Antwort schreiben 
6. Türchen: Der Blick zum Horizont VI
Verfasser Nachricht
Veria Offline
Admin, Wandermaus und Baumbewohner

Beiträge: 8.439
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #1
6. Türchen: Der Blick zum Horizont VI
"Major Kincaid, Zo'or ist von Ihrer Anwesenheit an Bord nicht begeistert", grüsste Captain Lindsay sauertöpfisch, "Sie werden beizeiten über das Ergebnis der Untersuchung informiert, verlassen Sie die Ihnen zugewiesenen Räumlichkeiten nicht.
Liam richtete sich zu seiner vollen Grösse auf und reckte das Kinn. "Ich bin hier, um bei der Untersuchung zu helfen."
"Es besteht kein Bedarf, Major."
"Gut", zuckte er mit den Schultern, "dann gehe ich eben wieder." Er wandte sich um und setzte an, in sein Shuttle zu steigen, doch der plötzliche Schmerz eines Skrilltreffers warf ihn nieder.
"Ihre zugewiesenen Räumlichkeiten haben sich soeben geändert", erklärte ihm Lindsay kühl, "Ihnen ist nicht gestattet, bis zum Abschluss der Untersuchung das Mutterschiff zu verlassen, und um das sicherzustellen, werden Sie in einer Zelle untergebracht."
Liam blickte auf und musterte den Agent mit dem glühenden Skrill und die beiden herbeimarschierenden Freiwilligen. "Ich glaube, Zo'or weiss schon, wer Sandovals Nachfolger wird", stellte er trocken fest.
Er liess sich von den Freiwilligen nicht durch das Schiff zerren, wie Lindsay es offensichtlich gerne gehabt hätte - nein, er ging selbst seinen Weg in die Zelle und auch selbst hinein. Sein Global wurde er auf dem Weg los, auch seine Kleidung musste der wenig modischen grauvioletten Gefangenenkluft mit dem Netz weichen.
"Ich kann Ihnen versichern, Da'an wird von dieser Behandlung seines Beschützers nicht angetan sein", tat er noch kund, bevor die drei ihn in seiner Zelle alleine liessen. Reaktion darauf gab es jedenfalls keine.


Da war Liam nun, Gefangener auf dem Mutterschiff. Lili hatte den Teufel an die Wand gemalt, als sie vermutet hatte, es wäre Zo'or, der sich der Schleife bewusst war - nun fand Liam es selbst sehr wahrscheinlich. Es war bezeichnend, wie wenig Zo'or offensichtlich Konsequenzen befürchtete, und es war ihm auch zuzutrauen, einfach so in einem Durchgang mal schnell auf Washington zu schiessen.
Damit war auch klar, dass Zo'or keinesfalls erfahren durfte, dass sich auch Liam an die vorigen Durchgänge erinnerte - wenn Zo'or ohne Störung handeln können wollte, würde er vermutlich durchaus auch Washington komplett von der Landkarte tilgen, nur um den Kimera loszuwerden. Konsequenzen hatte er ja keine zu befürchten.
Liam allerdings auch nur begrenzt. Er würde also seine Zeit in der Zelle absitzen und sich dann in seinem Arbeitszimmer wiederfinden. Aber das dauerte noch. Sehr genau hatte er die Dauer der Schleifendurchgänge bisher noch nicht gemessen, aber zwanzig lange Stunden würden es wohl etwa sein.
Energisch schlug der Kimera gegen das virtuelle Glas und sah den ihn bewachenden Freiwilligen böse an. Es hatte keine Wirkung, ausser der, seinen Ärger und seine Genervtheit deutlich darzustellen. Also setzte Liam sich in eine Ecke und starrte ins Leere. In einem ähnlich menschenunwürdigen Gefängnis auf der Erde könnte er wenigstens Kakerlaken zählen ...


