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Alles - Chronologisch
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Veria Offline
Admin, Wandermaus und Baumbewohner

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Alles - Chronologisch
T0 - Prolog

Es ist ein schöner, sonniger Tag, wenngleich der Winter noch nicht ganz vertrieben ist. Eine hübsche dunkelhaarige Frau in einem dunklen Overall rennt mit über siebzig Sachen durch die Pampa. Sie kann kein Mensch sein, bestimmt nicht. Sie erreicht ihr Ziel, ein Feld von riesigen Parabolschüsseln, und betritt nun in normalmenschlicher Geschwindigkeit das Kontrollgebäude. Ein Soldat will sie aufhalten, doch sie wirft ihn einfach an die Wand. Sie geht zu einem Computer und beginnt, Daten für eine Transmission nach Jaridia einzugeben.

Doch etwas ist anders als in den anderen Universen, in denen die Transmission ihr Ziel erreichen wird.
Etwas ist im Weg und lenkt das Signal ab. Eine Raumanomalie, die noch mehr Auswirkungen hat.

T0 - Harmony

Vor einem Moment war alles noch normal gewesen und dann brach die Hölle los. Das Navigationssystem meldete eine Verschiebung des Flugvektors, aber das war Harmony Kincaid auch so klar gewesen. Das Shuttle bebte und sie wollte nicht wissen, wie gründlich es sie und ihren Copiloten ohne die Dämpfungssysteme zerreissen würde.
Die Sensoren waren ausgefallen und zeigten völlig unmögliche Daten an, dass Harmony nach Sicht flog und so versuchte, den merkwürdigen dunkelblauen Schlieren auszuweichen.
Und dann, ganz plötzlich, war alles wieder ruhig. Zu ruhig, etwas stimmte nicht.
"Puh, Rodeo ist nichts dagegen", sagte Andrei Chekov, der Copilot, "Wusstest du, dass Rodeo eine russische Erfindung ist?"
Klar, alles war russisch. Harmony starrte auf ihre Anzeigen, die Sensoren waren immer noch weg und auch die Kommunikation war ausgefallen. Und es fehlte noch etwas, sie konnte die mächtige mentale Präsenz ihres Vaters nicht mehr spüren.
Liam Kincaid, der Kimera, war nicht zu spüren, er war aber nicht einfach weg. Irgendwie war er doch da, sie hatte ihn zumindest nicht verschwinden gespürt.
"Andrei, da ist was faul."
"Und was?"
Harmony setzte das Shuttle wieder in Bewegung, und das war ein Fehler. Von irgendwoher kam noch eine blaue Schliere und brachte sie ins trudeln. Der Weltraum wirkte zu leer. "Wo sind die anderen Shuttles? Andrei!", rief sie, "Die Unity ist weg!"
Die Unity, gebaut, als Harmony 16 Jahre alt gewesen war. Die Raumstation war nicht da.
Andrei bediente hektisch seinen Teil der holographischen Steuerung und meldete schliesslich: "Komsystem ist wieder da, Datumsfrequenz sagt ... scheisse."
"Sagt was, Andrei?"
"Harmony, wir müssen runter, die Taelons aus dieser Zeit sind sicher neugierig darauf, wo wir herkommen", erklärte er und beschleunigte immens, "Wir sind dreissig Jahre in der Vergangenheit!" Harmony sah ihn verdutzt an, das erklärte die unspürbare, aber nicht ganz verschwundene Präsenz ihres Vaters, der wohl gerade erst geboren worden war. "Der Antrieb läuft nicht rund", sagte Andrei, "kannst du da was machen?"
Sie versuchte es und rekonfigurierte den Energiefluss, es half nicht viel. Das Shuttle bockte und sprang, dass sie doch besser selbst die Steuerung übernahm.
Wenigstens blieben sie nicht lange am Himmel. Europa raste auf sie zu, Attika, noch eine Kurskorrektur, bitte nicht an Land zerschellen, und dann klatschten sie ins geschichtsträchtige Wasser der Ägäis und gingen sofort unter.

Andrei öffnete seine Augen und versuchte, sich aufzurichten. Die Airbagblase behinderte ihn dabei zunächst, doch dann platzte sie und löste sich auf, wie es sein sollte. "Harmony?", rief er. Die Asiatin lag offensichtlich immer noch bewusstlos in ihrer Airbagblase, Andrei kroch zu ihr und liess auch ihren Schutz verschwinden. "Harmony?", schüttelte er sie.
"Auuuu."
"Schlimm? Ist was gebrochen?" Er versuchte, sie abzutasten, doch sie wehrte ihn ab.
"Geht schon", lächelte sie und log dabei. Ganz klar für sie spürbar war ihr linker Arm gebrochen. "Andrei", lenkte sie ihn ab, "Wie tief unter der Oberfläche sind wir?" Erwartungsgemäss wandte er sich der Steuerung zu, was Harmony die Gelegenheit gab, sich ganz kurz zumindest innerlich in ihre Energiegestalt zu wandeln. Danach verfügte sie wieder über intakte Knochen.
"Gut siebzig Meter nur", meldete er und drehte sich zu ihr um. Einen Moment runzelte er die Stirn und Harmony befürchte, dass ihre Haut noch etwas durchscheinend gewesen war. "Der Antrieb ist völlig weg, Sensoren und Kom gehen aber", fuhr Andrei fort, "Das virtuelle Glas hält auch. Hast du eine Idee, was wir machen sollen?" Tja, was sollten sie machen? Harmony seufzte und schwieg. "Kirk schaut immer, ob die Zeitlinie verändert wurde."
"Was wohl gar keine schlechte Idee ist", nickte Harmony, "Die Frage ist nur, wie wir das von hier aus machen sollen." Jetzt seufzte Andrei. "Denn wenn wir in einer virtuellen Glasblase nach oben schwimmen", fuhr sie fort, "kommen wir nicht mehr so einfach wieder runter." Sie stemmte sich hoch und trat zur Steuerung, schnell stellte sie fest, dass da gar nichts zu machen war. "Ich fürchte, wir müssen hinauf, um uns Ersatzteile zu holen. Es hat den Kern gegrillt."
Schweigend brachte Andrei neue Airbagblasen in Position, schnallte sich seinen Rucksack mit dem spärlichen Pilotengepäck auf den Rücken und schlüpfte in eines der ellipsoiden Gebilde, Harmony tat es ihm gleich und dann durchdrangen sie gemeinsam das virtuelle Glas, das den Innenraum des Shuttles vom Meer trennte. Langsam stiegen sie auf, Harmony suchte per Global die nächste Insel und begann, in diese Richtung zu paddeln.

Einige Stunden später krabbelten sie auf einen feinen Sandstrand, der zum Glück zu dieser Uhrzeit - mitten in der Nacht - leer war. Kleidung und Gepäck waren dank der Airbagblase, die sie jetzt verschwinden liessen, trocken geblieben. Müde waren die beiden Piloten aber dennoch. "So, jetzt suchen wir ein Hotel", beschloss Andrei.
"Mit welchem Geld?"
Er zog sein Portemonnaie aus der Hosentasche und hielt es stolz in die Höhe: "Damit, ich hab dreihundert Dollar drin."
"Dollars mit Ma'el drauf, das ist in dieser Zeit noch nicht so."
"Verflixt." Er stapfte grummelnd durch den Sand. "Ich hab leider keine alte Brille zum versetzen. Kirk hatte eine." Harmony rollte mit den Augen. Aber womit könnte man ein bisschen Geld besorgen? Was hatten sie denn, was halbwegs von Wert war? "Kannst du pokern?", fragte Andrei plötzlich, sie sah ihn irritiert an, "Als Data im 19. Jahrhundert war ..."
"Ich kann nicht pokern", sagte sie düster, doch dann erhellte sich ihr Blick, "Warte, ich weiß was!" Sie öffnete ihren Rucksack und griff nach einer Schatulle, die sie öffnete und den Inhalt Andrei zeigte.
Er nahm die Münze heraus und betrachtete sie von vorne und hinten. "Zwei Euro, Vatikan, geprägt 2004", murmelte er, "und das soll weit reichen?"
"Es reicht für ein bisschen Internet", erklärte sie und zog ihn hinter sich her, "jetzt müssen wir nur noch ein Internetcafé finden."
"Und?"
"Ich kenne einen Widerstandsserver samt Kennwort, und damit mache ich uns falsche Identitäten", sagte sie, "und dann, mein lieber Andrei Antonovich, dann eröffnen wir ein Konto und überziehen es."
"Ah ... in der Nacht?"
"Es wird Tag, ganz sicher."
Sie war zuversichtlich, dass das klappen würde. Immerhin kannte sie einen von Augurs Servern, und Augur war ein Genie - in jeder Zeit.

