Gesamthandlung
T0 - Prolog
Es ist ein schöner, sonniger Tag, wenngleich der Winter noch nicht ganz vertrieben ist. Eine hübsche dunkelhaarige Frau in einem dunklen Overall rennt mit über siebzig Sachen durch die Pampa. Sie kann kein Mensch sein, bestimmt nicht. Sie erreicht ihr Ziel, ein Feld von riesigen Parabolschüsseln, und betritt nun in normalmenschlicher Geschwindigkeit das Kontrollgebäude. Ein Soldat will sie aufhalten, doch sie wirft ihn einfach an die Wand. Sie geht zu einem Computer und beginnt, Daten für eine Transmission nach Jaridia einzugeben.
Doch etwas ist anders als in den anderen Universen, in denen die Transmission ihr Ziel erreichen wird.
Etwas ist im Weg und lenkt das Signal ab. Eine Raumanomalie, die noch mehr Auswirkungen hat.
T0 - Harmony
Vor einem Moment war alles noch normal gewesen und dann brach die Hölle los. Das Navigationssystem meldete eine Verschiebung des Flugvektors, aber das war Harmony Kincaid auch so klar gewesen. Das Shuttle bebte und sie wollte nicht wissen, wie gründlich es sie und ihren Copiloten ohne die Dämpfungssysteme zerreissen würde.
Die Sensoren waren ausgefallen und zeigten völlig unmögliche Daten an, dass Harmony nach Sicht flog und so versuchte, den merkwürdigen dunkelblauen Schlieren auszuweichen.
Und dann, ganz plötzlich, war alles wieder ruhig. Zu ruhig, etwas stimmte nicht.
"Puh, Rodeo ist nichts dagegen", sagte Andrei Chekov, der Copilot, "Wusstest du, dass Rodeo eine russische Erfindung ist?"
Klar, alles war russisch. Harmony starrte auf ihre Anzeigen, die Sensoren waren immer noch weg und auch die Kommunikation war ausgefallen. Und es fehlte noch etwas, sie konnte die mächtige mentale Präsenz ihres Vaters nicht mehr spüren.
Liam Kincaid, der Kimera, war nicht zu spüren, er war aber nicht einfach weg. Irgendwie war er doch da, sie hatte ihn zumindest nicht verschwinden gespürt.
"Andrei, da ist was faul."
"Und was?"
Harmony setzte das Shuttle wieder in Bewegung, und das war ein Fehler. Von irgendwoher kam noch eine blaue Schliere und brachte sie ins trudeln. Der Weltraum wirkte zu leer. "Wo sind die anderen Shuttles? Andrei!", rief sie, "Die Unity ist weg!"
Die Unity, gebaut, als Harmony 16 Jahre alt gewesen war. Die Raumstation war nicht da.
Andrei bediente hektisch seinen Teil der holographischen Steuerung und meldete schliesslich: "Komsystem ist wieder da, Datumsfrequenz sagt ... scheisse."
"Sagt was, Andrei?"
"Harmony, wir müssen runter, die Taelons aus dieser Zeit sind sicher neugierig darauf, wo wir herkommen", erklärte er und beschleunigte immens, "Wir sind dreissig Jahre in der Vergangenheit!" Harmony sah ihn verdutzt an, das erklärte die unspürbare, aber nicht ganz verschwundene Präsenz ihres Vaters, der wohl gerade erst geboren worden war. "Der Antrieb läuft nicht rund", sagte Andrei, "kannst du da was machen?"
Sie versuchte es und rekonfigurierte den Energiefluss, es half nicht viel. Das Shuttle bockte und sprang, dass sie doch besser selbst die Steuerung übernahm.
Wenigstens blieben sie nicht lange am Himmel. Europa raste auf sie zu, Attika, noch eine Kurskorrektur, bitte nicht an Land zerschellen, und dann klatschten sie ins geschichtsträchtige Wasser der Ägäis und gingen sofort unter.
T0 - Mutterschiff
"Quo'on! Ich empfange merkwürdige Signale! Es sieht aus, als seien es irgendwelche Störsignale! Ich weiß nicht, wie ich diese Daten interpretieren soll!", rief ein Freiwilliger ganz entsetzt in die Richtung des Taelons. Eigentlich war das das geringste Problem, denn die Brücke, nein, das ganze Schiff bebte.
"Können Sie mir schon einen Schadensbericht melden?", rief Quo'on dem Freiwilligen zu.
