14. Türchen- Ein letztes Werk, Teil 2
Erfreut begrüßte er Do’ren, welcher diese zwar etwas abwesend erwiderte, aber mehr Augen für den Datenstrom hatte.
„Du hast dir Zutritt verschafft?“ fragte Do’ren und tatsächlich, da lag eine leichte Enttäuschung in seiner Stimme.
„Natürlich. Hast du etwas anderes erwartet?“ fragte er überheblich wie immer, er gedachte nicht sein Verhalten zu ändern, das er auch zuvor an den Tag gelegt hatte. Der andere nickte nur etwas resigniert von diesem Verhalten des jüngeren und schloss den Datenstrom wieder.
„Hast du nichts wichtiges zu tun, Synodenführer?“
Zo’or sah ihn von oben herab an, grummelte etwas, dann drehte er sich um und sagte erst einmal nichts mehr.
„Du verbringst viel Zeit in deinen Räumen, scheinst also sehr beschäftigt zu sein. Alle scheinen eher zu vermuten du verbringst deine Zeit mit sinnvollen Dingen...“ Do’ren ließ den Satz unvollendet und beobachtete dabei Zo’or genau, der sich in diesen Moment erbost zu ihm umdrehte, was ihm zumindest innerlich ein Grinsen entlockte.
„Du hast auch nicht gerade einen sehr sinnvollen und hilfreichen Zeitvertreib für unsere Probleme gefunden!“
„Vielleicht bin ich auch aus diesem Grund nicht Synodenführer...“
„Vielleicht bist du auch aus diesem Grund nur gerade so weit mit dem Gemeinwesen verbunden, dass du kein Atavus werden kannst!“ gab Zo’or beleidigt zurück und wusste, dass er den anderen damit verletzte, dieser es ihn auch zu passender Gelegenheit heimzahlen und er selbst sowieso nichts dagegen tun konnte. Was sollte ihm denn auch schon schlimmeres geschehen?
„Wolltest du nun mit mir reden, oder möchtest du, dass ich sofort gehe?“ fragte Do’ren gefährlich leise, was ihm ziemlich deutlich machte, dass diese Art des Gesprächs beendet war und er lieber zu einem anderen Thema über gehen sollte. „Ich habe mit dir zu reden!“ antwortete er so und setzte sich auf seinen Stuhl, sah dort auf ihn herab und fühlte sich gleich schon besser. Was machte er sich nur immer so viele Gedanken um diesen Taelon, der wohl am ehesten die Bezeichnung Freund verdiente, wenn Zo’or denn überhaupt jemals einen gehabt hatte? Er war zu schwach um ihn gefährlich zu werden! Und doch...
Do’ren vollführte eine zustimmende Geste, immerhin war er aus keinen anderen Grund gekommen und wartete, dass der Jüngere begann, doch dieser schwieg beharrlich und wartete stattdessen darauf, dass doch mal endlich der vor ihm stehende seinem Wunsch nachkam und mit ihm redete!
„Hast du etwas geschrieben?“
Augenblicklich sah Zo’or ihn wieder schüchtern an und er nickte zögernd, während er leicht bedröppelt auf den Boden schaute, als würde er sich für seine Handlungen die er ausführte unglaublich schämen und schuldig fühlen, was er selbstverständlich nicht tat. Er war der Synodenführer, er musste sich niemals so fühlen. Do’ren hatte sich gefälligst so zu fühlen!
„Nein!“ verkündete er auch sogleich, öffnete aber schon mit einer Bewegung wieder den Datenstrom, auf den ein Text erschien, den Do’ren mit dem größtem Interesse betrachtete. Unruhig wartete der Synodenführer auf dessen Urteil, bis er schließlich in seiner Fassade lesen konnte, dass er dem Text zumindest schon einmal nicht abgeneigt war.
„Es ist verbesserungswürdig,“ stellte er fest und Zo’or war fast schon enttäuscht, widersprach ihm allerdings nicht.
„Wo?“ wollte er statt dessen wissen und Do’ren streckte ihm eine Hand hin, die der andere langsam ergriff, doch dann von einer ankommenden Nachricht unterbrochen wurde. Sofort zog er sich von ihm zurück, der Dichter verschwand im Hintergrund, dass man ihm in einen Datenstrom nicht sehen konnte und der Synodenführer stellte eine Verbindung zu seinem Gesprächspartner her.
