22. Türchen: Der Blick zum Horizont XVII
Liam streckte sich einen Moment lang und rieb sich die linke Schulter, auf die ihn die Freiwilligen fallen gelassen hatten, dann rannte er los, die Treppe hoch und im zweiten Stock den Korridor entlang, an dessen Ende die Haupttreppe hoch und dann durch die Brandschutztüre und in Raum 21. Zo'or war nicht hier, aber lange konnte es nicht dauern.
Der Kimera packte den bewusstlosen Freiwilligen und zog ihn an Rose vorbei in den Nebenraum, dann lehnte er die Türe an und begann, dessen Weste und Helm anzuziehen, die Hose war farblich ohnehin passend. Etwas später betraten Zo'or und ein Freiwilliger Raum 21 und der Taelon befahl: "Sergeant, töten Sie Doors und die Blonde."
"Ja, Sir!"
Liam spannte sich an und wartete ab, bis der Freiwillige durch die Türe war, dann packte er ihn und drückte ihm die hell aufglühende rechte Hand zwischen die Schulterblätter. Vorsichtig legte er den Bewusstlosen hin, dann griff er nach dessen Waffe.
"Sie können doch nicht einfach ...", setzte Renee an, zu protestieren, aber sie unterbrach sich, als Liam zweimal in den Boden schoss. Ihre Lippen formten ein lautloses Danke, Doors hingegen sprühte fast Funken vor Wut, wenngleich auch er still war.
"Sergeant!", rief Zo'or ärgerlich.
"Ja, Sir!", gab Liam mit bestmöglich verstellter Stimme zurück.
"Die Dürre auch!", bestimmte der Taelon.
Liam verliess den Nebenraum, schielte knapp zu Zo'or, der sich mittels der blauen Halbkugel am Zeitportal zu schaffen machte, und trat dann zu Rose. Er zielte knapp an ihr vorbei, dann drückte er ab und sie fiel vom Stuhl - entweder ganz geistesgegenwärtig oder schlicht vor Schreck, das konnte er nicht so genau sagen.
"Ausgezeichnet", sagte Zo'or schliesslich, "Die Schleife ist beendet, der Widerstand hat den Anführer verloren, Kincaid und Sandoval sind tot, und damit bleiben nur noch Sie, Sergeant. Ich kann keine Zeugen gebrauchen." Er wandte sich um und sah dem vermeintlichen Freiwilligen direkt ins bis zu den Ohren grinsende Gesicht.
"Sandoval hat gelogen", sagte Kincaid und hob beide glühenden Hände, "Sie teilten Ihre Schleife mit mir."
"Kimera!", war Zo'or hochgradig entsetzt und verlor seine Fassade völlig.
"Und ich teile eine kürzere Schleife mit ihm", fügte Liam hinzu, "Bis zum nächsten Mal, Zo'or!" Mit diesen Worten griff er an und zersplitterte den Synodenführer als blaue Funken in alle Windrichtungen.
"Wow!", brachte Rose hervor.
Liam schmunzelte zufrieden und befreite sie von ihren Handschellen, dann ging er in den Nebenraum und liess auch Doors und Renee Palmer frei. Im Nachhinein bereute er ein Drittel davon.
"Sie!", fuhr der Multimilliardär ihn an, "Wie können Sie es wagen, uns einfach ..."
"Zu erschiessen? Habe ich nicht. Zo'or war weniger glücklich", würgte Kincaid ihn eisig ab, "Ich schlage vor, Sie kümmern sich um die Freiwilligen, die schlafen nur." Damit liess er die drei einfach stehen und machte sich auf die Suche nach seinem Vater. Er musste ein gutes Stück den Korridor entlang laufen und zweimal abbiegen, dann fand er ihn und einen der Freiwilligen.
Letzterer war definitiv tot, so verbrannt und blutig seine Vorderseite war, aber für Sandoval galt das nicht. Ein leises Röcheln war zu hören. Liam kniete neben dem Verletzten nieder und zog ihm die verbrannte Anzugjacke vorsichtig aus, der Treffer war rechts knapp oberhalb der Brust, zweifellos hatte die Lunge etwas abbekommen.
"Sandoval?"
Keine Antwort. Liam schob ihm die Anzugjacke unter den Kopf und hielt eine glühende Hand zögerlich über die Wunde. Ob es helfen würde?
