Re:Postplan?
Er ärgerte sich.
Fürchterlich.
Dieses Weihnachten war ihm schon immer ein Dorn im Auge gewesen, er konnte diese ganzen fröhlichen Menschen nicht mehr sehen.
Hoffentlich hatte Da'ans fürchterlich dringende Nachricht nichts damit zu tun. Wahrscheinlich eher mit den Friedensverhandlungen, die ja nun doch so übel nicht waren. Wenn Zo'or es sich recht bedachte, war es wirklich viel besser, wenn er nicht mehr ständig einen Angriff fürchten musste.
Wenn die Jaridians es ernst meinten - davon war er beileibe noch nicht überzeugt.
Der Pilot landete das Shuttle und der Synodenführer stieg aus. Auf dem Weg zum Eingang der Botschaft erblickte er jemanden, den er am liebsten ... nein, ein heimtückischer Mord war nichts, was gute Auswirkungen auf die Verhandlungen haben konnte.
Zo'or beschleunigte nur deutlich seine Schritte und lief in die Botschaft: "Notfallverriegelung!"
Das Gebäude gehorchte und nahm Renee Palmer die Möglichkeit, es ebenfalls zu betreten.
Gut.
Zo'or konnte sie also am Leben lassen.
Nun weitaus gemächlicher spazierte er durch die Botschaft, bis er Da'ans Stimme hörte - und noch eine beachtliche Menge anderer Stimmen dazu.
Es musste sich um eine Diskussionsrunde über einzelne Details des Friedensvertrages handeln.
Zo'or betrat den Raum ...
Und erstarrte.
Ein riesiges - Tier versperrte die Sicht auf die meisten Personen, es schien gerade seine beachtliche Flügelspannweite zu demonstrieren. Etwas seitlich standen rollbare Tische mit Nahrungsmitteln - und dort stand mit einem Teller Captain Lili Marquette.
"Captain Marquette? Ich dachte, Sie wären to...hoooooo..."
Sein Blick fiel auf den Jaridian.
Auf den Anführer der Jaridian!
Vorjaks Hände ließen fallen, was sie gerade hielten, und wurden zu Fäusten, bevor - er sich entspannte und jetzt Mühe hatte, ein Lächeln zu unterdrücken.
Die Mühe war endgültig vergebens, als der Taelon wieder davon schoss - Zo'or machte eilig kehrt und sprintete davon, bis er vor der verschlossenen Türmembrane des Haupteingangs stand.
Mist!
Da draußen war Renee Palmer!
Unschlüssig blickte Zo'or den Weg zurück, den er soeben gerannt war, dann beschloss er, dass der Jaridian das kleinere Übel war, und kehrte zum Botschafter und dessen Gästen zurück.
Vorjak wandte ihm das ausdrucksloseste Gesicht zu, das er überhaupt nur zustande brachte, während Da'an sein Kind verdutzt ansah.
Warum war Zo'or verschwunden und nun doch wieder da? Und warum hatte er die Notfallverrieglung in Kraft gesetzt? So sehr konnte ihm die Feier hier doch nicht missfallen, dass er sie zu stürmen gedachte.
Oder?
Bereit, den Sachverhalt aufzuklären, trat Da'an zu seinem Kind.
"Zo'or, was soll die Notfallverrieglung? Eigentlich sollte dich ja der Anblick Vorjaks nicht derart verunsichern ... Immerhin befinden wir uns mitten in bestens laufenden Friedensverhandlungen!"
Vibe hatte sich rasch aus allen Kontakten, die gerade bestanden, gelöst, war aufgestanden und hatte sich so positioniert, dass sie notfalls zwischen den Synodenführer und alles, was sich ihm entgegenstellen würde, springen konnte.
Der Jaridian, der sie jetzt aus den Augenwinkeln wahrnahm, warf ihr kurz den gleichen Blick wie zuvor zu, was dazu führte, dass sie sich am liebsten vor Unbehagen gekrümmt hätte.
Ihr war klar, dass sie damit an seiner Ehre rührte - aber sie war eben auch Windvolk, deshalb hatte sie nicht sitzen bleiben können.
Auch Obi-Wahn stand wieder, scheinbar dem Buffet zugewandt, als ob er sich eine weitere Portion Essen holen wollte.
Tatsächlich war seine rechte Hand wieder in seinem Gewand verschwunden und sein Geist hatte sich geweitet.
