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11. Türchen: Der Blick zum Horizont XI
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Veria Offline
Admin, Wandermaus und Baumbewohner

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11. Türchen: Der Blick zum Horizont XI
"Nein, nein, nein!" Hailey stemmte ihre Fäuste in die Hüften und drehte sich mit einem stummen Fluch energisch einmal um sich selbst, dann wies sie auf Da'an und Sandoval. "Ein Taelon, verdammt, Liam! Den Implantanten und die Freiwilligen könnte ich Ihnen ja vielleicht noch verzeihen, aber Sie bringen mir einen Taelon hierher! Sind Sie noch bei Trost?"
"Ja", antwortete Liam trocken, "Die lange Version oder die kurze?"
Sie brauchte einen Moment, bis sie es schaffte, ihren Mund wieder zuzuklappen. "Die kurze?"
"Ich hänge in einer Zeitschleife fest, Zo'or löst sie aus. Das ist Durchgang Nummer sieben, Washington ist das vierte Mal zerstört. Zo'or nutzt die Suche nach dem Täter als Ausrede, um die privaten Daten seiner Mittaelons zu lesen und allerlei Leute zu foltern, Taelons inklusive. Geschossen hat er selber."
"Sie sind nicht bei Trost", beschloss Hailey und winkte Tony Ferrara, der voller Vorfreude mit seiner Waffe spielte, "Einsperren."


