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9. Türchen: Der Blick zum Horizont IX
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Veria Offline
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9. Türchen: Der Blick zum Horizont IX
"Liam!", begrüsste Augur den Kimera aufgeregt, "Deine Kennwörter sind der Hit! Und das Mutterschiff hat Scheunentore, das ist kaum zu fassen."
"Gib nicht so an", sagte Liam knapp, "Das höre ich immerhin vermutlich noch öfter. Was hast du herausgefunden?"
"Äh, ja. Zo'or hat heimlich geschossen und dann mit einem Notfallbeschluss das Mutterschiff überzeugt, ihn an die privaten Daten der anderen Taelons ranzulassen. Ich habe seine Berechtigung gesperrt und ihn auf der Brücke eingeschlossen."
"Wie das letzte Mal also - was ist mit dem Zeitportal?"
"Es steht in der Liste", erklärte Augur, "allerdings nur, wenn man ein Taelonkennwort hat. Zo'or hat es ohne Angabe von Gründen aus dem Lager geholt." Liam sah ihn aufmerksam an, aber mehr gab es nicht. "Es steht nicht dabei, wo es jetzt ist", schüttelte der Hacker den Kopf, "Ich gehe gerade die möglichen Transporte durch, um das etwas einzuschränken."
Der Kimera nickte nachdenklich, dann blickte er kurz auf die Uhr und bestimmt: "In 17 Stunden brauche ich ein für mich merkbares Zwischenergebnis, mit dem du im nächsten Durchgang weitermachen kannst - falls du es bis dahin nicht gefunden hast, jedenfalls."
"Klar", bestätigte Augur, "Kein Problem. Was machst du bis dahin?"
"Nachdenken."


Liam dachte nach, und das nicht alleine. Sandoval, Lili und Hailey sassen mit ihm um den kleinen Tisch in der Kaffeeküche und warfen immer wieder ein, was ihnen gerade einfiel. Tony Ferrara hingegen hatte sich geweigert, mit dem Agent zusammenzuarbeiten, und es liebend gerne übernommen, sich um den Rest der Menschheit zu kümmern - nach der Zerstörung von Washington war die Welt schliesslich reichlich aus den Fugen.
"Was ist mit Da'an?", fragte Lili, "War er in der Botschaft?"
"Ich befürchte es. Zo'or könnte ihn theoretisch aufs Mutterschiff beordert haben - aber warum dann die Botschaft zerstören?"
"Gibt es eine Möglichkeit, das herauszufinden?"
"Natürlich", nickte Liam, "aber ich befürchte, Zo'or würde das mitbekommen. Er kennt sich im Gemeinwesen besser aus als ich."
Sie runzelte überrascht die Stirn und blickte kurz zu Sandoval, dann schob sie ihre Verwunderung beiseite und stellte fest: "Sie haben aber jedenfalls nicht gespürt, dass Da'an gestorben ist."
"Nein, aber Qo'ons Tod auch schon kaum und da war ich keine fünf Schritte weg."
"Bei dem anderen Taelon? Dem Wissenschaftler? Ne'eg?", fragte Hailey.
"Da war ich noch nicht geboren."
"Oh!", machte sie.
"Wir könnten einen Taelon fragen, ob Da'an lebt", schlug Sandoval vor, "Zo'or sitzt auf dem Mutterschiff fest, er wird nicht erfahren, dass wir fragen."
"Stimmt", nickte Liam, "Welchen Taelon empfehlen Sie?"
Der Agent zuckte mit den Schultern. "Irgendeinen, der nicht ebenfalls auf dem Mutterschiff festsitzt. R'am, Ne'han oder To'rai beispielsweise."
"Dann ... To'rai. Lili, würden Sie veranlassen, dass er gefragt wird?", bat Liam, "Corporal Haskill soll einfach dazusagen, dass sie befürchtet oder wahlweise auch hofft, Da'an wäre wieder entführt worden." Lili nickte und huschte aus der kleinen Küche.
"Was ist mit Jonathan Doors?", fragte Sandoval nach einigen Momenten Stille.
"Ich habe nichts von ihm gehört", sagte Hailey, "Sie, Liam?" Der Kimera schüttelte den Kopf. "Er ist aber auch nicht wichtig", fügte sie hinzu, "Er ist nicht mehr der Chef, und Politiker nützen in einer Zeitschleife überhaupt nichts."
"Er glaubt noch, er wäre der Chef - und da er noch nicht aufgetaucht ist, ist er vermutlich tot", sagte Liam, "Aber lassen wir das. Sandoval, das Waffensystem des Mutterschiffes braucht eine Weile um hochzufahren ...?"
"Zwölf Minuten und neun Sekunden", bestätigte der Agent.
"Liesse es sich in der Zeit irgendwie unterbrechen?"
"Schaffen Sie es in der Zeit, Augur die Kennwörter zu geben? Dann ja."
Liam machte ein Gesicht wie eine Zitrone. In zwölf Minuten die Kennwörter aufschreiben ginge vielleicht noch, aber Augur konnte dann auch nicht einfach mit den Fingern schnippen. Es gab nichts mehr zu überlegen, die drei waren sich schliesslich einig, dass es das Beste war, wenn Liam weiterhin die Kennwörter lernte und sich gegen Ende auch Augurs Zwischenergebnisse der Suche nach dem Zeitportal verinnerlichte. Mehr gab es in diesem Durchgang nicht zu tun, auch bezüglich Da'an nicht - Lili meldete, dass der Taelon tatsächlich tot war.


