibt es also noch weitere ..." Zo'or unterbrach sich und in seiner Miene zeigte sich plötzliche Beunruhigung.
"Es muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass all die Menschen, die Ma'els Botschaft in sich tragen, zu einer potentiellen Gefahr werden", erwiderte Jemen. "Wichtig ist wohl die innere Stabilität und ... das man jemanden hat, der einem zur Seite steht." Ihr Blick kehrte sich nach innen, und ein trauriges Lächeln zeigte sich auf ihrem Gesicht. "Ohne Di'mags Hilfe ..."
"Di'mag", schnaubte Zo'or verächtlich.
Jemen sah ihn jetzt wieder an, und ihre Augen verengten sich. "Di'mag hat mehr für mich getan als Sie sich vorstellen können", sagte sie zornig. "Er half mir, das fremde Bewusstsein in mir zu kontrollieren. Als er starb, war ich ohne jeden Halt und richtete meinen Zorn gegen denjenigen, der seinen Tod zu verantworten hatte – gegen Sie!"
Einige Sekunden
lang starrte der Taelon sie groß an. Dann schien er zu begreifen. "Ich bin nicht für seinen Tod verantwortlich", sagte er sehr bestimmt.
"Sie haben ihn getötet", klagte sie ihn an. "Sie konnten es nicht ertragen, dass er sich mit einem Menschen einließ, und deshalb musste er sterben."
"Was Sie da reden, ist völliger Unsinn. Ich habe ihn nicht getötet." Zo'or starrte sie an, als müsste er ernsthaft an ihrem Geisteszustand zweifeln.
"Oh ja, ich vergaß", höhnte sie. "Ein Taelon würde niemals die Hand erheben gegen einen seiner Art. Das überlassen Sie lieber ihren treuergebenen Vasallen."
"Ich weiß nicht, wie Sie auf diese absurde Idee gekommen sind", sagte er barsch, "und unter anderen Umständen würde ich es nicht einmal für notwendig erachten, mich Ihnen gegenüber zu rechtfertigen. Aber wenn dies nun der Augenblick ist, gewisse Dinge richtig zu stellen, dann werde ich diese Gelegenheit nutzen. Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Ich habe nichts mit Di'mags Tod zutun!"
Jemens Gesicht verzerrte sich vor Zorn. Seine Unverfrorenheit, auch weiterhin den Mord an Di'mag zu leugnen, ließ sie jede Beherrschung verlieren. "Sie wollen die Dinge richtig stellen?" schrie sie ihn an. "Und haben nicht einmal den Mut, zu Ihren Taten zu stehen?"
"Wie kann ich etwas eingestehen, was ich nicht getan habe?"
"Di'mag war Ihnen ein Dorn im Auge, weil er sich nicht so einfach von Ihnen beherrschen ließ wie viele andere. Für ihn zählte nur seine Forschungsarbeit. Er hat es mir gegenüber nie eingestanden, aber ich spürte, dass Sie Druck auf ihn ausübten. Die Versuche mit den Implantaten – das war Ihre Anordnung. Und er konnte sich nicht weigern, weil sie ihm ansonsten mit der Versetzung drohten. Als sie jedoch erfuhren, dass er es gewagt hatte, mich zu seinem La'ha'shii zu machen, etwas, dass Sie als einen persönlichen Affront betrachteten, beschlossen Sie seinen Tod. Es war ein kaltblütiger, verabscheuungswürdiger Mord, Zo'or. Und dafür werden Sie eines Tages die Verantwortung übernehmen!"
"Ich muss mir Ihre Unverschämtheiten nicht länger gefallen lassen", zischte Zo'or. Einmal mehr bedauerte er es, sich überhaupt auf diese Auseinandersetzung eingelassen zu haben. Er hatte sich schon halb zum Drehen gewandt, doch dann zögerte er. Tief in sich verspürte er den Drang, diesem primitiven Geschöpft die wahre Bedeutung des La'ha'shii zu erklären, damit ihr endlich bewusst wurde, welchem Irrtum sie verfangen war. "Di'mag konnte niemals eine derartige Verbindung eingehen, weil ..." Er unterbrach sich jäh, entsetzt darüber, dass er sich hatte so hinreißen lassen.
"Weil er es Ihnen versprochen hatte?" Jemen hatte ganz intuitiv ihre Frage formuliert. Aber an seiner Reaktion erkannte sie, dass sie entweder ins Schwarze getroffen hatte oder zumindest der Wahrheit sehr nahe gekommen war.
"Was hat Ihnen Di'mag erzählt?" fragte er fassungslos.
Die Versuchung, ihm etwas vorzulügen, war sehr groß. Aber in dem Augenblick, da ihr bewusst wurde, dass es in ihrer Macht lag, ihn zu demütigen und dass dieses Gefühl nur dem Wunsch nach Rache entsprang, empfand sie plötzlich Abscheu sich selbst gegenüber. "Gar nichts hat er mir erzählt", sagte sie, und eine gewisse Verbitterung und Enttäuschung schwang in ihrer Stimme mit. Sie hatte sich von ihm abgewandt und starrte stumm auf den Felsen. "Ich weiß nicht einmal, was es wirklich bedeutet, ein La'ha'shii zu sein." Sie drehte sich unvermittelt um und bekam gerade noch seine Erleichterung mit, bevor seine Miene ausdruckslos und starr wurde. "Und ich schätze, Sie werden es mir auch nicht erklären."