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5. Türchen: Der Blick zum Horizont V
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Veria Offline
Admin, Wandermaus und Baumbewohner

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5. Türchen: Der Blick zum Horizont V
Noch lebte Sandoval, wenn auch nicht in der angenehmsten Situation. Liam wusste, wie Lindsay seine "Schützlinge" behandelte, und wenn Lindsay nicht mehr weiterwusste, dann musste die Behandlung schon extreme Ausmasse angenommen haben. Wie kam Zo'or auf die Idee, Liam könnte da noch einen draufsetzen? Liam war nun wirklich nicht für Folter berühmt.
Er beugte sich vom Kopfende über seinen Vater und grinste ihn an: "So, Sandoval, Sie sind also ein Verräter."
"Bin ... nicht ..."
"Ja, das sagen sie alle."
"Glauben Sie mir, Kincaid!" Sandoval sah ihn tatsächlich flehend an.
Liam seufzte leise. "Ich ... möchte es", sagte er, "aber die Beweise sind erdrückend." Und gefälscht, wenngleich nicht von Augur. Wer war dafür nur verantwortlich?
"Major ... Kincaid ... ich könnte gar nicht! Das CVI verbietet ..."
"Es wäre nicht der erste Defekt."
Panik flackerte in Sandovals Augen und er wandte sich im Fesselfeld, irgendetwas knackte und er verzog schmerzlich das Gesicht.
"Die Taelons finden die CVIs vielleicht toll", sagte Liam, "aber das Risiko eines Ausfalls mit folgendem Verrat ..."
"NEIN! AHH!"
Der Kimera richtete sich besorgt auf und musterte ihn. Was war es? Der linke Arm war länger als der rechte? Nicht doch ... Moment. Sandoval hatte sich tatsächlich die Schulter ausgekugelt. Liam schaltete das Fesselfeld im entsprechenden Segment aus, packte den Arm und liess ihn mit einem gekonnten Ruck samt leichter Drehung wieder einschnappen.
"AHH!", schrie Sandoval, doch dann sah er Liam verdutzt an und murmelte: "Danke."
"Ich kann Ihren Arm auch wieder ausrenken", drohte der Kimera widerwillig, aber er musste irgendwie Zeit schinden, und möglicherweise sah Zo'or gerade zu.
"Kincaid, ich habe nichts getan!", versicherte Sandoval, "Ich bitte Sie, glauben Sie mir!"
"Wissen Sie ..."
"Major Kincaid, Sie sind ebenso erfolglos wie Lindsay, wie ich sehe", kam Zo'or hereinstolziert.
"Ich bin sicher, er wird noch singen wie Pavarotti", erklärte Liam eilig, aber vergeblich.
Zo'or machte eine wegwerfende Handbewegung und befahl: "Töten Sie ihn."
"Aber ..."
"Major Kincaid, Sie haben Ihre Inkompetenz in Sachen Befragung bereits bewiesen", wurde die Stimme des Taelons eisig, "Sollten Sie nun auch nicht in der Lage sein, ihn zu eliminieren, wird das zweifellos Konsequenzen haben."
Das konnte doch nicht wahr sein! Es musste einen Ausweg geben! "Ich habe noch weitere Möglichkeiten, ihn zu befragen", versicherte Liam, "Ihn jetzt zu töten wäre meiner Meinung nach verfrüht."
"Nein, töten Sie ihn jetzt."
Es war zum Haareraufen! Zo'or wollte Sandoval tot sehen, in jedem Durchgang in dem er seiner habhaft wurde bisher. Liam wollte sich nicht darauf verlassen, dass es einen weiteren Durchgang geben würde, und die Alternative, sich offen gegen Zo'or zu stellen, gefiel ihm auch nicht. In diesem Moment wünschte er sich ein CVI, um eine dritte Möglichkeit zu finden.
"Ja, Zo'or", sagte er möglichst fest, dann zog er seine Dienstwaffe.
Die Entscheidung: Schoss er auf Zo'or oder auf Sandoval?
"RÄBÄÄÄHHHH!"
Liam schloss die Augen und sank erleichtert auf sein Ecksofa. Es gab noch einen Durchgang.