"RÄBÄÄÄHHHH!"
Die Codes vor Liams Augen waren verschwunden, er starrte auf das Ecksofa in seinem Arbeitszimmer. Der nächste Durchgang hatte begonnen, kurz blickte er auf die Uhr: Punkt zehn. Eilig schlüpfte er in Jacke und Schuhe und rannte aus seiner Wohnung Richtung Garage. Auf dem Weg schon schaltete er sein Global auf Aufzeichnungsmodus, im Auto dann rezitierte er die auswendig gelernten Codes und Kennwörter - er wollte keinesfalls riskieren, sie einfach so zu vergessen.
Die Strassenverkehrsordnung legte Liam sehr lax aus, nicht nur eine rote Ampel wurde einfach ignoriert, er wurde auch häufig verärgert angehupt. Mit quietschenden Reifen kam er im Halteverbot vor Sandovals Wohnblock zu stehen und sprintete durch den Eingang. Der Concierge schenkte ihm einen verdutzten Blick und rückte die Mütze zurecht.
"Sandoval?", fragte Liam.
"Dritter Stock, rechts, Sir", kam perplex zurück.
Der Kimera bedankte sich knapp und wetzte die Treppe hoch, immer drei Stufen auf einmal. Erster Stock, zweiter Stock, dritter ... rechts. LePuy, Wilde, Nowak, und endlich Sandoval. Liam betätigte die Klingel, mehrfach, und es dauerte lange, viel zu lange, bis der Agent die Tür einen Spalt öffnete. "Was ist, Major?"
"Wir müssen die Stadt ..." So helles Licht, so viel Hitze, Schmerz, so viel Schmerz, und doch nur einen winzigen Augenblick lang.
"RÄBÄÄÄHHHH!"
Liam starrte auf das Ecksofa in seinem Arbeitszimmer und ballte die zitternden Hände zu Fäusten. Er war gestorben, genau wie Sandoval und jeder andere in der ganzen Stadt. Niemand hatte Zo'or gestoppt, er hatte die privaten Daten seiner Mittaelons unbehelligt lesen können.
Zwölf Minuten, neun Sekunden.
Liam stieg eilig in seine Schuhe und rief auf dem Weg aus dem Haus Sandoval an. Er liess den Agent nicht zu Wort kommen, er erklärte gleich: "Nehmen Sie das nächste Portal und verschwinden Sie aus der Stadt, wir treffen uns in New York, Hauptportalstation. Sie haben zwölf Minuten und neun Sekunden und beten Sie, dass der Marathon unnötig ist."
Das schreckte Sandoval auf. "Verstanden, Major."
Liam rannte inzwischen die Strasse entlang und hatte das Gefühl, das Portal wäre ewig weit weg. "Lili! Augur soll seinen besten Laptop nehmen, kommen Sie per Portal nach New York, Hauptportalstation, und das sofort!"
"Wa... Liam!", protestierte Augur, "Warum denn ...?"
"Tu es, verdammt! Wir haben keine Zeit!" Liam schob energisch sein Global zu und bremste beim Portal ab. Er schubste ein altes Mütterchen zwischen die Streben, stellte das Ziel ein und spürte, wie er durch die Interdimension davongetragen wurde.
In New York angekommen bekam er als erstes den Gehstock übergebraten und flüchtete lieber.
Kaum eine Minute später erschien Sandoval im Portal, er war etwas zerknautscht und definitiv unrasiert, trug aber nichtsdestotrotz wie gewohnt einen Anzug. "Major", grüsste er höflich, "erklären Sie die Situation."
Liam blickte auf die Uhr und runzelte die Stirn: Zehn Uhr, zwölf Minuten. Er zückte sein Global und rief ein aktuelles Satellitenbild von Washington auf. Noch war die Stadt da. Wo blieben Augur und Lili?
"Liam", rief sie und kam hergelaufen, "Was ist los?"