"Zwei Decks melden, dass es Schwankungen in der Energieversorgung gibt. Es wird von 4 Verletzten berichtet. Schwere Erschütterungen machen sich auf dem gesamten Schiff bemerkbar, externe Kommunikation ist ausgefallen", entgegnete der Freiwillige nun profesioneller.
"Finden Sie sofort die Ursache und beheben Sie das Problem!", befahl Quo'on in herrischem Ton.
"Jawohl!" Der Freiwillige machte sich sofort ans Werk und tippte wild auf seiner Konsole herum.
"Was hat das zu bedeuten?", fragte Zo'or, die gerade die Brücke betrat, mit eisiger Stimme, wenngleich sie eigentlich recht gut gelaunt war. Immerhin war es bei diesem Geschüttel eine echte Kunst gewesen, unfallfrei auf die Brücke zu gelangen. Gewohnheitsmäßig begrüßte sie jeden Freiwilligen einzeln mit einem bösen Blick und richtete dann einen fragenden auf Quo'on.
Der Freiwillige, der zuvor schon über die Probleme berichtet hatte, drehte sich um, um zu antworten, aber als er Zo'ors Blick sah, war er nicht mehr so sicher, ob er das riskieren sollte. Er entschied sich trotzdem, eine Meldung zu machen "Wir empfangen unerklärliche Signale und diese stören fast alle Systeme." Mittlerweile wurden auch die Lebenserhaltungssysteme von den Störungen betroffen.
"Signale von den Jaridians?", lehnte sich Zo'or nicht sehr weit aus dem Fenster, lag aber trotzdem falsch. Niemand wusste wirklich, was es für Signale waren. Auf der Suche nach einem potenziellen Schuldigen ließ sie ihren Blick durch die verstörend wackelnde Brücke schweifen und stoppte zum zweiten Mal bei Quo'ons Gesicht. Es störte sie inzwischen arg, dass es der Synodenführer nicht für nötig hielt, ihr zu antworten.
Da'an, der hinter Zo'or die Brücke betreten hatte, hatte die Erklärungen des Freiwilligen aufmerksam verfolgt und sah nun ebenfalls zu Quo'on.
"Wenn ich es wüsste, hätte ich es euch wohl schon längst gesagt!", fuhr dieser Zo'or und Da'an leicht an. Er war selbst schon etwas genervt, weil er ebenso wenig Ahnung hatte wie alle anderen auf dem Mutterschiff.
Zo'or, die diese leicht harsche Antwort schon beinahe als persönliche Kritik auffasste, warf Da'an einen so zornigen Blick zu, als wäre er es gewesen, der die Jaridians erwähnt hatte. Nachdem sie damit fertig war, sich eine halbe Sekunde lang für diese unfaire Handlung zu schämen, ärgerte sie sich maßlos darüber, dass sie sich geschämt hatte, und blickte umso finsterer.
Mittlerweile hatten die Energieschwankungen aufgehört und die Systeme spielten nicht mehr gar so verrückt. Der Freiwillige entschloss sich, noch einmal einen Statusreport zu geben: "Alle Systeme beginnen sich zu normalisieren! 4 Decks melden leichte Schäden. Insgesamt 12 Verletzte, keine davon schwer. Lebenserhaltungssysteme arbeiten stabil. Energieverteilung auf allen Decks wieder normal. Interne Kommunikation intakt. Externe Kommunikation komplett ausgefallen, Techniker arbeiten daran."
Die Tatsache, dass der Boden unter ihr nun wieder sicher war, gab Zo'or auch das kleinste bisschen verlorene Selbstsicherheit zurück. Sie unterdrückte den Impuls, ein weiteres Mal zu fragen, was denn nun passiert war, da Quo'ons Miene sie unmissverständlich darauf hinwies, dass er dies nicht dulden würde, und lenkte sich damit ab, die anwesenden Freiwilligen auf mögliche Fehltritte zu untersuchen. Sie fand relativ schnell ein geeignetes Opfer: Der junge Mann sah aus, als wäre er schlechte Behandlung bereits gewohnt, selbst die Menschen um ihn herum schienen zu versuchen, nicht in seine Nähe zu kommen. Er bot sich einfach an. Mit der Sicherheit, dass Quo'on gerade anderes zu tun hatte, als sich um ihr Verhalten zu scheren, machte sie einen Schritt auf den Freiwilligen zu und suchte aufmerksam nach einem kleinen Fehler. Die Tatsache, dass sie nach einer halben Minute noch erfolglos war, reizte sie dabei zusätzlich.
