Danke fürs Feedback.

Im Urlaub hatte ich zwar nicht soviel Gelegenheit zum Schreiben (habe tagsüber so doll im Meer herumgetobt, daß ich abends zu müde war), aber die Ruhe hat mir auf jeden Fall gutgetan.
Und nun gehts weiter.
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"Irgend etwas zu entdecken?" Sandovals Stimme klang unwillig. Er rutschte unruhig in seinem Sitz hin und her, um eine bessere Position zu finden und um seinen Arm abzustützen. Sie flogen jetzt schon eine ganze Weile, und er fühlte, wie die Kraft in seiner Hand langsam erlahmte.
Go'rik warf ihm einen undefinierbaren Blick zu, gab aber keine Antwort.
"Drosseln Sie die Geschwindigkeit", bestimmte der FBI-Agent.
Diesmal sah ihn der Jaridian überrascht an. "Ihr Menschen müßt über ein außergewöhnliches Sehvermögen verfügen, wenn Sie aus dieser Höhe etwas erkennen können", sagte er, während er die Geschwindigkeit zurücknahm. Er verließ sich allein auf seine Sensoren und orientierte sich anhand einer topographischen Karte, die auf einem Monitor wiedergegeben wurde. Sandoval hatte ihn ebenfalls im Blickfeld, aber während ihres relativ schnellen Fluges hatte sich die Darstellung ständig verändert, so daß es ihm nicht möglich war, ihr zu folgen. Sollte Go'rik ruhig annehmen, daß er über besondere Fähigkeiten verfügte. Das würde ihn wohl hoffentlich davon abhalten, irgendwelche Tricks anzuwenden. Sandoval befand sich durch die Waffe zwar im Vorteil, aber er war deshalb nicht weniger vorsichtig. Angestrengt starrte er auf den Monitor. Wo mochten sich Zo'or und Tyler versteckt halten? Wieweit konnten sie gekommen sein?
"Nichts. Nicht die geringste Spur", bemerkte der Jaridian nach einer Weile und kontrollierte erneut seine Instrumente. "Wo sollen wir jetzt suchen? Oder haben sich Ihre Pläne mittlerweile geändert?"
Sandoval starrte ihn finster an. Er spürte die Genugtuung des Kriegers, weil er ebenso erfolglos war wie sie. Nachdenklich rieb er sich die Nase. Als ihm seine Nachlässigkeit bewußt wurde, nahm er rasch die Hand herunter und richtete die Waffe wieder auf Go'rik. Ihre Blicke trafen sich, und er bemerkte das Funkeln in den Augen seines Gegenübers. Der Jaridian hätte die Situation für sich nutzen können, doch Sandoval sah darin nur den Beweis, daß ihn Go'rik für zu gefährlich hielt und kein Risiko eingehen wollte. "Wir werden die gleiche Strecke noch einmal abfliegen", erklärte er. "Diesmal dicht über den Boden und mit sehr geringer Geschwindigkeit."
Der Jaridian gehorchte widerspruchslos, obwohl seiner Haltung zu entnehmen war, daß er dies für reine Zeitverschwendung hielt. Aber Sandoval wußte selbst, daß diese Vorgehensweise alles andere als effektiv war. Er befand sich in einer ungünstigen Lage. Zu einem kannte er das Terrain nicht, und zum anderen saß er zu weit vom Monitor weg, um wirklich alle Einzelheiten erkennen zu können. Seine Chancen stünden beträchtlich besser, könnte er mit dem Jaridian zusammenarbeiten und auf dessen Kenntnisse zurückgreifen. Doch diese Möglichkeit hatte er sich verbaut.
Go'rik hegte ähnliche Gedanken. Im Augenblick profitierte einzig und allein der Taelon. Er konnte sich in aller Ruhe ein sicheres Versteck suchen, um dann einfach abzuwarten. Ra'nun hatte ihm zwar versichert, daß die Synode kein Wagnis eingehen würde, ein Rettungsteam in die neutrale Zone zu schicken, aber er konnte sich dieser Meinung nicht anschließen. Die Taelons waren dafür bekannt, daß sie das eigene Risiko dadurch verringerten, indem sie einfach eine ihrer Söldnertruppen losschickten.
Erneut warf er Sandoval einen Blick zu. Alles in ihm drängte danach, den Menschen an seiner Seite einfach niederzustrecken, um die Suche dann wieder selbst aufzunehmen. Dennoch unterdrückte er dieses Begehren. Den Fremden zu töten, bedeutete letztendlich nichts anderes, als die eigene Unfähigkeit vertuschen zu wollen. Immerhin war es diesem Mann gelungen, ihm trotz seiner körperlichen Unterlegenheit die Waffe abzujagen. Ein Gefühl der Verbitterung regte sich in ihm. Das Leben auf diesem Planeten hatte sie verändert. Wo war der stolze, ruhmreiche Krieger, der er einst gewesen war? Nur die feigen und schwachen Soldaten erlaubten sich den Gedanken einer billigen Rache.
"Ich vermute, daß es dem Taelon und seiner Begleiterin gelungen ist, die Schluchten zu erreichen, denn dort können sie von unseren Sensoren nicht erfaßt werden", sagte er nach einer Weile. Als er sich der Aufmerksamkeit Sandovals sicher war, deutete er auf den Monitor. Dort gab es einen Bereich, der eine weiße Fläche aufwies.
Sandoval sah durch die Frontscheibe des Shuttles, um diesen Punkt zu bestimmen. "Das ist ein weiter und beschwerlicher Weg. Ich glaube kaum, daß wir sie dort finden können."
