RE: Der Pakt des Lebens
Bitte sehr, hier mehr:
Ein Berg aus Einkaufssäcken wankte die Strasse entlang und blieb etwas später in der Drehtüre zur Hauptportalstation Paris stecken. Typisch. Street seufzte laut auf, ging einige Schritte zurück und versuchte es seitwärts. Das klappte.
Und dann klappte Street ihren Mund auf. Das war doch nicht zu fassen! Eine Warteschlange schlimmer als in allen Läden zusammen. Wundervoll. Glücklicherweise gab es hier Trolleys und auf einen davon lud Street ihre Einkäufe. Und dann hiess es warten ... lange warten.
"Tja, das habe ich mir anders vorgestellt", bemerkte Street und blickte zur genauso rothaarigen Frau im Nobelkostüm neben ihr.
"Ich auch", grummelte jene, "Ich sollte schon längst wieder in New York sein."
"New York, hmm", sagte Street, "Ich hoffe für Sie, dass in Washington nicht auch so eine ewig lange Schlange ist."
"Das ist mir gleich ... aber hier geht mir das Warten langsam auf die Nerven." Die Frau im Kostüm blickte auf ihre Uhr. "Es ist schon spät."
Street zuckte knapp mit den Schultern, sie fand es nicht sehr spät, es war ja noch nicht einmal Nacht - und in Washington früh morgens und wohl noch nicht gerade viel los. Aber Renee würde staunen, wenn Street mit all den schönen Sachen ankäme. Es musste sich ja Street um schöne Sachen kümmern, Renee hatte ja viel zu viel zu tun.
Renee machte sich viel zu viel zu tun. Man konnte sich doch wirklich trotz Atavusinvasion mal eine Handvoll Tage freinehmen. Urlaub eben. Ohne Urlaub war ein Mensch früher oder später einfach zu nichts mehr zu gebrauchen - und Renee würde auch in dieses Loch fallen. Früher oder später.
Street seufzte leise und schob ihren Trolley einen halben Meter weiter.
Eine ganz tolle Lederjacke war unter den Errungenschaften, hoffentlich würde sie Renee passen. Ganz die gleiche Grösse hatten die beiden Frauen nicht, Street hatte schätzen müssen. Aber das würde schon passen, bestimmt. Ganz bestimmt. Genau wie die schwarze Wollschirmmütze und das blauglitzernde Abendkleid mit dem Seitenschlitz bis zur Hüfte. Renee konnte so etwas ja anziehen.
Jetzt nicht gerade das Abendkleid mit der Lederjacke kombiniert ... aber, doch, vielleicht ginge sogar das. Street schob ihren Trolley einen halben Meter weiter.
Die Frau im Nobelkostüm blickte auf ihre Uhr, die soeben einen Alarmpieps von sich gab.
"Sie haben einen Termin, vermute ich", sagte Street.
"So könnte man es sagen. Das war glücklicherweise nur der erste Weckton."
"Ich wünsche Ihnen, dass das hier nicht zu lange dauert."
"Danke."
Street blickte wieder nach vorne und schob den Trolley einen halben Meter. Moment! Stand da hinten bei den Portalangestellten etwa Tate? Das bedeutete bestimmt nichts Gutes, wie er da einen Geschäftsmann zur Kontrolle aus der Schlange pflückte und in einen anderen Raum schickte!
Da war etwas faul, ganz sicher.
Street zückte ihr Global und liess eine Suche nach Energiesignaturen laufen - und tatsächlich, Hitze, reichlich Hitze: Hier wurde hybridisiert.
Nur weg hier!
Aber die ganzen Leute ... sie konnte die Frau im Nobelkostüm doch nicht hybridisiert werden lassen, sie hatten sich doch so gut unterhalten. Nein, wurde Street jetzt wirklich so rührselig? Aber jedenfalls konnte nicht nur Renee Atavuskapseln hochgehen lassen, so schwer war das ja nicht. Man brauchte nur einen schönen Sprengsatz dafür.
Street schob ihren Trolley aus der Schlange und hastete zum Treppenhaus - anstatt nach unten zu den Toiletten lief sie dann aber nach oben und drückte sich eilig in ein kaffeepausenverwaistes Büro. Sie hatte immer alles Nötige für eine gepflegte Explosion dabei, wenngleich nur weil Renee sie dazu überredet hatte und die Kämpfe eher Renees Arbeit waren, aber Renee war nicht hier.
Street stellte den Sprengsatz ein und bereitete auch sonst alles vor, dann schwang sie sich aus dem Fenster und landete ein Stockwerk tiefer im Innenhof. Schnell duckte sie sich und sah sich um. Ja, da war ein Fenster von innen dunkel verhangen. Da kam man leicht durch - Street zückte ihren reaktionären Malstift, malte ein grosses Viereck aufs Glas und drückte einen Saugnapf in die Mitte und den Initialzünder an eine Ecke.
Innert Sekunden schmolz das Glas am Rand und Street konnte die Fensterscheibe herausheben und vorsichtig abstellen. Noch viel viel vorsichtiger schob sie dann den Vorhang einen winzigen Spalt beiseite und guckte hinein.
Ein millimeterdünner Streifen Sonnenlicht strich über Howlyns Gesicht und der Atavus blickte prompt genau in Streets linkes Auge.
Veria
Code:
HAI
CAN HAS STDIO?
VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
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