"Major, stehen Sie auf", verlangte Zo'or. Liam beeilte sich, der Anweisung zu folgen, und trat ans virtuelle Glas. "Ich benötige Ihre Unterstützung", sagte der Taelon.
"Das hätten Sie vor einigen Stunden haben können, Zo'or", gab der Kimera patzig zurück, "Jetzt sollten Sie sich besser erst einmal entschuldi..."
"Sie haben nichts zu verlangen! Captain Lindsay ist anderweitig beschäftigt, also werden Sie mich bei der Befragung unterstützen. Umgehend!"
"Ja, Zo'or."
Liam wurde die Gnade gewährt, seine eigene Kleidung wieder anziehen zu dürfen, dann begleitete er den Taelon. Das Mutterschiff machte den Eindruck eines Polizeistaates oder einer Militärdiktatur. Der Kimera fand es verwunderlich, dass sich dem keiner entgegensetzte, aber andererseits würde ein Aufmucken wunderbar einen Sündenbock für den Schuss auf Washington liefern - das funktionierte also auch bei Taelons.
Zo'or führte Liam in ein Zwischending zwischen Verhörraum und Labor - Sandoval lag da und mehrere Nadeln waren in seinen Kopf gebohrt. Wie unerwartet treffend der Agent zwei Durchgänge früher doch vermutet hatte, Zo'or würde seine sämtlichen Gehirnlappen am lebenden Objekt sezieren wollen ...
Liam schluckte heftig.
Aber wenigstens war Sandoval am Leben und nicht in seiner Wohnung im Schlaf verkohlt.
"Ich dachte, er wäre tot", sprach Liam genau das an.
"Ich habe glücklicherweise knapp vor dem Schuss veranlasst, dass er an Bord gebracht wird", sagte Zo'or kühl, "Es gibt genügend Indizien, dass er ein Verräter ist und einen Angriff auf das Madjira-Forschungszentrum plante. Sie, Major, werden das Geständnis beschaffen. Ich habe mich um die nötigen technischen Voraussetzungen bereits gekümmert." Damit eilte der Taelon davon und liess den Kimera mit dem Agent auf dem Foltertisch alleine.
Zunächst prüfte Liam Sandovals körperlichen Zustand - nicht lebensbedrohlich, aber definitiv mehr als unangenehm. Die Nadeln führten direkt ins Schmerzzentrum und wenn sie aktiviert wurden ... das war ein ganz anderes Kaliber als Schmerzinduktion von aussen oder auf periphere Nerven.
"Okay, Sie haben gehört, was Zo'or gesagt hat. Ich hätte dann mal gerne ein Geständnis, bitte."
"Kincaid ... ich ..." Sandoval suchte den Blick des Kimera und atmete tief durch. "Ich habe nichts getan, ich habe nichts geplant, ich ... ich weiss nicht, woher Zo'or das zu wissen glaubt!"
"Ja, das sagen sie alle."
"Ich ... ja, ich weiss." War er zuvor womöglich noch ein klein bisschen zuversichtlich gewesen, jetzt war jede Hoffnung verschwunden. "Was ist mit Madjira? Wissen Sie, was Zo'or damit gemeint hat?"
"Nein", sagte Liam und setzte sich auf den schmalen Hocker.
"Werden Sie mein Nachfolger?", fragte Sandoval.
Liam runzelte die Stirn. "Ich weiss nicht. Warum fragen Sie?"
"Wissen Sie, was im Madjira-Zentrum erforscht wird?"
"Krebs."
"Nein", flüsterte Sandoval, "und es spielt keine Rolle mehr, was ich davon halte. Ich bin so gut wie tot. Hirnlose Menschen werden dort gemacht, Kincaid, als steuerbare Kämpfer gegen die Jaridians. Und ich wünschte, ich hätte etwas dagegen unternommen ..."
"Ah so?", fragte Liam. Das war interessant, und er glaubte ihm das auch.
"Aber Sie ... Sie ..." Sandoval knirschte hörbar mit den Zähnen. "Sie machen vielleicht einen aufmüpfigen Eindruck, aber sie räumen jede Leiche weg, die die Taelons produzieren! Mich dann auch, ja? Wissen Sie schon, wie Sie mich umbringen werden?"
Liam versuchte, kein zu verdutztes Gesicht zu machen. Das war es, was Sandoval von ihm dachte? Der Speichellecker des Synodenführers hielt ausgerechnet Liam für den gnadenlosen Schergen der Taelons! Aber es bewies, dass das Cover gut war und selbst so misstrauischen Augen wie Sandovals gegenüber hielt.
"Kincaid ..."
"Ich höre?", sagte Liam kühl.
"Was ist? Keine Folter? Ich habe Ihnen eine gute Vorlage gegeben, es sollte Ihnen nicht schwer fallen, mich dazu zu bringen, daraus ein Geständnis zu machen."
Liam stand auf und musterte seinen Vater. "Mit Sicherheit nicht", stellte er fest, "aber ich ziehe vor, Ihnen einen Deal vorzuschlagen."
"Einen Deal?"
"Kopfschuss statt der anderen Idee - dafür gibt es Ihr Geständnis gleich." Immerhin war er sich angemessen sicher, dass es einen weiteren Durchgang geben würde - Zo'or war verantwortlich, das war inzwischen ja klar, sonst hätte er nicht Madjira angesprochen, und Zo'or würde es keinesfalls bei dieser Situation mit dem Schuss auf Washington belassen.
"Ohhh nein, Kincaid, Sie müssen Ihre Arbeit schon tun, ich habe immerhin soeben meine Würde zurückerlangt."
Soviel dazu ... Liam starrte seinen Vater an und blickte dann an die Decke. Irgendwo da draussen sah wahrscheinlich Zo'or auf einen Datenstrom und wunderte sich über den niedrigen Schreipegel. Widerwillig löste Liam einen kurzen Schmerzimpuls mit der niedrigsten Einstellung aus.
"AHHHH!"
Niedrigste Einstellung bedeutete bei direkter Stimulation des Schmerzzentrums immer noch unvorstellbare Qualen. Leider.
"Sandoval, Sie können sich das alles ersparen, ich will Ihnen helfen." Der Kimera verzog das Gesicht, als ihm klar wurde, wie typisch dieser Satz in einem Verhör war - aber er meinte ihn tatsächlich ernst. "Also, was hatten Sie wegen Madjira ..."
"Liam!" Ein Datenstrom erschien und Augur sah entsetzt daraus hervor.
Der Kimera liess sich erleichtert auf den Hocker fallen und seufzte tief. "Augur ... ich hoffe, du hast jegliche Überwachung umgeleitet?"
"Komplett gekappt vielmehr." Der Schwarze normalisierte seinen Gesichtsausdruck und seufzte ebenfalls: "Er ist es übrigens, er hat auf Washington geschossen und gräbt jetzt auf der Suche nach dem Täter die privaten Daten seiner Mittaelons durch. Ich habe ihm ein paar Steine in den Weg gelegt. Also, konkret habe ich mit Da'ans Hilfe seine Zugangsberechtigung komplett gesperrt und ihn auf der Brücke eingeschlossen."
"Gut."
"Das ist also ein Information-Sammel-Durchgang für Zo'or", fuhr Augur fort, "Wie lange dauert ein Durchgang genau?"
"Etwa zwanzig Stunden. Das heisst, noch fünf Stunden."
"Okayyy", murmelte der Schwarze gedehnt, "Mach Sandoval los und nimm das nächste Portal zu mir - ich jage die Folterkammer in die Luft, für den Fall, dass Zo'or doch rauskommt. Fünf Stunden Zeit für Pläne."
Liam stand auf und tippte zwei Symbole im holographischen Steuerfeld an - die Nadeln zogen sich aus Sandovals Kopf zurück und liessen fünf kleine, dunkelrote Punkte zurück. Der Agent runzelte die Stirn und sah den Kimera nachdenklich an, bevor er sich von ihm aufhelfen liess. Liam stützte ihn und brachte ihn zum nächstbesten Portal, wo er Augurs Portalkennung eingab und das Portal dann aktivierte.