"Das werden wir auch nicht", entgegnete der Jaridian und reagierte mit einem Kopfschütteln auf das verblüffte Gesicht an seiner Seite. "Ich sagte doch: dieses Gebiet kann von den Sensoren nicht erfaßt werden. Es gibt zu viele Störungen."
"Woher sollte Zo'or wissen, daß er ausgerechnet dort sicher ist?"
"Er ist ein Taelon", sagte Go'rik, als müßte dies alles erklären.
Erneut versuchte Sandoval die Entfernung zu bestimmen. "Zo'or könnte es vielleicht schaffen, aber nicht Tyler. Es ist zu heiß. Sie braucht Wasser."
"Es gibt unterirdische Quellen. Außerdem wächst hier eine Pflanze, die in ihrer Frucht Wasser speichern kann. – Ich schlage vor, daß wir dieses Plateau ansteuern. Es ist die einzige Möglichkeit, von dieser Seite aus die Schluchten zu erreichen."
Sandoval suchte nach der Falle hinter seinen Worten, aber letztendlich blieb ihm nichts anderes übrig, als auf den Vorschlag des Jaridian einzugehen. Sie hatten bereits zuviel Zeit verloren. "Einverstanden", sagte er. "Fliegen Sie uns dorthin."
***
Jemen stand vor einer Felswand, auf der anscheinend wahllos einige Schriftzeichen gemalt worden waren. "Was halten Sie davon?" fragte sie Zo'or, als er neben sie trat. Er hatte nur einen kurzen Blick dafür übrig und wandte sich sofort wieder ab. "Es ist bedeutungslos."
"Bedeutungslos?" wiederholte sie überrascht. "Das sind Taelon-Schriftzeichen."
Doch Zo'or war schon weitergegangen. "Ihre Neugierde ist manchmal unerträglich, aber diesmal war sie ausnahmsweise einmal nützlich", verkündete er nach einer Weile. "Hier ist eine ganz passable Stelle, die wir für unseren Abstieg nutzen können"
Jemen blieb weiterhin vor der Wand stehen und berührte mit ihren Fingern vorsichtig die Zeichen. "Stammt das von den Taelons, die früher diesen Planeten bewohnt haben?"
Zo'or wollte erst abweisend antworten, doch dann sagte er: "Das ist richtig. Es sind sehr alte Zeichen. Sie werden davon noch mehr entdecken, weil wir uns langsam der Kolonie nähern." Doch Jemen wurde irgendwie das Gefühl nicht los, daß er dies nur sagte, um sie von weiteren Fragen abzuhalten. So als sei ihm das, was er gelesen hatte, unangenehm... Erneut strich sie über die Symbole. Di'mag hatte ihr mal ein paar Schriftzeichen erklärt und versucht, ihr die besondere Art des Lesens beizubringen, das Fühlen der Worte. Aber sie hatte sich dabei nicht besonders geschickt angestellt. Vielleicht, weil es eine besondere Art der Konzentration verlangte, die zu diesem Zeitpunkt nicht aufbringen konnte, und weil sie sich zu schnell von anderen Dingen ablenken ließ. Es war viel interessanter, ihn dabei zu beobachten, wie er die Worte aussprach, weil er dabei besonders vergnügt wirkte. So war es nur bei einem Versuch geblieben, den sie niemals wiederholt hatten. Jetzt bedauerte sie es, daß sie so wenig Interesse gezeigt hatte. Nicht nur, weil ihr jetzt verwehrt blieb, die geheimnisvoll anmutende Botschaft zu lesen. Sie hatte sich auch selbst die Möglichkeit genommen, mehr über ihn zu erfahren. Seufzend wandte sie sich ab.
Der Abstieg war – gemessen an dem, was sie bereits bewältigt hatte – ein Kinderspiel. Dennoch war Jemen völlig erschöpft, als sie die Talsohle erreichte. Sie suchte sich einen schattigen Platz und ließ sich dort nieder. "Wie weit ist es noch bis zur Kolonie?" fragte sie müde.
"Wir haben es bald geschafft", erwiderte Zo'or, der in einigem Abstand von ihr stehengeblieben war.
"Wie schön...", murmelte sie und schloß die Augen.
Der Taelon musterte sie kurz und wandte sich dann wieder ab.
"Zo'or?" Jemen hatte sich noch einmal aufgerappelt, um ihre Jacke als Unterlage zu benutzen. "Sie sagten anfangs, daß dieser Planet einer der ersten Kolonien war, die von den Jaridian angegriffen wurde. Ich habe zwar keine Ahnung, wie lange Ihr Krieg schon dauert... aber müssten die Überlebende, wenn es denn welche gab, nicht schon längst tot sein?"
"Sha'bra", fuhr er sie an. "Ich kenne keinen Menschen, der derart viele Fragen stellt. Nutzen Sie die Zeit, um sich auszuruhen. Andernfalls sehe ich mich gezwungen, Ihre Pausen zu verkürzen."
Jemen sah ihn überrascht an. Er war sicher nicht der Umgänglichste seiner Art, aber derartig heftig zu reagieren, war nicht nur unangemessen, es wirkte auch im höchsten Maße beunruhigend. Als befände er sich im Streß, überlegte sie. Ob es etwas mit den Schriftzeichen zutun hatte und über die er so leichtfertig hinweggegangen war? Offenbarten sie vielleicht eine Wahrheit, die ihm unangenehm war? – Spekulationen... Sie nützten ihr wenig, und eine weitere Frage an ihn zu richten, wagte sie nun doch nicht mehr. Stirnrunzelnd rollte sie sich auf ihrer Jacke zusammen, während sie ihm einen letzten Blick zuwarf. Er wirkte orientierungslos. Wie konnte er orientierungslos sein, wenn er den Weg kannte? Noch während sie diesem letzten Gedanken nachhing, schlief sie ein.