T0 - Mutterschiff

"Quo'on! Ich empfange merkwürdige Signale! Es sieht aus, als seien es irgendwelche Störsignale! Ich weiß nicht, wie ich diese Daten interpretieren soll!", rief ein Freiwilliger ganz entsetzt in die Richtung des Taelons. Eigentlich war das das geringste Problem, denn die Brücke, nein, das ganze Schiff bebte.
"Können Sie mir schon einen Schadensbericht melden?", rief Quo'on dem Freiwilligen zu.
"Zwei Decks melden, dass es Schwankungen in der Energieversorgung gibt. Es wird von 4 Verletzten berichtet. Schwere Erschütterungen machen sich auf dem gesamten Schiff bemerkbar, externe Kommunikation ist ausgefallen", entgegnete der Freiwillige nun profesioneller.
"Finden Sie sofort die Ursache und beheben Sie das Problem!", befahl Quo'on in herrischem Ton.
"Jawohl!" Der Freiwillige machte sich sofort ans Werk und tippte wild auf seiner Konsole herum.
"Was hat das zu bedeuten?", fragte Zo'or, die gerade die Brücke betrat, mit eisiger Stimme, wenngleich sie eigentlich recht gut gelaunt war. Immerhin war es bei diesem Geschüttel eine echte Kunst gewesen, unfallfrei auf die Brücke zu gelangen. Gewohnheitsmäßig begrüßte sie jeden Freiwilligen einzeln mit einem bösen Blick und richtete dann einen fragenden auf Quo'on.
Der Freiwillige, der zuvor schon über die Probleme berichtet hatte, drehte sich um, um zu antworten, aber als er Zo'ors Blick sah, war er nicht mehr so sicher, ob er das riskieren sollte. Er entschied sich trotzdem, eine Meldung zu machen "Wir empfangen unerklärliche Signale und diese stören fast alle Systeme." Mittlerweile wurden auch die Lebenserhaltungssysteme von den Störungen betroffen.
"Signale von den Jaridians?", lehnte sich Zo'or nicht sehr weit aus dem Fenster, lag aber trotzdem falsch. Niemand wusste wirklich, was es für Signale waren. Auf der Suche nach einem potenziellen Schuldigen ließ sie ihren Blick durch die verstörend wackelnde Brücke schweifen und stoppte zum zweiten Mal bei Quo'ons Gesicht. Es störte sie inzwischen arg, dass es der Synodenführer nicht für nötig hielt, ihr zu antworten.
Da'an, der hinter Zo'or die Brücke betreten hatte, hatte die Erklärungen des Freiwilligen aufmerksam verfolgt und sah nun ebenfalls zu Quo'on.
"Wenn ich es wüsste, hätte ich es euch wohl schon längst gesagt!", fuhr dieser Zo'or und Da'an leicht an. Er war selbst schon etwas genervt, weil er ebenso wenig Ahnung hatte wie alle anderen auf dem Mutterschiff.
Zo'or, die diese leicht harsche Antwort schon beinahe als persönliche Kritik auffasste, warf Da'an einen so zornigen Blick zu, als wäre er es gewesen, der die Jaridians erwähnt
hatte. Nachdem sie damit fertig war, sich eine halbe Sekunde lang für diese unfaire Handlung zu schämen, ärgerte sie sich maßlos darüber, dass sie sich geschämt hatte, und blickte umso finsterer.
Mittlerweile hatten die Energieschwankungen aufgehört und die Systeme spielten nicht mehr gar so verrückt. Der Freiwillige entschloss sich, noch einmal einen Statusreport zu geben: "Alle Systeme beginnen sich zu normalisieren! 4 Decks melden leichte Schäden. Insgesamt 12 Verletzte, keine davon schwer. Lebenserhaltungssysteme arbeiten stabil. Energieverteilung auf allen Decks wieder normal. Interne Kommunikation intakt. Externe Kommunikation komplett ausgefallen, Techniker arbeiten daran."
Die Tatsache, dass der Boden unter ihr nun wieder sicher war, gab Zo'or auch das kleinste bisschen verlorene Selbstsicherheit zurück. Sie unterdrückte den Impuls, ein weiteres Mal zu fragen, was denn nun passiert war, da Quo'ons Miene sie unmissverständlich darauf hinwies, dass er dies nicht dulden würde, und lenkte sich damit ab, die anwesenden Freiwilligen auf mögliche Fehltritte zu untersuchen. Sie fand relativ schnell ein geeignetes Opfer: Der junge Mann sah aus, als wäre er schlechte Behandlung bereits gewohnt, selbst die Menschen um ihn herum schienen zu versuchen, nicht in seine Nähe zu kommen. Er bot sich einfach an. Mit der Sicherheit, dass Quo'on gerade anderes zu tun hatte, als sich um ihr Verhalten zu scheren, machte sie einen Schritt auf den Freiwilligen zu und suchte aufmerksam nach einem kleinen Fehler. Die Tatsache, dass sie nach einer halben Minute noch erfolglos war, reizte sie dabei zusätzlich.
"Was gibt es denn?", fragte der Mensch nach zwei weiteren Minuten unhöflich genug, dass Zo'or es als Frechheit und damit als gefundenes Fressen sehen konnte.
"Ich dulde nicht", drohte sie mit ihrer eisigsten Stimme (auf die sie sehr stolz war), "dass ein Mensch so mit mir spricht. Wie ist ihr Name, Freiwilliger?"
"Kosimo Álkarez", er duckte sich ein wenig und Zo'or fühlte sich sofort wohler.
"Es sieht also so aus als wären keine nennenswerten Schäden entstanden. Wenn sich die Ursache für dieses Ereignis geklärt hat, wirst du sicher die Synode informieren", wandte sich Da'an unterdessen an Quo'on und verliess dann die Brücke, das unpassende Verhalten Zo'ors ignorierend. Das, was er noch vor diesem Zwischenfall gesehen hatte, der nun leere Tank Boones, in welchem dieser sich hätte regenerieren sollen, hatte ihn zutiefst erschüttert.
"Sie werden die Brücke umgehend verlassen und sich bei ihrem Vorgesetzten melden", fuhr nun Zo'or Kosimo an, "Ich werde ihm von Ihrem Fehlverhalten berichten lassen."
"Muss das sein?"
Der Satz war ein Fehler, und zwar ein gewaltiger. Zo'or hatte ja nach Fehlern gesucht, aber auf keinen Fall tolerierte sie, dass ihr jemand ungestraft widersprach.
"Nein", erwiderte sie, "Ich kann auch Agent Sandoval auffordern, sich persönlich um diesen Fall zu kümmern."
"Kann ich mich auch einfach bei Ihnen entschuldigen? Es tut mir nämlich schon leid ..."
Zo'or wurde es langsam zu viel. Es war eine der seltenen Situationen, in denen sie die Menschen darum beneidete, einfach mal zuschlagen zu können. Sich mühsam beherrschend, den Freiwilligen nicht mit roher Gewalt persönlich zu entfernen, forderte sie Agent Sandoval auf, umgehend zu erscheinen.
"Ich nehme an, dass ich jetzt doch hier warten soll?", fragte der Freiwillige fast schon liebenswürdig und fing sich einen vernichtenden Blick.
"Sie werden jedes Wort bereuen, das sie in den letzten Minuten gesagt haben."
"Sie sind aber ein furchtbar kapriziöser Taelon", stöhnte der Freiwillige, glücklicherweise aber leise genug, dass Zo'or so tun konnte, als hätte sie es überhört, um sich nicht auf das Niveau einer Diskussion herablassen zu müssen. Kurz entschlossen ließ sie ihn stehen und begab sich zu Quo'ons Platz, um bei diesem vielleicht ein paar Informationen aufzuschnappen.
Derweil betrat Sandoval die Brücke. "Sie wollten mich sprechen, Zo'or?", sagte er kurzangebunden, da er nicht wüsste, was der Taelon von ihm wollen könnte.
"Nehmen sie diesen Freiwilligen dort mit sich und lehren sie ihn, dass er mir besser kein zweites Mal frech kommt!", wies ihn Zo'or an, froh, dass er fragte, da sie das Gespräch schon fast wieder vergessen hatte. Der bemitleidenswerte Freiwillige trat unwillig aber brav von alleine an die Seite Sandovals, seines vermeintlichen Schlächters. Vielleicht hielt er seine Fassung vor allem deswegen, weil er den Asiaten um mehr als zwei Köpfe überragte. - Was auch keine Kunst war, dachte Zo'or.
"Folgen sie mir!", wies Sandoval den Freiwilligen an und machte sich daran, die Brücke zu verlassen. Das Unglückslamm folgte ihm wort- und hoffnungslos.

Als sie die Brücke verlassen hatten, richtete Sandoval das Wort an den Freiwilligen: "Sie sollten in Zo'ors Gegenwart mit dem, was Sie sagen, etwas vorsichtiger sein, da Sie eine vorlaute Zunge leicht Ihren Kopf kosten könnte."
"Kommt mir nachträglich auch beinahe so vor", seufzte der gebürtige Spanier und bemühte sich, zu Agent Sandoval zu schauen, ohne dass es den Eindruck machte, er würde auf ihn herabsehen - leider war das fast unmöglich. "Aber sie ist ja trotzdem ganz sympathisch."
Sandoval runzelte die Stirn. "Sympathisch?", wiederholte er fragend.
"Ja", sagte Ko frei heraus, "Ich würde das mal als ganz herben Charme bezeichnen. Aber ich glaube, das würde mich auch den Kopf kosten ..."
"Wie dem auch sei", Sandoval lenkte das Gespräch wieder zurück auf das Wesentliche, "Ich verwarne Sie hiermit ganz offiziell. Unterlassen Sie Derartiges in der Zukunft! Zügeln Sie sich oder Sie könnten ein paar Probleme bekommen, wenn Sie so weitermachen. Sie sollten Zo'or besser nicht reizen. Haben Sie mich Verstanden?"
"Verstanden. Übrigens, die Verwarnung ist ein schöner Zug von Ihnen", erwiderte Ko ernst, "Ich will mich mühen, sie nicht zu reizen, aber ich kann nur hoffen, das es gelingt. Ich glaube, sie wollte einfach wütend sein. Wie auch immer - ich nehme nicht an, dass ich jetzt zur Brücke zurückkehren sollte?"
"Das sollten Sie wohl unterlassen."
"Dann will ich jetzt wohl gehen", meinte Ko leichthin und stellte mit Erstaunen fest, dass er von dem gefürchteten Sandoval nicht die schlechteste Meinung hatte - und dass Zo'ors Gemüt so gefährlich wie unterhaltsam war. Er nahm sich vor, dem Taelon bald ein weiteres Mal über den Weg zu laufen - allerdings mit einem besseren Eindruck.
'Sie?', dachte Sandoval etwas verwundert, wollte aber nicht weiter darüber nachdenken und entschied sich, den Freiwilligen ziehen zu lassen. Auf die Brücke jedoch wollte selbst er nicht zurück kehren, da Zo'or schon wieder eine seiner berüchtigten Launen hatte und Sandoval nicht in sein Schussfeld geraten wollte. Aber Zo'or einen weiteren Grund liefern, sauer zu sein, wollte er auch nicht und so beschloss er, doch zurück auf die Brücke zu gehen - was er dann auch tat.

T0 - Da'an

Nachdem Da'an sein Quartier erreicht hatte, legte er sich dort unter die Energiedusche und versuchte sich ganz auf die Energieaufnahme zu konzentrieren. Dies wollte ihm jedoch nicht wirklich gelingen, zu tief saß die Trauer in ihm nun, wo er seinen treuen Beschützer und Freund verloren hatte. Durch Boone hatte Da'an gelernt, die Menschen besser zu verstehen und sie zu schätzen.
Die Menschen, vielleicht die letzte Chance der Taelons, zu überleben.
Es mochte von entscheidender Bedeutung sein, aus diesem Hintergrund heraus, diese Spezies besser zu verstehen. Doch wie sollte ihm dies, nun wo Boone tot war, gelingen? All diese Überlegungen in sich bewegend versuchte Da'an weiter zu regenerieren, bis sich eine Idee in ihm zu formen begann. Vielleicht war eines seiner Projekte, welches sich noch in der Testphase befand, die Antwort auf diese Frage und auch der Schlüssel, um den Verlust Boones bewältigen zu können.

T0 - Luen

Es brauchte mehrere Versuche Pa'es, bis die Lasairprinzessin registrierte, dass sie angesprochen wurde. Das war nichts Ungewöhnliches, nicht bei ihr, von daher konnte sie sich über seine leicht genervte Miene nur milde wundern.
"Was willst du denn?"
"Dein Vater versucht, dich zu erreichen."
"Und warum sagst du mir das?"
Pa'e stöhnte entnervt auf: "Weil du ja ganz offensichtlich sogar das penetranteste Piepsen des Komunikationssystems zu überhören schaffst."
Lo'el hob leicht verlegen die Schultern. "Das Gewitter ist so laut", versuchte sie es mit der wahrscheinlich schwächsten Ausrede, die ihr Kamerad je gehört hatte, weshalb er sich auch eine Antwort sparte.
"Jedenfalls sollst du kommen, es geht wohl um irgendeine rätselhafte Übertragung. Und ich soll dich begleiten, damit du nicht auf halben Weg wieder vergisst, dass du erwartet wirst."
Lo'el zog eine Schnute ob dieser Unterstellung, wagte jedoch nicht, ihren Wahrheitsgehalt in Frage zu stellen, und ließ sich ohne Theater von Pa'e ins Hauptschloss begleiten. Eine Übertragung also. Sie konnte sich kaum erklären, wie die bei dem atmosphärischen Durcheinander, das die Intensität eines echten Luen-Gewitters auslöste, überhaupt noch empfangen werden konnte, aber vielleicht war ja irgendeine Raumstation benutzt worden. Sie musste zugeben, dass sie von den meisten Systemen kaum Ahnung hatte.

Den ganzen Weg über war Lo'el mehr oder weniger in ihrer Traumwelt versunken geblieben, aber der Auftrag, den sie von ihrem Vater bekam, ließ sie unsanft aus allen Schäfchenwolken purzeln. "Prüfen?", fragte sie entsetzt, "Warum?"
"Weil es ein Signal der Jaridians ist und das nicht ihr Herrschaftsgebiet ist. Ich will wissen, was das zu bedeuten hat."
Lo'el fand es wenig aufbauend, dass Pa'e sich neben ihr über ihren grauenerfüllten Gesichtsausdruck beinahe tot lachte. "Ich will nicht verreisen!"
"Du musst", gab der König zurück, "Ich kann nicht, ich habe keine Vertretung hier."
"Aber...", begann die junge Lasair, brach aber ab, als sie
die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation erkannte. Ihr Vater hätte sicherlich jeden schicken können, aber offenbar wollte er erreichen, dass sich sein Kind zumindest ausnahmsweise mal um die Realität kümmerte.
"Tröstst dich, dass ich mitkomme?", fragte Pa'e halb freundlich, halb spöttisch, woraufhin er einen bitterbösen Blick erntete, "Also nicht."
"Warum freust du dich denn so?"
"Vielleicht finden wir ja auf dem Weg ein Taelonschiff..."
Zum zweiten Mal an diesem Abend gab Lo'el ein tiefes Stöhnen von sich und blickte zum Himmel, als hoffte sie, dass die wolkenverhangenen Sterne über so viel männliche Dummheit ihr ewiges Schweigen brechen würden. "Warum seht ihr Kerle überall Taelons?", fragte sie gereizt, was Pa'e dazu zwang, seinen unschuldigsten Blick aufzusetzen.
"Wenn da Jaridians sind", seufzte er, "dann sind da sicher keine Taelons."
"Schön, dass du Vernunft annimmst."
Mit diesem kleinen Sieg war der Abend der Lasairprinzessin so gut wie gerettet und sie beauftragte den ersten Dienstboten, der nicht schnell genug fliehen konnte, damit, die Reise vorzubereiten. Wohin auch immer.

