Da kommt auch schon das Ende meiner Kalendergeschichte.
Viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende, ihr Lieben.

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Nur noch einmal. Der Agent schluckte noch schwerer als zuvor. Jetzt war es gleich vorbei mit ihm. Er ging mithilfe seines CVIs ein weiteres Mal sämtliche Namen des Teufels durch und überlegte. Er war ein Herrscher, ein Fürst.
Oh, er würde gleich sterben. Es blieb Ronald nichts anderes übrig, als noch einmal zu antworten, dabei stellte er sich auf seinen letzten Atemzug ein. »Hoheit?«
Luzifers Lachen klang wie das Zischen einer Schlange. »Da ist uns der Herr noch lieber.« Und die letzte Flamme erlosch.
Jetzt war es soweit. Sandoval krallte sich mit einer Hand an sein Hemd und atmete ein letztes Mal tief durch. Dachte er. Nichts geschah. Er blickte dem breitgrinsenden Luzifer verwirrt in die glühenden Augen. Dieser schlang seinen langen Schwanz um den Körper des Agenten und zog ihn zu sich. Jetzt. Jetzt war es eindeutig soweit. Sandoval war wie versteinert.
»Jetzt fragt er sich“, sagte Luzifer und ließ ein paar Sekunden voller Ungewissheit vergehen bevor er fortfuhr, „und wir sagen ihm, er kommt ohnehin noch früh genug zu uns.« Daraufhin ließ er den Agenten los und wandte sich an Zo’or.
»Und welche Anrede ist es dann?«, wollte Liam nun aber noch wissen.
Luzifer fühlte sich gestört und fauchte ihn böse an. »Das erfährt er dann, wenn es soweit ist!« Liam schreckte zurück und befand, dass er besser eine Weile wartete, bevor er das nächste Mal den Mund aufmachte.
Mit den Augen auf dem Weg zu Zo’or, streifte Luzifer nun kurz T’than mit seinem Blick und knurrte ihn an, dann bewegte er seinen Körper gemächlich auf den Synodenführer zu. Seine schwarzen Zehenkrallen kratzten dabei hörbar über den Boden des Mutterschiffes.
Sandoval schwitzte – nicht nur im Gesicht. So unauffällig wie möglich ließ er sein schwarzes Sakko über seine Schultern und dann abwärts rutschen und beobachtete mit größter Vorsicht Luzifer aus dem Augenwinkel.
Gut, der schien jetzt keine Notiz von ihm zu nehmen. Beinahe geräuschlos sank das Sakko zu Boden, doch Ronald war es immer noch zu heiß.
Zo’or sagte nichts, als Luzifers Nüstern ihm heiße Luft ins Gesicht schnaubten, auch nicht, als er ihm seine blanken scharfen Zähne zeigte und ihn anknurrte. Der Taelon war sich sicher, dass gleich jemand diesen Störenfried zur Strecke bringen würde.
Da nun niemand klüger geworden war und demnach auch Da’an nicht wusste, wie er den Teufel ansprechen sollte, ließ er die Anrede einfach weg.
Hoffentlich würde er ihm das nicht allzu übel nehmen. »Zo’or ist also angeklagt«, wiederholte Da’an eine Tatsache, »Von den Toten?«
Knurrend wandte Luzifer seinen Kopf dem Taelon zu der gesprochen hatte. »Mindestens«, fauchte er seine knappe Antwort.
Da’an sparte sich die Frage nach dem Warum. Zo’or hatte wohl mehr Menschen auf dem Gewissen als jeder andere. Als einziger schien Da‘an im Moment keine Angst zu haben und damit war er auch als einziger fähig, sich mit dem Teufel zu unterhalten. »Und Sie sind der Richter«, stellte Da’an fest.
»So kann er es nennen«, bestätigte ihn Luzifer und sprach mit ruhiger rauchiger Stimme. »Er muss bezahlen, oder gehen.«
Fragend sah der Botschafter ihn an. »Wohin gehen?«
Luzifer lachte. »Natürlich zu uns.« Bei diesen Worten wurde sein böses Grinsen immer breiter.
T’than hatte aufgehorcht. Zo’or war also schon so gut wie weg. Vom Teufel geholt. Er konnte einen zufriedenen Gesichtsausdruck nicht unterdrücken.
Langsam wachte der Synodenführer aus seinem Schock-ähnlichen Zustand auf. »Womit bezahlen?«, fragte er irritiert.
Luzifer peitschte mit seinem Schwanz auf den Boden und fuhr den unwissenden Taelon harsch an. »Gold!«
Hätte ein Taelon Farbe im Gesicht, wäre diese nun aus selbigem von Zo’or gewichen. Jemand wollte ihm nehmen, was so unglaublich viel an Geldwert besaß, womit er doch so viele Menschen bestechen konnte. Nein, ihnen helfen. Die Wirtschaft steuern, um noch mehr Profit für sich selbst… nein, nur um den Menschen zu helfen. Vielleicht den ein oder anderen Staat kauf… nein… Menschen helfen. Zo’ors eigene Gedanken begannen ihn mehr und mehr zu verwirren und er wurde das ungute Gefühl nicht los, dass der Teufel ganz genau wusste, was er dachte und vielleicht sogar versuchte ihn zu steuern.