Panik schien nach Beistand zu rufen, unangemessene Belustigung nach einem Dämpfer, merkwürdiger Übereifer nach sachter Maßregelung ...
Der Jedi beschloss, noch abzuwarten.
Im Ernstfall wäre er schnell genug, gleich, ob es die Kräfte oder das Schwert einzusetzen galt.
Kara klappte ihre Flügel zusammen, da sie ja nicht gerade auf den Synodenführer gefährlich wirken wollte. Das nun wirklich überhaupt nicht.
Zi'ra musterte ihren Artgenossen derweil verwundert - so schnell rennen hatte sie ihn noch nie gesehen.
Auf der anderen Seite des Tisches waren die beiden Beschützer energisch aufgesprungen - kurzzeitig jedenfalls.
Sie setzten sich beide einen Moment später wieder. Liam, weil ein laufender Meter Taelon sich mit dem Teller des Kimera unter den Tisch begeben wollte, und Ronald, weil er ganz bestimmt nicht in den Vordergrund geraten wollte.
Lili grinste die ganze Zeit bis zu den Ohren. Zo'or derart hilflos, ratlos und zeitweilig sogar verschreckt zu sehen, hatte durchaus seinen unvergleichlichen Reiz.
Als sie sich ihrer Mimik bewusst wurde, zwängte sie in eine freundlichere Form. Immerhin war Zo'or ja kein Feind mehr, so unglaublich das auch klang.
Hagazussa spürte wieder einmal gründlich um sich.
Nein, es bestand keine wirkliche Gefahr, empfand sie deutlich.
Zo'or fürchtete sich, das war alles - und sie konnte hier nichts tun, auch, wenn sie sich zurück halten mußte, nicht aufzustehen und dem Taelon beruhigend den Kopf zu tätscheln.
Shask stellte fest, daß das erneut hektische Treiben der Zweibeiner sie nicht wirklich interessierte.
Sie war glücklich mit phantastisch mundender Überfülle und damit, dass es Da'an trotz der aufgekommenen Wirren gut ging - sie roch das, und seiner Stimme war es anzuhören.
"Määähh", machte sie und legte den Oberkörper jetzt flach auf den Tisch, um das farbenfrohe Gebinde, das den Platz ihres Gegenübers zierte, besser erreichen zu können.
"Fiep", kam von der Maus, die sich hinter einem Pfefferstreuer zu verstecken versuchte.
Zo'or war vom Geschehen im Raum mehr als verunsichert, aber Da'ans Worte krönten es noch. Notfallverriegelung gegen einen Jaridian?
Nein!
Einem Jaridian gegenüberzustehen berührte immerhin nicht die persönliche Ehre und das Wohlergehen des Verstandes.
Des Körpers vielleicht, ja, aber mit den Friedensverhandlungen auch das nicht mehr.
"Da'an ...", begann er und musterte kurz Lili, die ihn freundlich anlächelte, und Vorjak, der keinerlei Gesichtsregung zeigte.
"Der Eisklotz ... Ich - ich meine Miss Renee Palmer ..." Er wedelte mit einer Hand ganz untaelonisch unelegant grob Richtung Ausgang und fügte dann hinzu: "Ich konnte sie doch nicht hereinlassen!"
Zi'ra sprang auf und wetzte verärgert auf ihn zu: "Du hast also etwas gegen Renee? Ich mag sie!"
"Das hier soll eine angenehme Feier sein, nicht wahr?", fragte Zo'or, "Da passt Miss Palmer nun wirklich nicht dazu! Sie würde doch nur über ihre Arbeit reden."
Das wusste er freilich nicht, aber diese Argumentation kannte er von so einigen Menschen.
Wäre Da'an ein Mensch gewesen, hätte er nun beide Hände vor das Gesicht geschlagen. So stand er jedoch lediglich da, als wolle er mit Vorjak ein Duell in mimischer Ausdruckslosigkeit abhalten.
"Ich fürchte, dass wir die Notfallverriegelung dennoch wieder außer Kraft setzen müssen. Es wäre immerhin äußerst unhöflich, Miss Palmer einfach draußen stehen zu lassen, wo Zi'ra sie doch eingeladen hat."