"Was hat das zu bedeuten, Major?", fragte Sandoval, als sie zu fünft einen besseren Wandschrank im Untergeschoss belegten.
"Sie haben es bestimmt schon geahnt - das ist der Widerstand."
Der Agent zögerte einen Moment und musterte besorgt Da'an, der sich ungesund flackernd in eine Ecke gesetzt hatte. "Was haben Sie mit dem Widerstand zu tun, Kincaid?"
"Bisher dachte ich, ich wäre der Anführer", grinste Liam schief, "Hailey ist allerdings offensichtlich nicht mehr einverstanden. Und, ja, nur einen Implantanten hierher zu bringen konnte sie mir verzeihen."
"Ich war im letzten Durchgang also bereits hier?"
"Im vorletzten. Der letzte war für uns beide nur zwölf Minuten und neun Sekunden lang."
Der Agent schob die beiden noch immer gefesselten, reichlich verwirrten Freiwilligen beiseite und nahm in der zweiten Ecke des Raumes Platz. "So, Sie führen also den Widerstand an", bemerkte er, "Sie! Ausgerechnet!"
"Ich, ausgerechnet", bestätigte Liam, "Und es bringt Ihnen nichts, mich zu erschiessen, weil ich den Durchgang dann doch nur wieder von vorne beginne und Sie nichts mehr von meinem Zweitjob wissen."
Kurz knirschte Sandoval mit den Zähnen, dann gab er zu: "Wir stehen auf der selben Seite was Zo'or angeht. Ein Taelon der grundlos Washington zerstört und seinesgleichen foltert ..." Die Mundwinkel des Kimera zuckten einen Moment lang zu einem wissenden Lächeln. "Ich werde Sie nicht erschiessen, Kincaid", versicherte ihm der Asiate, "allerdings sind unsere Handlungsmöglichkeiten derzeit doch ... eingeschränkt."
"Wir können nachdenken", widersprach Liam und wandte sich zu Da'an um, "Wie lange braucht Zo'or, um das Mutterschiff funktechnisch abzuriegeln?"
"Achtzehn Sekunden, bis keine Verbindungen mehr angenommen werden, zwei Minuten und zwölf Sekunden, bis etablierte Verbindungen getrennt werden", antwortete der Taelon.
"Ihr Systemkennwort genügt, um eine Verbindung aufzubauen?"
"Ja, Major."
"Das bedeutet", sagte der Kimera fest, "dass ich im nächsten Durchgang versuchen werde, das Waffensystem des Mutterschiffes zu sperren, bevor Zo'or auf Washington schiesst. Und mit einer genauen Anleitung von Augur wird mir das auch gelingen." Er blickte nach oben zur Kamera. Ja, das war eine Aufforderung, Augur, also komm schon!
Es dauerte auch nicht lange, bis der Hacker unter Haileys energischem aber vergeblichem Protest die Türe öffnete. "Sie glaubt dir die Zeitschleife nicht", sagte er, "Kannst du es ihr beweisen?"
"Tut mir leid, von ihr weiss ich kein dafür taugliches Geheimnis."
"Egal. Mir hast du es ja schon bewiesen." Das genügte Augur definitiv, er zog erst Liam und nach einem Augenblick Nachdenken auch Sandoval am Ärmel aus dem kleinen Gefängnis.
"Hi", sagte Lili.
"Schneller ging es nicht?", rollte Liam mit den Augen.
"Wir haben sicherheitshalber gewartet, bis Ferrara seine Kanone nicht mehr hatte", sagte Augur und winkte kurz mit der genannten Waffe.
Der Kimera grinste breit und ging dann voran die Treppe hoch und in den Hauptraum, wo er auf den entwaffneten Tony Ferrara und dessen nachtfinsteren Blick traf. Er ignorierte ihn einfach und setzte sich, Lili, Augur und Sandoval taten es ihm gleich, Hailey blieb stehen. "Also, Augur, wie sperre ich das Waffensystem?"
"Probier es aus." Der Schwarze reichte ihm ein Global. "Die Verbindung zum Mutterschiff steht, dieses Global hat nur Da'ans Berechtigung. Noch." Er grinste. "Wähle den erweiterten Systemlogin, schalte auf Stream-Sicht." Der Kimera hatte keine Mühe damit, jetzt sah er unzählige taelonische Symbole. "Such nach der Symbolgruppe, die am häufigsten vorkommt - kopieren und mit Zo'ors Kennworthash multiplizieren."
"So einfach?"
"Ja. Welcher Depp hat das entworfen?", schmunzelte Augur, "Die Symbolgruppe ersetzt du für die Antwort durch lauter Qiyin'sha-Symbole, das gibt einen schönen Pufferüberlauf, und das Produkt schickst du als Kennwort."
Liam rotierte etwas mit all den Ersetzungen und der Multiplikation von Symbolen, aber schliesslich war er drin - mit Zo'ors Kennwort. "Okay?"
"Jetzt Synodenlogin, und mit Da'ans und Zo'ors bist du problemlos drin."
"Gut ... und jetzt hier ..." Der Kimera grinste bis über beide Ohren, als das Mutterschiff ihm meldete, dass das Waffensystem soeben gesperrt wurde.
Sandoval blickte auf die Uhr. "Drei Minuten, 48 Sekunden, Major, Sie müssen schneller sein."
Augur zückte sein Global, tippte dreimal auf den Bildschirm und verkündete dann: "Liam, du hängst jetzt an einem Simulationsserver, du kannst üben, bis es sitzt."
"Einverstanden", nickte der Kimera, "Ihr seht euch derweil an, wo das Zeitportal möglicherweise ist - und spiel die Zwischenergebnisse hier drauf, die muss ich auch lernen!" Er winkte kurz mit dem Global.
"Klar", grinste Augur, "Lili? Würden Sie uns nach London fliegen?" Und damit meinte er tatsächlich Sandoval und ihn.


