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10. Türchen: Der Blick zum Horizont X
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Veria Offline
Admin, Wandermaus und Baumbewohner

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Beitrag: #1
10. Türchen: Der Blick zum Horizont X
Heute etwas (viel) später als sonst. Viel Spass!



Liam sass auf dem Pilotensessel eines Shuttles, das Augur freundlicherweise aus der Ortung genommen hatte, und starrte schweigend in die Interdimension. Sandoval hinter ihm hatte bisher ebenfalls geschwiegen, aber jetzt ergriff er das Wort: "Augur scheint gut informiert."
"Er ist ein Genie."
"Und einschlägig bekannt."
"Und einschlägig bekannt", bestätigte Liam, "Nichtsdestotrotz ein Genie, auf das ich nicht verzichten möchte."
"Ein Genie, das bereits an einer von Zo'ors Versuchsreihen teilgenommen hat und zudem als Schläfer ausgewählt wurde, als das Gemeinwesen Lücken bekam", ergänzte Sandoval, "und das sind noch nicht alle Vorkommnisse. Vermutlich hätte ich dem nachgehen sollen."
"Wie gesagt, er ist ein Genie", wiederholte Liam nur wieder, "Lassen Sie mich jetzt bitte mich konzentrieren." Er zückte sein Global und überprüfte, ob alles bereit war, dann blickte er wieder auf die holographischen Kontrollen und atmete tief durch. "Dann los ..."
Das Shuttle verliess die Interdimension, rammte beinahe eine violette Wand, warf einen Freiwilligen von den Füssen und prallte seitlich gegen ein anderes Shuttle, bevor es endlich stillstand. Liam schnallte sich eilig los und sprang hinaus, dotzte den zweiten anwesenden Freiwilligen mit der Nase gegen die Wand und drückte dann sein Global gegen eine Schnittstelle zum Mutterschiffcomputer.
"So, kein Alarm, keine Aufzeichnung, wir sind nicht hier", erklärte er dann.
"Beeindruckend, Major", sagte Sandoval kühl und verliess das Shuttle selbst, "Machen Sie das öfter, sich so unauffällig aufs Mutterschiff zu schleichen?"
"Eher selten. Eigentlich nur, wenn ich herausfinden will, an wessen Gehirnwellen Zo'or gerade herumpfuschen lässt."
Der Agent runzelte kurz die Stirn, dann machte er sich daran, die beiden Freiwilligen zu fesseln und ins Shuttle zu bringen. Liam sah ihm dabei zu, ohne einen Finger zu rühren. Schliesslich machten sie sich auf den Weg, um einen der Hauptnervenknoten des Schiffes zu erreichen.
"Wissen Sie, Sandoval, aus Ihnen wird man nicht leicht schlau", stellte der Kimera schliesslich fest, "In den bisherigen Durchgängen haben Sie nicht nur einmal klargemacht, dass Sie mich für einen skrupellosen Taelonschergen halten, der jede Leiche wegräumt. Aber als Sie mich vorhin über Augur ausgefragt haben, klang das doch eher nach der Vermutung, ich wäre beim Widerstand."
"Ich werde aus Ihnen nicht leicht schlau", gab Sandoval zu, "aber ich zweifle nicht daran, dass Sie taelontreu sind. Nur ... was wollen Sie noch?"
"Nicht an meinen Gehirnwellen herumgepfuscht bekommen, jedenfalls", brummte Liam, "und es wäre mir auch recht, nicht mit einer untauglichen Waffe gegen einen übermächtigen Gegner geschickt zu werden. Ist das verständlich?" Er huschte in eine Abzweigung und drückte sich an die Wand, der Agent tat dasselbe, und sie warteten still, bis Lindsay vorbei war. "Ich hoffe, der geht nicht in den Hangar ...", murmelte der Kimera besorgt.
"In dem Fall sollten wir uns beeilen", stellte Sandoval fest, "Dort ist schon der Knoten." Er lief voran und blickte in alle Abzweigungen auf dem Weg, schliesslich lehnte er sich neben der Schnittstelle des Nervenknotens mit dem Rücken gegen die Wand.
Liam wischte mit einem Finger über die dunkelblaue Membrane, die daraufhin verschwand, dann riss er einen Lichtwellenleiter aus dem Gewirr dahinter und steckte ihn seitlich am Global ein. "Augur?", fragte er.
"Einen anderen. Der gibt nur Daten zu Beleuchtung, Gravitation und Atmosphäre aus."
Liam seufzte kurz, dann probierte er es mit dem nächsten Lichtwellenleiter.
"Der hängt am Hauptsystem, ich habe die Verbindung", bestätigte der Hacker, "Ich mache das schon, stopf das Global rein, ich schicke die Zwischenergebnisse auf Sandovals."
"Okay", nickte der Kimera, schob sein Global als ganzes in das Lichtwellenleitergewirr und liess die Membrane wieder erscheinen.
"Sie halten ihn also für absolut vertrauenswürdig und taelontreu", stellte der Agent fest, "Ich käme nicht auf die Idee, einem einschlägig bekannten Kriminellen Zugriff auf das Mutterschiff zu ermöglichen."
"Vertrauenswürdig, ja", schmunzelte Liam, "Taelontreu ... nun, für Zo'or hat er nicht sehr viel übrig. Wie ich hält er es eher mit Da'an. Sie verdanken ihm übrigens Ihr Leben."
"Tatsächlich?"
"Smerdyakov hat das virtuelle Glas sabotiert - Augur hat es wiederhergestellt."
Sandoval stutzte kurz, dann schubste er Liam in einen Nebengang und hinter eine weiss leuchtende Strebe. Wenige Momente später rauschte verärgert Zo'or vorbei, hinter ihm ein merklich verunsicherter Mit'gai. Die beiden Taelons sprachen miteinander, leider auf Eunoia, was das Verstehen schwierig machte.
Aber nicht unmöglich.
"Das ist ... übel", murmelte Liam schliesslich.
"Sie haben das verstanden?", war der Agent entsetzt, "Sie, ein gewöhnlicher Mensch? Wo ich schon Mühe damit hatte?"
"Gehen wir!"
Sandoval musterte den Kimera kurz und folgte ihm dann den Weg, den Zo'or und Mit'gai gekommen waren. Die schwierige Übersetzung bestätigte sich: In einem Verhörraum befand sich Da'an. Diesmal lebte er, diesmal hatte Zo'or ihn offensichtlich vor der Zerstörung der Stadt an Bord gerufen. Der Botschafter hatte seine Fassade fast völlig verloren, ein Energiefeld hielt ihn auf einer Liege fest und mehrere Auswüchse aus dem Schiff drangen in seine Hauptenergiebahnen.
"Die Vorbereitung einer mentalen Sondierung", wusste der Kimera, öffnete den Datenstrom und befreite den Taelon mittels eines aus einem früheren Durchgang gemerkten Kennwortes.
Da'an festigte seine Fassade sichtlich mit einiger Mühe, rappelte sich langsam auf und stützte sich auf einer Schulter je Beschützer auf. "Major Kincaid, Agent Sandoval", flüsterte er, "Ich kann Ihnen versichern, dass ich nicht für die Zerstörung Washingtons verantwortlich bin."
"Ich weiss", sagte Liam, "Kommen Sie." Er legte ihm einen Arm um den Oberkörper und zog ihn mit.
"Zo'or hat Sie vor ..." Sandoval blickte auf seine Uhr. "... zwei Stunden an Bord gerufen, nehme ich an?"
"Unmittelbar vor dem Schuss", fügte der Kimera hinzu, "und er hat später nicht mehr erwähnt, dass Sie auf seine Anweisung herkamen?"
Da'an verlor kurzzeitig seine Fassade und nickte matt. "So ist es."
Sandoval eilte voran aus dem Verhörraum und den Korridor entlang, den Skrill bereit. Liam zog den Taelon hinter ihm her. Nur einmal mussten sie einen Umweg machen, um drei Freiwilligen auszuweichen, dann aktivierte sich plötzlich ein Datenstrom in einer Nische, als sie vorbeikamen. "Hey, Liam! Ich habe Zo'or und den Taelon-Arzt im Labor festgesetzt, aber ich habe herausgefunden ... oh, ihr habt ihn schon befreit. Umso besser! Wie geht es ihm?"
"Ich werde mich erholen", sagte Da'an schwach.
"Was ist mit dem Zeitportal?", fragte Liam.
"Die Liste der möglichen Transporte ist noch lang", erklärte Augur, "aber ein paar recht wahrscheinliche Orte sind schon gefunden. Kommt mal wieder runter, es könnte gefährlich werden, immerhin hat sich der Kriegsminister angekündigt."
"T'than", sagte der Kimera, "Das dauert noch ein paar Stunden, bis der wirklich hier ist. Wir kommen trotzdem runter." Damit zog er Da'an energisch weiter, wenngleich dieser darüber ins Stolpern geriet, und griff auch nach Sandovals linkem Oberarm. "Kann ich mein Global mitnehmen oder brauchst du das noch, Augur?"
"Brauche ich, Funk ist nach wie vor aus und über Portalsignale reicht die Übertragungsrate nicht."
"Okay. Wir treffen uns in Bellamy Hall."
Sie bogen links ab und waren damit ausser Reichweite dieses Datenstroms. Es erschien kein weiterer, auf dem gesamten Weg in den Hangar nicht. Schliesslich setzten die beiden Beschützer den schwachen Taelon in einen Passagiersessel, Sandoval überprüfte noch den Zustand der beiden gefesselten Freiwilligen, während Liam schon den Antrieb initialisierte. Dann setzte sich der Agent eilig, nur einen winzigen Moment, bevor sie losflogen.
Nächster Halt: Bellamy Hall.