Es fiel Da'an schwer, das Bedauern über diese Tatsache aus seiner Stimme heraus zu halten. Dennoch vollführte er eine rasche Handbewegung, um einen Datenstrom zu öffnen. Kurz zögerte er, setzte dann aber doch die Notfallverriegelung wieder außer Kraft.
"Ich hoffe, du bleibst trotzdem und feierst etwas mit uns, ich habe schließlich noch ein Geschenk für dich!"
Mit diesen Worten hob er das Päckchen auf, das er unter dem Baum hervor geholt hatte, und hielt es seinem Kind hin.
Weihnachten also, stellte Zo'or fest, inklusive Geschenk.
Aber da der Synodenführer nun schon selbst, wenn auch vergeblich, auf die Feier gepocht hatte, konnte er nicht ablehnen.
Er streckte eine Hand aus, zögerte noch kurz und griff dann nach dem bunten Päckchen.
Schnell und ohne die Verpackungsfolie zu beschädigen löste er selbige und blickte schließlich auf eine durchsichtige Klappschachtel, in der sich kleine blaue Kristalle befanden.
"Grundenergie ... wo hast du die her? Die Kontingente sind vollständig!"
Er musterte sein Elter.
"Sie stammt aus deinem Kontingent, Da'an, ich kann sie nicht annehmen."
Da'an lächelte sein Kind sanft an.
"Doch Zo'or, ... bitte! Diese Zeit markiert einen Neubeginn für uns alle. Nimm dieses Geschenk als Symbol dafür, dass ich die ewigen Konflikte zwischen uns ein für alle mal bereinigen möchte! Denn nur, wenn wir erfolgreich die Unstimmigkeiten innerhalb unseres Volkes klären, können wir auch erfolgreich den Krieg mit den Jaridians beenden, um so das Überleben unserer beider Spezies zu sichern."
Obi-Wahn entspannte sich etwas, behielt aber seine Position bei.
Auch Vibe blieb, wo sie war, von Entspannung konnte aber keine Rede sein - im Gegenteil, sie war plötzlich so aufgeregt wie in dem Moment, als sie Da'an erstmals gegenüber gestanden hatte.
Ihr Fell stand ab, und einmal mehr hatte sie den Schnabel fest zugedrückt.
Was für eine Chance!
Hagazussa lächelte mild, während sie das Geschehen beobachtete.
Zo'or wirkte so - jung ...
Ariel hatte momentan Maus, Essen und Spielzeug vergessen und guckte mit großen Augen.
Da passierte etwas Ernstes, begriff sie.
Das sich aber irgendwie gut anfühlte ...
"Mäh", machte Shask, einfach nur mal so.
"Fiep", traute Veria sich wieder hinter dem Pfefferstreuer hervor. Das war doch zu interessant.
Hinter dem Tisch verlor Liam gerade seinen Kampf mit Vj'an. Das Kind hatte nun den Teller erbeutet und begann unter dem Tisch, Lasagne zu essen. Viele bemerkten das nicht und Sandoval verbuchte es unter der stetig länger werdenden Liste an Merkwürdigkeiten, denen er nie nachgehen würde.
Lili strahlte.
Zo'ors Wahrnehmung war zu sehr
auf Da'an fokussiert um irgendetwas davon zu bemerken. Das war ein offenes Friedensangebot! Nicht nur ein Waffenstillstand, wie Zo'or ihn nun schon seit Beginn der Verhandlungen mit den Jaridians auch in Bezug auf Da'an lebte.
"Ich möchte deine Gabe annehmen, Da'an", sagte er also und hob die rechte Hand respektvoll vor die Körpermitte, "aber da ich annehmen muss, dass dies deine eigene, dringend benötigte Energie ist, lehne ich ab. Dein Wohlergehen ist mir nicht gleichgültig."
Noch lieber hätte er seinem Elter dies auf Eunoia gesagt, aber in dieser Gesellschaft war es sehr wichtig, von allen verstanden zu werden.
Nicht gleichgültig, nein.
"Nicht mehr."
Da'ans Fassade flackerte kurz und heftig. Ja, heute war der Beginn einer völlig neuen Zeit und das in viel mehr als nur einer Hinsicht.
"Bitte, mein Kind, du musst dich nicht wegen meines Energiestatus sorgen! Außerdem hege ich die Hoffnung, dass sich mit dem Ende des Krieges auch eine Lösung für unser Grundenergieproblem finden lässt."
Er hatte recht. Da'an hatte recht!