T0 - Harmony

Es klappte.
Andrei behielt seinen Namen, während Harmony sich sicherheitshalber den neuen Nachnamen MacPherson zulegte. Identifiziert werden sollten sie per Fingerabdruck, denn den konnte Harmony vom Global aus überspielen, Pässe zu drucken war ja im Internetcafé naturgemäss nicht drin. Der Betreiber des Cafés freute sich sichtlich ausserordentlich über das besondere Zweieurostück, dass er gar nicht darüber schimpfte, dass eigentlich noch 83 Cent mehr verbraucht waren.
Der nächste Halt war dann eine Bank, wo Harmony auf eine Hürde in Form einer uralten Bankangestellten traf - die konnte nur Griechisch. Aber es fand sich ein Dolmetscher und damit war auch ein Konto angelegt. Harmony unterschrieb brav den Papierstapel und liess ihren Fingerabdruck prüfen und dann endlich hielt sie eine frisch codierte Chipkarte in der Hand, die sie nur mit ihrem Fingerabdruck aktivieren und in einen Bankautomaten einschieben musste, um endlich die Geldsorgen zu lösen.

Code:
HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
22.09.2009 18:25
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Veria Offline
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T1 bis T13 - Harmony

Ihre neuen Identitäten waren der Wahrheit so ähnlich wie möglich. Sie hatten Pilotenlizenzen, Sicherheitseinstufungen der Fluggesellschaften und waren sogar als bei American Airlines beschäftigt eingetragen, was ihnen die Möglichkeit gab, gratis in einer Maschine dieser Linie mitzufliegen. Ihre Kollegen aus dieser Zeit kannten die Pilotenuniformen aber sicher genausogut wie Harmony und Andrei selbst, was bedeutete, dass die Taelonsymbolik und der Schriftzug "American Shuttlelines" hier falsch waren, und der Schnitt der Kleidung sowieso. Als eine Ironie des Flugverkehrs meldeten sie einfach ihr Gepäck verschollen und liessen sich neue Uniformen ausgeben.
Drei Tage später waren sie in Washington und zappten im Flughafenhotel durch die Nachrichtenkanäle. Für Andrei war das die einzige Informationsquelle, doch Harmony konnte auch das Gemeinwesen spüren. Noch in Griechenland hatte sie Quo'ons Tod schmerzhaft gefühlt, nun wartete sie auf weitere Veränderungen im Gemeinwesen.
Harmony zählte die Tage und als es soweit war, war Da'ans gedankliche Präsenz weiterhin spürbar. Etwas hatte sich verändert. Andrei kam zum selben Schluss: "In meinem Global stehen für heute verschrumpelte Leichen wegen Atavus, das kommt hier aber nirgendwo."
"Verdammt!", knurrte sie, denn damit war gut möglich, dass Da'an gar nichts vom Widerstand erfahren würde. Die ganze Zukunft, einfach weg.
Was hatte diese Veränderung bewirkt?
"Harmony?", fragte Andrei, "Was tun wir jetzt? Kirk würde ..."
"Kirk würde zurückreisen und alles wieder geradebiegen, ich weiss", seufzte sie, "aber wie sollen wir das machen?"
"Naja, diese Zeitlinie ist sowieso schon verändert, also können wir uns genauso gut einmischen und einen Physiker suchen."
Morgen, aber nicht mehr heute.
"Andrei, die griechische Bank wird uns auf die Pelle rücken, wenn wir das Konto immer weiter überziehen", sagte sie dann, "Berufsausübung muss sein. Kannst du ein konventionelles Flugzeug fliegen?"
Er wirkte fast beleidigt, als er erklärte: "Aber natürlich! Ein Chekov kann alles fliegen, egal ob es Propeller, Düsen oder Warpgondeln hat." Schnell sprang er auf. "Ich finde es toll, wieder ein Flugzeug fliegen zu dürfen", grinste er, "Komm, gehen wir an die Bar."

Harmony mochte nicht noch mehr Geld ausgeben, das sie nicht hatten, aber er liess nicht mit sich reden und zog sie einfach mit. Als Krönung hatte er auch sein gelbes Hemdchen mit schwarzem Kragen und Sternenflottenabzeichen an - er hatte es immer dabei, es blieb einfach nie zuhause im Schrank.
"Hallo", winkte er zwei Damen zu, dann einem Pärchen auf der anderen Seite, "Ich bin Misterr Chekov und das ist Misterr Sulu." Harmony wäre am liebsten im Boden versunken. "Hallo, kann ich zwei Wodka haben?", begrüsste Andrei den Barkeeper und bekam gleich zwei Gläser vor die Nase gestellt, "Danke."
"Haben Sie noch etwas Stärkeres?", fragte Harmony, "Ich muss immerhin den Trekkie hier aushalten."
"Ach, Harrmony, so schlimm bin ich doch wohl nicht!"
Sie sah den Barkeeper an: "Wodka, viel, bitte", und er stellte ihr gleich die ganze Flasche hin.

Andrei wirkte nicht auf alle Anwesenden grenzenlos peinlich. Eine junge Blonde setzte sich neben ihn an die Bar, verlangte "Aldebaran-Whisky, das grüne Zeug" und stellte sich als klingonische Kriegerin Pra'Toch aus dem Neutrale-Zone-LARP vor.
"Geil, wie sieht Ihrr Kostüm aus?", war Andreis Reaktion, "Haben Sie ein Bat'leth? Können Sie damit umgehen?"
Sie grinste: "Klar." Sie legte ihr Global auf die Bar und zeigte Bilder einer fast originalgetreuen Klingonin - mit Bat'leth. Die Stirn war nicht ganz perfekt, aber das war natürlich auch schwierig.
"Worrum geht's in eurrem LARP?"
"Ein Föderationsschiff und ein klingonisches sind auf einem Planeten abgestürzt und schlagen sich mit wilden Eingeborenen rum. Oh, die Eingeborenen haben wir uns übrigens aus einem Mittelalter-LARP ausgeborgt."
"Cool ..."
"Jaaa", sie lächelte verträumt, "Ich hab mal gegen einen von denen gekämpft, er mit Schwert, ich mit Bat'leth, das war ein Riesenspass." Andrei prostete ihr zu und sie leerten beide ihre Gläser. "Und was machen Sie so, Chekov? Sie haben einen tollen Akzent, lange geübt?"
"Derr ist echt - also fast. Ich bin Rrusse und meine Elterrn rreden wirrklich so, das kann ich gut nachmachen." Er griff nach der Flasche und schenkte sich nach. "Ich hab leiderr nicht mehrr die Zeit für irrgendein LARP oderr so, ich bin halt Pilot."
"Also ... jetzt wirklich?"
"Naja, Passagierrflüge." Er trank einen Schluck.
"Check-In, London Heathrow", sagte die Klingonin, "wenn Sie mal vorbeifliegen ... ich habe gerne Besuch, der nicht die Augen verdreht."
Harmony verdrehte tatsächlich die Augen. Jetzt machte der Trekkie auch noch innerhalb von zehn Minuten eine nette Bekanntschaft - dabei war "Pra'Toch" wohl irgendwie dreissig Jahre älter als er! Unauffällig goss sie ein wenig Wodka aus ihrem Glas in seines.
"Und Sie?", sprach die Blonde jetzt Harmony an.
"Nur Pilotin, kein Trekkie", sagte diese und trank ihr nun nur mehr halbvolles Glas aus - und keuchte.
"Ich versuchs ja!", mischte sich Andrei ein, "Aberr sie steht auf so ein Zeug mit Rroboterrn."
"Mit Zylonen", korrigierte Harmony, "und wenn schon ein allgemeiner Begriff, dann Androiden. Immerhin können sie fühlen."
"Data ist der einzig wahre Android", sagte die Blonde fest und blickte zustimmungsheischend zu Andrei, der allerdings den Kopf schüttelte. "Was ist?", fragte sie verdutzt.
"Doch nicht Data!", widersprach er, "Mudds Andrroiden sind da auch noch wichtig, vorr allem das Modell Xanthippe."
"Pra'Toch" grinste und nickte: "Ahja, richtig."
Harmony rollte nur wieder mit den Augen, wartete einen günstigen Moment ab und goss nocheinmal Wodka aus ihrem wieder aufgefüllten Glas in Andreis. Sie hatte schon sooft Fangespräche gehört, sie wusste inzwischen doch so einiges, allerdings interessierte es sie nicht.
Sie machte weiter wie bisher: Sie starrte gelangweilt auf das Getränkeregal hinter der Bar, spürte beiläufig ins Gemeinwesen und goss immer wieder unauffällig Wodka aus ihrem in Andreis Glas. Entsprechend war er schneller betrunken als sie, begann fürchterlich zu lallen ... und die "Klingonin" ergriff ihre Chance und schleppte ihn in ihr Zimmer ab.
Harmony blieb verdutzt zurück, zuckte aber nur die Schultern und reichte dem Barkeeper ihre Geldkarte. Andrei war immerhin erwachsen.

Bis T13 - Widerstand

Liam starrte gedankenverloren die Wand vor sich an. Seit er hier im Widerstandshauptquartier unter der Kirche auf die Welt gekommen war, hatte er nicht viel Zeit gebraucht, um einen Platz für sich zu finden.
Beschützer Da'ans.
Augur hatte ihm die nötige Identität besorgt, um an Boones Beerdigung teilnehmen zu können, ohne Misstrauen zu erwecken: Major Liam Kincaid.
Er hatte sich in der Uniform wohl gefühlt und die Überraschung Lilis erkennen können, als er aufgetaucht war. Aber er hatte es bei Augur nicht mehr ausgehalten und wichtiger gefunden, auf irgendeine Art und Weise Kontakt mit Da'an aufzunehmen. Da war so ein Gefühl diesbezüglich gewesen, dass ihm schwer gefallen wäre zu erklären.
Nach der Beerdigung war er der neue Beschützer Da'ans geworden.
Die ganze Zeit über hatte Liam seine Umgebung genaustens im Auge behalten und so bald etwas gespürt, eine Bedrohung, die sie beobachtete. Und er hatte Recht behalten: Ein Replikant hatte das Feuer eröffnet und geistesgegenwärtig hatte Liam sich auf Da'an geworfen. Ohne Beschützer war dieser ein offenes Ziel gewesen, obwohl Liam gemerkt hatte, dass auch Taelons mit Beschützer nicht völlg sicher waren.
Der Synodenführer Quo'on war erschossen worden und hatte - wie es seine Rasse wohl ausdrücken würde - die Ebenen gewechselt.
Dessen Energie hatte sich nach dem Schuss verteilt, doch darauf hatte Liam kaum geachtet. Sein einziger Gedanke war Da'ans Leben gewesen. Kurz darauf hatten auch die anderen reagiert. Nur wenige Sekunden nach ihm hatte sich jeder, der dazu imstande gewesen war, seiner Profession entsprechend verhalten. Geübt war gesichert worden, wer Schutz brauchte, und der Replikant gesucht worden. Doch dieser war ebenso schnell wieder verschwunden, wie er aufgetaucht war, und hatte kein weiteres Mal geschossen.
Nur war Liam sich zu diesem Zeitpunkt nicht sicher gewesen, wieviel Da'an eigentlich von ihm gewusst hatte. Als er ihn angeblickt hatte ... etwas hatte er in seinen Augen schimmern sehen können, aber er war nicht in der Lage gewesen, es zu deuten.

