RE: Die neue Gemeinschaft
Nicht nur, dass Ri’jen die Sache mit Ves’tha nicht hatte regeln können, als sie bereit war, nein, der Besuch einige Tage später bei ihrer Schwester, Zi’ra, war für sie dieses Mal erschreckend ernüchternd.
Zi’ra sagte lange gar nichts, starrte auf den Tisch, vielleicht hörte sie Ri’jen zu, es war nicht zu erkennen.
Ri’jen erzählte ihr von Ves’tha, ganze zwei Wasserkrüge lang, bis Zi’ra plötzlich aufblickte. Ihre Augen waren klar, ein Ausdruck in ihrem Gesicht, welcher wirkte, als wäre sie wieder die Alte. So passierte es oft. Ri’jen lächelte.
Dann seufzte Zi’ra kurz und sagte auf einmal: „Sag, wann kann ich wieder auf das Mutterschiff zurückkehren?“
Ri’jen traute ihren Ohren nicht. Einen Moment lang saß sie wie versteinert ihrer Schwester gegenüber. „Zi’ra…“, begann sie zögerlich, „es...“ Nein, anders, dachte sie. „Du weißt doch, dass Mutterschiff ist abgestürzt“, versuchte sie sehr sachlich zu klingen.
„Ja…“ Zi’ras Blick wirkte nun wieder starr.
„Zi’ra, weißt du noch, was das letzte war, was du auf dem Mutterschiff getan hast?“
Ihre Schwester sah auf den Boden und runzelte die Stirn, als würde sie angestrengt nachdenken, was sie wohl auch tat. Dann meinte sie: „Major Kincaid… er hat mich getragen. Zo’or und mich hat er vom Mutterschiff gerettet. Wohin weiß ich nicht mehr… aber… er ist tot.“
Ri’jen hätte am liebsten vor Ärger geweint, sie festigte ihre Gedanken aber um genau das zu verhindern. „Nein,… nein, er ist nicht tot“, widersprach sie.
„Ich habe ihn doch gesehen!“, beharrte Zi’ra darauf, „Sein Blut war überall!“
„Halt den Mund, denn das ist nicht wahr!“, rief Ri’jen plötzlich und erschrak über sich selbst. Zi’ra gegenüber laut zu werden war mit Sicherheit nicht besonders förderlich.
„Wenn du meinst“, fauchte ihre Schwester abschätzig, „Sag mir wenigstens, wann ich endlich zu Zo’or kann!“ Nun war sie deutlich verärgert.
„Zi’ra,… das geht nicht… du kannst nicht…“ Da sprang Zi’ra wütend auf und sämtliche Gegenstände die sich auf dem Tisch befanden warf sie mit einem Ruck auf den Boden. Teller, Obst, die Kaffeekanne auf dem Tablett samt Tassen zerschepperte und was noch alles. „WANN! SAG MIR WANN!“, schrie Zi’ra hysterisch.
Aus Angst vor ihrer eigenen Schwester, flüchtete Ri’jen auf der Stelle zur Tür. Sie wusste nicht, was sie anderes hätte tun können. Gerade noch kurz bevor ein schwerer Gegenstand auf sie zukam, schloss Ri’jen die Tür hinter sich und rief panisch nach dem Personal.
Das Wüten ihrer Schwester war den gesamten weiten Gang entlang nicht zu überhören. Männer in Weiß liefen auf sie zu, einer schob Ri’jen zur Seite. Sie rissen die Tür zu Zi’ras Zimmer auf. Zu zweit packten sie grob ihren Körper, der sich wehrte. Sie schrie, brüllte sie an, machte Anstalten das Personal zu beißen.
Ri’jen sah zu, wie ihre Schwester von zwei der Männer fest auf ihr Bett gedrückt wurde, ein dritter schob ihren Ärmel hoch und der letzte injizierte ihr etwas, wogegen Zi’ra qualvoll schreiend protestierte. Innerhalb weniger Sekunden aber schlossen sich ihre Augen und die Männer marschierten einfach aus dem Zimmer.
Nein…, dachte Ri’jen, einfach nur nein. Sie ging an das Bett ihrer Schwester. Nachdem sie sich einige Sekunden lang davon überzeugt hatte, dass von Zi’ra nichts mehr kam, außer ein leises Atmen, schob sie behutsam ihren Ärmel wieder hinunter, dann deckte sie sie zu und verabschiedete sich leise.
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