Neue Freunde
Eine Vorgeschichte zu meiner Adventskalendergeschichte "Neue Freunde".
Ich kann mich einfach nicht mehr zurückhalten und muss unbedingt sofort anfangen zu posten. Ich fürchte, ich habe sowas wie eine Sucht entwickelt ... egal.
Hier das erste Stück.
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Cleo saß in ihrer Zelle. Sie war allein und ihr war kalt und vermutlich würde sich nichts davon in den nächsten Stunden, Tagen, oder sogar Wochen ändern. Als hätte man sie bereits für schuldig erklärt, hing sie jetzt in der Einzelhaft. Sie schielte auf das Buch, welches man ihr heute Nachmittag reingelegt hatte und griff danach, um den Titel zu lesen – Psychotherapeutische Rehabilitation – wie interessant! Cleo warf es wieder aufs Bett und lehnte sich an die kalte Wand.
„Glauben Sie ja nicht, dass Sie auf diese Weise zu Medikamenten kommen, die Sie als Drogen missbrauchen könnten“, klang plötzlich eine kräftige, raue Stimme. Dieser alte, fette, hässliche Elefant von einer Gefängniswärterin war da und hatte auch sogleich den Verdacht, dass Cleo mithilfe der kalten Wand eine Erkältung heraufbeschwören wollte, um sich mit einer Überdosis an Medikamenten das Leben im Knast zu versüßen. So ein Blödsinn!
Wollte sie natürlich nicht! Darum änderte sie kurzerhand ihre Position zu liegend auf dem Bett und deckte sich demonstrativ zu.
Die Wärterin verschwand wieder, was Cleo an dem immer leiser werdenden Stampfen ausmachen konnte.
Und jetzt? Sie nahm noch einmal das Buch zur Hand. Besser als nichts, dachte sie sich und schlug die erste Seite auf. Viel weiter als bis zur zweiten kam sie nicht. Cleo schlief ein.
Am nächsten Morgen sollte sie wieder das Grauen höchstpersönlich wecken. So ging es Tag ein Tag aus.
„Aufstehen!“, schrie die fette Wärterin lauthals durch den Block. Ja, sie war noch immer da, oder vielleicht auch schon wieder? Cleo hatte ihr Zeitgefühl schon lange verloren.
Sie gähnte gerade herzhaft, als das Martyrium mit dem Elefanten immer noch nicht mit dem Weckruf enden wollte. „Crystal, ab in die Dusche!“, befahl die Wärterin lautstark, während sie die Zelle aufschloss und mit einem Handtuch und frischer Kleidung unter dem Arm auf Cleo wartete.
Igitt! Mit dem sollte sie sich nachher ernsthaft noch abtrocknen? Ja, sollte sie! Das war spätestens ab dem Zeitpunkt klar, wo ihr die Wärterin das Handtuch grob in die Hand drückte und es mit einem schroffen, „Da!“, kommentierte. Sonst hatte sie wenigstens einen Wagen für die Tücher dabei.
Lustlos und zerzaust marschierte Cleo mit der Wärterin im Nacken in die Nasszelle. „Sie kennen es bereits. Fünf Minuten“, gab sie streng vor.
Agent Crystal musste jedesmal tief Luft holen, wenn sie die Dusche betrat, was mehr ein Zustand war, als eine Dusche, aber sie hatte kaum Zeit sich zu ekeln. Fünf Minuten! Für eine Frau, die sich für gewöhnlich mindestens eine halbe Stunde unter die Dusche stellte, war das die Hölle.
Nicht nur der Schimmel in den Fugen löste bei Cleo einen Würgereiz aus, sondern auch, oder besonders, die Haare, die überall auf den Fliesen verteilt waren. Widerlich! Hier wurde wohl noch nie geputzt! Cleo unterdrückte den Reiz sich sofort zu übergeben und zog sich ganz schnell aus, um sich so viel Zeit wie möglich zum Waschen aufzusparen, aber ohne die Seife, die hier lag. Wer weiß … Oh Gott! … Wenigstens war das Wasser warm und nach der ersten Woche Seifenverweigerung bekam Cleo ihre eigene. Aber sie fragte sich jeden Tag aufs Neue, was sie sich da nur angetan hatte? Wenn sie einfach nur gegangen wäre und die Beziehung beendet hätte, wie jeder normale Mensch das auch tat, aber nein, bei ihr musste sich ja gleich das Hirn ausschalten. Das hatte sie jetzt davon. Eine eklige Dusche und eine mindestens genauso eklige Wärterin. Aber was hatte Cleo auch erwartet? Sie befand sich hier im Knast und nicht im Ritz!
„Zeit ist um!“, meldete der Elefant schreiend.
Widerwillig trocknete sich Cleo eilig mit dem Handtuch ab, welches die fette Wärterin vorher noch unter den Arm geklemmt gehabt hatte und zog sich die frische Kleidung an. Wobei Kleidung übertrieben klang, es war frische Unterwäsche und ein grauer Kittel zum zuknöpfen. Cleo war wirklich im letzten Loch gelandet, stellte sie fest!
„Kommen Sie endlich, Crystal! Sonst lass ich Sie in Zukunft mit den anderen Frauen gemeinsam duschen!“ Damit drohte ihr die Wärterin täglich, nachdem ihr von einem netten Arbeitskollegen das Privileg der einsamen Dusche freigeschaufelt wurde.Deshalb beeilte sich Cleo und trabte mit dem nassen Handtuch in der Hand aus der Dusche. Es wurde ihr sofort entrissen und die Wärterin schmiss es in einen großen Korb.
Dann brachte sie Agent Crystal wieder in ihre Zelle und ließ sie allein.
Aber wie kam es eigentlich so weit?
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