18. Türchen- Ein letztes Werk, Teil 6
Soo und der letzte Teil...
’Zo’or?’
Er antwortete nicht.
’Zo’or!’
Unwillig wandte er sich der Stimme zu. ’Was willst du Da’an?’
’Es wurde eine Synodensitzung einberufen. Du wirst erwartet! Wenn du nichts an deinen Zustand änderst...’
’Ich werde kommen!’
Genervt, da man ihn gestört hatte, erhob er sich von seinem Stuhl und ging langsam auf den Ausgang seines Raumes zu. Für einige Augenblicke besah er sich die Wand die den Gang vor seinen Quartier bildete. Aus den Augenblicken wurden schon schnell mehrere Minuten in denen seine Gedanken unbekannte Bahnen gingen und er sich in den Leben vor sich verlor. Bis er ein leichtes Zupfen im Hintergrund spürte und wusste dass es möglichst unauffällig von Da’an gekommen war. Sofort machte er sich auf den Weg zu dem Raum in dem die Synode tagen würde, wo er auch gleich Da’an antraf und die anderen Synodenmitglieder via Datenstrom sehen und über das Gemeinwesen erreichen konnte.
’Zo’or. Wir haben diese Sitzung einberufen, da wir der Meinung sind, dass deine Qualitäten als Synodenführer nicht länger ausreichend sind!’
’Ich erfülle meine Pflichten!’
’Seit Monaten verbringst du einen Hauptteil Zeit in deinen Quartier. Du bist auf der Brücke nicht mehr anwesend und kommst zu spät zu Veranstaltungen der Menschen, wenn du überhaupt erscheinst!’ wies ihn Da’an zurecht. Zo’ors Verhalten hatte ihm vorher nicht gefallen, aber jetzt war es noch viel beunruhigender.
’Eine Kooperation mit den Menschen ist nicht von Bedeutung. Es ist Zeit dass wir einen anderen Weg einschlagen!’ meinte sein Kind allerdings kurz darauf mit arroganter Stimme, aber bei Weitem nicht so überzeugend wie es alle gewohnt waren, es war mehr eine schwache Aussage, als würde er selber dieser Meinung keinerlei Bedeutung beimessen.
’Wir sind nicht der Überzeugung, dass du in der Lage bist unserer Rasse das Überleben zu ermöglichen!’ mischte sich ein anderer ein und enkräftete damit auch Zo’ors Aussage. Weder zu der einen Handlungsweise, noch zu der anderen wäre Zo’or in der Lage, davon war jener andere Taelon überzeugt und auch ein Großteil der anderen.
Zo’or kümmerte sich nicht um diese Aussage, sah statt dessen die Anwesenden kühl an und ließ dies auch in seiner Aussatrahlung zum Ausdruck kommen. ’Diese Diskussion ist völlig überflüssig...’
’Das ist sie nicht!’ unterbrach ihn sein eigenes Elter, der nicht der einzige war dem aufgefallen war, dass Zo’ors Stimme, trotz der Kälte, etwas ihrer Schärfe verloren hatte, im Ganzen etwas sanfter klang als alle es gewohnt waren. Dies sorgte allerdings nicht dafür, dass die Synode ihre Ziel aus den Augen verlor.
Die Absetzung Zo’ors und die Einsetzung Da’ans als neuen Synodenführer.
Des Kindes Weg war gescheitert, vielleicht war es jetzt besser wieder den Älteren zu folgen.
Zo’or stand dort und schaute einfach nur. Anders konnte ein Außenstehender das was er tat einfach nicht beschreiben. Seine Energie strahlte eine Ruhe aus, die bei ihm ein ungewohnter Anblick war und doch war er nicht völlig ruhig.
Die Synode, oder eher Da’an, hatte sein Ziel erreicht, er war kein Synodenführer mehr, er wurde von Da’an ersetzt. Gerade von seinem Elter, etwas schlimmeres konnte es kaum mehr geben. Und doch waren seine Gedanken nicht ganz bei dieser Sache. In ihm war ein Gefühl der Befreiung, welches dort nicht hingehörte, da er sich statt dessen betrogen fühlen sollte um seinen Posten, allerdings sah er diese Absetzung teilweise als Chance mehr über Do’ren heraus zu finden. Und über sich selbst, indem er sich mit ihrer alles Sprache beschäftigte die eine Vielschichtigkeit aufwies die er kaum nachvollziehen konnte. Selbst jetzt, wo er einfach nur hinaus sah, aus dem Fenster und die für ihn ewig gleichen Sterne und die Erde sah, hörte er die Worte in seinen Gedanken flüstern, ohne dass sie vom Gemeinwesen waren, oder er von ihren Ursprung wusste. Er war nur derjenige, der ihnen lauschte und der sich schließlich umdrehte sich auf seinen Stuhl setzte und alte Zeichen neu anordnete.
Er hatte verstanden was Do’ren ihn immer hatte sagen wollen und sein Text war ein Teil von ihm geworden, den er nicht mehr von sich trennen konnte und wollte.
"Le contraire du suicide, précisément, c'est le condamné à mort."
Albert Camus
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