RE: Sturm kommt auf
Es war schon etwas merkwürdig für Zo’or aus heiterem Himmel in Zi’ras Quartier aufzutauchen, aber es war das Klügste was er tun konnte. Zi’ra zu sich zu bestellen, hätte nämlich den ungünstigen Nebeneffekt gehabt, dass sie sich bereits im Vorfeld darauf eingestellt hätte, anschließend jedes gesagte Wort auf die Waagschale zu legen. Darauf konnte Zo’or nun wirklich gut verzichten.
„Weißt du schon, was es ist?“, begrüßte ihn die Taelon-Atavus Haare kämmend vor ihrem Spiegel. Kein Anzeichen von Unruhe, oder Irritation – das erste, was Zo’or bereits verdächtig vorkam, aber noch lange nichts bewies.
„Die Frage ist eher wer, nicht was“, korrigierte er sie, „und nein, weiß ich nicht. Ich dachte, dass du mir dabei helfen könntest herauszufinden wer der Fremde ist.“ Leider ohne eine konkrete Vorstellung dazu zu haben.
„Ganz so fremd kommt es mir gar nicht vor“, wandte Zi‘ra sich nachdenklich um – sie hatte offenbar bereits gegrübelt, „Vielleicht ist derjenige dazu bestimmt, da zu sein. Hast du schon darüber nachgedacht, dass jemand von uns einen Weg gefunden haben könnte, sich erfolgreich fortzupflanzen?“ Sie fuchtelte mit dem Kamm. „Zeit um daran zu forschen gab es doch schon einige, wir sind ja nicht erst seit gestern auf der Erde“, stellte Zi’ra abschließend fest.
„Völlig unmöglich“, konterte Zo’or, „außer du hast einen Weg gefunden, den du mir verheimlichst.“
Sie sah ihn finster an: „Willst du mir etwas unterstellen?“ Ein bedrohlicher Schritt in Zo’ors Richtung.
Jetzt durfte er bloß nichts Falsches sagen, aber was war in diesem Fall das Richtige? Der Synodenführer musste feststellen, dass er selbst nach tausend Jahren noch nicht geübt genug im Umgang mit der Taelon-Atavus war. „Nein, ich dachte nur … da du Kinder doch magst“, wählte er seine Worte mit Vorsicht.
Im Gegensatz zu Zo’or, war Zi’ra geübt – zumindest konnte sie den Synodenführer durchaus gut einschätzen. Demnach glaubte sie ihm nicht ganz, aber recht geben musste sie ihm auch wieder: „Ja, ich mag Kinder“, sagte sie knapp, „um selbst welche zu haben, fehlt mir allerdings etwas ganz wesentliches.“
„Nun, du hättest sicherlich keine Schwierigkeiten jemanden zu finden, der dir dabei hilft“, grinste er halb, „Du gehst sehr offen mit den Menschen um.“
Verärgert war Zi’ra jetzt nun allemal. Wenn Zo‘or es auch nicht direkt ausgesprochen hatte, aber sie wusste, er hatte sie im Verdacht und das passte ihr so gar nicht. Sie drehte sich von ihm weg und kümmerte sich wieder um ihre Haare. „Ich glaube, ich kann dir nicht helfen, tut mir leid“, war mehr oder minder eine Aufforderung für Zo’or zu gehen.
Abgeblockt – typisch für Zi’ra und jetzt noch weiter Fragen zu stellen könnte sie durchaus wütend machen. Zo’or ließ es und ging. Er war sich nicht sicher, was er davon halten sollte. Ihre anfänglichen Vermutungen sprachen gegen Zo‘ors Verdacht, den er zuvor noch sehr stark hatte, aber die Taelon-Atavus konnte einem auch sehr gut etwas vortäuschen.
Er informierte Da’an über den Verlauf des Gespräches, welches leider kein eindeutiges Ergebnis erbracht hatte und schlug diesem zugleich eine Synodensitzung vor, um eine weitere Vorgehensweise abzuklären.
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