Diese Feststellung kam für Zo'or mehr als unerwartet. Seit er denken konnte, war die Grundenergie rationiert, und an Zeiten, zu denen das noch nicht so gewesen war, erinnerte er sich offenbar zu selten, um diese Möglichkeit für die Zukunft in Betracht zu ziehen.
Dass dafür die Hilfe der Jaridians nötig war, störte ihn viel weniger, als er es vermutet hätte. Immerhin waren die Jaridians ihrerseits von den Taelons abhängig, um ihre Temperatur zu senken.
"Danke, Da'an", sagte Zo'or also und blickte vorsichtig zu Vorjak, "Ich möchte es aber nicht für mich allein behalten."
Sagte er das gerade wirklich? War das sein voller Ernst?
Ja, stellte er fest.
"Bitte teilen Sie Da'ans Geschenk mit mir, Vorjak."
Für den Bruchteil einer Untereinheit hatte Vorjak mit einem Gefühl zu kämpfen, das wohl so alt war wie die Rasse, deren Erster er war.
Er hatte nämlich sofort eine deutliche Vorstellung davon, was Zo'or beabsichtigte ...
Es gelang ihm, sein Shaqarava inaktiv zu halten, ohne dafür Fäuste formen zu müssen.
Abzulehnen kam keinesfalls in Frage.
Keinesfalls.
"Es ist mir Ehre und Freude", antwortete er daher dem Synodenführer, wobei seine tiefe Stimme etwas brüchig klang.
Langsam trat er einige Schritte auf den Taelon zu, allerdings ohne eine Hand zu erheben.
Jetzt keinesfalls auch nur den geringsten Fehler machen ...
Dass er den Atem anhielt wie Vibe, die genau so riesige Augen machte wie Ariel, war ihm nicht bewusst.
Zo'or hingegen bemerkte es sofort - und einerseits beruhigte es ihn, dass der Jaridian ebenso unsicher war, wie er selbst, während es ihn andererseits deutlich beunruhigte.
Vorjak glaubte nicht an den Frieden! Er würde ihm die Schachtel aus den Händen reissen, Shaqarava erheben und ...
Zo'or flackerte auf, dämmte dies allerdings eilig wieder ein. Vorsichtig, um möglichst wenig bedrohlich zu wirken, öffnete er die Schachtel und entnahm ihr einen Kristall, den er auf seiner offenen Hand langsam auflöste. Dem Jaridian streckte er die Schachtel mit einem sehr sehr langen linken Arm entgegen.
Mulmig war ihm dabei schon - und nicht nur ihm. Auch Zi'ra war völlig erstarrt, Liam aufgestanden und sprungbereit, sogar Ronald hielt seinen rechten Unterarm so bedeckt, dass die sich aufbauende Energie im Skrill nicht sichtbar war.
Mit äußerster Vorsicht streckte Vorjak den rechten Arm aus, worauf er besonders darauf achtete, dass seine nicht leuchtenden Handflächen für möglichst alle Anwesenden sichtbar blieben.
Behutsam entnahm er schließlich dem ihm hingehaltenen Behältnis einen Energiekristall und legte ihn in die Mitte seiner Linken.
Es war nicht nötig, Shaqarava zu aktivieren - der Kristall löste sich rasch von allein auf.
Die angenehme Kühle, die sich in dem Jaridian ausbreitete, ließ ihn lächeln.
Und weckte in ihm den Wunsch, dem Taelon - ebenfalls ein Geschenk machen zu wollen ...
Den Wunsch, erkannte Vorjak sehr überrascht, nicht die Überlegung, dass dies eine taktisch kluge Maßnahme wäre, die den Frieden enorm beschleunigen könnte.
Es wäre eine taktisch kluge Maßnahme ...
Indem er das anerkannte, musste er sich nicht eingestehen, dass Zo'ors Mühe etwas in ihm anrührte.
Vorjaks Lächeln vertiefte sich - und das galt ihm selbst.
Lili hätte an seinen Gedanken wohl gerade sehr viel Freude ...
Er warf seiner Gefährtin einen kurzen Blick zu.
Dann konzentrierte er sich wieder ganz auf den Synodenführer.
"Danke, Zo'or", sagte er, und dieses Mal klang seine Stimme fest.
