Sooo, und ich darf Verias Geschichte unterbrechen, da sie meinte, wegen Cliffhanger biete sich das an. Nicht böse sein.
Dann viel Spaß bei diesem und den nächsten beiden Türchen.

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Der Handel seines Lebens
»… und gerade bekommen wir die nächste Meldung herein. Ein Mann will in der Ortschaft Norrington seine verstorbenen Schwiegereltern dabei beobachtet haben, wie sie seinen Garten umgraben. Das ist inzwischen der achtundsiebzigste Fall dieser Art der uns gemeldet wurde– und das nur innerhalb der letzten halben Stunde…«
Und während die Moderatorin des Lokalsenders das sagte, gingen im ganzen Land unter Garantie hunderte, vielleicht sogar tausende Anrufe bei den Notrufen ein. Ronald Sandoval starrte ratlos auf den Bildschirm. Das waren jetzt die Sechs Uhr Nachrichten und die liefen schon seit zwei Stunden. Insgesamt waren bereits weit über 6000 Fälle im Land bekannt und es hörte nicht auf mit diesen Meldungen. Das schlimmste war – man konnte nicht mehr sagen, da wäre nichts dran! Eindeutiges Bildmaterial gab es auch schon.
Da’an kam gerade auf die Brücke und warf ebenfalls einen Blick auf die Nachrichten. »Wie werden Sie weiter vorgehen?«, fragte er den Agenten.
Sandoval dachte wirklich nach, aber dabei brachte er nicht mehr viel zustande. »Wir haben alle Männer die uns zur Verfügung stehen ausgesandt. Wenn wir doppelt so viele hätten, wäre es genauso sinnlos.« Er drehte sich zu dem Taelon. „Diese Leute sind tot. Tot, Da’an.“
Es veränderte Ronalds Weltbild komplett. Da stand kein Projekt der Taelons dahinter, nichts, man konnte es nicht zuordnen. Es gab keinen Auslöser. Doch, bestimmt gab es einen, aber keinen den er kannte.
Der Botschafter vollführte ein paar nicht zu deutende Gesten und sagte: »Sie haben nicht auf meine Frage geantwortet.«
»Weil ich es nicht weiß!«, kam es wie aus der Pistole geschossen, »Man kann niemanden töten, der schon tot ist und die Leute zu überreden, wieder in ihre Gräber zurückzusteigen funktioniert auch nicht.« Er regte sich auf und marschierte auf und ab. »Es gab bereits einigen Ärger für ein paar Soldaten da draußen. Das Militär hat hier auf der ganzen Linie versagt! Wenn man auf die schießt, verteilen sich deren Körper zwar, aber die setzen sich wieder zusammen!“ Fast hätte sich Ronald ein Büschel Haare ausgerissen.
»Nach allem was wir bisher wissen, wurden noch keine Menschen von Wiederauferstandenen verletzt… In sämtlichen betroffenen Ländern wurde der Notstand ausgerufen und der Bevölkerung wurde geraten, ihre Häuser nicht zu verlassen…«
Zo’or kam herein. Er nahm auf seinem Thron Platz und würdigte den Fernsehbildschirm keines Blickes. Der Synodenführer wischte mit der Hand durch die Luft und plötzlich hörte man die Stimme des Präsidenten. Ronald drehte sich rasch um. Tatsächlich. Präsident Thompson, dem jegliche Farbe aus dem Gesicht gewichen war.
Die beiden unterhielten sich über die anstehende Rede an das Volk. Zo’or gab dem Präsidenten gerade sein Wort darauf, dass die Taelons die Menschen in dieser plötzlichen Schreckensstunde mit allen Mitteln unterstützen würden – auch bot er ihm an, sich auf das Mutterschiff in Sicherheit zu flüchten, doch das lehnte Thompson strikt ab.
»Es wurde noch niemand verletzt…« Der Präsident wirkte zwar äußerst verwirrt, klang aber dennoch so, als wäre er sich sehr sicher.
Ron konnte nicht umhin. Er machte ein paar Schritte vorwärts und stand nun im Bild. »Sir, geht es Ihnen gut?«, fragte er ein wenig besorgt.
Thompson starrte den Agenten an. Er schluckte. »Jaja… Entschuldigen Sie mich jetzt. Ich habe gleich zu meinem Volk zu sprechen und dann eine Verabredung mit Ex-Präsident Franklin D. Roosevelt.« Dann war die Verbindung weg. Es war wirklich alles sehr irritierend.
Niemand sagte etwas. Nervosität lag in der Luft und Sandoval war sicher, selbst dafür verantwortlich zu sein. Roosevelt… Er schüttelte den Kopf.