Die weiteren Ereignisse waren rätselhaft und turbulent verlaufen. Zo'or hatte wirklich den Vorschlag angenommen, dass er, Liam, Beschützer werden konnte. Ohne Implantat, ohne Skrill, ohne irgendetwas, das ihn beeinflussen konnte.
Des weiteren hatte er seine Pflichten gleich aktiv ausführen müssen. Der Replikant musste gefasst werden, zur Eliminierung einer Gefahr für die Taelons.
Da'an hatte sich also freiwillig als Köder zur Verfügung gestellt und sie hatten sich in der Botschaft näher kennengelernt. Gemeinsam hatten sie, natürlich unter Aufsicht, Fuvlasha gespielt. - Und der Taelon hatte da schon etwas vermutet, Liams Hand in die seine genommen und mit Blick auf die Kamera einen möglichen Verrat verhindert. Er war sich dessen sicher gewesen, wie Liam wieder an seinen Blick zu erkennen geglaubt hatte.
Eine stumme Übereinkunft, die der Kimera persönlich gar nicht hatte verstehen können. Aber es hatte ihn in seinen Annahmen über Da'an bestätigt.

Der Replikant hatte es geschafft, in die Botschaft einzudringen. Das Portal war sofort getroffen worden, sie hatten anders fliehen müssen. Sandoval und Lili hatten sich wohl sofort, als sie dies hatten sehen können, auf den Weg zu ihnen gemacht, aber waren nicht schnell genug gewesen. Die Waffe, die Liam von
Zo'or bekommen hatte, war nutzlos gewesen. Gegen den Replikanten hätte er als normaler Mensch unter diesen Umständen keine Chance gehabt. Er war gezwungen gewesen, in Gegenwart des Taelons sein Shaqarava zu benutzen, um dessen und auch sein eigenes Leben zu schützen.
Doch Liam war nicht verraten worden. Keine Sanktion war erfolgt, keine Verfolgung, Gefangennahme, oder Folter. Da'an hatte niemandem gesagt, was er gesehen hatte.
Die Ausrede, die Liam selber parat gehabt hatte, hatte vielleicht Misstrauen erweckt, vor allem bei Sandoval, aber bisher keine weiteren Folgen gehabt. Er würde in Zukunft auf der Hut sein müssen.

Damit waren seine ersten Erlebnisse mit Da'an keineswegs zu Ende gewesen. Liam fühlte sich ihm verbunden und er hatte das Gefühl ihm vertrauen zu können. Die Synode hatte in dieser Hinsicht allerdings eine etwas andere Meinung gehabt und Zo'or zum neuen Synodenführer als Nachfolge Quo'ons bestimmt. Der Kimera war davon nicht begeistert gewesen, aber seine Interessen waren bei weitem nicht die gleichen, wie die der Taelons. Obwohl, in abgewandelter Form durchaus. Sie wollten beide überleben, die Taelons und er ebenfalls, ein Wesen, zu einem Drittel Kimera, zu zweien ein Mensch. Der einzige seiner Art, der aber nun einen Verbündeten gefunden hatte. Einen Lehrer und vermutlich auch einen Freund.
Die Tiefe seines Vertrauens in den Taelon hatte ihn dazu bewegt, ihm das zweitgrößte Geheimnis zu zeigen, das er hütete.
Er hatte den Botschafter gebeten, mit ihm zu kommen, war mit ihm in ein Shuttle gestiegen und hatte ihn zur Kirche geflogen. Zum Widerstand.
Liam hatte Da'an hinunter geführt und Jonathan Doors ohne vorherige Absprache vor vollendete Tatsachen gestellt. Ein Taelon im Widerstandshauptquartier. Liam grinste bei diesen Erinnerungen: Der Blick von Jonathan war Gold wert gewesen. Sie hatten sich die Hände gereicht, Da'an und Jonathan, der Taelon und der Mensch. Die Erneuerung eines alten Bündnisses.
Doch dieses Mal wahrhaftig.

Nach den ganzen aufregenden, aber auch höchst anstrengenden Tagen war nun endlich im Hauptquatier des Widerstandes wieder Ruhe eingekehrt und auch die Ordnung schien sich wieder zu etablieren. Man könnte sagen, dass alles wieder seinen gewohnten Gang lief, aber dem war nicht so. Ausnahmslos alle der Anwesenden machten sich Gedanken um das, was in den letzten Tagen geschehen war. Der tödliche Schusswechsel zwischen Boone und Ha'gel, den beide nicht überlebt hatten. Becketts Schwangerschaft, die darauf folgende Geburt ihres Sohnes, Liam, den sie nie als diesen kennen lernen würde. Liam, das Kind eines Aliens, ein Hybride. Halb Mensch, halb was? Taelon. Die Frage, was er war, konnte so recht niemand beantworten. Für Doors jedenfalls, war er der Feind in Menschengestalt und musste auf jeden Fall und unter allen Umständen beobachtet werden. Misstrauen war ja gut und schön, aber das, was Doors hier an den Tag legte, war Paranoia in Reinform und jeder wusste das. Jeder fand das etwas übertrieben, zumindest, bis zu dem Punkt, an dem Liam das schier Unmögliche tat: Er brachte einen Taelon hierher, ins Hauptquatier des Widerstandes. Das war Doors entschieden zu weit gegangen. Er misstraute Liam nun voll und ganz und hatte ihm nichts von seinem neuen Hauptquartier mitgeteilt.
Für Augur hingegen, war Liam ein Kind. Zwar eines, das sich innerhalb weniger Stunden von einem Säugling zu einem ausgewachsenem Mann entwickelt hatte, aber mental doch eher noch ein Kind zu sein schien. Ein Kind, das Führung brauchte, beschützt werden müsste und nicht untersucht und seziert. Augur versuchte, für Liam so etwas wie ein großer Bruder zu sein. Er hatte ihm sogar eine eigene Wohnung besorgt. Ihm war zwar bei der Schlüsselübergabe etwas mulmig gewesen, aber Liam besaß zu Augurs Erstaunen bereits eine Menge Wissen und Erfahrung, sodass Augur der Meinung gewesen war, dass eine eigene Wohnung für den jungen Mann kein allzu hohes Risiko war. Im Gegensatz zu Doors hatte er Liam sofort gemocht.
Doch nun endlich etwas Ruhe zu haben, tat ausgesprochen gut. Er konnte nun auch endlich wieder seinem Tagewerk nachgehen: Er begann damit, seine E-Mails abzurufen, was nur einige Minuten dauerte. Danach machte er sich daran, sämtliche Log-Files durchzusehen. Als er gut die Hälfte davon hinter sich gebracht hatte, wurde er plötzlich stutzig: "Was zum..." Das, was er da las, konnte unmöglich stimmen! Jemand hatte sich von außerhalb Zugriff auf einen seiner Server verschafft. "Aber wie?", zischte er. "Wer auch immer du bist", sagte er leise im Selbstgespräch zu sich selber, "ich werde das im Nu wissen." Augur meinte dies nicht als eine Art Versprechen oder Vorhersage, sondern als eine Tatsache, und um diese in die Tat umzusetzen, machte er sich sofort an die Arbeit.

Der Lift öffnete sich und Lili Marquette betrat den grossen Raum, kurz sah sie sich um. Augur schien sie gar nicht bemerkt zu haben, er war wohl in irgendein kniffliges Problem vertieft. Sie lächelte flüchtig in Liams Richtung, so ganz wusste sie den Mischling immer noch nicht einzuschätzen. Besagter Mischling hatte seine Kollegin bemerkt und lächelte zurück. Bisher hatte er nicht das Gefühl, dass sie eine gute Beziehung zueinander hatten und so bot er ihr mit einer kurzen Kopfbewegung an zu ihm zu kommen, sie tat es und setzte sich neben ihn. Einen Moment lang starrte sie wortsuchend die Wand an, dann fragte sie: "Und wie war Ihr Tag?"
"Ich denke, ich bin heute erwachsen geworden", erwiderte Liam mit einem Grinsen. Etwas ernster meinte er kurz darauf: "Und wie ist es bei Ihnen gelaufen?"
Ja, Smalltalk war bei einem so jungen, erst zwei Wochen alten Mann vielleicht nicht so gut. "Ich bin ... einen Tag älter geworden", sagte Lili, "und dank Sandoval hat dieser Tag mir viele graue Haare gebracht." Sie blickte kurz verstohlen zu Liam und lehnte sich dann zurück und schlug die Beine übereinander. "Lt. Beckett ist wieder hier, ich weiss nicht, warum."
Liam nickte. "Meinen Sie, dass sich da wieder etwas zusammenbraut?" Wenn Siobhan wieder in Washington war, dann entweder, weil ihr Taelon ebenfalls hier weilte, oder weil sie Nachforschungen anstellte. Er hoffte, dass es keine waren, die jene Geschehnisse um Ha'gel in der Kirche betrafen. Noch mehr hoffte er allerdings, dass sie sich nicht schon an einige Dinge erinnern konnte. In Liams Gesicht spiegelten sich seine Sorgen wider, während er Lili aufmerksam anschaute.
Jetzt drehte sie den Kopf zu ihm und sah ihn mitfühlend an: "Sie wird sich schon nicht so schnell erinnern, Liam, es gibt ja gar keinen Anlass. Sie haben ja eine ordentliche Identität, die Beckett Ihnen auch glaubt." Lili musste diese Sorge des Kindes um die Mutter einfach zerstreuen, auch wenn sie sich keineswegs sicher sein konnte, dass seine Befürchtungen nicht allzu wahr waren.
Liam lächelte. "Sie haben Recht. Sie hat mich auch niemals erwachsen gesehen ..." Allerdings würde sie es fühlen, da war er sich sicher. "Ich hätte sie gerne kennengelernt ...", meinte er und ließ den Satz offen. Lili war nicht dafür da, um seine Unruhe zu mildern, oder seinen Gefühlszustand zu bessern. "Was denken Sie über ihre erneute Anwesenheit hier?"
"Sie könnte Sandoval verfolgen, aber ... als Implantantin? Sie hat bestimmt einen dienstlichen Grund." Lili seufzte und riskierte einen Blick zu Augur, der auf seinen Computer wütend zu sein schien. "Ich werde es ja bestimmt rausbekommen, wenn sie mich in was auch immer für eine Untersuchung einbezieht", fügte sie hinzu, "und Sie ja auch, Major." Sie betonte den Rang und grinste.