"Sandoval wieder gehen zu lassen war ein Fehler", brummte Hailey und stapfte einer Wand entlang hin und her, "Er wird uns so was von verpfeifen!" Der Kimera, der es inzwischen innerhalb von nur eineinhalb Minuten schaffte, das Waffensystem zu sperren, und daher nun wieder Kennwörter und Zwischenergebnisse auswendig lernte, rollte nur mit den Augen. "Sie können nicht sicher wissen, dass es noch einen Durchgang gibt!", fuhr sie ihn an, "Ausserdem, was ist, wenn es keine richtige Schleife ist, sondern Sie nur immer zurückspringen und ein neues Universum gründen?"
"Dann können Sie sich insofern beruhigen, dass Sie Zo'or bald los sind", bemerkte er trocken, "Er springt dann ja auch zurück."
"Wie überaus beruhigend ... wir haben trotzdem immer noch Da'an am Hals!"
"Päppeln Sie ihn auf, klauen Sie ein bisschen Grundenergie für ihn", schlug Liam vor, "Er hält immerhin recht viel von der Menschheit und will sie nicht versklavt oder vernichtet sehen. Zo'or schon." Hailey blieb einen Sekundenbruchteil lang stehen, dann stapfte sie umso energischer weiter. "Ach kommen Sie schon", seufzte Liam, "Er hat mich nicht verraten, dabei weiss er es schon die ganze Zeit. Er war auch mal unter der Kirche, wobei das ja jetzt keine Rolle mehr spielt."
"Und dann schleppen Sie ihn gleich ins nächste Widerstandsversteck, Sie sind echt nicht mehr bei Trost, Liam."
"Schön! In zukünftigen Durchgängen lade ich Da'an bei Bedarf im Krankenhaus ab. Versprochen."
"Und Sandoval?", knurrte sie.
"Der ist nicht so übel", sagte der Kimera, "Er versucht, es nicht zugeben zu müssen, aber eigentlich ist er ein Widerstandssympathisant."
"Ach ... und die Freiwilligen?"
"Hypno-Kur, wie die anderen gefangenen Freiwilligen auch. Die Implantate sind nicht so stark wie ein CVI, das wissen Sie."
Hailey seufzte laut auf, kam zum Tisch und setzte sich. "In solchen Situationen frage ich mich, wieso ich für Sie als neuen Anführer war", erklärte sie, "Ein solcher Optimist, wie Sie sind ..."
"Und Doors ein ausserordentlicher Pessimist", sagte Liam, "Gibt es etwas Wichtiges, was Sie mir sagen möchten? Ich sollte hier noch lernen ..." Hailey lehnte sich zurück, verschränkte die Arme und schwieg. "Danke", murmelte er knapp und widmete sich wieder den neuesten Zwischenergebnissen, die ihm Augur erst vor einer Stunde geschickt hatte.


"Da wären wir wieder", grüsste Lili und liess sich auf einen Stuhl fallen, Augur und Sandoval setzten sich ebenfalls.
"Na endlich!", war Liam erleichtert, "Ich fürchtete schon, ihr würdet es nicht rechtzeitig schaffen. Was gefunden?"
"Ein Reinfall nach dem anderen", schüttelte sie den Kopf, "London, Moskau, Vancouver, Nizza, nirgendwo ein Zeitportal. Und das obwohl Sandovals Ausweis uns Türen zu etlichen reichlich unmenschlichen Experimenten geöffnet hat." Der Asiate verzog kaum merklich das Gesicht.
"Nicht London, nicht Moskau, nicht Vancouver, nicht Nizza", wiederholte der Kimera und zog die Stirn in tiefe Runzeln, "Das waren die wahrscheinlichsten Orte. Die nächsten wären Hamburg, Kolkata und Detroit." Er legte das Global auf den Tisch und atmete tief durch. "Ich werde selbst zum Portal rennen", sagte er, "aber niemanden warnen. Wenn es schiefgeht, seid ihr für den nächsten Durchgang tot."
"Solange das dann nicht der letzte Durchgang ist, habe ich damit kein Problem", brachte sich Sandoval ein, "Ich bin überzeugt davon, dass Sie es schaffen, Major."
"Danke." Liam blickte auf seine Uhr und sah dem Sekundenzeiger zu. "Es ist soweit."



Veria

Code:
HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
11.12.2011 12:49
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Taoynin Offline
Baumbewohner

Beiträge: 2.915
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #2
RE: 11. Türchen: Der Blick zum Horizont XI
Es bleibt weiter spannend. Freuen
13.12.2011 20:18
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Hagazussa Offline
Raumfahrende, katzenähnliche Wesenheit

Beiträge: 8.970
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #3
RE: 11. Türchen: Der Blick zum Horizont XI
Das wird ja immer verwickelter hier. Jetzt bin ich echt gespannt, wo das Zeitportal ist und ob und in wie vielen Durchgängen sie es denn dann finden.

"Die Katze verbringt 2/3 ihrer Zeit mit schlafen.
Die Katze vermittelt das Bild einer Welt, deren Eroberer im Bett bleiben."


Jean Guttle Hué
26.01.2012 10:00
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