Der Kimera blickte erleichtert zu ihr und konnte neben dem Zeitungsladen hinter ihr auch Augur ausmachen. Wieder sah er auf sein Global, und dann geschah es. Sandoval starrte ebenso erschrocken wie Lili auf den kleinen Bildschirm in Liams Händen, wenige Augenblicke später schrillte ein Portalalarm los, die Eingänge der Portalhallen wurden geschlossen und die Ankömmlinge eiligst aus den Portalen gescheucht. Dutzende Portalreisen wurden hierher umgeleitet, weil das eigentliche Ziel nicht mehr existierte.
"Washington wurde zerstört", fasste Sandoval zusammen, "und zwar vom Mutterschiff aus."
"Eine Fehlfunktion?", fragte Lili.
"Nein." Liam setzte sich in Bewegung und ging voraus Richtung Fast-Food-Schuppen. Viel war dort nicht los, die meisten hatten ihre Mahlzeit geschnappt oder auch auf den Tischen liegen gelassen, um in bester Schaulustigenmanier den Angestellten der Hauptportalstation auf die Nerven zu gehen. Der Kimera winkte noch Augur, mitzukommen, als die drei am Schwarzen vorbeikamen, schliesslich sassen sie am hintersten Tisch.
"Also, Major?", fragte Sandoval.
"Keine Fehlfunktion, es hat Zo'or geschossen", erklärte Liam, "und ich weiss davon, weil ich in derselben Zeitschleife festsitze wie er."
"Da muss ihm die ständige Wiederholung schon reichlich auf den Geist gehen ...", bemerkte Augur.
"Er verursacht sie", widersprach Liam, "und er hat erst angefangen, zu schiessen, als die übliche Tour mit Gefangennahme und Folter nicht mehr funktioniert hat. Zunächst dann auch nur ein Drittel der Stadt, aber nachdem Da'an ihm die Leviten gelesen hat, war es plötzlich die ganze."
"Ganz schön nachtragend", sagte der Schwarze.
"Der letzte Durchgang war ... kurz", fuhr der Kimera fort, "Zwölf Minuten und neun Sekunden nur. Zo'or hat die zeitraubende Gefangennahme von Ihnen, Sandoval, einfach weggelassen, nachdem ich sie im vorvorigen Durchgang vereitelt hatte."
"Weshalb hat er mich gefangengenommen?", war der Agent verblüfft.
"Es gab morgen einen Angriff auf Madjira", erklärte Liam, "und es wurden Hinweise auf Sie gefälscht. Zo'or glaubt sie offensichtlich alle, und das rückwirkend." Er rollte kurz mit den Augen.
"Deshalb verursacht er aber nicht die Schleife", überlegte Sandoval, "Was ist der Plan dahinter? Was will er?"
Der Kimera seufzte leise und zuckte knapp mit den Schultern. "Was ich bisher weiss, ist, dass er die Suche nach demjenigen, der geschossen hat, als Ausrede nutzt, die privaten Daten seiner Mittaelons zu lesen. Augur, gib mir kurz deinen Laptop."
"Was?"
"Ich muss die Kennwörter eingeben, die ich aus den bisherigen Durchgängen kenne - dann kannst du Zo'or auf der Brücke einsperren und seine Berechtigung zum Teufel jagen." Er erhielt das Gerät, klappte es auf und suchte kurz nach dem Hilfsprogramm, um Taelon-Symbole einzugeben. Unter staunenden Blicken von Augur und Sandoval klopfte er die Kennwörter dann eilig in die Tastatur, dann gab er dem Hacker den Laptop zurück.
"Wie viele Durchgänge hast du schon erlebt?", fragte Augur dann mit gerunzelter Stirn.
"Das ist der siebte inzwischen."