"Was gibt es denn?", fragte der Mensch nach zwei weiteren Minuten unhöflich genug, dass Zo'or es als Frechheit und damit als gefundenes Fressen sehen konnte.
"Ich dulde nicht", drohte sie mit ihrer eisigsten Stimme (auf die sie sehr stolz war), "dass ein Mensch so mit mir spricht. Wie ist ihr Name, Freiwilliger?"
"Kosimo Álkarez", er duckte sich ein wenig und Zo'or fühlte sich sofort wohler.
"Es sieht also so aus als wären keine nennenswerten Schäden entstanden. Wenn sich die Ursache für dieses Ereignis geklärt hat, wirst du sicher die Synode informieren", wandte sich Da'an unterdessen an Quo'on und verliess dann die Brücke, das unpassende Verhalten Zo'ors ignorierend. Das, was er noch vor diesem Zwischenfall gesehen hatte, der nun leere Tank Boones, in welchem dieser sich hätte regenerieren sollen, hatte ihn zutiefst erschüttert.
"Sie werden die Brücke umgehend verlassen und sich bei ihrem Vorgesetzten melden", fuhr nun Zo'or Kosimo an, "Ich werde ihm von Ihrem Fehlverhalten berichten lassen."
"Muss das sein?"
Der Satz war ein Fehler, und zwar ein gewaltiger. Zo'or hatte ja nach Fehlern gesucht, aber auf keinen Fall tolerierte sie, dass ihr jemand ungestraft widersprach.
"Nein", erwiderte sie, "Ich kann auch Agent Sandoval auffordern, sich persönlich um diesen Fall zu kümmern."
"Kann ich mich auch einfach bei Ihnen entschuldigen? Es tut mir nämlich schon leid ..."
Zo'or wurde es langsam zu viel. Es war eine der seltenen Situationen, in denen sie die Menschen darum beneidete, einfach mal zuschlagen zu können. Sich mühsam beherrschend, den Freiwilligen nicht mit roher Gewalt persönlich zu entfernen, forderte sie Agent Sandoval auf, umgehend zu erscheinen.
"Ich nehme an, dass ich jetzt doch hier warten soll?", fragte der Freiwillige fast schon liebenswürdig und fing sich einen vernichtenden Blick.
"Sie werden jedes Wort bereuen, das sie in den letzten Minuten gesagt haben."
"Sie sind aber ein furchtbar kapriziöser Taelon", stöhnte der Freiwillige, glücklicherweise aber leise genug, dass Zo'or so tun konnte, als hätte sie es überhört, um sich nicht auf das Niveau einer Diskussion herablassen zu müssen. Kurz entschlossen ließ sie ihn stehen und begab sich zu Quo'ons Platz, um bei diesem vielleicht ein paar Informationen aufzuschnappen.
Derweil betrat Sandoval die
Brücke. "Sie wollten mich sprechen, Zo'or?", sagte er kurzangebunden, da er nicht wüsste, was der Taelon von ihm wollen könnte.
"Nehmen sie diesen Freiwilligen dort mit sich und lehren sie ihn, dass er mir besser kein zweites Mal frech kommt!", wies ihn Zo'or an, froh, dass er fragte, da sie das Gespräch schon fast wieder vergessen hatte. Der bemitleidenswerte Freiwillige trat unwillig aber brav von alleine an die Seite Sandovals, seines vermeintlichen Schlächters. Vielleicht hielt er seine Fassung vor allem deswegen, weil er den Asiaten um mehr als zwei Köpfe überragte. - Was auch keine Kunst war, dachte Zo'or.
"Folgen sie mir!", wies Sandoval den Freiwilligen an und machte sich daran, die Brücke zu verlassen. Das Unglückslamm folgte ihm wort- und hoffnungslos.
Als sie die Brücke verlassen hatten, richtete Sandoval das Wort an den Freiwilligen: "Sie sollten in Zo'ors Gegenwart mit dem, was Sie sagen, etwas vorsichtiger sein, da Sie eine vorlaute Zunge leicht Ihren Kopf kosten könnte."
"Kommt mir nachträglich auch beinahe so vor", seufzte der gebürtige Spanier und bemühte sich, zu Agent Sandoval zu schauen, ohne dass es den Eindruck machte, er würde auf ihn herabsehen - leider war das fast unmöglich. "Aber sie ist ja trotzdem ganz sympathisch."