"Leute!", rief Augur von seinem (eigentlich Doors', aber wenn der sich hier nicht mehr sicher fühlte ...) Computer herüber, "Ihr solltet euch das mal ansehen!", und winkte sie zu sich, herüber. Lili sprang auf und folgte seinem Ruf neugierig, Liam etwas langsamer ebenfalls. "Da hat es doch tatsächlich jemand gewagt, sich in einen meiner Server zu hacken! Ist das zu glauben, Leute?", wollte Augur eher rhetorisch wissen und deutete auf seinen Monitor. "Das Seltsame ist dabei, dass er ziemlich schnell gewesen ist. Muss sich also bestens auskennen - oder meine Daten gehabt haben, was ich schon aus Prinzip ausschließe. Aber das wirklich Seltsame ist, dass der Eindringling irgendwo in Griechenland sitzt und sich aus einem verdammten Internet-Café Zugriff verschafft hat." Er wandte sich zu den beiden anderen um, um ihre Reaktion darauf (nämlich Lilis offenstehenden Mund) zu sehen.
Liam quittierte es mit einem entsprechend empörten Blick. "Unfassbar!" Natürlich machte er sich durchaus seine Gedanken dazu und fragte ernst: "Denkst du an einen Verrat?"
'Da'an!', schoss es Lili durch den Kopf.
"Alles ist möglich", entgegnete Augur, "aber wer sollte uns denn deiner Meinung nach verraten haben?" Jetzt sprach Lili ihren Gedanken aus, doch Liam schüttelte vehement den Kopf. Zumindest in dieser Sache war er sich sicher.
"Diesem Blau-Blut würde ich das zutrauen! Jetzt, wo er über uns Bescheid weiß", meinte Auger in selbstsicherem Ton.
"Wir können ihm vertrauen.", meinte Liam darauf nachdrücklich und schob leiser ein "Ich vertraue ihm." hinterher.
"Ich bin mit meinem Vertrauen nicht ganz so großzügig wie du, Liam", entgegnete Augur scharf, "ich für meinen Teil traue ihm keine zehn Zentimeter weit über den Weg."
"Du vergisst da etwas ..."
"Liam, Augur hat Recht!", unterbrach Lili, "Wer sonst könnte das denn sein? Aber, Augur, was hat der Hacker denn gemacht? Können Sie das nachvollziehen?"
"Ich habe die letzten Minuten damit zugebracht, das herauszufinden - mit dem Ergebnis, dass sich diese Person zwei neue Identitäten erstellt hat. Also legt das den Schluss nahe, dass es zumindest noch einen Komplizen gibt. Welche Identitäten es jedoch genau sind ... tja, daran arbeite ich noch." Man konnte Augurs Stimme anhören, dass er mit dem, was er bisher heraus bekommen hatte, nicht zufrieden war.
"Wozu ...
wozu braucht jemand in Da'ans Auftrag Ihren Server?", wunderte sich Lili, "Da sollten die Verbindungen zur Regierung doch genügen, um tausend neue Identitäten zu haben."
"Ich sagte ja, es kann nicht Da'an sein!", freute sich Liam.
"Ausschließen würde ich das noch lange nicht, Liam", meinte Augur in bestimmendem Tonfall. Er missbilligte Liams leichtsinniges Vertrauen gegenüber Da'an. "Und warum jemand sich in seinem Auftrag einen neuen Namen zulegt, hmmm ... wer weiß schon, was im Kopf eines Taelons vorgeht. Vielleicht will er ja einen für sich selber", grinste Augur.
"Er weiß, wo der Widerstand ist, warum sollte er sich so viele Umstände machen? Bisher hat er weder diesen noch mich verraten und so lange bleibe ich dabei."
"Bisher." wiederholte Auger in bissigem Ton.
"Das kannst du auch über jeden anderen Menschen sagen ... und über mich!" Ernst und etwas traurig sah Liam ihn an.
Lili seufzte und blickte zwischen den beiden Männern hin und her: "Könnten wir darin übereinkommen, es im Moment einfach nicht zu wissen?"
"Also gut. Ganz wie du meinst, Darling", gab Augur etwas widerwillig nach. Liam stimmte zu, indem er nichts mehr sagte, während Lili noch einmal seufzte. Darling! Augur liess auch wirklich keine Gelegenheit ungenutzt. "Na dann", er atmete einmal tief durch, "Mal schaun, was ich noch rausfinde." Mit diesen Worten wandte sich Augur nun voll und ganz wieder seinem Computer zu.
"Liam", sah Lili jetzt den jungen Kimera streng an, "da wir gerade davon sprechen: Könnten Sie das nächste Mal, wenn Sie einem Taelon den Widerstand zeigen wollen, wenigstens vorher Bescheid sagen?"
Liam sank ein Stück in sich zusammen. "Werde ich. Es war richtig ...", meinte er sehr leise. Ein wenig konnte er Lili da doch schon zustimmen.
"Wenn wir in zwanzig Jahren noch leben, gebe ich Ihnen Recht", sagte sie fest, "bis dahin betrachte ich es als Ihre hoffentlich dümmste Aktion überhaupt - noch dümmer darf es nämlich wirklich nicht mehr werden."
Liam grinste auf ihre Aussage hin. "Ich kann Ihnen versichern: noch mehr als durch diese Aktion werde ich niemanden mehr in Zukunft gegen mich aufbringen können ..."
Lili hoffte es sehr, lächelte knapp und suchte sich wieder einen Sitzplatz.
Liam war etwas unsicher, setzte sich dann aber wieder in die Nähe von Lili.

Code:
HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
22.09.2009 18:26
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Veria Offline
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Re:Alles - Chronologisch
T14 - Zo'or

Im Grunde genommen war es eine Serie von Katastrophen gewesen, doch Zo'or störte sich daran nicht. Sie hatte sehr gute Ergebnisse aus jeder Katastrophe ziehen können.
Angefangen hatte das eigentlich schon mit Ha'gel. Schwupps - und Boone war weg. Eine gute Gelegenheit, auf die Zo'or schon lange gehofft hatte. Die Tatsache, dass die Störung auf dem Mutterschiff ein Rätsel geblieben war, hatte Quo'on in seinem Ruf geschädigt und ihr ein wenig mehr Einfluss verliehen. Es ergab sich der schöne Nebeneffekt, dass Da'an neuerdings gar nichts mehr sagte und nur noch traurig guckte, was sehr viel leichter zu ertragen war, als seine ständigen Versuche, die Menschen in Schutz zu nehmen. Zo'or verstand das noch immer nicht. Vor einem Planeten noch war ihr Elter doch noch so eine angenehme Gesellschaft gewesen, aber jetzt ...
Zo'or untersagte sich, darüber nachzudenken. Es machte sie traurig und traurig zu sein machte sie wütend. Da'an machte sie wütend.
Das Beste an dem ganzen Spiel war jedoch, dass ein Jaridian-Replikant Quo'on endgültig aus ihrer Planung entfernt hatte, so dass Zo'or nichts Nennenswertes mehr daran gehindert hatte, zum Synodenführer aufzusteigen (wie gesagt, an Da'an zu denken war verboten).
Glücklicherweise war auch der Replikant kein dauerhaftes Übel gewesen, Da'ans (Mist, schon wieder) neuer Beschützer hatte ihn erledigt und leider auch noch seine Kompetenz bewiesen, denn eigentlich hätte Da'an nicht überleben sollen. Angesichts des Zustands ihres Elters war es ja fast schon eine Gnade, es zu töten, was die letzten Reste von Zo'ors Gewissen jedoch nicht daran hinderte, immer mal wieder aufzumucken. Zum Glück beeinflussten sie nie ihre Entscheidungen. Zo'or beschloss, dass Da'an aus dem Leben zu erlösen ein Gedanke bleiben sollte, den sie sich im Hinterkopf behielt und bei gegebenen Gelegenheiten immer wieder halbherzig zur Anwendung bringen würde.
Stolz blickte Synodenführerin Zo'or von ihrem Thron zur Erde herab und freute sich über die deutliche Dezimierung von Hindernissen, die ihr das Schicksal gegeben hatte. Nun hieß es nur noch, dieses Problem namens "Menschen" unter Kontrolle zu bringen, um sich dann der Hauptprobleme der Taelons anzunehmen. Da'ans neuer Beschützer würde schon kein größeres Problem sein, da war sie sicher. Immerhin war er nicht einmal implantiert.

Mit einer untaelonisch schnellen Bewegung sprang Zo'or wieder auf, als ihr die Idee des Tages kam. Sie betraf zwar schon wieder Da'an, aber dieses Mal mit späterem Nutzen: Wäre die Existenz des Elters endgültig beendet, dann wäre es bestimmt leichter, nicht mehr an es zu denken.
Und nein, sie würde Da'an anschließend kein bisschen vermissen, sagte sich Zo'or und wusste, dass es eine Lüge war, und noch nicht einmal eine gute. Trotzdem ließ sie sich auf einem Datenstrom die Kammer zeigen, in der sie einst den Jaridian hatte einfrieren lassen. Dieser gefrorene Klumpen lag ihr ohnehin schwer im Magen, denn so ein Jaridian-Eisberg barg seine Gefahren. Sie hatte keinesfalls vor, ihr Mutterschiff Titanic spielen zu lassen.
Also, Da'an loswerden durch den verfluchten Jaridian, den Jaridian los werden durch ...
An dieser Stelle merkte Zo'or wieder einmal, dass sie zum Konzept "Erst gemacht, dann gedacht" überzugehen begann und zügelte schleunigst ihr Temperament. Das war nicht nur untaelonisch, sondern auch unvernünftig - um nicht zu sagen wahnsinnig.
Also: Wie wurde man den Jaridian los - und zwar sicher.
Seufzend schaltete Zo'or das Bild auf die medizinischen Abteilung um und sah dabei zu, wie Mit'gai seine menschlichen Mitarbeiter unermüdlich hin und her scheuchte. Er tat das mit großer Sicherheit - aber er tat es ja auch jeden Tag und irgendwie fand Zo'or es entspannend, anderen bei der Arbeit zuzusehen und dabei selbst nichts zu tun. Sie wechselte auf den wissenschaftlichen Bereich und stutzte. Hatte da gerade etwas Da'ans Energiesignatur angezeigt? Aber Da'an war nicht zu sehen! Und auch keine Tür oder sonst etwas, wohin der Taelon hätte verschwinden können. Ratlos starrte die Führerin der Synode in den Datenstrom, bis sie jemanden auf die Brücke kommen hörte - und sie erkannte ihn. "Sie schon wieder. Der vorlaute Freiwillige."
"Meinen Sie, mir steht bereits ein Titel zu?" Dem Lächeln des jungen Mannes nach war ihm nicht klar, dass auch dieser Satz ein Fehler war. Da Zo'or jedoch derzeit nicht in Stimmung war, jemanden zur Schnecke zu machen, überhörte sie ihn. Mit einem Mal kam ihr eine weitere, wenn auch wahrscheinlich dumme Idee.
"Sagen Sie mir ", sprach sie den jungen Mann an, was diesen zu ihrer größten Irritation zu freuen schien, "wie würden Sie entscheiden, wenn sich Ihnen die Frage stellen würde, ob sie eine Waffe einsetzen sollen, die bestimmt Wirkung hat, aber auch Sie selbst treffen könnte, würden Sie es tun?" Zo'or wusste nicht, weshalb sie den Menschen nach seiner Meinung fragte. Aber das musste sie auch nicht wissen, sie schuldete niemandem Rechenschaft.
"Die Waffe ordentlich sichern und dann loslegen", antwortete der Freiwillige beherzt, "Stellt sich Ihnen die Frage?"
Zo'or gedachte nicht zu antworten.
Überhaupt gedachte sie den Rest des Tages mit keinem Menschen mehr zu sprechen. Das ging dazu über, leicht belastend zu sein.
"Habe ich Sie schon wieder verärgert?", fragte der Freiwillige mit echtem Bedauern und Zo'or betrachtete ihn mit ebenso echter Verwunderung.
"Weshalb fragen Sie? Habe ich Sie bestraft?"
"Sie wirken ein wenig unglücklich, Zo'or", erklärte der junge Mann, "und das gefällt mir nicht."
"Unglücklich?" Jetzt fühlte sie sich ein wenig überfordert.
"Naja, unzufrieden. Immer wenn ich auftrete. Dabei habe ich wirklich versucht, Sie nicht zu verärgern, es ist ja auch Ihr Tag, der darunter leidet."
"Was kümmert Sie das?" Zo'or musste ehrlich zugeben: Diese Denkweise war sie nicht gewohnt.
"Nun, wissen Sie", begann der Freiwillige leicht verlegen, während der Taelon versuchte, sich an seinen Namen zu erinnern. Álkarez, genau, Kosimo Álkarez. "Ich bin ein Außenseiter, die schlimmste Form davon: Ich komme mit meinen eigenen Rassengenossen nicht klar - ich verstehe die Menschen nicht."
"Damit sind Sie nicht allein."
"Um ehrlich zu sein mag ich die meisten nicht einmal sonderlich - aber die Taelons, die mochte ich sofort, und ich will mich nicht denen gegenüber schlecht stellen, bei denen ich mich deutlich wohler fühle."
Die Führerin der Synode schwieg. Sie war schlicht und einfach geplättet. So war ihr noch gar kein Mensch gekommen.
"Ich ärgere mich entweder über alles oder über gar nichts", sagte sie schließlich, "unabhängig von der unwichtigen Präsenz eines Menschen. Daher dürfen Sie sich jetzt ungestraft entfernen. Aber schnell und leise, bevor ich es mir anders überlege."
Der Freiwillige Álkarez entfernte sich folgsam, blieb aber kurz vor dem Ausgang noch einmal stehen, um das letzte Wort zu behalten: "Sie müssen aufpassen, Zo'or."
"Worauf?"
"Wenn Sie es nicht tun, dann könnte man auf die Idee kommen, dass Sie eigentlich ein sehr nettes Wesen sind."
Damit ging er. Zo'or blieb nichts anderes übrig, als ihm völlig entgeistert nachzuschauen. Kopfschüttelnd wandte sie sich wieder ihren Datenströmen zu.
Sowas!