"Sandoval?", fragte er wieder leise und bekam keine Antwort. "Himmel ... es war eine blöde Idee! Sich erschiessen zu lassen ist immer eine blöde Idee ... aber Zo'or hat die Schleife beendet, es hat funktioniert." Er spürte kurz nach dem schwachen Puls und intensivierte das Glühen in seiner Hand. "Ich lasse dich nicht sterben, Vater", flüsterte er, drückte die Hand fest auf und schloss die Augen. Liam spürte plötzlich die Energie strömen, irgendetwas passierte, und es war gut, das wusste er.
Der Puls wurde deutlicher, die Atmung war bald nicht mehr vom Röcheln überdeckt. Der Verletzte wachte auf und sagte sogar etwas, wenngleich zunächst unverständlich. Liam sah ihn an und lächelte. "Kincaid?", murmelte Sandoval, "Sind wir in Detroit?"
"Ja, Sie leben noch."
"Hat es gfunzi... fuxo... geklappt?" Der Agent rollte mit den Augen und schüttelte seine unwillige Zunge aus.
Liam nickte. "Zo'or hat seine Schleife beendet. Zur Zeit ist er tot."
Ronalds Mundwinkel zuckten nach oben. "Hätte ich nicht gedacht ... der Plan war ..."
"Er war nicht so schlecht, das wissen Sie", schüttelte Kincaid den Kopf, "Zo'or traut Ihnen ganz offensichtlich so einige Schandtaten zu und Professor Plunkett hat uns ja doch gut geholfen."
"Ja?"
"Sie hat komplett mitgespielt, am Schluss ist sie sogar grandios vom Stuhl gefallen, als ich danebengeschossen habe."
"Die drei leben?"
"Natürlich. Ich könnte doch nicht einfach ..."
"Sie verdammter Alien, Kincaid!", schrie Doors und stapfte wutschnaubend herbei, "Ich werde dafür sorgen, dass Sie in ein Labor kommen und seziert werden! Ich wusste, dass Sie ..."
"Mr. Doors?", unterbrach Rose.
"... gefährlich sind, und der Widerstand darf nicht ..."
"Mr. Doors?"
"... von Ihren Eskapaden in Gefahr ..."
"Mr. Doors verdammt!", fauchte Rose, "Dem Widerstand geht es gut und die Taelons sind den Synodenführer los, und das dank dieser beiden Männer!" Darauf sagte der Multimilliardär perplex nichts mehr und wurde von Rose energisch weggezogen.
"Wann?", flüsterte Sandoval.
Liam blickte auf seine Uhr. "Vier Minuten."
"Wieso erst?", murmelte der Agent.
"Ich schätze, Zo'or war bisher länger mit den Wachmännern beschäftigt, diesmal waren sie ja gefesselt und weniger und er kam schneller zu uns." Liam zog seine Hand von der Wunde zurück und betrachtete sie kurz. "Haben Sie Schmerzen?"
"Natürlich ... ist nicht so schlimm. Nur vier Minuten." Sandoval versuchte, sich hochzustemmen, ächzte schmerzvoll auf und blieb lieber liegen. "Seychellen ... sehr verlockend, Major ..."
"Können wir machen", nickte Liam, "So oft Sie wollen."
"Einmal ... genügt ... und vielleicht ein Los kaufen ..."
"Jetzt werden Ihre Ideen verrückt", schüttelte Kincaid den Kopf, "Oder ... na gut ... nein, nein!" Er fuhr sich durch die Haare. Das wäre einfach falsch! "Okay, okay! Für einen guten Zweck, ja?"
"Um besser zu helfen als die Taelons", sagte Sandoval, "Einver... ah!" Er ächzte und krümmte sich etwas. Liam versuchte, per Shaqarava wieder etwas zu lindern, offensichtlich vergeblich. "Kincaid!", brachte der Agent mühsam hervor, "Wieso ... wieso ..." Seine Augenlider flackerten, der Puls wurde schwächer.
"Sandoval?"
Keine Antwort.
Kein Puls.
"Sandoval!", schrie Liam ihn an, dann machte er sich bewusst, dass dieser Tod nicht von Dauer war, und blickte auf seine Uhr - zwanzig Sekunden.
"Mein Beileid", sagte Renee, wo immer sie auch gerade hergekommen war, emotionslos. Der Kimera sah sie an und dann wieder auf die Uhr, der Sekundenzeiger bewegte sich Sekunde um Sekunde auf das Leben zu.
"Es ist soweit", murmelte Liam und richtete sich erwartungsvoll auf.
Veria
Code:
HAI
CAN HAS STDIO?
VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
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