Besten Dank für eure Kommentare zum ersten Abschnitt und einen angenehmen 15. Dezember.

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Plötzlich knackte es.
»Ein Riss!«, schrie Sandoval alarmierend. Oh nein, jetzt gleich wäre es so weit. Er wollte noch nicht sterben. Hoffentlich würde er wenigstens noch schnell an dem Rauch ersticken. Kincaid hustete bereits.
Es knackte unangenehm weiter und der Riss hatte sich schnell im Zick-Zack durch die Brücke gezogen. Das Beben hatte sich plötzlich spürbar vermindert. Der Riss öffnete sich und zog den Rauch langsam in sich hinein. Der Boden wurde ruhig. Aber da bewegte sich doch etwas!
Sowohl Liam und Ronald, als auch die beiden Taelons starrten auf etwas, das offenbar aus dem entstanden Spalt langsam versuchte heraus zu kriechen, während der stickige dunkelrote Schwaden stattdessen weiter darin verschwand.
Eine Hand krallte sich mit den Nägeln tief in den Boden der Brücke. Eine sehr seltsame Hand, wie alle rasch festgestellt hatten. So dunkel wie der Rauch, groß, sehnig und mit kräftigen pechschwarzen Krallen. Dann erschien die Gestalt recht schnell, nachdem sich zwei riesige, leicht gebogene, spitze Hörner hervor getan hatten und direkt vor den Augen der Erschrockenen breiteten sich zwei überdimensionale, federlose Flügel aus.
Sandoval bekam die Kinnlade nicht wieder hoch. Was zum…? Ja, genau: Teufel. Genauso sah es nämlich aus. Er glaubte doch gar nicht an sowas!
Nachdem das letzte bisschen Rauch verschwunden war, schloss sich unter lautem Knarren der Riss im Boden und zurück blieb gedämpftes Licht und dieses Monstrum. Mit seinen Hörnern bestimmt drei Meter groß. Das Ende seines langen spitzen Schwanzes streifte Sandoval, der daraufhin zusammenzuckte und einen Meter mehr Abstand suchte.
»Was hat das zu bedeuten?«, fauchte Zo’or auf einmal und erhob sich vom Boden, »Wer sind Sie?« Er setzte sein überheblichstes Gesicht auf, während das Wesen gemächlich seine Flügel anlegte und sich umdrehte. Nun starrten zwei glühend weiße Augen den Synodenführer förmlich auf den Boden zurück.
Zo’or hatte wohl wirklich nicht die geringste Ahnung, aber Sandoval hütete sich davor, jetzt irgendjemandem etwas zu erklären. Er wollte einfach nur weg. Oder aufwachen.
Ein verärgertes Knurren hallte durch den Raum. »Das fragt er mich.« Die Stimme war tief und rau, bei jedem Atemzug hörte man ein leises Knurren. »Er weiß es schon«, bemerkte das Wesen mit einem Blick auf Liam, der, wie Da’an und der Agent, noch auf dem Boden kniete. Es fletschte seine scharfen Zähne.
»Teufel…«, hauchte Liam und wollte sich dabei nicht ganz sicher sein. Das nun breitere Zähnefletschen sollte aber vermutlich andeuten, dass Liam doch sehr richtig lag. „Luzifer“, ergänzte der Teufel.
Ronald fasste seinen ganzen Mut zusammen, erhob sich vom Boden und stellte sich an Zo’ors Seite. »Was wollen Sie?«, fragte er
den Teufel.
Jetzt standen auch Liam und Da’an langsam wieder auf.
Luzifer knurrte und beäugte dabei einen nach dem anderen sehr genau. »Wir werden es sehen«, setzte er ein hämisches Grinsen in sein knochiges Gesicht. Wieder breitete er seine Flügel aus und streckte seinen kräftigen Körper, wobei er nur mit den Zehen auf dem Boden aufstand – wie bei einem Tier – dort war er ebenso im Besitz von sehr scharf aussehenden schwarzen Krallen. Das einzige Kleidungsstück an seinem Körper war ein dunkler Lendenschurz. Wenigstens etwas.
Er beugte sich und sah Zo’or in die Augen. »Er…«, fauchte Luzifer den Taelon an, »Er ist angeklagt.«
Verblüfft starrte Sandoval dem Teufel in seine glühend weißen Augen. Er wollte immer noch nicht daran glauben.
