10. Türchen - Ein Tag wie kein anderer, Teil 5
Geoffrey machte ein verdattertes Gesicht und lachte dann kurz, bevor er vehement den Kopf schüttelte: "Nein, ich bin nicht Delians Bruder. Ich habe ja nur De'jens Energie, De'jen ist nicht mein Elti. Ich wurde als gewöhnlicher Mensch geboren!"
"Und dann ist ein Teil von De'jen in dich rein", sagte Henry fest, "so wie De'jen in Yolian rein ist."
"Das ist nicht dasselbe."
"Warum nicht?" Er stampfte energisch auf und Mama stubste ihn warnend an. Er sah sie mit grossen Augen an: "Mamaaa ..."
"Das ist wie eine Blutspende", sagte sie, "Dadurch ist man auch nicht gleich verwandt. Und jetzt reiss dich zusammen, stampfen dürfen nur Elefanten."
"Und Dinosaurier!"
"Ja, Dinosaurier auch", seufzte Mama, "aber du bist weder ein Elefant noch ein Dinosaurier."
"Ein Henrysaurier", sagte er ernst und nickte ausladend, "Darf ich spielen gehen? Sind hier auch Kinder? Ja, schon, ja?"
Delian grinste und nickte: "Geht nur. Wir treffen euch dann in der Cafeteria zum Kuchen - aber erst müssen wir was anderes machen." Jetzt grinste auch Geoffrey.
"Was denn?", fragte Henry neugierig.
"Das erzähle ich dir dann in zwei, drei Jahren", zwinkerte Delian, hakte sich bei Geoffrey unter und verliess den Kontrollraum des Schiffes. Die Türmembran schloss sich hinter ihnen auch gleich wieder.
"Mamaaa?", schmollte Henry. Er wollte das doch wissen!
"Du wolltest spielen", brachte Mama ihn auf seinen eigentlichen Wunsch zurück, "Kommst du?" Sie öffnete die Luke und sprang ins Freie. Henry lief ihr nach und knurrte und grollte dabei, wie es sich für einen richtigen Henrysaurier eben gehörte. Mama ging voraus zu einem blaugrünen Pilzhaus und öffnete die Eingangsmembrane - sofort hörte Henry die anderen Kinder.
Er stürmte hinein und strahlte die Gruppe aus kleinen Taelons und einigen Kindern wie Lonnie fröhlich an. "Hallo! Ich bin der Henrysaurier! Ich heisse Henry!"
"Sinaui Euhura, Henry!", grüssten einige Kinder, die anderen formten nur die Geste. "Ich heisse La'et", sagte der grösste der kleinen Taelons, "Ich bin sechs Wochen alt."
"Boah! Du wirst aber schnell gross!", staunte Henry, "Ich bin schon ein Jahr alt."
"Ich auch!", rief eines der auch menschlichen Kinder, "Ich bin Manuel Bellamy und meine Mama ist Senatorin."
"Meine Eltern sind Su'ug und La'ron", sagte der Taelon, "und deine Eltern sind Zoriel und Damien MacDougal."
"Ja", nickte Henry, "Woher weisst du das?"
"Deine Mutter steht ja hinter dir", grinste La'et, "Magst du mitspielen? Wir spielen die Geschichte von Umrathma und Shaqarava."
"Die kenne ich nicht", schüttelte Henry den Kopf, "Wie geht die?"
"Ich will was anderes spielen", mischte sich ein weiteres Kind ein, "Ich darf ja doch nie Umrathma sein, nur weil ich Mensch-Taelon bin."
La'et beugte sich zu Henry und flüsterte: "Samantha will immer nur Alice im Wunderland spielen."
Henry musterte Samantha und ihr rotes, von weissen Herzchen übersätes Kleid. "Sie ist immer die Herzkönigin, ja?", fragte er. La'et nickte. "Mögt ihr Wildwest spielen?", schlug Henry etwas anderes vor.
"Wildwest?"
"Cowboy und Indianer."
"Was sind Cowboy und Indianer?", fragte La'et nach.
Henry suchte sich einen Sitzplatz und erklärte: "Das war auf der Erde und ist ganz lange her. Vielleicht tausend Jahre?"
"Zweihundert", warf Mama ein.
"Vor zweihundert Jahren", sagte Henry also, "Da haben die Cowboys auf Pferden ihre Kuhherden bewacht und die Indianer waren in ihren Reservaten eingesperrt und mussten den Cowboys Kühe klauen, damit sie genug zu essen hatten."
"Dann waren die wie Taelons und Jaridians?", fragte Manuel nach.
"Bisschen ..."
"Und was spielen wir da?", fragte Samantha, "Ich will nicht Kühe bewachen, wenn jemand Hunger hat! Ich finde das blöd. Ich will Alice im Wunderland spielen. Dann kriegt auch jeder was zu essen, das befehle ich als Herzkönigin!"
"Ich will aber nicht Alice im Wunderland!", protestierte Manuel, "Wir könnten ja liebe Cowboys sein, die den Indianern die Kühe freiwillig geben. Und Da'la ist Napoleon und dagegen!"
"Warum muss ich Napoleon sein?", meldete sich ein sehr kleiner, beleidigter Taelon, "Ich bin doch gar nicht dagegen!"
"Aber du bist klein!", belehrte ihn Manuel, "Mama sagt, Napoleon war auch klein."
"Wer ist denn Napoleon?", rief jemand aus einer Kissenburg hinter dem Tisch.
Da'la machte sich so gross, wie er konnte, und hob das Kinn. "Napoleon war ein Mensch und ist schon lange tot", erklärte er, "Er hat neue Gesetze gemacht und sein Land vergrössert."
"Wo hat er denn das neue Land hergenommen?", kam aus der Kissenburg.
"Weiss nicht", sagte der Taelon und machte eine entsprechende Handbewegung, "Vielleicht hat Inseln im Meer aufgeschüttet? Er ist doch lange auf einer Insel gewesen ... glaube ich."
"Wer war denn Napoleon", sah Henry sich zu Mama um. Sie wusste bestimmt, wer Napoleon war. Mama wusste fast alles.
Veria
Code:
HAI
CAN HAS STDIO?
VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
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