Zo’or sah dem dunkelroten Wesen in die glühend weißen Augen, die direkt in ihn hinein zu starren schienen.
Mit einem bedrohlichen Brüllen brachte Luzifer den Taelon wieder ins Hier und Jetzt. Der schien nun wirklich und endgültig begriffen zu haben und reagierte beinahe trotzig. »Woher wissen Sie überhaupt davon?«
Der Teufel knurrte. »Man hat es mir gesagt.« Er schnippte mit den Fingern und eine menschengroße Flamme erschien in der sich ein Körper zu formen begann.
Da’an erschrak. »Ku’don?«
»RUHE!«, brüllte Luzifer.
Entgeistert starrten die Anwesenden den Taelon in der Flamme an, bis es Luzifer schon wieder zu lange dauerte. »Nun, was ist? Bezahlt er jetzt?«, fauchte er.
Zo’or war verwirrt, doch nicht genug, um seine Verlustängste zu überwinden. »Können Sie nicht etwas anderes nehmen?«
Er brachte den Teufel zum seufzen, doch dieser war auch durchaus bereit zu verhandeln. »Was kann er mir besseres anbieten als Gold?«
»Da’an hat doch genauso Schuld an allem! Warum soll nur ich bestraft werden?«, kam es wie aus der Pistole geschossen.
Sein Elter wollte seinen Ohren nicht trauen. Zo’or verkaufte ihn! Natürlich, so war Zo’or, aber trotzdem! Er verschenkte einfach jemanden an den Teufel, als wäre es nichts!
»Ein falscher Hund ist er«, fauchte Luzifer den Synodenführer an und wischte wütend Ku’dons Flamme fort, »und ein feiger noch dazu!«
Zo’or leuchtete beleidigt auf. Eine unerhörte Frechheit, wie man hier mit ihm sprach.
Inzwischen hatte sich Sandoval etwas beruhigt. Er war ja sozusagen außer Gefahr. Sicher, irgendwann würde er in die Hölle hinab fahren, aber heute nicht mehr. Auch wenn er das nicht schriftlich hatte.
Jetzt aber griff der Teufel seinen Companion an und erweckte damit wieder seinen programmierten Beschützerinstinkt. Der Agent fasste sich und streckte seinen rechten Arm aus. »Ziehen Sie sich auf der Stelle zurück!«, befahl er dem gut drei Meter großen Monstrum mit zwei spitzen Hörnern auf dem Kopf.
Luzifer schlug ruckartig seine riesigen Flügel auf und wehte den Asiaten damit fast um. Wütend blickte er ihn mit seinen weißen Augen an und brüllte.
Sandoval feuerte mit dem Skrill auf den kraftvollen Teufelskörper. Noch einmal. Und noch ein weiteres Mal. Dass sein Gegner nicht einmal knurrte, machte den Agenten dann doch stutzig. Er feuerte noch einmal, doch sämtliche Schüsse wandelten sich kurz vor Luzifer zu Feuerbällen, welche sein Körper einfach verschlang.
Als Sandoval den Angriff stoppte, hörte man einen Moment lang nur ein entnervtes Schnauben, dann knurrte Luzifer leise, baute seinen Körper auf und schlang seinen langen Schwanz kurzerhand fest um den Synodenführer. »Wer will nun für ihn bezahlen?«, blickte der Teufel provokant in die Runde.
Ein bedrückend ehrliches Schweigen trat augenblicklich ein. Zo’or war entsetzt! Nicht einmal Da’an, sein eigenes Elter, wollte sich offenbar melden. Er hätte vorhin wohl besser nachdenken sollen, bevor er den Mund aufgemacht und ihn dem Teufel angeboten hatte.
»Sieh an, niemand«, höhnte Luzifer.
Major Kincaid fasste sich ein Herz und trat vor den Teufel. Um ihn in seiner Macht zu bestätigen, verbeugte Liam sich sogar. »Darf ich etwas sagen?«
Luzifer blickte verwundert drein. Bisher waren die Anwesenden sehr zurückhaltend mit Respekt gewesen. »Er soll sprechen«, nickte er Liam zu und wartete neugierig.
»Sie können sich diesen Taelon selbstverständlich nehmen«, begann Liam, mit einem Blick auf das fassungslose Gesicht des Synodenführers, »aber er kommt nicht im Mindesten dem Wert des Goldes nahe.«
Zo’or war jetzt nicht sicher, was ihn mehr traf.
»Wo er recht hat«, hörte man Sandoval beipflichten.
Einer war gerade nicht ganz so einverstanden mit der Entwicklung des Gesprächs: T’than. Es klang so, als würde sich sein Wunsch, vom aus dem Weg geräumten Zo’or, eventuell doch nicht erfüllen.
»Und wenn ich beides nehme?«, grinste Luzifer.