„Zo’or, entschuldigen Sie bitte die Störung, aber wenn wir nicht bald los fliegen, dann kommen wir zu spät..“
„Ich sehe kein Problem, dass ich nicht erst meine Angelegenheiten erledigen kann und die Menschen dort unten sich in Geduld üben, etwas dass ihnen noch sehr nützlich in ihren Leben sein kann.“
Damit schloss er den Datenstrom wieder und wandte sich zu Do’ren um, der allerdings schon den Kopf schüttelte und auf den Weg zum Ausgang war.
„Wohin gehst du?“ wollte Zo’or auch schon wissen und verschloss den Durchgang für seinen Artgenossen, der ihn nur ruhig ansah. „Du hast Pflichten zu erledigen, vernachlässige sie nicht! Ich werde dich heute Abend erwarten und dir gerne zeigen, wie du weiter lernen kannst“, leicht lächelte er bei diesen Worten, während sein Tonfall etwas belehrendes angenommen hatte, was ihn nur umso mehr aufregte.
„Ich weiß selber, was ich zu tun habe!“
„Dann handle auch nach diesem Wissen, oder möchtest du auf die gleiche Weise wie ich betrachtet werden?“
Als er ihn etwas beleidigt ansah, aber auch sehr unschlüssig, schlug Do’ren vor: „Ich werde dir einen weiteren Text schreiben, der dir mit Sicherheit gut gefallen wird.“
„Worüber?“
„Vielleicht über uns?“
Mit diesen Worten sorgte er dafür, dass Zo’or den Raum verließ, er hatte ja sowieso mehr Ahnung davon, wie man verschlossene Türen überwand und schloss sich selber ein, während der Synodenführer sehr überrascht im Gang stand.
Do’ren wollte über sie beide schreiben? Was gab es da groß drüber zu schreiben, abgesehen davon, dass er lernen wollte, ihm überlegen zu sein? Er glaubte doch nicht ernsthaft, dass ihm auch nur irgendetwas an ihm gelegen war? Obwohl Zo’or dann doch zugeben musste, dass Do’ren sein Interesse weckte, seine Tätigkeit war anders, als die der restlichen Taelons und auch wenn es ihm nicht gefiel, sein eigenes Verhalten war in seiner Gegenwart ebenfalls verändert. Vielleicht war es viel eher das, was er verhindern wollte, als dass er wirklich lernen wollte, zu sein wie er. Dafür hatte er doch eigentlich gar keine Zeit! Wenn es nicht auch eine so wunderbare Freiheit bedeuten würde, von der er im jetzigen Moment einfach nicht los kam.
Im Shuttlehangar angekommen wartete Sandoval höchst ungeduldig auf ihn, zeigte dies aber wahrlich meisterhaft durch keine einzige Gefühlsregung in seinem Gesicht... Zo’or konnte es trotzdem sehen und allein das hob seine Laune unglaublich an, nachdem er aus seinem Quartier vertrieben worden war und so überaus komplizierte Gedanken darüber hatte haben müssen, wie er zu Do’ren stand.
Die Freiwillige die dort als Pilotin saß hatte er selber eingesetzt und war die gleiche, die ihn vor wenigen Tagen erst nach Griechenland geflogen hatte und er erinnerte sich, dass es da durchaus noch andere Orte gegen musste, die inspirierend waren, er brauchte nur einen guten Vorwand dort hin zu kommen. Do’ren würde sich mit Sicherheit sehr wundern, wenn er noch ein gut geschriebenes Gedicht hätte und gut, wenn er es wollte, dann würde er ebenfalls über sie beide schreiben und dann erst einmal einiges klar stellen, was er von ihm hielt. Allerdings nur sehr versteckt, er sollte ja nicht auf die Idee kommen, ihn nachher nicht mehr unterrichten zu wollen.
Er setzte sich auf seinen Stuhl und forderte die Freiwillige auch schon auf zu fliegen. Er entschloss sich, sie zu behalten.
"Le contraire du suicide, précisément, c'est le condamné à mort."
Albert Camus
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.12.2010 21:58 von Sela.)
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