"Was machst du denn hier?" Augur war unverhohlen entsetzt über die Störung und schob das erwachsene Alienkind eiligst zurück in den Lift. "Du kannst doch nicht einfach ..."
"Lili!", rief Liam am Schwarzen vorbei, "Bei Ihnen gehen die Installateure um!"
"Äh ... ja", bestätigte sie verlegen.
"Was?", fragte Augur, "Sie benutzen mich als Hotel?" Er sah sie vorwurfsvoll an.
Lili seufzte und fuhr sich durch die Haare. "Liam, das hätten Sie nicht sagen sollen", murmelte sie, "aber woher wissen Sie das überhaupt?"
"Ich erlebe den verdammten Tag jetzt zum vierten Mal", erklärte Liam, "und ich bin nicht der einzige, der sich an die bisherigen Durchgänge erinnert."
"Cool!", war Augur sofort interessiert, "Wer?"
"Weiss ich noch nicht. Aber wer immer es ist, er arbeitet gegen uns."
"Nicht cool", stellte der Schwarze fest, "Was ist bisher passiert?"
"Erster Durchgang: Madjira läuft glatt, Sandoval wird gefoltert und umgebracht", sagte Liam, "Zweiter Durchgang: Haig und Wang werden kassiert, Lili und ich kommen nur durch Shaqarava-Einsatz davon. Ich versuche, Sandoval zu warnen, aber er ist misstrauisch und verschleppt Lili und mich nach Marokko."
"Marokko!", staunte Augur.
"Dritter Durchgang: Sandoval wird vor dem Angriff verhaftet, ich blase den Angriff ab. Sandoval wird gefoltert, dann soll er von mir umgebracht werden - bevor ich abdrücken musste war glücklicherweise schon der vierte Durchgang, der jetzt seit knapp zwanzig Minuten läuft."
"Oh Liam ...", seufzte Lili und umarmte ihn, er liess sich gerne drücken, während Augur ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter machte. "Wir kriegen das hin", versicherte sie dem Kimera, "Ich meine, du hast offensichtlich Zeit, oder?"
"Das wissen wir nicht", fand der Schwarze zu einer weniger genervten, eher besorgten Haltung zurück, "Wer immer sich sonst erinnert, könnte dafür verantwortlich sein und womöglich die Schleife unterbrechen, sobald ihm das Ergebnis passt."
"Oh!", machte Liam und richtete sich erschrocken auf. Daran hatte er noch gar nicht gedacht! Aber er hatte in den bisherigen Durchgängen eben ganz andere Sorgen gehabt.
"Hast du jemanden im Verdacht?", fragte Augur, "Oder irgendwelche Hinweise?"
Liam seufzte. "Anfang des letzten Durchgangs vermutete ich Sandoval, aber inzwischen schliesse ich es aus", sagte er, "Vielleicht ein Taelon, das ist wahrscheinlicher."
"Zo'or?", schlug Lili vor.
"Malen Sie nicht gleich den Teufel an die ..." Er griff nach seinem piepsenden Global und liess es aufschnappen. "Ja, Da'an?"
"Sie leben, Liam!", war der Taelon unverhohlen erleichtert, was Liam einen arg verdutzten Blick ins Gesicht zauberte.
"Äh, ja, Da'an", brachte der Kimera heraus, "Warum sollte ich nicht ...?"
"Jemand, ich weiss nicht wer, hat das Waffensystem des Mutterschiffes aktiviert", sagte Da'an, "und einen Schuss auf Washington abgefeuert." Zur Bestätigung gingen soeben einige Alarme an Augurs Computeranlage los. "Ihre Wohnung ist im Bereich, Liam", fuhr der Taelon fort, "Lilis und Sandovals ebenfalls."
Lili wurde blass.
"Lili ist hier", sagte Liam.
Da'an leuchtete erneut erleichtert auf, dann befahl er: "Kommen Sie in die Botschaft, beide. Dem muss nachgegangen werden."
Der Kimera nickte: "Ja, Da'an." Er schloss das Global und schob es in seine Jacke, dann blickte er zu Augur und Lili. "Ich fürchte, derjenige, der da geschossen hat, erinnert sich. Bisher ist das nämlich nicht passiert."
"Dann finden wir heraus, wer geschossen hat", sagte sie fest und griff nach ihrem Mantel.