"Dieses Geschenk ehrt Sie und die Ihren sehr. Und mir wäre es große Ehre, Ihnen meinerseits etwas anbieten zu dürfen - wenn Sie es wünschen, hätte ich tatsächlich eine mögliche Lösung für Ihr Grundenergie-Problem ..."
Das war nun doch ...
Zo'or machte sehr große Augen. Die Grundenergiekristalle zu teilen war eine Sache, aber wenn er den Jaridian richtig verstand, woran er kaum zweifelte, dann wollte dieser ihn nun ... berühren.
Anstatt Energie zu übertragen könnte Vorjak sie auch nehmen ...
Nein, Zo'or musste daran glauben, dass ein solcher Verrat nicht nur kontraproduktiv sondern auch für den Jaridian schlussendlich tödlich wäre - und dass dieser das sehr gut wusste.
Obwohl Vorjak nicht wissen konnte, wozu Zi'ra fähig war.
Zo'or musste jetzt einfach zuversichtlich sein.
Langsam, regelrecht in Zeitlupe, richtete er seine offene Hand senkrecht aus.
Was würde Vorjak jetzt tun?
Der Erste Jaridias hatte enorme Mühe, seine Gesichtszüge zu belassen, wie sie waren.
Er hatte eine technologiebasierte Methode der Energiegewinnung anbieten wollen, die mit Hilfe der vier Völker eigentlich für Zwecke seiner Spezies entwickelt worden war und theoretisch auch für die Taelon funktionieren könnte, wobei deren Mitarbeit an einer Vervollkommnung unabdingbar wäre.
Aber selbst darauf bezogen hatte er starke Zweifel, ob sie auch nur den mindesten Anklang fände.
Und jetzt kam Zo'or daher und - und schien sich die einfachste, die - primitivste Lösung gegen Energiemangel und vorzeitiges Ausbrennen zu wünschen, die Taelon und Jaridian füreinander zu bieten hatte?
Das, was äonenlang als das Gefährlichste überhaupt galt und daher als undenkbar - direkten energetischen Austausch?
Was, wenn er, Vorjak, dadurch schneller ins Gemeinwesen des Gegners absorbiert würde, als er notfalls ...?
Oder aber er Zo'or schädigen würde?
Andererseits - geschähe nichts dergleichen und das vor so vielen unterschiedlichen Wesen, dann hätten die Friedensverhandlungen eine Basis, wie sie sich kein Jaridian jemals hätte vorstellen können.
Er könnte die Halb-Windvolk um Vermittlung bitten, überlegte Vorjak.
Mit ihr zwischen dem Taelon und ihm selbst ... Im Kontakt waren Unwahrheit und Täuschung nicht möglich ...
Oh nein, das kam überhaupt nicht in Frage.
Ein Jaridian brachte niemals Schwächere in Gefahr.
Vorjak konnte nicht verhindern, dass seine Muskeln sich anspannten, als er sehr langsam einen Schritt vortrat, die eigene Hand hob, sie gegen die Zo'ors legte und Shaqarava im Heilmodus aktivierte, mit äußerster Vorsicht - kein Pulsieren, kein Fluss, nur sanftes Glühen, bereit, es beim geringsten Anzeichen von Missfallen seitens des Taelons oder gar Gefahr sofort wieder verlöschen zu lassen.
Für Zo'or bedeutete diese Berührung zunächst einen richtigen Schock, weil er entgegen aller Horrorgeschichten nicht sofort in kleine Funken zerstob. Das hieß wohl, dass Vorjak ihn nicht gerade umbrachte.
Etwas Mühe, das zu glauben, hatte der Taelon noch.
Die Hand des Jaridian strahlte Hitze aus, Zo'ors Energiebahnen glichen sich an. Unangenehm war es nicht, und auch das hatte Zo'or nicht erwartet. Er begann sogar zu spüren, wie sich die fremde Energie langsam und gemächlich in seine eigene Energie verwob.
Starr stand der Taelon da und beobachtete sich selbst, ohne einen Blick für irgendetwas anderes im Raum zu haben. Es dauerte doch einige Momente, bis er begriff, dass er nahm, ohne zu geben.
Zo'or hob seinen Blick und traf Vorjaks, dann lenkte er seine Energie vorsichtig, gemächlich in die Hand und leitete ein richtiges Sharing ein.
Als die Energie des Taelons in Vorjaks System zu fließen begann, war die erste Reaktion des Jaridian Überraschung.