Nachdem sich Zo'or ihren angedachten Plan, noch zwei Stunden hatte durch den Kopf gehen lassen, war die Idee einigermaßen sattelfest. Nach dieser bereits investierten Arbeit fand sich der Taelon nicht länger in der Lage, sich dagegen zu entscheiden, es zu versuchen, also entschied sie sich endgültig dafür und öffnete einen Datenstrom, um Sandoval zu sich zu rufen, der, wie immer, ein wichtiger Teil der Durchführung sein sollte. "Agent Sandoval, suchen Sie mich ohne Verzögerung auf und sorgen Sie dafür, dass Ihnen niemand folgt", wies sie ihn in beinahe mildem Ton an und lehnte sich dann zurück. Hoffentlich beeilte er sich ein wenig. Ihre Geduld, war noch nie die stärkste gewesen.
Sandoval hatte, die Order des Taelon, wie eine Selbstverständlichkeit hingenommen und war wenige Minuten später auch schon am Ziel, der Bücke des Mutterschiffs, angekommen. "Sie wollten mich sprechen, Zo'or?", sagte er kurz angebunden.
"Ich erwäge, ein Vorhaben in die Wege zu leiten", sparte sich der Taelon jegliche Begrüßung, "und ich erwarte, dass Sie mir dabei in gewohnter Funktion assistieren."
"Selbstverständlich, Zo'or. Worum geht es?"
"Es geht vor allen Dingen darum, dass Da'an für die Gemeinschaft der Taelons nicht länger tragbar ist", antwortete Zo'or und betrachtete dabei aufmerksam das Gesicht ihres Beschützers, bemerkte aber keine Regung. Es war ihm wohl egal, wie es Da'an erging - und das war gut so. Braver Sandoval.
"Ich habe bereits einen geeigneten Weg gefunden, um dieses Problem zu lösen, jedoch müssen dabei einige Spuren beseitigt werden."
"Ich bezweifle, dass das ein Problem darstellt, Zo'or."
"Gut", der Taelon war zufrieden, "Ich werde einen langjährigen Gefangenen in die Freiheit entlassen, aber so, dass er auf dem Weg Da'an finden und eliminieren kann - und das wird er. Ich habe jedoch nicht vor, ihm zu viel Freiheit zu geben, wenn Sie verstehen, was ich meine."
"Ich soll mich also um das 'Problem' kümmern, wenn die Arbeit getan ist?", wollte Sandoval wissen. Er ging davon aus, dass der Taelon wollte, dass er den 'Gefangenen' beseitigte, sobald dieser seine Aufgabe erlediegt hatte.
"Ganz recht", erwiderte Zo'or, "Organisieren Sie eine Person, die im Stande ist, einen Jaridian zu töten - keinen Replikanten, einen echten - und das erst nachdem er Da'an beseitigt hat. Nehmen sie eine Person, die wir notfalls entbehren können, ich will nicht, dass sie überlebt, wenn sie bei ihrem Auftrag zu viel erfahren sollte."
"Ganz wie Sie wünschen, Zo'or. Ich werde Ihrem 'Anliegen' sofort nachkommen",
antwortete Sandoval kurz und knapp. Damit entfernte er sich von der Brücke. Er wusste auch schon genau, wem er den Auftrag zukommen lassen wollte.

Sandoval befand sich auf einem der vielen Gänge des Mutterschiffs, als er das Adressverzeichnis seines Globals durchging. Er fand auch auf Anhieb die Nummer jener Person, die er im Sinn gehabt hatte, und wählte diese sogleich. "Miss Crystal. Ich habe eine Aufgabe für Sie."
"Agent Sandoval! Wie schön, das freut mich aber, dass Sie auch einmal an mich denken!", erwiderte sie auffällig fröhlich, "Was kann ich für Sie tun?"
"Sie können mir bei einer bestimmten Angelegenheit behilflich sein", begann er, "Ich habe einen Aufgabe, von der ich möchte, dass Sie sie übernehmen. Eine Aufgabe, die vollste Diskretion erfordert." Er sah sie dabei ernst an.
"Sie müssen schon etwas direkter werden", ihre Stimmung schlug von einem Mal ins Gereizte um. "Sehe ich vielleicht so aus, als wäre Diskretion ein Fremdwort für mich?", fuhr sie Sandoval energisch an und warf ihm einen bösen Blick zu.
"Nein, natürlich nicht. Genau aus diesem Grund habe ich Sie ja kontaktiert", erwiderte er in seiner typischen kalten Manier. "Aber nicht über Global. Ich möchte, dass Sie hier her auf's Mutterschiff kommen, damit ich Ihnen Einzelheiten mitteilen kann." Mit diesen Worten trennte er die Verbindung.

Als ihr Sandoval die Bestätigung gegeben hatte, dass er für eine Beseitungung des Gefangenen gesorgt hatte, begann Zo'or, dass Kühlsystem des Mutterschiffs in den kurzzeitigen Urlaub zu schicken. Es würde vielleicht noch ein paar Minuten dauern, bis der Jaridian sich befreien konnte, aber das war ganz gut so. Die Zeit würde sie brauchen, um die Wege zu öffnen, die er nehmen musste, damit er an den Ort kam, an dem sich Da'an gerade befand.

T15 - Da'an/Kodriak

Zwei Wochen später hatte Da'an vom Mutterschiff einen Raum schaffen lassen, den er mit diversen Utensilien bestückte, die er seinem Projekt entnommen hatte. Er hatte dafür gesorgt, dass das Fehlen dieser Dinge möglichst nicht auffallen würde.
Da'an hatte das Mutterschiff zudem angewiesen, niemandem, außer ihm, Zugang zu diesem Raum zu gewähren, da nicht einmal sein neuer Beschützer, Liam, von seinen Plänen wusste.
Da'an wollte den jungen Kimeramischling einfach nicht in noch mehr Schwierigkeiten bringen, als dieser durch seine Tätigkeit als Beschützer ohnehin schon hatte.
Nun lag Da'an schon wieder auf der Doppelliege der Seelentransfer-Maschine; auf der anderen Liege lag ein menschlicher, männlicher Körper im Alter von etwa 26 Jahren mit schwarzen Haaren und blauen Augen. Schon ein paar Mal hatte Da'an kleinere Ausflüge in diesem Körper unternommen und nun sollte ein weiterer folgen.
Jedes Mal wenn er so unterwegs war, fühlte er sich den Menschen und damit auch Boone näher. Er hatte bereits überlegt, dem Grab seines Beschützers einen Besuch abzustatten, dies aber bald wieder als zu riskant verworfen. Ein Energieschauer lief über die Fassade des Taelons und dann schloss er die Augen um sie wenige Momente später im Körper des menschlichen Biosurrogats wieder zu öffnen. Wenig später hatte er sich für einen weiteren Ausflug ausreichend gewappnet und war durch ein Portal, das in einer Ecke des Raumes stand, verschwunden.

Kodriak war furchtbar müde und ihm war kalt. Erbärmlich kalt, aber ihm wurde wärmer und das brachte auch sein Gehirn auf Touren.
Er war gefangen, daran konnte er sich gut erinnern. Das war ein Schiff der Taelons und er war in einer Kühlkammer im Forschungsbereich. Er war sich nicht sicher, ob er wissen wollte, was die mit ihm gemacht hatten, oder lieber die Unwissenheit geniessen - denn zu wissen war bestimmt der Nachtruhe nicht sehr förderlich.
Nicht nachdenken, raus hier!
Er durchbrach die Abdeckung der Kühlkammer und sprang hinaus und gleich in Deckung, aber es war niemand hier. Nur wenige Atemzüge ruhige Verschnaufpause gönnte er sich, dann hechtete er durch die einzige offene Türe (wenn man diese, bei Bedarf membranverschlossenen, Öffnungen überhaupt als Türen bezeichnen konnte). Auch dort war niemand, es war wohl gerade Nachtruhe. Er war nicht sehr vertrauensselig, also kam ihm die zweite offene Türe schon etwas merkwürdig vor, und die dritte dann erst recht. Er hatte nur einen Weg und soetwas legte durchaus den Schluss nahe, dass das jemand plante.
Aber es half nichts, er hatte nun einmal nur diesen Weg, also nahm er ihn mit gebührender Vorsicht. Mit gerechtfertigter Vorsicht, wie er bemerkte, als er in einem Raum einen Taelon fand. Sofort hob er seine Hände, liess seine Energie in diese fliessen - und schoss. Definitiv war er lange kaltgestellt gewesen und mehr als ausgehungert, denn der Taelon lebte nach diesem Schuss noch.
Nochmal!
Doch er wurde gestört. Ein Mensch, eine Frau, sprang von der Seite zwischen den Taelon und den Jaridian und zielte mit ihrer Waffe auf diesen und feuerte einen Schuss direkt auf ihn ab. Sie hatte offenbar nicht sehr gut gezielt, denn sie hatte lediglich seinen Oberarm getroffen. Es tat ihm nicht sehr weh, aber seine Zielsetzung hatte sich verändert: Raus hier, der Taelon war nebensächlich. Seine Widersacherin allerdings nicht, er mochte nicht mit einem bewaffneten Menschen im Rücken fliehen. Also schnellte er auf sie zu, die Hände ausgestreckt und glühend, und schoss. Sie, Cleopatra Crystal, überlegte nicht lange, als sie den Jaridian auf sich zukommen sah, und versetzte ihm reflexartig, während sie sich duckte, einen gezielten Tritt in die Bauchgegend. Dabei allerdings hielt sie ihre Waffe nicht fest genug, er konnte sie ihr aus der Hand schlagen. Verzweifelt versuchte sie noch nach der eben verlorenen Waffe zu greifen, merkte aber, dass sie diese nicht mehr erwischen konnte und verpasste ihrem Gegner noch einen Tritt mitten ins Gesicht, um nicht von ihm umgebracht zu werden. Kodriak steckte auch diesen Schmerz weg, kickte die Waffe noch ein Stück weiter und rannte in eine Ecke des Raumes, in der ein Portal stand.
Er konnte es benutzen - und er tat es. Hoffentlich war das voreingestellte Ziel an einem sichereren Ort.

T15 - Zo'or

Atemlos hatte Zo'or zugesehen, wie der Jaridian den Raum mit Da'an erreichte. Schwindlig war ihr geworden - sie hatte nicht einmal gewusst, dass das bei einem Taelon möglich war - und sie hatte die Hände um die Armstützen ihres Throns verkrampft, um nicht im letzten Moment doch noch den Sicherheitsdienst zu rufen, um ihren Elter zu retten.
Retten? Nein verdammt, Da'an sollte ja sterben! Sie wollte ihn doch loswerden.
Wollte sie?
Was sie auch wollte, es war zu spät und der Jaridian feuerte auf den wehrlosen Da'an, was Zo'or die Augen zusammenkneifen ließ. Sie wollte, sie konnte das nicht sehen. Es riss schon genug an ihr, dass sie spürte, wie sich Da'an langsam aus dem Gemeinwesen entfernte.
Aber er verschwand nicht.
Mit einem hauchdünnen Fädchen blieb Da'an mit den anderen verbunden und voll Überraschung riss Zo'or die Augen wieder auf, und sah, was nun geschah: Eine Frau kämpfte mit dem Jaridian, wahrscheinlich Sandovals Agentin, und missachtete damit ihren Befehl. Sie ahnte ja nicht, wie erleichtert sich ihr Auftraggeber, ob dieses Ungehorsams nun fühlte - und würde es wohl auch nicht mehr ahnen, denn sie würde gewaltigen Ärger bekommen. Besonders deshalb, weil ihr der Jaridian nun doch entkam, auch wenn Zo'or daran nicht ganz unschuldig war. In ihrer Starre reagierte sie zu spät und der Gefangene floh durch das Portal, bevor sie es sperren konnte.
"Sha'bra", fluchte der Taelon, während er einen weiteren Datenstrom öffnete und Da'an eine Hilfsmannschaft schickte. Eine Handlung, für die sich Zo'or zutiefst hasste. Aber sie konnte nicht anders.
Um ihrer aufkeimenden Wut nun endlich gebührend nachgeben zu können, bestellte sie Agent Sandoval zu sich. Der konnte was erleben!