"Da'an", grüsste Liam, Lili nickte dem Taelon knapp zu.
"Major, Captain", neigte Da'an den Kopf, "Es ist ein Drittel von Washington zerstört."
"Wir haben es gesehen", sagte Lili und schauderte sichtlich, "Das pure Chaos dort draussen. Wer immer das war, hat den Taelons viele Feinde gemacht."
"Den Angriff auf Madjira habe ich abgeblasen, einige der Leute waren aus der Gegend", ergänzte Liam.
Da'an leuchtete blau auf und sagte dann: "Madjira ist zweifellos nachrangig. Die meisten Beschützer sind damit beschäftigt, die Regierungen der Welt zu beruhigen." Er wurschtelte besorgt mit beiden Händen durch die Luft. "Angeblich handelte es sich um eine fatale Fehlfunktion", fuhr er fort, "und tatsächlich glauben das auch die meisten Taelons. Es erklärt nicht, weshalb Washington überhaupt als Ziel eingestellt war."
"Sie glauben nicht an eine Fehlfunktion, Da'an?"
"Keinesfalls. Und Zo'or auch nicht, er hat das Mutterschiff komplett abgeriegelt und sucht nach dem Verantwortlichen."
Liam wechselte einen Blick mit Lili. "Wenn das Mutterschiff abgeriegelt ist ... wie können wir helfen?"
Da'an lehnte sich zurück und einige blaue Linien zogen über seine Fassade. "Es muss ein Taelon sein", gab er sichtlich ungern zu, "und kein Taelon wird sich verraten. Die Information muss dem Mutterschiff entlockt werden."
"Aber?", fragte Lili.
"Sie ist nicht vorhanden, Captain. Versteckt oder gelöscht, ich kann das nicht unterscheiden - aber Sie kennen jemanden, der das kann."
Liam musterte ihn verblüfft. Da'an meinte Augur! "Sie wissen aber schon, dass Sie diese Beweise aller Wahrscheinlichkeit nach niemandem werden vorlegen können", gab er zu bedenken, "Ich meine, woher sollten Sie sie haben?"
"Das ist mir klar, Major, dennoch bitte ich darum."
Wieder wechselten die beiden Widerstandskämpfer einen kurzen Blick, dann nickte Liam. "Ich kümmere mich darum, Da'an."
"Danke, Major. Und ..."
"Ja?" Liam, der sich schon halb umgewandt hatte, sah wieder zum Taelon.
"Ich möchte Sie bitten, aufs Mutterschiff zu fliegen. Ich bin sicher, dass ich Zo'or überzeugen kann, trotz der Sperre jemanden an Bord zu lassen."
Jetzt war Liam wirklich perplex. Da'an war vermutlich nicht grundlos so zuversichtlich, was seine Überzeugungsfähigkeiten anging, doch diese Forderung Zo'or gegenüber in dieser Situation würde dem Botschafter mit Sicherheit grossen Ärger bringen - möglicherweise sogar über mehr als einen Durchgang hinweg.
"Lili, informieren Sie Augur", sagte er leise, dann trat er zwei Schritte auf den Taelon zu und erklärte: "Ich halte es für keine gute Idee. Wenn Sie möchten, kann ich Zo'or selbst versuchen zu überzeugen ..."
"Sie werden kaum Erfolg haben, Liam."
"Dann können immer noch Sie Ihren Versuch starten", stellte er fest, "Da'an, was halten Sie davon, mir den offiziellen Auftrag von der Regierung zuzuschanzen, dem Schuss auf den Grund zu gehen?"
"Das ... wäre möglich", überlegte Da'an, dann richtete er sich auf und beschloss: "Fliegen Sie los, Sie werden Ihren Auftrag haben, bevor Sie das Mutterschiff erreichen. Die Presse wird davon allerdings erfahren."
Liam schüttelte sachte lächelnd den Kopf. "Das macht nichts." Dann eilte er Richtung Hangar davon.



Veria

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HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
05.12.2011 01:00
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Taoynin Offline
Baumbewohner

Beiträge: 2.915
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #2
RE: 5. Türchen: Der Blick zum Horizont V
Einfach nur spannend! Freuen Ich möchte zugern wissen, wer dahintersteckt.
So ein sich ständig wiederholender Tag ist aber auch ziemlich frustrierend. Egal, was man anpackt, beim nächsten Aufwachen ist alles futsch. Augenrollen
05.12.2011 18:23
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Hagazussa Offline
Raumfahrende, katzenähnliche Wesenheit

Beiträge: 8.970
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #3
RE: 5. Türchen: Der Blick zum Horizont V
Oh, die Handlung nimmt andere Formen an. Da bin ich aber gespannt, was dann am Ende bei rum kommt.

"Die Katze verbringt 2/3 ihrer Zeit mit schlafen.
Die Katze vermittelt das Bild einer Welt, deren Eroberer im Bett bleiben."


Jean Guttle Hué
25.01.2012 09:26
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