Darüber, dass - nichts sonst geschah.
Und dass es sich so angenehm kühlend anfühlte wie zuvor der zergehende Kristall.
Der Taelon schien nichts erzwingen zu wollen - wie Vorjak, der jetzt erst recht darauf achtete, dass Shaqarava nur sanft strömte, ohne Absicht, ohne Ziel.
Sollte es so - einfach sein?
Der Jaridian machte sich klar, dass dieses Teilen wohl kaum ohne Folgen für ihn bleiben würde.
Es - es würde ihn schwächen, vermutete er.
Die Wucht und Durchschlagskraft seiner Energie im Kampfmodus mindern oder sogar dafür sorgen, dass er diesen nicht mehr auszulösen vermochte.
Durfte er das zulassen?
Er durfte nicht, er musste, stellte er fest.
Weit über die Hälfte seines Volkes wollte schon lange nicht mehr kämpfen.
Und die übrigen Allianzmitglieder sowieso nicht mehr - die meisten hatten nie gewollt.
Wechselseitige Abhängigkeit ...
Wohin würden die Wege der Getrennten, wie die vier Völker die Taelon und die Jaridian oft bezeichneten, führen, blieben sie getrennt?
Nirgendwohin - weil es irgendwann niemanden mehr gäbe, der sie ginge.
Scheiterten die Friedensverhandlungen doch noch, würden die Seinen und ihre Gegner einander vernichten oder aber durch die eigenen massiven Schwächen ausgelöscht - die Taelon durch endgültiges Aufbrauchen ihrer Grundenergie, die Jaridian direkt oder auf Umwegen durch ihre Stoffwechselstörung, die sie irgendwann zu Asche werden ließ.
Wechselseitige Abhängigkeit ...
Konnte, durfte sich eine Lösung für einen äonenalten mit aller nur möglichen Brutalität ausgetragenen Konflikt so angenehm anfühlen?
Vorjak ließ Kühlendes zu und
Wärmendes strömen.
Sein Blick in das, was Zo'ors Fassade als leuchtend blaue Augen erscheinen ließ, drückte tiefe Unsicherheit und vorsichtige Hoffnung zugleich aus.
Eben dies verunsicherte den Taelon zunehmend - es war so ... einfach ...
Das konnte doch nicht sein! Auf die Idee wären doch bestimmt schon andere gekommen, damals, als der Krieg noch nicht voll ausgebrochen gewesen war ... bestimmt, oder?
Vielleicht. Aber so jemand zählte wohl nicht zu Zo'ors Vorfahren, zumindest konnte er sich an ein solches Erlebnis nicht erinnern.
Höchstwahrscheinlich, nein, nahezu sicher war dieses Sharing eine goldene Premiere und somit zweifellos die wertvollste Erinnerung für alle zukünftigen Generationen von Taelons - und Jaridians.
Zwei Spezies, die einander brauchten und, wenn es nach Zo'or ging, auch friedlich zusammenleben würden.
Einen Grund, verunsichert zu sein, gab es nicht mehr!
Zo'ors Fassade löste sich auf und zeigte zuversichtlich strahlende blaue und auch einige weiß-violette Energielinien.
Das jaridianische Äquivalent zu diesem Farbenspiel war Vorjaks Lächeln, als Taelon und Jaridian die Hände voneinander lösten.
In die anhaltende atemlose Stille platzte eine begeisterte Ariel mit sich beinahe überschlagendem Stimmchen:
"Ich hab's gewusst, ich hab's gewusst, ich hab's gewusst - Lili hat Recht und Sivok ist blöd! Ihr habt Euch angefasst und seid beide noch ganz - also sind die Taelon eben nicht bloß böse und versinken kann man in ihnen auch nicht ..."
Sie sprang von ihrem Sitz und landete prompt erst einmal wieder auf dem Hinterteil - gleichzeitig in Richtung Lili und Vorjak samt dem vor allem neugierhalber jetzt unglaublich anfassenswerten Zo'or rennen zu wollen, funktionierte zu ihrem Unmut leider gar nicht.
Der Erste der Jaridian wandte den Kopf und suchte den Blick seiner Gefährtin, die ihm ein wunderschönes Lächeln schenkte.
Er war sich sicher, erstmals verstanden zu haben, was es mit diesem - Weihnachten auf sich hatte.
Code:
HAI
CAN HAS STDIO?
VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
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