So, und endlich beginnt der Adventskalender. Ich freu mich voll mit dem ersten Türchen anfangen zu dürfen.
Kurz zur Geschichte: Sie spielt in der Zukunft von Ungewöhnlich auf Lebenszeit, wobei ich aber behaupte, dass man die Geschichte nicht kennen muss, um hier mitzukommen.
Dann wünsche ich jetzt allen viel Spaß beim Lesen, hoffe dass euch die Geschichte gefällt und eine schöne Adventszeit!
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Die ersten Sonnenstrahlen fielen durchs Fenster und holten durch ihre wohlige Wärme die kleine Valerie sanft aus dem Land der Träume. Erst öffnete sich das linke Auge einen kleinen Spalt, dann das rechte und herzhaft gähnend drehte sich das Mädchen auf den Rücken und streckte dabei ihre Arme ganz weit aus. Ein paar Mal blinzelte sie noch der Sonne entgegen, bis sich ihre Augen dann endlich an das Licht gewöhnt hatten.
Dann sah sie ihn … Schnee! Überall war er – und noch ganz frisch! Dann hatte der Weihnachtsmann sie doch gehört und hatte es in der Nacht schneien lassen (und daran glaubte sie wirklich)! Mit Schwung warf sie ihre kuschlige Bettdecke zurück und rannte zum Fenster, um ihr kleines Näschen gegen die kalte Scheibe zu drücken und den wunderbar weißen und glitzernden Schnee zu betrachten. Das ganze Jahr hatte Valerie schon auf ihn gewartet und endlich war er da.
Am liebsten wäre sie sofort zum Spielen rausgelaufen, aber dann dachte sie, dass es vielleicht eine gute Idee wäre das Barbie-rosafarbene lange Nachthemd gegen etwas Wärmeres auszutauschen. Also ging sie zum Kleiderschrank, griff sich aus der untersten Schublade die Kleidung, welche Mama am Vortag immer schon für sie bereitlegte und zog sich rasch an, um ja nicht zu viel von draußen zu verpassen. Nicht, dass es sich der schöne Schnee gleich anders überlegte und sich von der Sonne wegschmelzen ließ, um dann einfach spurlos im Boden zu verschwinden.
Valerie nahm den Türgriff in die Hand, der sich auf einmal wie von selbst nach unten bewegte und sich die Tür daraufhin öffnete. Schnell hopste sie zwei Schritte zurück.
„Hab ich mich doch nicht verhört“, steckte ihr Vater den Kopf durch den Türspalt und strahlte sein kleines Mädchen an. Sie grinste frech und schob sich an ihrem Papa vorbei. Sie wollte raus! Der Weg bis dahin wurde aber sogleich vom nächsten Hindernis versperrt – Mama!
„Guten Morgen mein Schatz“, strahlte ihre Mutter sie an. Ihre langen hellblonden Haare faszinierten Valerie schon immer und jedesmal wenn ihre Mutter sie hochnahm, streichelte sie sie sofort. Seidig glatt und strahlend schön, wie Elfenhaar, von dem Valerie in ihren Büchern schon oft gelesen hatte. Ob ihre Mama vielleicht doch eine Elfe war? Sie hatte sie schon einmal gefragt, aber da sagte sie:
“Nein, eine Elfe bin ich nicht.“ Und sie hatte ganz schön gelacht, als Valerie es ihr nicht glauben wollte.
„Wo willst du denn schon hin, so ganz ohne Frühstück?“, fragte ihre Mutter, „Komm wir gehen jetzt etwas essen, dein Kakao wartet auch schon auf dich!“
Valerie ergab sich. Sie hatte doch gegen zwei Erwachsene, von denen sie einer festhielt, doch sowieso nicht die geringste Chance und Kakao klang auch gar nicht mal so schlecht. Sie lehnte sich an die Schulter ihrer Mutter und ließ sich die Treppe hinunter tragen, hinter ihnen kam Papa, der seiner Tochter glücklich ins Gesicht grinste.
Am Frühstückstisch belauschte Valerie neugierig das Gespräch zwischen ihren Eltern. Vielleicht würde sie ja was über die Geschenke für dieses Weihnachten heraushören.
Ihre Geschenke…
Obwohl sie zugeben musste, dass diese gar nicht das Wichtigste für sie waren, aber neugierig war sie natürlich trotzdem. Am meisten freute sie sich allerdings auf die Familie, die ihrer Meinung nach sowieso viel zu selten zusammenkam. Mindestens an Weihnachten sah sie nämlich ihren Onkel, Opa würde auch da sein, aber der kam ohnehin öfter, was die Freude natürlich in keinster Weise minderte.
Mamas und Papas Freunde waren auch immer sehr nett und die einen hatten sogar ein Kind mit welchem Valerie oft spielte. Ariel hieß das Mädchen, Valerie fand sie ganz in Ordnung. Auf wen sie auch hoffte, war Papas Freund Augur! Von dem bekam sie nämlich bei absolut jedem Besuch eine Kleinigkeit geschenkt und er hatte tolle Spielideen. Laut Adventskalender musste sich Valerie allerdings noch ein bisschen gedulden und um sich die Zeit zu vertreiben, wollte sie auch unbedingt so schnell wie möglich raus in den Schnee.