Veria

Code:
HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
06.12.2011 01:00
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Zira Offline
Moderator

Beiträge: 1.690
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #2
RE: 6. Türchen: Der Blick zum Horizont VI
Zo'or also, ja? Sicher? Ich bin noch skeptisch. Würde mich auch interessieren, wie lange der "Herr" Synodenführer gebraucht hat, um zu checken, dass er die Dauerschleife richtig nutzen kann (falls es sich wirklich und wahrhaftig um ihn bei dem zweiten Dauerschleifen-Erleber handelt). Aber was ist schuld? Augurs erklären, dass Liam es sein muss, könnte ich mir ja vorstellen, was mich dann zur nächsten Frage führt: WIE kommt man da nun auch wieder raus? Sicher, wenn einer der Dauerschleifler es sich so gedreht hat, wie's ihm passt, will er es beenden, aber wie? Reicht es schon aus, mit der Situation zufrieden zu sein?
Bin gespannt.
06.12.2011 20:42
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Taoynin Offline
Baumbewohner

Beiträge: 2.915
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #3
RE: 6. Türchen: Der Blick zum Horizont VI
Irgendwie will ich nicht glauben, dass es Zo'or ist. Grinsen Das passt nicht zu ihm.

Mensch, Veria, du machst es aber spannend! Freuen
09.12.2011 20:23
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Hagazussa Offline
Raumfahrende, katzenähnliche Wesenheit

Beiträge: 8.970
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #4
RE: 6. Türchen: Der Blick zum Horizont VI
Ich geh da mit Taoyinin. Ich denk nicht, dass es Zo'or ist, der alles weiß. Ich tippe eher auf einen Taelon, der bisher noch gar nicht in Erscheinung getreten und für seine aggressive Haltung bekannt ist.

"Die Katze verbringt 2/3 ihrer Zeit mit schlafen.
Die Katze vermittelt das Bild einer Welt, deren Eroberer im Bett bleiben."


Jean Guttle Hué
25.01.2012 09:45
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 



Gehe zu: