Re:Alles - Chronologisch
T15 - Liam
Hätte Liam sich eine sichtbare Gefühlsregung erlaubt, wäre es mit Sicherheit nicht wie bei Siobhán Mitleid gewesen. Eher war er erleichtert, dass Sandoval fort war, obwohl er natürlich niemandem Zo'ors Gegenwart wünschte. Er warf einen verstohlenen Blick zu seiner Mutter, aber nur einen kurzen Augenblick. Das hier war kein Familientreffen, stattdessen sollte er sich Gedanken um den Jaridian und darum, wie er ihn am unauffälligsten zum Widerstand verfrachten konnte, machen. Mit einem leicht fragenden Blick wandte er sich an Siobhán: "Irgendein Plan, oder eine Strategie, die Sie für effektiv halten diesen Außerirdischen zu fassen, bevor er noch mehr Schaden anrichtet?"
"Es wäre gut zu wissen, wie die Einsatzkräfte platziert sind", sagte sie und griff nach ihrem Global. Wie erwartet hatte sie den Zugriff auf ein lokales Informationsnetz, dessen Informationen sie schnell mit Hilfe ihres CVI mit dem Terrain in Deckung brachte. "Der Jaridian hat wohl kaum die Möglichkeit, den Wald zu verlassen, was wohl bedeutet, dass er nach Norden geht. Stimmen Sie mir da zu, Major Kincaid?"
Liam nickte nachdenklich. Es war naheliegend, trotzdem traute er der Sache nicht so ganz. "Gut, gehen Sie nach Norden. Ich werde mich über Zufluchtsmöglichkeiten außerhalb des Waldes, die er erreicht haben könnte, erkundigen und sicher gehen, dass er dort weder ist, noch sie erreichen kann. Wir sollten ihn nicht unterschätzen, bisher ist unser einziger Vorteil unsere zahlenmäßige Überlegenheit." Egal wie, er musste an diesen Jaridian eher kommen, als es die Taelons konnten. Am besten kontaktierte er auch noch Lili, um sich mit ihr abzusprechen.
Siobhán nickte ihm knapp zu und marschierte los, nach Norden, wo sie an des Jaridians Stelle jetzt wohl wäre. Sollte Kincaid sich doch um die unwahrscheinliche Möglichkeit, dass der Jaridian den Kreis durchbräche, kümmern, dann würde eben sie den Flüchtigen finden.
Liam nickte kurz zurück, bevor er sein Global hervor holte und Lilis Nummer wählte. Sie wusste bestimmt ebenfalls, was geschehen war, und wäre eine Verbündete darin, den Jaridian in Sicherheit zu bringen - doch sie meldete sie nicht. 'Komm schon, Lili!', dachte er nachdrücklich, aber auch das rief sie nicht ans Global. Er machte sich Sorgen. Entweder konnte sie den Anruf nicht entgegen nehmen, weil sie zu sehr mit der Verfolgung beschäftigt war, oder es war etwas passiert. Auf jeden Fall musste er wissen wo sie war.
Die nächste Nummer die er wählte war die Augurs.
Ein reichlich beschäftigtes "Jaaaa?" drang einen Augenblick später aus dem Global, der Hacker sah auch immer noch auf irgendeinen wichtigeren Bildschirm.
"Augur? Hier ist Liam. Lilis Global ist tot", teilte Liam kurz mit.
Augur war nun voll da. "Wird sofort erledigt, Liam.", seine Finger flogen nur so über die Tastatur, "Also", fuhr er fort, "so wie ich das sehe, ist Lili's Global, unweit deiner Position vom Netz gegangen. Hier hast du die letzten GPS Koordinaten, die ihr Global gesendet hat - falls dir das weiter hilft. Leider kann ich derzeit nichts weiter für dich tun. Ich wünsch dir trotzdem viel Glück."
Das war nicht die Antwort die Liam sich erhofft hatte. "Trotzdem danke, Augur. Sobald sich etwas ändert, sagst du mir Bescheid, in Ordnung?"
"Umgehend", nickte Augur, "aber ich habe nicht nur das zu tun! Ausserdem ist Lili erwachsen, ganz im Gegensatz zu dir." Damit war die Verbindung beendet.
Liam nickte nur kurz, hatte aber keine Zeit mehr sich für die gegebenen Informationen zu bedanken, würde sich allerdings zu einem späteren Zeitpunkt bei Augur dafür erkenntlich zeigen. Er rief noch einmal den Plan der Umgebung auf und dachte über Siobháns Worte nach. Sie würde den Jaridian Richtung Norden verfolgen, Lili wäre wahrscheinlich ebenfalls auf dem Weg dorthin. Wenn er durchgebrochen war, müsste er jetzt in Siedlungsgebieten herumirren und wäre da alles andere als unauffällig, aber Liam konnte nicht wissen, ob er es wirklich geschafft hatte.
Der Kimera würde zu gerne wissen wo Lili jetzt war.
Vorerst kam er allerdings zu dem Entschluss, dass es am besten war, nicht Richtung Norden zu laufen, sondern aus Norden zu kommen. Er konnte das Risiko nicht eingehen, dass die Taelons den Jaridian eher in ihre Hände bekamen als er. Also stellte er sich in das nächste Portal und gab die Koordinaten an, die ihn so nahe wie möglich an das Gelände heran bringen würden. Nur Sekundenbruchteile später war er an seinem Ziel angekommen, orientierte sich kurz und ging dann nach Süden, den Einsatzkräften entgegen.
Die Waffe in der Hand schlich er sich von einem Schatten zum anderen, versuchte dabei so leise wie möglich zu sein und konzentrierte sich auf die Geräusche um ihn herum.
War es eine schlechte Idee nach dem Jaridian zu rufen und ihm laut mitzuteilen, dass er dem Widerstand angehörte?
T15 - Siobhán
Die irische Implantantin war kaum die halbe Strecke weit gekommen, als die erste Meldung bei ihr einging: "Ma'am, wir haben etwas gefunden."
Vor ihrem inneren Auge zeigten sich Militärausweise und sie identifizierte ihren Gesprächspartner als Herman Malcolm. "Und was, Sergeant?", blaffte sie ihn an. Wenn er nichts gefunden hätte, würde er sie wohl kaum anrufen.
"Jetzt, wo das Feuer gelöscht ist ...", begann er, doch als er ihren durchdringenden Blick spürte, schluckte er und beeilte sich, zu sagen: "Wir haben ein Global im Brandgebiet gefunden, es ist das von Captain Marquette."
"Was ist mit ihr?", zog sie ihm aus der Nase.
"Sie war nicht dort, weder lebend noch tot", sagte Herman, "Das Monster muss sie haben."
"Haben Sie auch eine Richtung?"
"Norden."
Gut, dorthin war Siobhán ja unterwegs. Sie knallte das Global zu und marschierte mit ungeminderter Geschwindigkeit weiter. Als sie ein Gebäude ausmachen konnte, wurde sie allerdings langsamer, sie wollte nicht riskieren, den Jaridian auf sich aufmerksam zu machen. Leise huschte sie näher.
T15 - Kosimo
Die Gewöhnung an das CVI war schwieriger, als Ko das angenommen hatte. Die Verbesserungen in seinen Wahrnehmungen und Erinnerungen waren teilweise weniger nützlich als lästig - und doch von intensiver Faszination. Er konnte die einfachsten Dinge oder Situationen betrachten und so unendlich viel aufnehmen und verstehen wie nie zuvor - aber das war ja auch der Sinn des Implantats.
Er hatte Recht gehabt, seine Arbeitszeiten waren zu etwas sehr Dehnbarem geworden - ganz nach Zo'ors Belieben. Dafür bekam er aber auch überaus interessante Informationen, von denen der durchschnittliche Mensch nur träumen konnte, was ihn irgendwie stolz machte. Er hatte schon immer gerne viel gewusst - aber nie viel weitergeben wollen.
Besonders interessant war der Punkt mit dem Jaridian - eines der ersten Dinge, die Ko von Zo'or erfahren hatte. "Sollte Sandoval versagen oder zu versagen drohen, dann ist es Ihre Aufgabe, das Problem zu beseitigen, und glauben Sie nicht, dass ich Sie geringer für einen Misserfolg bestrafe", hatte sie gesagt und Ko hatte genickt: "Das kann ich gut verstehen, Zo'or."
"Sie verstehen, dass ich Sie dafür töten lassen würde?"
"Ja. Damit kann ich gut leben." Noch jetzt grinste er über ihr Gesicht dabei.
"Da sind Sie ja, Kosimo. Ich darf Sie doch so nennen?", kam es zynisch von Agent Crystal. Kurz darauf änderte sie ihre Haltung und sah Ko unbewusst mit schönen Augen an. Cleo konnte sich nicht helfen, aber irgendetwas gefiel ihr an ihm. "Hören Sie, Sie wissen doch bestimmt, was für ein Problem dieser Jaridian darstellt, nicht wahr?", fragte sie ihn.
"Was wissen Sie von einem Jaridian? Sollten Sie nicht tot sein?", fragte der junge Mann ein wenig überfahren und wahrscheinlich unfreundlicher als nötig. Er erinnerte sich vage - und nur dank des CVIs, dass sie es gewesen war, die die Aufgabe gehabt hatte, den Jaridian zu töten. "Ahja ...Sie wissen von ihm...", stellte er an diesen Gedankengang anschließend fest und ärgerte sich über seine Unbedachtheit, "Trotzdem: Warum leben Sie noch? Hatte Zo'or einen guten Tag, von dem ich nichts weiß?"
Cleo musste sich enorm zurückhalten ihm nicht sofort ins Genick zu beißen. Sie musste erst einmal sehr tief durchatmen, ehe sie weitersprechen konnte: "Selbstverständlich weiß ich vom Jaridian. Warum ich noch lebe? Was geht Sie das an?" Cleo konnte sich ein leichtes Fauchen in ihrer Stimme nicht verkneifen. "Die Frage ist, was wissen Sie über den Entflohenen? Immerhin arbeiten Sie ja jetzt für Zo'or und sollten informiert sein", fragte sie und richtete nun einen strengen Blick auf ihr Gegenüber.
"Freilich bin ich informiert", antwortete Ko ziemlich ruhig, "aber nicht darüber, in welcher Position Sie jetzt sind. Und wenn Sie mir nicht nachweisen können, dass sie autorisiert sind, diese Informationen zu erhalten, dann kann und werde ich sie nicht weitergeben." Er schaute sie ein wenig neugierig an. Sie war ganz ähnlich aufbrausend wie Zo'or - aber wesentlich ungeschickter und vor allem unerfahrener. Vielleicht auch dümmer, dachte er ein wenig bösartig und grinste - was sie mit Sicherheit in den falschen Hals bekommen würde.
Seine Miene entging Cleo nicht, aber sie zwang sich einfach dazu, wenn auch etwas unglaubwürdig, ein Lächeln aufzusetzen. Was immer sein Grinsen auch bedeuten mochte, es interessierte sie jetzt nicht weiter. Nach dem Motto "ich plustere mich auf, um dir zu zeigen, wer hier der Boss ist" warf sie ihre Hände in die Hüften und gab ihm zu verstehen: "Ich bin durchaus autorisiert! Vielleicht sogar mehr als Sie, immerhin bin ich die einzige Beschützerin von T'than und muss mich nicht mit dem zweiten Platz zufrieden geben, so wie Sie!", deutlicher wollte Cleo gar nicht mehr werden und wartete nun darauf endlich Informationen aus ihm herauszubekommen.
Kosimo war sich alles andere als sicher, was er nun tun sollte. Sein
Bauchgefühl sagte ihm zwar, es wäre eine ganz nette Idee, ihr jetzt nachzugeben, aber sein Implantat schien ihn in den Kopf zu beissen und ihm immer wieder zuzuflüstern, er solle erst bei Zo'or nachfragen. Mit einem Seufzer entschied er sich dafür, dem CVI nachzugeben und wählte mit dem Global den Hauptdatenstrom zur Brücke an.
"Warum stören Sie mich?", kam liebenswürdig wie immer vom Taelon und Kosimo zeigte ein breites Lächeln: "Ich habe eine Frage."
"Eine, mit der ich zwingend behelligt werden muss?" Aha, sie hatte einen schlechten Tag.
"Sind Sie informiert, dass T'than Agent Crystal zu seiner Beschützerin gemacht hat?"
Zo'or zog eine seltsame Art von Gesicht und erblaute kurz. "Nicht direkt informiert. Er hat sich darüber hinweggesetzt, dass er meine Zustimmung haben sollte."
"Wie auch immer", lenkte Kosimo ein, der es ablehnte, sich in Bereiche einzumischen, in denen er nichts zu melden hatte, "Ich wüsste gerne, ob sie befugt ist, Informationen über den Jaridian zu erhalten."
"Soweit, wie die anderen Beschützer auch. Sowie Major Kincaid oder Lieutenant Beckett."
"Ich danke Ihnen." Kosimo verstand durchaus, was diese Worte bedeuten sollten: Das Wichtigste stand Cleo zu, die empfindlichen Informatioen nicht. Nun, damit konnte man doch etwas anfangen.
"Fragen Sie mich noch einmal konkret", forderte er sie auf und schloss sein Global, "Was wollen Sie wissen?"
Cleo rollte leicht mit den Augen. Was sollte das denn eben, sah sie wirklich so wenig vertraunswürdig aus, fragte sie sich. "Na schön. Wissen Sie, wo sich der Jaridian im Moment aufhalten könnte? Wer hat ihn gejagt, falls jemand das getan hat?", fragte Sie Kosimo nun noch einmal, aber etwas höflicher als zuvor.
"Agent Sandoval gibt sein Bestes - ich meine natürlich seine Leute. Was genau er selbst dabei tut weiß ich nicht. Einige andere Beschützer sind jetzt an der Jagd beteiligt und man hat versucht, den Jaridian bei Forest Hills zu stellen. Er entkam im Feuer, das er wohl auch verursacht hat. Es gibt noch keine Neuigkeiten. Haben Sie sonst noch Wünsche?"
Ein zufriedener Gesichtsausruck war bei Cleo zu erkennen. "Vielen Dank!", sie zwinkerte ihm charmant zu und sagte noch: "Vielleicht haben wir beide die Gelegenheit, uns öfter zu unterhalten, ich hätte jedenfalls nichts dagegen." Mit ihren neu erungenen Informationen stöckelte sie davon, um so schnell wie möglich T'than Bericht erstatten zu können.
Kopfschüttelnd blickte Ko der jungen Dame nach. Sie war seltsam. Mehr als seltsam. Aber das war er ja auch, nur, ob das bei ihr nun gut oder schlecht für ihn war, das konnte er noch nicht einschätzen. Aber vielleicht bald. Er nahm sich vor, sie im Auge zu behalten - und diskret zu versuchen, Sandoval bei dessen Auftrag zuvorzukommen. Natürlich ging dies nur so weit, wie man ihn nicht belangen könnte, wenn etwas schief ginge. Er musste vorsichtig sein, das wusste er.
T15 - T'than
T'than hatte langsam genug davon noch länger auf die Informationen zu warten, die ihm Agent Crystal besorgen sollte und wählte umgehend ihr Global an. Wenn sie ihm nicht sofort etwas Neues sagen würde, würde er sie sofort zu Zo'or zurückbringen. Was hatte er sich nur dabei gedacht, diese Frau für sich arbeiten zu lassen. Er hatte angenommen, sie würde ihm eine neue Möglichkeit eröffnen, Zo'or in ihrer Position zu schaden, aber jetzt hatte er den Salat. Endlich antwortete sie auf ihrem Global. "Was konnten Sie herausfinden?", fragte er Cleo direkt.
"Es sind nun auch andere Beschützer an der Jagd beteiligt und man hat versucht, den Jaridian bei Forest Hills zu stellen. Aber er entkam im Feuer, dass er wohl selbst verursacht hatte. Ansonsten gibt es leider noch keine Neuigkeiten", antwortete Cleo außergewöhnlich seriös.
"Machen Sie sich auf die Suche nach diesem Jaridian, ich dulde keine Niederlage ihrerseits!", befahl er Cleo und beendete abrupt den Kontakt. Sie nahm seinen Befehl folgsam entgegen und dachte sich, dass sie sich zur Stärkung vor dieser Aufgabe noch ein Erdbeereis genehmigen sollte.
T15 - Sandoval
Wenig später war Sandoval wieder am Ort des Geschehens - dem Portal, an dem er zuvor Liam und Beckett instruiert hatte. Einer seiner Männer schien bemerkt zu haben, dass er wieder zurück war, denn er stieg fast im selben Moment aus dem Kleintransporter, wie Sandoval im Portal erschien und kam direkt auf ihn zu. "Sir", grüßte er ihn in typischer Millitär-Manier.
"Was gibt es Neues?", wollte Sandoval wissen.
Der Offizier gab auch prompt eine Antwort: "Das Subjekt muss sich noch hier in der Gegend aufhalten ..."
"Mit anderen Worten", fiel Sandoval ihm ins Wort, "Sie haben keine Ahnung, wo er sich zur Zeit aufhält."
"Im Moment sind unsere Leute dabei, Spuren auszuwerten." Der Soldat winkte Sandoval, mit ihm zu kommen, was dieser auch tat. Sie gingen zum Transporter. Der Offizier öffnete die Tür und holte etwas heraus. "Wir haben das hier gefunden." Er hielt Sandoval eine transparente Beweistüte mit einem verbrannten Global hin und fügte hinzu: "Wir haben es bereits als Captain Marquettes Global identifiziert. Über ihren Verbleib wissen wir leider nichts, Sir. Wir gehen davon aus, dass er sie als Geisel genommen hat. Einige Spuren, die wir der Kreatur zuorden konnten, deuten darauf hin, dass er sich womöglich in Richtung, der Baufirma 'Hans Hagen Homes' bewegt. Unsere Leute beginnen bereits damit, die Gegend genauer zu untersuchen. Lieutenant Beckett ist bereits auf dem Weg dorthin."
"Gut", nahm Sandoval den Report zur Kenntnis, "Begeben wir uns auch dorthin." Sie stiegen nacheinander in den Transporter und fuhren dann in Richtung der Baufirma.
T15 - Lili/Kodriak
Lili hatte Kopfschmerzen und das nicht zu knapp. Es dauerte einen Moment, bis sie sich dessen bewusst wurde, dass sie in einem dunklen, staubigen Raum mit dem Rücken in einer Ecke sass, und noch einige Momente mehr, bis sie begriff, dass die Gestalt ihr gegenüber der gejagte Jaridian war. "Äh ... hallo", grüsste sie ihn, "Sind Sie vor Sandoval und seinen Leuten jetzt in Sicherheit?" Sie sah kaum etwas von seiner Mimik, aber sie hatte den Eindruck, dass er grinste. Jedenfalls schwieg er und Lili beschloss, es ihm vorerst gleichzutun.
Wo waren sie hier? Irgendwo in der Pampa definitiv, aber es wunderte Lili trotzdem, dass Sandoval dieses Haus nicht schon lange auf den Kopf gestellt hatte. Oder hatte der Jaridian den Kreis irgendwo unbemerkt durchbrochen?
"Was sagen die Taelons über mich?", fragte der Jaridian plötzlich.
Lili sah ihn einen Augenblick lang verdutzt an, dann sagte sie: "Dass Sie eine ... Bestie sind, aber ich glaube das nicht."
"Sondern?"
Ja, das war schwierig. "Sie verteidigen sich", sagte Lili, "Die Taelons sind doch Ihre Feinde!" Darauf gab es keine Antwort. Lili zog ihre Beine an und umschlang sie mit den Armen. "Warum sind Sie und die Taelons Feinde?", fragte sie dann, aber auch darauf sagte er nichts.
Kodriak musterte die Menschenfrau ihm gegenüber genau. Sie schien vernünftig, aber darauf durfte er sich nicht verlassen. "Du arbeitest für die Taelons", sprach er aus, was offensichtlich war.
"Zum Schein", widersprach sie, "Ich arbeite für den Widerstand."
Ja, natürlich. Jeder, der für die Taelons arbeitete, würde einem Jaridian genau das sagen. Vielleicht war das sogar in diesen Implantaten drin, die die Taelons doch jedem einpflanzten, dem sie nur begegneten. "Wir müssen weiter!", griff er nach ihrem Arm und zog sie hoch.
"Weiter?", war Lili verdutzt, "Sie meinen, Sie sind noch im Suchbereich?"
Keine Antwort.
Also wohl ein Ja.
In Anbetracht des glühenden Shaqarava ging Lili brav mit erhobenen Händen voraus. Sie verliess das Lagergebäude und fand sich in der Morgendämmerung auf dem Gelände einer Baufirma wieder. Kodriak wies auf einen LKW: "Kannst du dieses Fahrzeug steuern?"
Lili sah ihn kurz an und nickte. "Steuern, ja, aber ohne Schlüssel nicht starten."
Das war also kein Ausweg. Kodriak wäre gern gefahren, er spürte die zunehmende Schwäche. "Weiter!", bestimmte er und wies wieder in den Wald. Nach Norden, wie Lili erkannte, und sie gehorchte ihm.
Siobhán huschte den beiden praktisch lautlos hinterher, bis sie nahe genug war, um zu schiessen. Leise zischend entlud sich ihr Skrill auf den Jaridian, der nach einem kurzen, schmerzvollen Augenblick das Bewusstsein verlor.
"Captain Marquette, wie ist Ihr Zustand?", rief Siobhán.
"Unverletzt, danke der Nachfrage", sagte Lili und hockte neben dem Alien nieder, um seine Lebenszeichen zu prüfen.
"Gut zu wissen", bemerkte die Irin, während sie ihr Global vom Gürtel hakte und Lili einen leicht missbilligenden Blick zuwarf. Der Jaridian war am Leben, Siobhán war schliesslich fähig, die Energie exakt zu dosieren. Sie sah in ihr Global: "Ich habe ihn. Marquette ist unverletzt bei mir."
"Verstanden," entgegnete Sandoval, "geben Sie mir Ihre Position durch!"
Sie tat es und lächelte knapp: "Ich erwarte Sie, Agent Sandoval." Dann schob sie das Global zu und hakte es zurück an den Gürtel. Sie stapfte einige Schritte Richtung Strasse, Sandoval müsste ja bald da sein.
Liam hatte Lili endlich gefunden und da lag auch der Jaridian, also musste wohl schon etwas passiert sein. Er schaute sich genau um und entdeckte auch Beckett, die glücklicherweise gerade dem Jaridian den Rücken zukehrte. Er musste die Gelegenheit sofort ausnützen, ein zweites mal würde sie sich ihm bestimmt nicht mehr bieten. Er aktivierte sein Shaqarava und musste nur noch in Becketts Richtung zielen. Ein Schuss und sie lag auch schon am Boden, eine andere Möglichkeit hätte es nicht gegeben. Aber vermutlich hatte sie Sandoval schon informiert, das hieß, den Jaridian so schnell es geht von hier wegzuschaffen und vor allem Lili. Liam eilte sofort zu den beiden. Lili starrte ihn verblüfft an: "Schön, dass Sie auch hier sind. Danke."
"Ist doch klar!", antwortete er kurz und widmete sich dann auch gleich dem bewusstlosen Jaridian zu. Er musste
ihn wecken und zwar sofort. Und wieder konnte ihm sein Shaqarava sehr behilflich sein.
Tatsächlich erwachte der Jaridian - Kodriak war nicht wenig verblüfft, sich nicht in einer Taeloneinrichtung wiederzufinden, sondern nach wie vor unter freiem Himmel. Sein Blick fiel auf die Menschen, die bei ihm knieten, die Soldatin und einen Mann ... in dessen Händen es glühte. "Shaqarava!", stellte er fest, "Sie sind kein Mensch."
"Wir haben jetzt keine Zeit darüber zu diskutieren! Sie müssen schleunigst weg von hier. Können Sie aufstehen?", drängte Liam sofort und griff dem Jaridian vorsorglich unter die Arme um ihm beim Aufstehen zu helfen. Kodriak wies die Hilfe stolz zurück und erhob sich ganz allein aus eigener Kraft.
"Liam, Sie müssen auch verschwinden!", sagte Lili, "Und machen Sie mit mir dasselbe wie mit ihr. Also ... ich hoffe, Sie lebt noch, ja?"
Liam blickte sie für einen kurzen Augenblick beunruhigt an. Lieber wäre es ihm gewesen, Lili einfach mitnehmen zu können. Er nickte und versuchte sie mit seinem Shaqarava so schwach es ging zu treffen. Er war sich sicher, viel konnte ihr dabei nicht geschehen. Dann drehte er sich zu dem Jaridian: "Kommen Sie!"
"Welchen Weg nehmen wir?", fragte Kodriak, "Haben Sie einen Plan? Ein Versteck?" Er folgte Liam.
Wenig später, nach Agent Becketts Anruf, bog der kleine schwarze Transporter mit quietschenden Reifen um die Ecke und kam ruckartig zum Stehen. Die Schiebetür ging auf und zwei Soldaten sprangen aus dem Transporter, gefolgt von Sandoval, der sofort Anweisungen an diese verteilte. Einer der Soldaten näherte sich langsam den Koordinaten von Beckett, welche er auch sofort bewusstlos am Boden liegen sah. Die anderen beiden folgten in einem geringen Abstand, um nicht in einen Hinterhalt zu geraten.
T15 - Cleo
Nach einer Weile kam Cleo dann doch in den Sinn, dass sie sich vielleicht langsam mal auf die Jagd begeben sollte. Aber allein wollte sie das keinesfalls tun. Und so zückte sie ihr Global und wählte den an, der ihr als Partner bei der Jagd noch am ehesten zusagte und vielleicht schon wieder etwas Neues wusste. Kosimo!
Ko war überrascht, dass Agent Crystal sich schon wieder meldete. Nachdem er ihr mitgeteilt hatte, dass sich der Jaridian bei Forest Hills befand, hatte er angenommen, sie wäre dort in vollem Einsatz und zu beschäftigt, um ausgerechnet bei ihm anzurufen, aber er hatte sich wohl geirrt. In beiden Punkten, denn das im Hintergrund des Bildes, das das Display zeigte, war sicherlich kein Wald.
"Was gibt es denn?", fragte er daher milde interessiert.
"Haben Sie schon mal einen Jaridian gejagt?", fragte sie auffällig fordernd, "Bestimmt wäre Zo'or ziemlich erfreut, wenn Sie dabei erfolgreich wären, meinen Sie nicht auch?" Bestimmt würde dieses Argument ziehen, dachte sie sich.
"Nein, habe ich noch nie", antwortete der junge Mann ehrlich, "und ich nehme an, dass es mir gut täte, wenn ich bei so etwas Erfolg hätte. Aber ich weiß nicht, ob es mir so gut täte, dass es das Risiko aufwiegt, einen Misserfolg zu haben. Denn dann wird Zo'or leicht mordlüstern, fürchte ich. Dennoch nehme ich an, Sie wollten darauf anspielen, dass es Ihnen lieb wäre, wenn ich mich trotzdem dafür entscheide?"
Cleo verzog ob dieser unnötig langen Antwort einen Moment fragend das Gesicht und antwortete schließlich kurz und bündig: "Ja!" Sie war sich sicher, direkter konnte sie kaum noch werden und hoffte auf eine positive Reaktion von Kosimo.
Okay, das war eindeutig. Das brachte ihn tatsächlich ein wenig aus dem Konzept. "Ich weiß nicht, wie weit die anderen sind mit der Jagd ... wir sollten uns beeilen, bevor wir alles verpassen", meinte er schließlich und fügte hinzu: "Ich treffe Sie beim Portal bei Forest Hill. In zehn Minuten. Seien Sie pünktlich."
Nach diesen Worten schloss Agent Crystal ohne ein weiteres Wort ihr Global und eilte zum nächsten Portal. Sie wollte sich keinesfalls Unpünktlichkeit von diesem noch relativ jungen Mann nachsagen lassen.
T15 - Liam
Liam beeilte sich, mit dem Jaridian so schnell wie es ihm möglich war, weit genug von den heraneilenden Truppen zu entfernen. Er musste Kodriak in Sicherheit bringen, oder besser gesagt zum Widerstand! Liam warf immer wieder einen Blick zurück zu Kodriak um sicher zu gehen, dass er noch da war. Immerhin war er bewusstlos gewesen, als er ihn und Lili fand. Aber der Jaridian folgte seinem Retter dicht und überlegte, ob jetzt die Zeit dafür war, über das Shaqarava dieses Menschen zu diskutieren. Tatsächlich kam Kodriak zum Schluss, dass eine Frage gerechtfertigt war: "Wie kommt es, dass Sie Shaqarava haben?"
"Wie kommen Sie denn darauf?", entgegnete ihm Liam. Er wollte ihm nicht unbedingt hier draußen klar machen, woher das kam, wenn überhaupt. "Wir müssen Sie erst mal an einen sicheren Ort bringen", meinte er, "dann können wir uns über alles unterhalten."
"Welchen sicheren Ort haben Sie im Auge?"