Sandoval, der das Übel, das ihn erwartete, schon erahnen konnte, machte sich auf den Weg zur Brücke, wo ihn Zo'or hinbeordert hatte. Er hatte das Gefühl, das etwas nicht so verlaufen zu seien schien, wie geplant. Da Zo'or ihm nichts weiter mitgeteilt hatte, ging er einfach mal davon aus, das Miss Crystal, ihre Aufgabe verbockt hatte. Mit diesem Gedanken betrat er die Brücke.
Wortlos, aber mit einer Mine, die ihr wahrscheinlich selbst Angst machen würde, wenn sie jetzt einen Spiegel zur Hand hätte, öffnete Zo'or einen Datenstrom, in dem Sie Sandoval die Aufzeichnung der letzten Minuten zeigte. Befriedigt stellte sie fest, dass sein Gesicht dabei stark an Farbe einbüßte. Als der "kleine Film" zum katastrophalen Ende kam, schloss sie die Datei wieder und wandte sich dem Agenten zu: "Wie erklären Sie sich das?"
Er hatte es ja kommen sehen. Eine einfache Aufgabe. Es war doch nun wirklich nicht schwer, zu zielen und zu treffen. Aber anscheinend, hatte er Miss Crystals Kompetenz überschätzt, und er war derjenige, der das jetzt ausbaden musste. Zu Zo'or entgegnete er nur: "Ich verstehe, was Sie meinen, Zo'or."
"Das ist ja schon beinahe mehr, als ich von ihnen erwartet habe", erwiderte Zo'or mit kaltem Spott, "Sind Sie sich im Klaren, was es bedeutet, wenn ein Jaridian frei auf der Erde herumläuft? Ich will es Ihnen sagen: Es bedeutet, er muss eliminiert werden. Töten Sie ihn, oder Sie werden es sein, der stattdessen stirbt." Und dieses mal meinte Zo'or, was sie sagte.
"Ich werde umgehend die nötigen Einheiten mobilisieren. Der Jaridian wird nicht lange genug leben, um weitere Probleme zu bereiten." Sandoval wusste, dass er mit diesen Worten bereits die Feder zum Unterzeichnen seines Todesurteils angesetzt hatte.
"Sie dürfen sich entfernen."
Sandoval tat nichts lieber als das. Schnellen Schrittes entfernte er sich von der Brücke und aus Zo'ors Reichweite.
Kaum später kam dann aus heiterem Himmel plötzlich Cleo auf die Brücke geschossen; sie musste ihren Fehler unbedingt rechtfertigen: "Sowas kann doch wirklich jedem mal passieren,
außerdem war es ja nicht meine Idee, diesen blöden Jaridian irgendwem auf den Hals zu hetzen!" Sprachs und erstarrte kurz, als sie Zo'or vor sich stehen sah, fasste sich aber gleich wieder, um nicht unprofessionell zu wirken.
Zo'or, die eigentlich gerade in Überlegungen versunken war, wie sie Agent Sandoval zusätzlich symbolisieren konnte, dass seine Position wackelte, fühlte sich mehr als gestört und betrachtete die junge Frau missbilligend. Die Hellste konnte sie ja nicht sein, sonst wüsste sie, dass sie nach diesem Fehler besser schleunigst das Weite gesucht hätte. "Ich kann mich nicht erinnern, Sie hergebeten zu haben", gab Zo'or bedrohlich ruhig zurück, "aber da Sie nun schon mal alle Stränge haben reissen lassen, dachten Sie sich wohl, ohne jegliche Befugnis auf die Brücke zu kommen könnten Sie sich heute auch noch leisten?"
Cleo richtete ihren Blick nun starr auf Zo'or, legte ihre Hände in die Hüften und musste erst einmal tief einatmen, bevor sie zu sprechen beginnen konnte: "Nun, Sie haben recht, Zo'or, ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass Sie mich gebeten hätten, hierher zu kommen, allerdings kann ich dieses dumme Ereignis nicht einfach so stehen lassen. Sie sollten eigentlich schon wissen, dass ein Mensch dazu neigt Fehler zu machen, aber dass Ihnen so etwas Gefährliches passiert wie, einen Jaridian einfach hier herumlaufen zu lassen, hätte ich nun wirklich nicht erwartet!"
Zo'or stand auf. Sie kochte inzwischen vor Wut und wusste sehr wohl, dass diese kleine Geste recht einschüchternd wirken konnte, war sich bei dieser dummen Person jedoch nicht sicher. "Ich denke nicht, dass Sie in diesem Ton mit mir sprechen sollten", grollte sie mehr als düster und verständigte beinahe beiläufig den Sicherheitsdienst, "und ich dulde auch keine Fehler. Menschen, die Fehler machen, kann ich nicht gebrauchen, und Menschen, die dann auch noch wagen, so vor mir aufzutreten, erst recht nicht." Sie winkte die erscheinenden Freiwilligen zu sich: "Nehmen Sie diese Person fest! Ich werde mich später damit befassen, welche Strafe angemessen ist. Sie brauchen sie nicht allzu schonend zu behandeln." Mitleidlos blickte Zo'or auf das Gesicht der Menschenfrau und blieb dann mit dem Blick an einem ihr wohlbekannten Freiwilligen hängen. Jetzt fiel ihr ein, wie sie Sandoval zusätzlich belasten konnte.
"Sie bleiben hier." Damit gab sie den anderen ein Zeichen, dass sie die Frau abführen durften.
Aufgebracht schrie Cleo, die gerade von den Freiwilligen mitgenommen wurde, in Richtung Zo'or: "Mich abführen? Sowas hätte ich von Agent Sandoval erwartet, aber nicht von Ihnen! So eine Frechheit!"
Aber Zo'or reagierte nicht mehr. Sie hielt es nicht für nötig, sich mit einer Person zu befassen, die in ihren Augen schon so gut wie tot war. Stattdessen, richtete sie ihr Wort an den Freiwilligen Kosimo: "Sie scheinen mir derzeit oft zu begegnen."
"Lässt sich mein Anblick noch ertragen?", fragte er. Zo'or warf einen vielsagenden Blick in die Richtung, in der Agent Crystal gerade verschwunden war. "Offensichtlich hatten Sie einen Konflikt", grinste er, "aber weshalb wollten Sie mich sprechen?"
"Weil ich mich heute mehrfach von der Inkompetenz meiner Angestellten überzeugen durfte", antwortete Zo'or, "Weil ich Ihnen ein Angebot machen möchte."
"Wirklich?", fragte der Freiwillige und strahlte sie an wie ein Kind, das gerade seine Weihnachtsgeschenke ausgepackt hatte, "Ich glaube, es wird mir gefallen."
Zo'or war leicht verwundert, wobei sie sich eigentlich langsam daran gewöhnte, in Gegenwart dieses Menschen diesen Zustand einzunehmen.
"Wären Sie bereit, sich implantieren zu lassen?", fragte sie - und das war schon ein ziemliches Privileg, sie hätte es auch einfach beschließen können - und stellte erleichtert fest, dass der Mensch verunsichert war.
"Ich bin doch implantiert."
"Das meine ich nicht", seufzte Zo'or, "Ich spreche vom CVI."
"Oh." Man konnte zusehen, wie die Denkprozesse dieses Menschen verliefen, als würden sich tatsächlich hinter der Stirn kleine Rädchen drehen, die bei gefällter Entscheidung einrasteten. "Samt Imperativ? Das behagt mir nämlich nicht."
"Unnötig", sagte Zo'or, "Sie sind so verrückt, dass ich Sie für vertrauenswürdig halte."
Der junge Mann strahlte bei diesem Satz wie ein Atomreaktor: "Das ist das Netteste, das ich seit Jahren zu hören bekommen habe."
"Bitte keine Anekdoten."
Der Mensch grinste. "Ohne den Imperativ nehme ich ihr Angebot gerne an."
"Sie werden sich den Platz als mein Beschützer mit Agent Sandoval teilen. Vorerst."
"Jawohl!", erwiderte der Freiwillige und beendete das Gespräch, indem er ging. Er war sichtlich glücklich.
Zo'or rief ihn nicht zurück. Sie war zu beschäftigt damit, den Kopf zu schütteln.

T15 - Da'an

Einige Zeit war Da'an durch die nächtlichen Straßen Washingtons gewandert, hatte in einem der zahlreichen Cafés einen Kaffee getrunken und die Menschen beobachtet. Er fühlte sich nun wesentlich entspannter als noch vor ein paar Stunden. Warum das so war, wusste er nicht, aber die bunt beleuchteten Straßen, die auch um diese Uhrzeit mit Leben erfüllt waren, hatten eine beruhigende Wirkung auf ihn.
Mittlerweile befand Da'an sich auf dem Weg zurück zum Portal, wobei er beschlossen hatte, vorher noch ein wenig am Fluss entlang zu wandern.
Fast bedauerte er es, jetzt auf das Mutterschiff zurückkehren zu müssen, doch eine zu lange Abwesenheit dort war einfach zu gefährlich. Noch während Da'an diesem Gedanken nachging, spürte er, wie seine Verbindung zum Gemeinwesen schlagartig fast gänzlich abriss, bis auf einen zum Zerreißen dünnen Faden. Zur selben Zeit spürte er etwas, das mit Schmerz im menschlichen Sinne in keinster Weise zu vergleichen war und doch einen qualvollen Schock in ihm auslöste. Noch ehe Da'an all das genau erfassen konnte, klappte er in sich zusammen. Selbst für einen entsetzten Schrei blieb ihm nicht genug Zeit.

Ein älterer Mann im dicken Mantel beobachtete dies von einer nahen Brücke aus. Schwer schwankend bewegte er sich auf die am Boden liegende Gestalt zu. Die Tatsache, dass der Alte schon seit längerem Wasser wohl nur beobachtet hatte, ohne damit in direkte Berührung zu kommen, liess den Schluss zu, dass die Nische unter dieser Brücke eine Art fester Wohnsitz für ihn war.
Schwankend verharrte der Mann vor dem am Boden liegenden und versuchte, diesen mit seinem Blick zu fixieren. "Kanscht doch hier nisch einfach - einfach so einschlafen, Jonny ...", lallte der Alte undeutlich, "Wo warscht überhaupt scho lang, Mann. Hab misch schon Schorgen um disch gemacht ... komm ..."
Mit erheblichen Schwierigkeiten versuchte er den Regungslosen unter die Brücke zu verfrachten, was erhebliche Zeit und noch mehr derbes Vokabular in Anspruch nahm, doch schließlich lagen sie beide zumindest halb im windgeschützten Bereich unter der Brücke und der Alte versank im berauschtem Tiefschlaf.

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22.09.2009 18:27
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Veria Offline
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Re:Alles - Chronologisch
T15 - Kodriak

Kodriak war frei!
Das war ein Planet und die Architektur war nicht von violetten Bögen dominiert. Aber da er annehmen konnte, dass die Taelons über seine Spezies nur Schlechtes erzählt hatten, lief er besser in eine schmale Gasse, bevor ihn jemand wirklich wahrnehmen konnte. Es war ja doch überall gleich: Viele Leute lebten zwar beieinander, kümmerten sich aber doch primär um ihre eigenen Belange.
Er spürte nun den Schmerz, den ihm die Menschenfrau auf dem Schiff beigebracht hatte, aber er hielt seine Geschwindigkeit. Wenn er diese Siedlung verlassen konnte, wäre er vielleicht in der Lage, sich abseits durch Jagd am Leben zu halten. Auf Dauer war er mit dieser Lösung natürlich nicht zufrieden, aber erst musste er mehr über diese "Menschen" erfahren. Er erinnerte sich schaudernd daran, von einigen von dieser Spezies untersucht worden zu sein, aber da war natürlich viel mehr zu wissen.
Er hielt auf einen Wald zu, in dem er sich hoffentlich gut verstecken könnte, und blieb nicht am ersten Baumstamm stehen, er lief weiter, bis er dann doch schliesslich einen Schlafplatz wählte.