Dann hatte sich niemand überlegt, dass das auch ginge, dachte Liam sofort. Er seufzte. Doch schon kurz danach löste sich die feste Klammer um Zo’or und der Taelon flüchtete sich einige Schritte zurück. »Heute ist nicht sein Tag«, brummte Luzifer.
Damit hatte er Zo’or förmlich das Wort aus dem Mund genommen. Dabei meinte der Teufel das natürlich ein bisschen anders als der Taelon dachte.
»Können wir uns nicht irgendwie anders einig werden?«, bemühte Zo’or sich um Fassung, »Ein Tausch, oder eben etwas anderes? Aber das Gold brauche ich.«
»Wir«, korrigierte Da’an. Zo’or blickte erschrocken zu ihm. »Ja. Wir.«
Der Synodenführer rang sichtlich nach Worten. Seine Handbewegungen waren aufgeregt. »Was könnte ich für Sie tun?«, meinte er an Luzifer gerichtet.
Dieser brummte leise. »Ein Dienst?«, war er überrascht.
Zo’or neigte den Kopf. »Ganz genau.« Idee hatte er dazu leider noch keine, doch der Teufel grinste bereits. »Und dazu überlässt er mir seine Seele.«
Die Augen des Taelons weiteten sich.
So war das jetzt nicht geplant. »Aber…« Doch Luzifer unterbrach ihn je. »Nein, nur…
hinterlegen. Macht er einen Fehler, kommt er auf der Stelle zu mir.«
Gewissermaßen klang das fair, aber es war definitiv noch zu wenig Information. »Und welcher Dienst soll es nun sein?«, fragte Zo’or nach.
Luzifer brummte zufrieden. »Er behält sein Gold. Er bleibt hier. Aber er liefert mir nicht mehr die, deren Namen noch nicht auf der Liste stehen.«
Das war ein Deal! Zo’or entspannte sich langsam. Er könnte weitermachen wie immer, nur die Versuchsobjekte sollten ihm vorgegeben werden. Eine Flamme tauchte vor seinen Augen auf und verwandelte sich in ein Blatt gelblichen Pergaments auf dem in schwarzer schwungvoller Schrift geschrieben stand, wozu Zo’or sich verpflichtete. Direkt daneben erschien eine lange schwarze Schreibfeder.
Da’an fühlte sich mehr als unwohl. Mit einem flehenden Blick suchte er Augenkontakt zu seinem Kind, welches im Begriff war, etwas sehr bedenkliches zu tun.
T’than war erstarrt. Alle Hoffnungen auf die Position des Synodenführers waren ihm genommen worden, stattdessen drohte jetzt alles noch schlimmer zu werden.
Liam und Ronald hielten sich diskret zurück. Ein besseres Angebot würde wohl nicht mehr kommen.
»Einverstanden«, willigte Zo’or ein und setzte seinen Namen auf das Pergament, woraufhin es sich einrollte und von Luzifers schneller Hand gepackt wurde. »Es wird Ihnen genügen müssen. Jetzt ziehen wir uns zurück«, sagte er und lachte, »und er wird von uns hören.«
Der dunkelrote Nebel tauchte wieder auf. Er kam wie aus dem Nichts und hüllte die Körper der Anwesenden vollständig ein. Die Feuerwände, welche die Gänge versperrt hatten, lösten sich in schwarzen Rauch auf und Luzifer selbst, mit dem Vertrag in der Hand, verwandelte sich in einen heißen Wirbel aus reinem Feuer, der den Nebel und den Rauch in sich verschlang und damit wieder in einem Nichts verschwand.
»Guten Morgen, Washington«, grüßte ein gut gelaunter Moderator seine Zuschauer vor den Bildschirmen.
Wie Ihnen allen bestimmt schon aufgefallen ist, ist es draußen auf den Straßen wieder ruhig geworden. Leider haben unsere lieben Freunde aus der Gruft nicht nur einen einmaligen Eindruck hinterlassen, sondern auch erheblichen Sachschaden in Höhe von geschätzten…
Eine junge blonde Assistentin unterbrach plötzlich den Sprecher als sie mit einem Zettel ins Bild marschierte und diesen auf den Tisch klatschte.
»Oh… Pergament? Naja, egal. Wie ich gerade sehe, muss sich selbst das ärmste Dorf keine Gedanken um die Finanzierung der Reparaturen machen. Was für eine Überraschung… die Taelons haben sich bereit erklärt, sämtliche Kosten dieser Art zu übernehmen.
Da bleibt mir nur zu sagen: Danke, an die blauen Engel – und nun zum Wetter, mit der bezaubernden Anne…«
Zo’or saß vor dem Bildschirm und wirkte mit einem Mal völlig entgeistert. Widererwarten war kein Ausdruck von Wut in seinem Gesicht, wie sein treuester menschlicher Begleiter, Sandoval, verwundert feststellte. Der Agent stand direkt daneben und schluckte schwer. »Soll ich …«
»Ja!«, fauchte der Taelon leise, »Aber nur so viel umtauschen, wie wirklich nötig ist.«
Was war er für ein blauäugiger Dummkopf gewesen, sich den Vertrag vorher nicht nochmal durchzulesen!