Sie wippte auf ihrem Sessel hin und her und klopfte ungeduldig mit den Fingerspitzen auf den Tisch, bis es ihrer Mutter schließlich zu viel wurde: „Valerie! Halte dich doch still“, wurde die Kleine zurechtgewiesen, „Wenn wir fertig sind, gehen wir alle gemeinsam hinaus, versprochen.“
Seufzend ließ Valerie den Kopf sinken und vermeldete ein leises „Mhm“. Sie wollte nicht warten, aber sie wollte auch brav sein und darum blieb sie sitzen und schaute jetzt ihren Füßen beim Wackeln zu. Dabei lauschte sie wieder der Unterhaltung ihrer Eltern und musste feststellen, dass es nicht um Geschenke ging, sondern um irgendwelche Angelegenheit die Papa betrafen und Valerie nicht besonders interessant fand.
Nach langen zwanzig Minuten, in denen Valerie zum Schluss fleißig mitgeholfen hatte, den Tisch abzuräumen, zogen sie sich alle drei warm an und gingen endlich vor die Tür.
Lange hielten ihre Eltern heute allerdings nicht durch. Mama saß nach einer halben Stunde schon wieder im Wohnzimmer und eine viertel Stunde später meinte auch ihr Vater, dass es ihm zu kalt wurde. So waren die doch sonst nicht, dachte Valerie und war enttäuscht, doch sie baute sich dann eben einen Schneemann ganz für sich allein.
Eine Weile machte es dann noch Spaß Schneebälle gegen die Fenster zu werfen und drei Schneeengel schaffte Valerie auch, aber dann war die große Euphorie plötzlich futsch und es wurde äußerst langweilig, hinein wollte sie aber auch noch nicht wieder. Valerie hockte sich auf die unterste Treppe vor dem Hauseingang und stapfte den Schnee zu ihren Füßen lustlos nieder. Ob ihre Eltern heute noch etwas mit ihr unternahmen? Schön wäre es, ansonsten wüsste die Kleine nämlich nicht, was sie mit der ganzen Zeit die sie heute noch vor sich hatte, anfangen sollte.
So allerlei Dinge gingen ihr durch den Kopf. Ein Besuch im Einkaufszentrum, aber nur, wenn die Marquettes auch dort wären – in diesem Fall ging es ihr nur um Ariel, die zugleich Beschäftigung mit sich bringen würde. Sie dachte an den Weihnachtsmarkt. Oh ja, dort duftete es so wunderbar nach Keksen, kandierten Äpfeln und anderen Leckereien, die sie jetzt am liebsten sofort vor der Nase, oder besser noch in ihrem Mund, haben würde. Ein einfacher Spaziergang wäre auch okay, oder… und da kam ihr der Gedanke an einen besonderen Wunsch, den sie schon länger hatte. Sie wusste, dass sie zwei Onkel hatte, von denen sie einen nur selten zu Gesicht bekam, weil er ständig in der Welt herumreiste (auf teilweise sehr altmodische Art und Weise mit einem Schiff) – und dann war da noch eine Tante von der sie ihre Eltern auch schon oft sprechen hatte hören. Valerie kannte sie nur von einem Bild, welches im Wohnzimmer hing und weil sie ihre Verwandtschaft gerne persönlich kennen würde, hatte sie ihre Eltern auch schon einmal gebeten, diese Tante doch zu besuchen. Vergeblich… Entweder besuchte auch ihre Mutter sie nie, oder man nahm sie einfach nicht mit, was sehr ungerecht wäre.
Aber Valerie wusste, obwohl sie diese Frau noch nie getroffen hatte, doch schon ein paar Sachen über sie, zum Beispiel wo sie wohnte. Nun, sie wusste welches Haus es war, weil sie ihren Vater einmal dazu gedrängt hatte, ihr wenigstens
das zu zeigen, den Fußweg von ihrem zu Hause dorthin kannte sie aber nicht. Einen kurzen Augenblick dachte sie wirklich, sie wollte einfach losgehen und ihre Tante besuchen, aber ohne zu wissen, welche Straßen sie bis dorthin überqueren musste, wo links, wo rechts gehen? Nein, es schien ihr beinahe unmöglich das zu schaffen und Mama und Papa würden dann auch ordentlich schimpfen. Valerie war doch erst Acht!
Und dennoch! Würde sie ihre Eltern fragen, ob sie mit ihr zu ihrer Tante fahren, würden die sowieso wieder nur Nein sagen, da war sie sicher. Ihr Entschluss stand also fest! Zu Hause war es ihr langweilig und so wollte sie sich selbst auf den Weg machen. Komme was wolle. Genügend Menschen waren in dieser Gegend ja auch unterwegs, die man zur Not dann nach einem Fliederfarbenen Haus fragen konnte. Das Bild wollte sie aber mitnehmen… Valerie brauchte noch einen Plan, wie sie es am besten aus dem Haus bekam, ohne das es jemand bemerkte – und vor allem: Wie sie sich danach selbst unbemerkt davonstehlen sollte!