"Das werden Sie bald sehen!", fasste sich der Kimeramischling kurz. Ein Portal konnte er unmöglich nehmen, um endlich ans Ziel zu gelangen. Einfach, aber viel zu riskant! Er würde den ganzen Weg zum Hauptquartier des Widerstands mit dem Jaridian vermutlich zu Fuß zurücklegen müssen. Kodriak war von Liams Wortkargheit wenig angetan, aber er hatte kaum eine andere Wahl als sich zu fügen. "Hören Sie", meinte Liam plötzlich und machte Halt, "es darf Sie niemand erkennen. Sie sollten sich zur Sicherheit irgendwie tarnen oder verkleiden. Nehmen Sie meine Jacke!" Liam warf sie Kodriak zu. "Über den Kopf, damit wenigstens das Gesicht nicht so auffällig ist." Er konnte nur hoffen, dass es auch funktionieren würde.
"Ich bezweifle, dass das die übliche Verwendung dieses Kleidungsstückes ist", sagte Kodriak, während er skeptisch die Jacke entgegennahm, "Würden Sie jemanden, der sich so kleidet, nicht genauer ansehen wollen?"
Liam beschlich der Gedanke, das Kodriak recht haben könnte, aber etwas Besseres fiel ihm im Moment nicht ein. "Dann behaupte ich einfach, Sie hätten eine Sonnenallergie!", erklärte er und war sichtlich stolz auf diesen hilflosen, aber vielleicht glaubwürdigen Einfall. Und wenn sie ein schnelles Tempo beibehalten würden, wäre niemandem überhaupt die Möglichkeit gegeben sie sich genauer anzusehen.
"Nun, Sie kennen diese Welt, will ich doch hoffen." Vielleicht sollte Kodriak daran lieber zweifeln, Shaqarava liess durchaus den Schluss zu, dass Liam getarnter Jaridian war und sich auch nicht auskannte. Wie gewünscht zog er aber das schwarze, glatte Kleidungsstück über seinen Kopf und verknotete die Ärmel.
"So ist es gut!", und Liam konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Und ja, ich kenne diese Welt, keine Sorge!" Der Ablick des Jaridians war einfach amüsant, aber die Realität holte Liam zum Glück sehr schnell wieder ein und er wurde ernst. "Ich hoffe Sie sehen noch genug?", meinte er und blickte etwas skeptisch auf den Ärmelknoten, aber es musste einfach gehen. Kodriak musterte den Menschen kurz irritiert, dann verwarf er dessen Amüsement und wartete auf die Fortsetzung des Weges. Liam deutete ihm mit einer Handbewegung an, dass es wieder weiterging. Er steuerte die nächstgelegene Straße an, wollte aber erst noch ein Stückchen abseits von dieser mit dem Jaridian im Schlepptau in Richtung Kirche marschieren. Er musste ja nicht gleich auf volles Risiko spielen! A propos Risiko! Langsam aber sicher kamen Liam doch Zweifel an seinem Vorhaben. Einen ganzen Jaridian samt dessen auch nicht gerade üblicher Kleidung unter einer einfachen Lederjacke zu verstecken könnte am Ende doch etwas problematisch werden. Liam seufzte: "Warten Sie!", und blieb zum wiederholten Male stehen.
"Was ist jetzt?", fragte Kodriak und verkniff sich das Augenrollen nicht, der Mensch (oder was auch immer) konnte es unter diesem Kopfschmuck ohnehin nicht sehen. Liam schien Kodriaks Frage erst völlig zu ignorieren. Ein Auto wär jetzt ziemlich praktisch und er hatte auch schon eine Idee, wer ihm da behilflich sein könnte. Augur! "Was ist jetzt?", wiederholte der Jaridian unterdessen seine Frage energischer.
"Einen Moment!", deutete ihm Liam mit erhobenem Zeigefinger und griff mit der anderen Hand nach seinem Global, "Wir lassen uns abholen." Das schien eine wesentlich bessere Lösung zu sein. Zügig wählte er Augur an, welcher auch sofort ran ging. "Ja, Liam. Was gibt es neues?", entgegnete er prompt, "kann ich dir irgendwie helfen?"
"Du musst mich und", stockte Liam kurz und blickte den Jaridian an, "noch jemanden abholen. Sofort!"
"Ist gut Liam", Augur tippte kurz auf seiner Tastatur, "Ich hab deine Koordinaten. Ich komme so schnell wie möglich.", er beendete die Verbindung und machte sich auf den Weg.
Kodriak sah seinen Begleiter prüfend an: "Bei ihm bin ich dann sicher?"
Code:
HAI
CAN HAS STDIO?
VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
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