Sandoval runzelte die Stirn. "Sympathisch?", wiederholte er fragend.
"Ja", sagte Ko frei heraus, "Ich würde das mal als ganz herben Charme bezeichnen. Aber ich glaube, das würde mich auch den Kopf kosten ..."
"Wie dem auch sei", Sandoval lenkte das Gespräch wieder zurück auf das Wesentliche, "Ich verwarne Sie hiermit ganz offiziell. Unterlassen Sie Derartiges in der Zukunft! Zügeln Sie sich oder Sie könnten ein paar Probleme bekommen, wenn Sie so weitermachen. Sie sollten Zo'or besser nicht reizen. Haben Sie mich Verstanden?"
"Verstanden. Übrigens, die Verwarnung ist ein schöner Zug von Ihnen", erwiderte Ko ernst, "Ich will mich mühen, sie nicht zu reizen, aber ich kann nur hoffen, das es gelingt. Ich glaube, sie wollte einfach wütend sein. Wie auch immer - ich nehme nicht an, dass ich jetzt zur Brücke zurückkehren sollte?"
"Das sollten Sie wohl unterlassen."
"Dann will ich jetzt wohl gehen", meinte Ko leichthin und stellte mit Erstaunen fest, dass er von dem gefürchteten Sandoval nicht die schlechteste Meinung hatte - und dass Zo'ors Gemüt so gefährlich wie unterhaltsam war. Er nahm sich vor, dem Taelon bald ein weiteres Mal über den Weg zu laufen - allerdings mit einem besseren Eindruck.
'Sie?', dachte Sandoval etwas verwundert, wollte aber nicht weiter darüber nachdenken und entschied sich, den Freiwilligen ziehen zu lassen. Auf die Brücke jedoch wollte selbst er nicht zurück kehren, da Zo'or schon wieder eine seiner berüchtigten Launen hatte und Sandoval nicht in sein Schussfeld geraten wollte. Aber Zo'or einen weiteren Grund liefern, sauer zu sein, wollte er auch nicht und so beschloss er, doch zurück auf die Brücke zu gehen - was er dann auch tat.
T0 - Harmony
Andrei öffnete seine Augen und versuchte, sich aufzurichten. Die Airbagblase behinderte ihn dabei zunächst, doch dann platzte sie und löste sich auf, wie es sein sollte. "Harmony?", rief er. Die Asiatin lag offensichtlich immer noch bewusstlos in ihrer Airbagblase, Andrei kroch zu ihr und liess auch ihren Schutz verschwinden. "Harmony?", schüttelte er sie.
"Auuuu."
"Schlimm? Ist was gebrochen?" Er versuchte, sie abzutasten, doch sie wehrte ihn ab.
"Geht schon", lächelte sie und log dabei. Ganz klar für sie spürbar war ihr linker Arm gebrochen. "Andrei", lenkte sie ihn ab, "Wie tief unter der Oberfläche sind wir?" Erwartungsgemäss wandte er sich der Steuerung zu, was Harmony die Gelegenheit gab, sich ganz kurz zumindest innerlich in ihre Energiegestalt zu wandeln. Danach verfügte sie wieder über intakte Knochen.
"Gut siebzig Meter nur", meldete er und drehte sich zu ihr um. Einen Moment runzelte er die Stirn und Harmony befürchte, dass ihre Haut noch etwas durchscheinend gewesen war. "Der Antrieb ist völlig weg, Sensoren und Kom gehen aber", fuhr Andrei fort, "Das virtuelle Glas hält auch. Hast du eine Idee, was wir machen sollen?" Tja, was sollten sie machen? Harmony seufzte und schwieg. "Kirk schaut immer, ob die Zeitlinie verändert wurde."
"Was wohl gar keine schlechte Idee ist", nickte Harmony, "Die Frage ist nur, wie wir das von hier aus machen sollen." Jetzt seufzte Andrei. "Denn wenn wir in einer virtuellen Glasblase nach oben schwimmen", fuhr sie fort, "kommen wir nicht mehr so einfach wieder runter." Sie stemmte sich hoch und trat zur Steuerung, schnell stellte sie fest, dass da gar nichts zu machen war. "Ich fürchte, wir müssen hinauf, um uns Ersatzteile zu holen. Es hat den Kern gegrillt."