Ein Angestellter der Fast-Food-Kette kam herbei, aber bevor er den Mund aufmachen konnte, scheuchte Sandoval ihn mit Hilfe des FBI-Ausweises wieder davon. "Was schlagen Sie also vor, Major?", fragte der Agent dann, "Wissen Sie bereits, wie Zo'or die Schleife verursacht?"
"Mit dem Kimera-Zeitportal, zweifellos", sagte Liam, "Augur, wenn du Zo'or eingesperrt ..."
"Nein, keine Chance", schüttelte der Hacker den Kopf, "Das Mutterschiff ist funktechnisch komplett abgeriegelt. Zo'or hat offensichtlich bereits damit gerechnet, dass das jemand versucht."
Der Kimera seufzte laut auf und fragte: "Was ist mit der Liste der Ausstellungsstücke?"
"Die wird im Museum gespiegelt, da komme ich ran."
"Gut. Gib mir den Laptop."
"Wofür denn noch?", rollte Augur mit den Augen, gab seinen Rechner aber ohne ernstzunehmende Weigerung her. Der Kimera schrieb eine halbe Seite an nichtssagenden Werten auf und stellte den Laptop wieder vor dem Hacker ab. "Das ist ... der Wahnsinn", stellte dieser fest und rieb sich die Augen, "Du hast das ... auswendiggelernt? Ja, klar, das ist eine menschenlesbare Serialisierung, aber doch nur zu Debugzwecken!"
"Du hast keine Bessere aufgetrieben", grinste Liam, "und jetzt such schon weiter nach dem Zeitportal, irgendwo muss es ja sein." Jetzt wandte er sich Lili zu. "Können Sie aktuelle Scans vom Mutterschiff auftreiben? Wir können nicht ausschliessen, dass Zo'or noch eine Stadt abschiesst, und sollten tunlichst nicht genau dort sein. Oh, Augur, nimm unsere Globals aus der Ortung!"
Kurz war es still, dann nickte der Hacker. "Sind raus."
"Scans vom Mutterschiff", nickte auch Lili, "Kriege ich."
"Und wir beide, Agent Sandoval", grinste Liam den Agent an, "fliegen aufs Mutterschiff und sehen uns dort ein bisschen um."
"Sie halten das für klug?"
Der Kimera schüttelte den Kopf. "Nein, eher für lebensgefährlich, aber bessere Idee habe ich keine. Wir sollten uns eben nicht sehen lassen und vielleicht können wir ja Zo'or etwas ausbremsen."



Veria

Code:
HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
09.12.2011 01:00
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Obi-Wahn Offline
Baumbewohner

Beiträge: 1.493
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #2
RE: 9. Türchen: Der Blick zum Horizont IX
Was will Zo'or jetzt eigentlich genau???

Hin und wieder ist alles relativ!
09.12.2011 23:44
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Taoynin Offline
Baumbewohner

Beiträge: 2.915
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #3
RE: 9. Türchen: Der Blick zum Horizont IX
Schön, dass Liam noch seinen Humor behält.
13.12.2011 20:01
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Hagazussa Offline
Raumfahrende, katzenähnliche Wesenheit

Beiträge: 8.970
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #4
RE: 9. Türchen: Der Blick zum Horizont IX
Da darf man ja auf den nächsten Umlauf gespannt sein und wie Liam und Sandy Zo'or auszubremsen versuchen.

"Die Katze verbringt 2/3 ihrer Zeit mit schlafen.
Die Katze vermittelt das Bild einer Welt, deren Eroberer im Bett bleiben."


Jean Guttle Hué
25.01.2012 12:58
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