Zo’or drehte seinen Thron und schwieg den Agenten nun direkt an. Aber nur kurz. Er erwartete eine Lösung. »Welche Regionen sind betroffen?«, fragte er schließlich.
Nach kurzem Zögern antwortete der Agent. »Alle in denen Menschen leben.«
»…und sterben«, fügte Zo’or an.
»Jedenfalls sollte es so sein«, nickte Ronald.
»Dann sorgen Sie gefälligst dafür, dass sie dahin zurückgehen, wo sie hergekommen sind«, fauchte der Taelon.
Also quasi an der Hand nehmen und ins Grab begleiten. Tolle Idee. Der Agent nickte dennoch ernst.
Da’an hielt sich damit zurück, Zo’or verständlich zu machen, dass die Situation prekärer war, als er es sich vorstellen konnte. Es gäbe nur böses Blut, wie die Menschen sagen würden.
In diesem Moment kam auch noch Kincaid. Der Blick des Majors sagte, dass er keine guten Nachrichten mitgebracht hatte. Das hätte Ronald auch schwer gewundert.
»Wo ist Captain Marquette?«
»Mit dem Shuttle überfliegt sie immer noch das Gebiet um Washington. Die Taelonbotschaft ist nach wie vor unberührt…«, erwähnte Kincaid sofort, »… Die Soldaten haben Schutzlinien eingerichtet und wehren diese Kreaturen ab, indem sie jedes Mal auf sie schießen, sobald sie wieder aufstehen.«
Der Synodenführer erhob sich plötzlich energisch von seinem Thron. Es war nicht zu fassen. Diese unfähigen Menschen! Man musste ihnen aber auch wirklich alles sagen! »Sprengen Sie sie in die Luft!«, befahl er den Companion-Beschützern.
In Ronald verabschiedete sich gerade ein weiterer Nerv. Ungewöhnlich gereizt reagierte er: »Haben wir bereits getan. Sie lösen sich nur leider nicht in dieser Luft auf!« Zo’or war sich der Problematik ganz offensichtlich nicht bewusst.
Plötzlich spürte der Agent eine leichte Vibration unter seinen Füßen. Er sah sich um. Kincaid sah ihn fragend an und Zo’or sah aus, als würde er auf den Alarm warten.
Die Vibration wurde stärker, was den Synodenführer dazu veranlasste sich an seinem Thron festzuhalten. Da’an wurde rasch von seinem Beschützer gestützt, nur Ronald stand alleine da und hatte keinen Plan.
»Finden Sie sofort die Ursache!«, fauchte Zo’or. Doch dann wurde es dunkel und das Mutterschiff erzitterte weiter. Ein dunkelroter Nebel umfing langsam das gesamte Schiff, Sandoval beobachtete dieses Schauspiel durch das Taelonglasfenster genau.
Was war das nur?
Im Mutterschiff blieb es finster. Man hörte Zo’or irgendetwas auf Eunoia fluchen und dann ein anhaltendes tiefes Brummen, welches aus einem der Gänge in die Brücke strömte und sich seinen Weg durch die nächsten bahnte. Hoffentlich kein Anzeichen dafür, dass das Schiff gleich auseinanderbrechen würde!
Es wurde immer lauter und veränderte sich langsam zu einem dumpfen Donnern. Der dunkelrote Nebel drang nun auch in das Schiff ein und sorgte auf irgend eine Weise dafür, dass man die Umgebung wieder erkennen konnte. Sandoval schwitzte und musste sich die Ohren zuhalten. Aber auch Liam standen massenhaft Schweißperlen auf der Stirn und zu laut war es ihm ebenso. Außerdem roch dieser Nebelschwaden stark nach Verbranntem.
Den Synodenführer beschlich derweilen das Gefühl, dass das Mutterschiff in Flammen stand. Aber wieso hatte es keinen Alarm gegeben? Oder, nein, wie konnte es dazu kommen? Diese dunkelroten Nebelschwaden… Nein! Er würde sterben! Er, Zo’or, würde diesen Tag, diese Nacht, nicht mehr überleben.
Das Mutterschiff bebte jetzt noch stärker und Sandoval ging auf die Knie, um wenigstens einen unglücklichen Sturz zu vermeiden. Liam nahm sich daran ein Beispiel und brachte erst Da’an in eine sturzsichere Position und kroch dann auf allen Vieren zu Zo’or, um ihn ebenfalls auf den Boden zu bringen.
Es war ein Albtraum! Sie brachten sich hier in sichere Positionen, obwohl für sie wohl ohnehin schon das letzte Stündchen geschlagen hatte. Wie bizarr!