Veria

Code:
HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
10.12.2011 12:16
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Obi-Wahn Offline
Baumbewohner

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Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #2
RE: 10. Türchen: Der Blick zum Horizont X
Du machst es aber spannend! :-D

Hin und wieder ist alles relativ!
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.12.2011 18:28 von Obi-Wahn.)
10.12.2011 18:28
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Zira Offline
Moderator

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Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #3
RE: 10. Türchen: Der Blick zum Horizont X
Was Obi-Wahn sagt. ^^

Jeder weitere Durchgang beinhaltet jetzt sehr interessante Erkenntnisse. Freue mich auf das nächste Stück.
11.12.2011 12:48
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Taoynin Offline
Baumbewohner

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Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #4
RE: 10. Türchen: Der Blick zum Horizont X
Das kann Sandoval wohl einfach nicht wegstecken, dass er das Eunoia nicht versteht und dafür Boone und jetzt auch noch Liam. Das kratzt wohl mächtig an seinem Ego. Lachen
Schöne Geschichte, Veria. Macht echt Spaß! Freuen
13.12.2011 20:11
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Hagazussa Offline
Raumfahrende, katzenähnliche Wesenheit

Beiträge: 8.970
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #5
RE: 10. Türchen: Der Blick zum Horizont X
Es wird immer lustiger und auch spannender. Böser Zo'or. Den sollte mal einer wirklich nachhaltig in die Schranken weisen.

"Die Katze verbringt 2/3 ihrer Zeit mit schlafen.
Die Katze vermittelt das Bild einer Welt, deren Eroberer im Bett bleiben."


Jean Guttle Hué
25.01.2012 13:08
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