Ich wünsche allen glückliche Tannenbäume und grüne Gesichter ... oder besser umgekehrt.

Und entschuldigt, dass ich das Türchen erst so spät aufmache.
Der Kimera landete sein Shuttle in der Garage der Bellamy Hall, löste den Verschluss seines Sitzes und sprang hinaus. "Ich schlage vor, Sie bleiben hier", sagte er.
"Keine Einwände, besonders, da ich befürchte, dass Doors da ist", stimmte Sandoval zu.
"Dann bis nachher." Liam sprintete zum Lift und schlüpfte durch die per DNA-Scanner gesicherte Türe. Dann fuhr er zwei Stockwerke hoch und konnte Hailey, Schützenkönig Tony Ferrara, Doors, Renee und Rose begrüssen, die gebannt auf einen Bildschirm starrten.
"Zo'or ist dort", sagte Hailey, "Woher wussten Sie das?"
"Dank Augurs Hilfe habe ich Zo'ors Synodenlogin", sagte Liam, "Wo haben Sie das Artefakt abgestellt?"
"Ist im Alpha hinten", wies Hailey mit dem Daumen über ihre Schulter.
"Danke", murmelte der Kimera und machte sich auf den Weg, doch Doors hielt ihn an der Schulter fest. "Was gibt es?"
"Wo waren Sie?", knurrte der Multimilliardär, "Warum wurde der Angriff auf Madjira abgeblasen?"
"Weil Zo'or davon Wind bekommen hat", erklärte Liam, "Ich kann doch nicht mein Team in eine Falle rennen lassen. Madjira wird von innen erledigt."
"Ach ..."
"Ja. Den Plan habe ich heute gemacht. Entschuldigen Sie mich bitte, Mr. Doors." Er entwand sich dem Griff und trat durch die Türe mit dem entsprechenden griechischen Buchstaben auf dem Türschild.
Unzählige Stapel Papier, einige Notizblöcke, ein Laptop, eine blaue Halbkugel und das Portal selbst. Liam schloss die Türe hinter sich, liess die blaue Halbkugel beiseite und legte seine rechte Hand in die kleine Einbuchtung des Portals. Er war Kimera, das Portal verstand ihn, es wusste, was er wollte, es zeigte ihm die Liste der Anweisungen.
Eine Schleife war aktiv, sie galt für die Benutzer eins und drei, für Liam und seinen Vater.
~Beenden!~, befahl der Kimera und die Anweisung verschwand, die Liste war leer. Was noch? Er ergänzte: ~Keine Reaktion auf durch Taelonenergie signierte Befehle!~ Die Anweisung erschien sogleich in der Liste und Benutzer zwei wurde automatisch gesperrt. Sehr gut.
"Und?", fragte Sandoval.
"Keine Schleife mehr, Zo'or ist auch für das Zeitportal nicht mehr berechtigt."
"Sind Sie also so etwas wie der Administrator für dieses Ding?", schmunzelte der Agent.
Liam klappte den Verschluss um seinen Sitz zu und startete das Shuttle. "Es gehorcht primär Kimera, also ja, im Prinzip bin ich Zeitportal-Administrator." Er hob ab und sprang in die Interdimension. "Was werden Sie tun?"
"Eventuell nehme ich einen Zweitjob an. Brauchen Sie mein Grundschulzeugnis für die Widerstandsbewerbung auch?"
Liam musste lachen. "Nein. Aber eine Referenzarbeit wäre nicht schlecht - Madjira würde sich anbieten."
"Sehen Sie Madjira als gesprengt an, Major."
"Die Bezahlung ist allerdings mies."
"Das macht nichts, wir gewinnen heute ja im Lotto."
Der Kimera wandte sich halb um und hob eine Braue. "Wir?" Sandoval schmunzelte nur und lehnte sich zurück. "Sie haben tatsächlich auf die Schnelle eine Tippgemeinschaft gegründet?", fragte Liam, der Agent nickte. "Oh, hmm, okay ... wieviel gewinnen wir?"
"Hundertzwanzig Millionen."
"Oh ... wow ... Wann ist die Ziehung?"
"Die war um halb drei. Warten Sie kurz, ich überprüfe die Zahlen und die Summe." Er zückte sein Global und vertiefte sich einige Momente lang darin. "Ja, wir haben gewonnen, hundertzwanzig Millionen."
"Puh ... da wäre für Niki eine goldene Sandschaufel schon drin ..." Liam blickte wieder nach vorne in den blauen Interdimensionswirbel und prüfte die Position, dann korrigierte er den Kurs geringfügig und sprang zurück in den Normalraum, in der Garage unter der Kirche. "Tja, eigentlich habe ich Augur ja versprochen, im allerletzten Durchgang keinen Implantanten mitzubringen - andererseits wissen Sie ja gar nicht, wo wir eigentlich sind. Das passt also schon. Kommen Sie."
Ronald folgte ihm aus dem Shuttle und in den Lift, und als sie diesen wieder verliessen, sahen sie sich einem äusserst ärgerlichen Hacker gegenüber.
"Was soll der hier?", rief Augur.
"Beitrittsformular ausfüllen, er will zum Widerstand."
"Um alle den Taelons auszuliefern, klar", rollte er mit den Augen, "Liam! Wie kommst du nur auf so eine Schnapsidee?" Der Kimera grinste und zeigte das Glühen in seinen Händen. "Oh Mann! Das hast du ihm auch noch gezeigt, deinetwegen gehen wir noch alle drauf." Der Hacker rang die Hände und zog eine schlimme Grimasse.
"Zeitschleife?", grinste Liam.
"Oh, okay", nickte Augur, "Dann erinnert der sich nachher eh nicht."
"Es wird keinen weiteren Durchgang geben", korrigierte der Kimera, "und er erinnert sich seit einigen Durchgängen ebenfalls."
"Verdammt ..."
"Vertrau mir."
Augur sah ihn zweifelnd an, schliesslich seufzte er, rollte noch einmal kurz mit den Augen und stapfte davon, um sich einen Kaffee zu machen. Major und Agent gesellten sich kurzerhand dazu und erklärten sämtliche Schleifendurchgänge bis auf den ersten Urlaubstag bis ins kleinste Detail, nach zwei erzählten Schleifen kam zu Augurs Entsetzen Lili dazu - gehört hatte sie ohnehin alles.
"Okay, was jetzt?", fragte sie schliesslich.
"Wir machen Urlaub", sagte Liam.
"Was?"
"Dieser eine Tag war für uns ganz schön lang, besonders so fast ohne Schlaf", erklärte er, "Die Seychellen haben uns ganz gut gefallen." Er blickte auf seine Uhr. "Keine Schleife mehr", sagte er leise, es war schon deutlich nach sechs. "Tja, Sandoval, nehmen wir noch eine Mütze Schlaf, bevor wir uns am Strand brutzeln lassen? Da'an hat den Urlaub inoffiziell schon bestätigt, offiziell sind wir undercover."
"Was ist mit Zo'or?", fragte der Implantant.
"Der wird zweifellos andere Probleme haben", grinste der Kimera, "Augur, du kannst doch bestimmt irgendwie bekanntmachen, dass Zo'or auf Washington schiessen wollte, ja?"
Der Hacker wechselte einen Blick mit Lili, einen mit Liam und dann sogar einen mit Sandoval, dann wanderten sämtliche Mundwinkel aller Anwesenden hoch bis zu den Ohren.
"Sehr schön", sagte der Major, "Kommen Sie, Sandoval, ich bringe Sie nach Hause." Er stand auf und begab sich gemeinsam mit dem Agent in die Garage.
"Ich soll also nicht wissen, wo wir sind", stellte Sandoval fest.
"Nehmen Sie es mir sehr übel?" Liam initialisierte den Antrieb und sprang direkt in die Interdimension.
"Sie wissen, wie ich denke, Kincaid."
"Allerdings."
"Irgendwann werden mir Augur und Captain Marquette auch trauen", sagte der Agent, "Bis dahin bin ich mit Ihrem Vertrauen ganz zufrieden."
Das Shuttle verliess die Interdimension und setzte im Garten von Sandovals Wohnblock auf. Liam liess das virtuelle Glas verschwinden und wandte sich zu seinem Passagier um. "Schlafen Sie gut."
"Major, auf ein Wort noch."
"Ja?"
"Das Ende des ersten Durchgangs", sagte Sandoval, "Ihr emotionaler Ausnahmezustand erscheint mir ..."
"Ich hatte Ihren Tod zu verantworten, damit kam ich überhaupt nicht klar", seufzte Liam.
"Hmm. Gut, in Ihrem Alter ... Gute Nacht, Major." Damit sprang der Agent aus dem Shuttle, betrat das Gebäude durch die Hintertüre und liess einen sehr verdutzten Kimerapiloten zurück.
Ronald Sandoval lag mit weit ausgebreiteten Armen auf seinem Liegestuhl, die Sonne briet seine Vorderseite, die Sonnenbrille sorgte zweifellos dafür, dass er richtig cool aussah, und die blau-weiss-schwarz gemusterte Schutzschiene an seinem rechten Unterarm machte aus ihm geradezu einen wagemutigen Sportler. Selten schlürfte er an seiner mit Ananassaft gefüllten Kokosnuss, ebenso selten hörte er vom Liegestuhl nebenan ein ähnliches Schlürfen. Viel häufiger spähten sie alle beide in die Ferne, in verschiedene Richtungen, und schliesslich kamen zuerst Niki samt Eltern und eine halbe Stunde später auch Ava an.
"Hi, Ron", grüsste sie fröhlich, "Haben Sie heute Abend Zeit?"
"So lange Sie möchten, Ava", sagte er, "Schön, Sie zu sehen." In diesem Moment flog ihm von Gelächter begleitet eine Ladung Sand auf den Bauch, was den Aufbruch ins Meer zwar arg beschleunigte, ihn aber nicht wirklich ärgerte.
Doch, Urlaub war einfach schön.
Veria