6. Türchen - Ein Tag wie kein anderer, Teil 1
Diese Geschichte spielt im Blutiversum, ist allerdings inzwischen ein Jahr her. Ich behaupte aber, man kommt auch mit rudimentären Kenntnissen durch.
Schönen Nikolaustag allerseits!
"Alles alles Gute, lieber lieber Henry, zum Geburtstag dir", sang Tante Molly, sangen die Mädchen, krähten zappelnd die Jungen. Henry schielte nach oben zum gefüllten spitzen Papphut mit elektrischer Kerze obenauf. Da war Lego drin, das wusste er genau. Er hatte nämlich durch den Türspalt gesehen, dass Tante Molly es hineingetan hatte, bevor sie herausgelaufen war und ihn ihm aufgesetzt hatte.
Aber er sagte nichts. Dann wäre Tante Molly nämlich enttäuscht von ihm. Eigentlich hatte er doch gar nicht gucken wollen, aber dann hatte er es doch getan, weil Julie doch auch geguckt hatte.
"Alexandra, lass das", wedelte Tante Molly mit einem Finger, worauf Lexi aufhörte, den Tisch mit roter Wachskreide zu bemalen, "Henry, magst du nicht die Kerze ausblasen?"
"Ich mag aber!", quengelte Lonnie, "Ich mag ausblasen!"
"Na gut, Lonnie darf", liess er sie und sie pustete kräftig.
"Und jetzt mach das Geschenk auf!", rief Dralik, "Warte, ich helf dir!" Er langte mit der braungestreiften Hand nach dem Hut, den Henry sofort energisch festhielt.
"Aufmachen!", krähte Laddie.
Henry holte die Schachtel aus dem Hut und hatte reichlich Mühe, jedem, der sie mit mehr als nur den Augen ansehen wollte, auf die Finger zu hauen. Es war sein Geburtstagsgeschenk! Sein Lego-Mutterschiff! Er machte auf und schüttete die in Säckchen verpackten Bausteine und die Bauanleitung neben den Kuchen.
"Boooooohhhh ...", machte Dralik, "Das ist ja echt violett! Ich will auch violette Steine!" Er griff nach einem Säckchen und riss es auf.
"Hey!", protestierte Henry, worauf er es tatsächlich sofort zurückbekam, "Wir essen jetzt Kuchen! Mama kommt mich gleich holen, morgen bauen wir dann."
"Ich will auch aufs echte Mutterschiff!", rief Jimbo.
"Ich auch", krähten ziemlich alle Jungen, die Mädchen riefen eher versonnen: "Jaaaa!"
"Ich war schon da!", reckte Lonnie stolz den Kopf ganz hoch, "Ich erzähl euch davon, wenn ich noch ein ganz grosses Stück Kuchen kriege! Versprochen!"
"Iss erst einmal das eine Stück, Eleanor", sagte Tante Molly.
"Aber danach will ich noch eins!"
"Ich möchte, heisst das, Eleanor, und bitte."
"Ich möchte dann nachher noch eins, bitte", war Lonnie brav, "Elti hat mich ins Labor mitgenommen und mir gezeigt, wie er genau sieht, wenn Energiebahnen kaputt sind. Und wie er sie dann repariert. Das war super!" Ihre Augen leuchteten begeistert grellblau auf. "Wenn ich gross bin, will ich auch Heiler werden."
"Ich will auch Heiler werden!", krähte Laddie.
Henry streckte ihr die Zunge raus: "Und Köchin, und Pilotin, und Soldatin, und Sheriff!"
"Nein, ich will Heiler werden", schmollte Laddie und drückte schon ein paar Tränen aus den Augen, das machte sie nämlich immer so, aber dann war der Kuchen interessanter - und nachher zum Gutteil um ihren Mund verschmiert.
Nicht dass Henry selber sauberer war, aber das machte ihm nichts aus. Es schmeckte nämlich ganz lecker nach viel Schokolade. Jetzt wischte er sich aber doch an der Clown-Serviette ab.
"Hallo, Henry! Hallo ihr alle. Schmeckt es euch?"
"Mamaaa!", sprang er auf und Mama an, "Ich hab ein Mutterschiff bekommen, aus violettem Lego! Wirklich violett, ja! Gehen wir jetzt aufs Mutterschiff? Ja? Biiiitteeee, Mama!" Er wollte doch so gerne aufs Mutterschiff und war noch nie dort gewesen!
"Nein, Schatz, wir gehen nicht aufs Mutterschiff", schüttelte Mama ihren Kopf und wuschelte ihm über seinen. Das war unfair ... warum durfte Lonnie aufs Mutterschiff und er nicht?
"Ich will aber aufs Mutterschiff ...", nörgelte er also.
"Es wird trotzdem toll, du wirst schon sehen", sagte Mama und packte sein Lego zusammen, "Alexandra, mal auf Papier, nicht auf den Tisch!" Lexi schrumpfte, machte ihre Stirn kariert und nahm die Wachskreide in den Mund. "Und nicht auf deine Zähne!", fügte Mama hinzu, "Komm, Henry, sonst kommen wir zu spät."
"Ich will aufs Mutterschiff, Mama!"
"Jetzt willst du erstmal zum Portal, Henry. Und verabschiede dich jetzt."
"Maaahhhh ...", stampfte er auf, drehte sich zu seinen Mitkindergartenkindern um, legte die rechte Hand fast auf die Brust und streckte die linke nach oben offen aus, "Jiyee'maj!"
Zurück kam ein mehrsprachiges Durcheinander und Winken.
Mama formte kurz die gleiche Geste, dann zog sie Henry aus dem Kindergarten auf die Strasse. "Muss das sein?", fragte sie vorwurfsvoll, "Unzufrieden, bevor du überhaupt weisst, wo wir hingehen."
Vielleicht gingen sie ja doch aufs Mutterschiff! "Tschuldigung", sagte Henry, sonst ging sie mit ihm womöglich doch noch woanders hin. "Wo gehen wir hin, Mama? Wohin gehen wir?" Er hüpfte aufgeregt. Sie gingen aufs Mutterschiff, ganz bestimmt!
Mama lächelte ihn an und tippte ihm auf die Nase. "Oh, sieh mal, du hast ja noch Schokolade um den Mund."
"Mamaaa", wand er sich, während sie ihm gnadenlos mit einem Taschentuch übers Gesicht fuhr.
Schliesslich war sie aber zufrieden: "So, jetzt können wir gehen." Er folgte ihr hüpfend ins Portal und sah die Zeichen an, die sie eingab. Ein paar kannte er schon, die Ziffern alle und sogar vier Buchstaben!
Mama drückte den grossen, blauen Knopf und das Portal brachte Henry und sie woandershin.
Veria
Code:
HAI
CAN HAS STDIO?
VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
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