Schweigend brachte Andrei neue Airbagblasen in Position, schnallte sich seinen Rucksack mit dem spärlichen Pilotengepäck auf den Rücken und schlüpfte in eines der ellipsoiden Gebilde, Harmony tat es ihm gleich und dann durchdrangen sie gemeinsam das virtuelle Glas, das den Innenraum des Shuttles vom Meer trennte. Langsam stiegen sie auf, Harmony suchte per Global die nächste Insel und begann, in diese Richtung zu paddeln.
T0 - Da'an
Nachdem Da'an sein Quartier erreicht hatte, legte er sich dort unter die Energiedusche und versuchte sich ganz auf die Energieaufnahme zu konzentrieren. Dies wollte ihm jedoch nicht wirklich gelingen, zu tief saß die Trauer in ihm nun, wo er seinen treuen Beschützer und Freund verloren hatte. Durch Boone hatte Da'an gelernt, die Menschen besser zu verstehen und sie zu schätzen.
Die Menschen, vielleicht die letzte Chance der Taelons, zu überleben.
Es mochte von entscheidender Bedeutung sein, aus diesem Hintergrund heraus, diese Spezies besser zu verstehen. Doch wie sollte ihm dies, nun wo Boone tot war, gelingen? All diese Überlegungen in sich bewegend versuchte Da'an weiter zu regenerieren, bis sich eine Idee in ihm zu formen begann. Vielleicht war eines seiner Projekte, welches sich noch in der Testphase befand, die Antwort auf diese Frage und auch der Schlüssel, um den Verlust Boones bewältigen zu können.
T0 - Harmony
Nach einigen Stunden krabbelten Harmony und Andrei auf einen feinen Sandstrand, der zum Glück zu dieser Uhrzeit - mitten in der Nacht - leer war. Kleidung und Gepäck waren dank der Airbagblase, die sie jetzt verschwinden liessen, trocken geblieben. Müde waren die beiden Piloten aber dennoch. "So, jetzt suchen wir ein Hotel", beschloss Andrei.
"Mit welchem Geld?"
Er zog sein Portemonnaie aus der Hosentasche und hielt es stolz in die Höhe: "Damit, ich hab dreihundert Dollar drin."
"Dollars mit Ma'el drauf, das ist in dieser Zeit noch nicht so."
"Verflixt." Er stapfte grummelnd durch den Sand. "Ich hab leider keine alte Brille zum versetzen. Kirk hatte eine." Harmony rollte mit den Augen. Aber womit könnte man ein bisschen Geld besorgen? Was hatten sie denn, was halbwegs von Wert war? "Kannst du pokern?", fragte Andrei plötzlich, sie sah ihn irritiert an, "Als Data im 19. Jahrhundert war ..."
"Ich kann nicht pokern", sagte sie düster, doch dann erhellte sich ihr Blick, "Warte, ich weiß was!" Sie öffnete ihren Rucksack und griff nach einer Schatulle, die sie öffnete und den Inhalt Andrei zeigte.
Er nahm die Münze heraus und betrachtete sie von vorne und hinten. "Zwei Euro, Vatikan, geprägt 2004", murmelte er, "und das soll weit reichen?"
"Es reicht für ein bisschen Internet", erklärte sie und zog ihn hinter sich her, "jetzt müssen wir nur noch ein Internetcafé finden."
"Und?"
"Ich kenne einen Widerstandsserver samt Kennwort, und damit mache ich uns falsche Identitäten", sagte sie, "und dann, mein lieber Andrei Antonovich, dann eröffnen wir ein Konto und überziehen es."
"Ah ... in der Nacht?"
"Es wird Tag, ganz sicher."
Sie war zuversichtlich, dass das klappen würde. Immerhin kannte sie einen von Augurs Servern, und Augur war ein Genie - in jeder Zeit.
T0 - Luen
Es brauchte mehrere Versuche Pa'es, bis die Lasairprinzessin registrierte, dass sie angesprochen wurde. Das war nichts Ungewöhnliches, nicht bei ihr, von daher konnte sie sich über seine leicht genervte Miene nur milde wundern.
"Was willst du denn?"
"Dein Vater versucht, dich zu erreichen."
"Und warum sagst du mir das?"
Pa'e stöhnte entnervt auf: "Weil du ja ganz offensichtlich sogar das penetranteste Piepsen des Komunikationssystems zu überhören schaffst."
Lo'el hob leicht verlegen die Schultern. "Das Gewitter ist so laut", versuchte sie es mit der wahrscheinlich schwächsten Ausrede, die ihr Kamerad je gehört hatte, weshalb er sich auch eine Antwort sparte.
"Jedenfalls sollst du kommen, es geht wohl um irgendeine rätselhafte Übertragung. Und ich soll dich begleiten, damit du nicht auf halben Weg wieder vergisst, dass du erwartet wirst."
Lo'el zog eine Schnute ob dieser Unterstellung, wagte jedoch nicht, ihren Wahrheitsgehalt in Frage zu stellen, und ließ sich ohne Theater von Pa'e ins Hauptschloss begleiten. Eine Übertragung also. Sie konnte sich kaum erklären, wie die bei dem atmosphärischen Durcheinander, das die Intensität eines echten Luen-Gewitters auslöste, überhaupt noch empfangen werden konnte, aber vielleicht war ja irgendeine Raumstation benutzt worden. Sie musste zugeben, dass sie von den meisten Systemen kaum Ahnung hatte.
Den ganzen Weg über war Lo'el mehr oder weniger in ihrer Traumwelt versunken geblieben, aber der Auftrag, den sie von ihrem Vater bekam, ließ sie unsanft aus allen Schäfchenwolken purzeln. "Prüfen?", fragte sie entsetzt, "Warum?"
"Weil es ein Signal der Jaridians ist und das nicht ihr Herrschaftsgebiet ist. Ich will wissen, was das zu bedeuten hat."
Lo'el fand es wenig aufbauend, dass Pa'e sich neben ihr über ihren grauenerfüllten Gesichtsausdruck beinahe tot lachte. "Ich will nicht verreisen!"
"Du musst", gab der König zurück, "Ich kann nicht, ich habe keine Vertretung hier."
"Aber...", begann
die junge Lasair, brach aber ab, als sie die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation erkannte. Ihr Vater hätte sicherlich jeden schicken können, aber offenbar wollte er erreichen, dass sich sein Kind zumindest ausnahmsweise mal um die Realität kümmerte.
"Tröstst dich, dass ich mitkomme?", fragte Pa'e halb freundlich, halb spöttisch, woraufhin er einen bitterbösen Blick erntete, "Also nicht."
"Warum freust du dich denn so?"
"Vielleicht finden wir ja auf dem Weg ein Taelonschiff..."
Zum zweiten Mal an diesem Abend gab Lo'el ein tiefes Stöhnen von sich und blickte zum Himmel, als hoffte sie, dass die wolkenverhangenen Sterne über so viel männliche Dummheit ihr ewiges Schweigen brechen würden. "Warum seht ihr Kerle überall Taelons?", fragte sie gereizt, was Pa'e dazu zwang, seinen unschuldigsten Blick aufzusetzen.
"Wenn da Jaridians sind", seufzte er, "dann sind da sicher keine Taelons."
"Schön, dass du Vernunft annimmst."
Mit diesem kleinen Sieg war der Abend der Lasairprinzessin so gut wie gerettet und sie beauftragte den ersten Dienstboten, der nicht schnell genug fliehen konnte, damit, die Reise vorzubereiten. Wohin auch immer.
T0 - Harmony
Es klappte.
Andrei behielt seinen Namen, während Harmony sich sicherheitshalber den neuen Nachnamen MacPherson zulegte. Identifiziert werden sollten sie per Fingerabdruck, denn den konnte Harmony vom Global aus überspielen, Pässe zu drucken war ja im Internetcafé naturgemäss nicht drin. Der Betreiber des Cafés freute sich sichtlich ausserordentlich über das besondere Zweieurostück, dass er gar nicht darüber schimpfte, dass eigentlich noch 83 Cent mehr verbraucht waren.
Der nächste Halt war dann eine Bank, wo Harmony auf eine Hürde in Form einer uralten Bankangestellten traf - die konnte nur Griechisch. Aber es fand sich ein Dolmetscher und damit war auch ein Konto angelegt. Harmony unterschrieb brav den Papierstapel und liess ihren Fingerabdruck prüfen und dann endlich hielt sie eine frisch codierte Chipkarte in der Hand, die sie nur mit ihrem Fingerabdruck aktivieren und in einen Bankautomaten einschieben musste, um endlich die Geldsorgen zu lösen.
Code:
HAI
CAN HAS STDIO?
VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
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