»Von wem?«, ergriff Da’an plötzlich erschüttert das Wort.
Luzifer lachte spöttisch, so als müsste der Taelon die Antwort eigentlich kennen. »Von allen…« Er wurde je in seinem Satz unterbrochen, als ein weiterer Taelon die Brücke betrat. Rasch legte er die Flügel an und wandte sich um. Sein langer Schwanz schwang aufgeregt durch die Luft, dann brüllte er, was dem Brüllen eines Löwen nahe kam.
»NICHT!«, stieß Ronald sofort aus, »Sir… Luzifer… « Er wusste nicht weiter. Bereits jetzt hatte er das Gefühl, dass er besser gar nichts gesagt hätte. Schon starrten ihn die Augen des Teufels nieder. »Wie nennt er uns? Sir?« Er knurrte unzufrieden und wandte sich nun voll und ganz dem Asiaten zu, der vielleicht gerade einmal halb so groß war wie er.
Der Taelon, der Luzifer unerlaubterweise unterbrochen hatte, war kein geringerer als der Kriegsminister, T’than. Er war selbst erschrocken über den Anblick der sich ihm bot und wollte am liebsten wieder abziehen, doch der Teufel war schneller gewesen. Mit einer schwungvollen Handbewegung hatte er die Ausgänge mit Feuerwänden blockiert. »Es kommt zu uns, was zu uns gehört«, fügte er dem hinzu.
Sandoval schluckte. Solche Angst hatte er schon lange nicht mehr. Er zögerte eine Antwort hinaus, aber je länger er wartete, desto größer wurde seine Angst. Dann fiel ihm ein, dass die umherirrenden Toten jetzt doch einen Sinn machten. Zo’or war angeklagt. Von allen, denen für deren Tod der Synodenführer verantwortlich war – und die spazierten jetzt auf der Erde herum.
Der Teufel knurrte ihn laut an und riss ihn aus seinen Gedanken. Ronald fasste sich. »Wie soll ich Sie denn nennen?«, fragte er schließlich vorsichtig.
Daraufhin grinste Luzifer wieder. »Er hat drei Möglichkeiten es heraus zu finden.« Da erschienen drei kleine Flammen vor Ronalds Gesicht.
»Das ist nicht fair!«, rief Liam dazwischen, der ahnte, was mit dem Agenten passieren würde, wenn er es nicht erriet.
»Nein?« Luzifer sah den blonden jungen Mann erhaben an. »Seine Zeit wäre ohnehin schon längst um, aber wer rechnete denn mit denen.« Damit schwenkte er seinen Arm durch den Raum und deutete auf die Außerirdischen, die offenbar dafür verantwortlich waren, dass Luzifer einen Termin nicht hatte einhalten können. »Und jetzt soll er raten!«
Der Agent war mehr als verstört und Liam nicht zufrieden. »Darf er sich wenigstens helfen lassen?«, fragte er energisch.
»Wenn er sich eine Chance von einem anderen nehmen lassen möchte, gerne«, brummte Luzifer.
»Keine Hilfe!«, erhob Sandoval rasch eine Hand. Der Teufel wurde allmählich ungeduldig und peitschte mit seinem Schwanz hart auf den Boden, woraufhin die Anwesenden erschrocken zusammenzuckten. »Dann rate er jetzt!«
Welche Anrede würde auf den Teufel denn passen? Sandoval ging in Gedanken alle Namen durch die er für ihn kannte. Es half ihm nicht weiter. Mit irgendetwas musste er jetzt beginnen, also riet er einfach: »Meister?«
Luzifer lachte höhnisch und eine Flamme erlosch. »Zwei Möglichkeiten hat er noch.«
Sandoval war schwer verunsichert. Er konnte förmlich fühlen wie die Schlinge um seinen Hals enger wurde, dennoch versuchte er den dicken Angstkloß hinunterzuschlucken und riet erneut. Dieses Mal noch vorsichtiger. »Vielleicht… Herr?«
Eine weitere Flamme erlosch – so schnell, als hätte der Teufel keine Zeit zu verlieren – und Luzifer trat dicht an den Menschen heran. »Wenn er es jetzt errät, bekommt er später einen Ehrenplatz.« Was wohl ein verlockendes Angebot des Teufels sein sollte, aber derzeit nicht im Geringsten beruhigend klang.