T15 - Lili

Lili schreckte von einem unangenehmen Geräusch hoch und warf versehentlich ihr Kopfkissen aus dem Bett. Was zum Henker? Es war gerade mal drei!
Sie streckte sich, zog ihr Global vom Nachttisch und öffnete es. "Jaaa ..." Verdammt, sie klang wie Dornröschen - vor dem Kuss des Prinzen.
"Captain Marquette, bitte kommen Sie unverzüglich zu folgenden Koordinaten", sagte Sandoval in schroffem Ton und ohne sich daran zu stören, dass Lili wohl gerade noch geschlafen hatte. Er übermittelte ihr auch sofort die Koordinaten.
"Natürlich", unterdrückte sie ein Gähnen, doch sie redete ohnehin nur mehr mit einem schwarzen Bildschirm.
Einige Sekunden lang war Lili Marquette noch unglaublich müde, dann schaffte es der Marine in ihr, zur Kaffeemaschine zu wanken und Abhilfe zu schaffen. Wenige Minuten später war sie dann angezogen, bemerkte auch gerade noch rechtzeitig, dass die Schuhe verschiedene Farben hatten, und verliess schliesslich ihre Wohnung.
Wenigstens hatte Sandoval ihr Portalkoordinaten gegeben, sich ins Auto zu setzen traute sie sich trotz Kaffee gerade nicht zu. Als sie ankam, sah sie eine biedere Vorstadt, wie aus den Seifenopern im Vorabendprogramm - und was war hier? Das zu erwähnen, hatte Sandoval leider unterlassen.
Sie wartete nicht lange, kaum hatte sie sich umgesehen, stieg Sandoval aus einem schwarzen Kleintransporter, der ganz in der Nähe des Portals parkte, und kam zu ihr herüber. "Guten Morgen", grüßte er sie in etwas beiläufigem Ton.
"Gute Nacht", gab sie zurück, "Wonach suchen wir?"
"Nun", begann er, "wir suchen einen entflohenen Gefangenen, der vor einigen Stunden vom Mutterschiff entkommen ist. Er ist höchst gefährlich und nicht menschlich." Er sah sie an, zog darauf sein Global heraus, tippte kurz darauf herum und zeigte ihr ein Abbild des Flüchtigen. "Es handelt sich bei dieser Kreatur um einen Jaridian." Jaridian. Lili nickte. Von denen stammten also die ganzen lästigen Sonden. "Es gibt bereits einige Augenzeugen, welche ausgesagt haben, dass eine Kreatur, auf die die Beschreibung des Jaridian passt, durch dieses Portal gekommen sei", fuhr Sandoval fort, "Meine Leute befragen sie noch, aber ich glaube kaum, dass sie mehr wissen, als sie bereits gesagt haben. Desweiteren wurde bereits das gesamte Viertel weiträumig abgesperrt. Es wird also nicht besonders einfach für ihn, das Gelände zu verlassen."
"Nicht, wenn er schon draussen ist. Wir wissen nicht, wie schnell so ein Jaridian ist."
"Unwarscheinlich", entgegnete Sandoval, "nach Zeugenaussagen ist er nach Osten unterwegs und hat sich wahrscheinlich im Wald versteckt. Ich habe veranlasst, dass man das Gelände absucht. Bereits in diesem Moment sind Einsatzkräfte mit ihren Spürhunden vor Ort."
"Ich werde mitsuchen", beschloss Lili, besonders mit dem Gedanken, den Jaridian zum Widerstand statt zu Sandoval zu bringen.
Sandoval entließ sie mit einer Handbewegung. "Erstatten Sie mir regelmäßig Bericht!", wies er sie an und ging zurück zu dem Kleintransporter, wo bereits ein schwarz gekleideter Agent auf ihn wartete.
Lili dachte sich ein paar Schimpfworte, öffnete ihr Global und fragte die Positionen der Einsatzkräfte ab, dann marschierte sie zügig los. Wenig später hörte sie erst einen Schuss und kaum darauf einen erstaunten Ruf, den sie leider nicht genau verstehen konnte. Sie lief schneller.

T15 - Kodriak

Sein Schlaf währte allerdings nicht lange, er hörte etwas ... wie leises Schnaufen. Das waren Tiere, auf der Jagd ... nach ihm? Er lief los, vor ihnen davon, wobei er versuchte, selbst in dieser tiefdunklen Nacht nicht zu viele Spuren zu hinterlassen.
Einer der Hunde bellte kurz auf und siegnalisierte seinem Herrchen, dass er die Witterung von etwas aufgenommen hatte. Der Hundeführer winkte zu seinen acht Begleitern, diese kamen rasch zu ihm. Der Mann wies den Hund an, loszulaufen, was dieser auch tat. Die Männer folgtem dem Tier mit geringem Abstand. Die Beute floh eilig und schlug Haken. Der Hund war gut ausgebildet worden und so machte es ihm nichts aus, diese zickzack laufende Beute, zu verfolgen. Einer der Männer sah eine Bewegung hinter einem der Bäume, legte sein Gewehr an und versuchte zu zielen, was aber nicht besonders einfach war, das Dickicht der Bäume war einfach zu stark um genau zielen zu können. Er schoss trotzdem.
Kodriak hörte den Knall und warf sich zur Seite, getroffen war er nicht. Das waren nicht nur Tiere! Er wandte sich halb um, peilte nach dem lautesten Schnaufen, hob seine Hände und schoss zurück.
Der Schütze sah das Leuchten. 'Eine Tachenlampe?', dachte er. Nein! Das Leuchten kam näher! Er konnte gerade noch schnell genug reagieren und zur Seite springen. "Was war das?", rief er seinen Kameraden zu. Diese ignorierten ihn, um ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und erwiderten das Feuer. Allerdings wusste der Jaridian sehr wohl, dass man durch einen Schuss die eigene Position preisgab, er war nicht wenig von jener Position abgewichen. Er schoss nicht wieder, er rannte davon. Er! Ein Krieger! Aber er kannte diese Welt und die Menschen nicht.
Einer der Männer griff nach seinem Funkgerät. "Hier Einheit Bravo! Haben Subjekt gesichtet! Bewegt sich in Richtung Norden! Haben Verfolgung aufgenommen!", rief er hektisch und in kurzen Sätzen.
"Verstanden", entgegnete eine Stimme am anderen Ende, "Brauchen Sie Verstärkung?"
"Positiv!", antwortete er und machte sich daran, den Anschluss an seine Kameraden nicht zu verlieren, die immer wieder auf den Flüchtigen schossen.
"Verstärkung ist unterwegs, Einheit Bravo, over."
Kodriak hatte das Gespräch nicht gehört, dafür war er zu weit entfernt, doch die Schüsse kamen ihm gefährlich nahe. Er hechtete hinter einen Baum, atmete tief durch und richtete seine Handflächen auf den Waldboden, auf den er dann so heiss wie möglich schoss. Vor den dann lodernden Flammen sprang er eiligst davon. Hoffentlich hielt das die Menschen und ihre Jagdtiere auf.
Die Hunde wichen erschrocken vor dem Feuer zurück, die Männer stoppten ebenfalls. Der Gruppenführer griff erneut zu seinem Funkgerät: "Hier Einheit Bravo! Ein Feuer versperrt uns den Weg! Ich wiederhole: Ein Feuer versperrt den Weg! Subjekt flieht weiter Richtung Norden!"
"Verstanden, Einheit Bravo!"

T15 - Jagd

Lili kam dem vermuteten Weg des Jaridians weit schneller näher als die weitere Gruppe, die vorhin vom Waldrand gestartet war. Doch dann bemerkte Lili überrascht einen Waldbrand und blieb verdutzt stehen. Sie schätzte ab, wo der Jaridian sein musste, und kam zu dem Schluss, dass er auf diese Art seinen Verfolgern den Weg abschnitt. Lili musste an diesem Feuer vorbei! Sie rannte, als ginge es um ihr Leben, und meldete sich zugleich noch bei ihrem Vorgesetzten: "Sandoval, der Jaridian hat den Wald angezündet!"
"Danke, ich werde sofort die Feuerwehr informieren", erwiderte er sichtlich wenig erfreut.
Gerade einen Moment später hörte sie die Meldung auch von den anderen: "Hier Einheit Bravo! Ein Feuer versperrt uns den Weg! Ich wiederhole: Ein Feuer versperrt den Weg! Subjekt flieht weiter Richtung Norden!", und darauf: "Verstanden, Einheit Bravo!"
Wie immer sehr wortreich.

Lili kam tatsächlich am Feuer vorbei und entkam gerade noch einem Schuss des Jaridian, indem sie sich sehr unangenehm hinter einen Baumstamm warf. Verdammt! Wie sagte sie ihm, dass sie nicht sein Feind war? Wo war ihr Global? Ah, da lag es. Sie streckte ihre Hände aus, hielt aber sofort inne, als sie deutlich Kodriaks Shaqarava sah. "Hallo", sagte sie vorsichtig, "kann ich das haben?"
"Mensch, du jagst mich!", knurrte er, "Du gehörst zu den Taelons!"
"Nein!", widersprach Lili energisch und folgte mit ihrem Blick dem Global, das der Jaridian mit einer Hand an sich nahm und betrachtete. Natürlich erkannte er die Symbole als Personen. "Ich weiss, wie Sie entkommen können!", erklärte Lili.
"Sehr gut!", grinste er und packte sie hinten am Kragen, er zog sie hoch.
Schüsse zischten an ihnen vorbei, die den Soldaten zugesicherte Verstärkung näherte sich rasch von Norden. Lili riss den Jaridian sofort zu sich, dass sie übereinanderkugelten, aber immerhin nicht getroffen wurden. "Wir sind in der Zange, die von Norden, das Feuer von Süden", sagte sie hektisch, "Kommen Sie!" Sie rappelte sich hoch und zog ihn nach Westen. "Und lassen Sie das verdammte Global los, man kann uns anpeilen!" Kodriak warf das Gerät von sich, streckte eine Hand den neuen Verfolgern entgegen und schoss, dann lief er mit seiner Begleiterin zurück in Richtung der Häuser. Sie lockte ihn in eine Falle, so musste es sein!
Er konnte ihr nicht folgen. Er liess sie einen halben Schritt voraus, dann legte er ihr eine Hand auf den Hinterkopf und liess
seine Hand leicht glühen, worauf die Menschenfrau vornüber auf den Boden kippte. Kodriak zog weiter an und rannte einen weiten Bogen, dann begann er, seine Verfolger gezielt anzugreifen, welche sich allerdings von der Gegenwehr ihrer Beute wenig beeindruckt zeigten. Sie verteilten sich, gingen hinter den Bäumen in Deckung und erwiderten das Feuer. Einer der Spürhunde wurde von einem solchen Leuchten getroffen, er begann zu jaulen und zu winseln und verendente kurz darauf kläglich.
Einer der Menschen schrie: "Verdammtes Drecksvieh!", womit er wohl Kodriak meinte, und schoss wie ein Wahnsinniger. Vielleicht war das eine gute Ablenkung: Kodriak verschwand hinter einem Baum, kletterte schnell auf selbigen, zielte wieder auf den Waldboden und legte somit ein weiteres Feuer.
Und dann wartete er ruhig, still und leise.
Der Gruppenführer nahm Kontakt zur Basis auf: "Hier Einheit Delta! Ein weiteres Feuer ist ausgebrochen! Wiederhole: Ein weiteres Feuer! Haben Sichtkontakt verloren! Erbitte Anweisungen!"
"Einheit Delta, Feuerwehr ist unterwegs!", antwortete der Mann am anderen Ende, "Halten Sie die Stellung! Wie sind Ihre Koordinaten?"
Der Soldat gab seine Koordinaten durch.
"Verstanden! Verstärkung wird von Westen anrücken! Halten Sie durch, Basis over." Der Soldat bedeutete seinen Kameraden in der für das Militär üblichen Zeichensprache, dass sie die Stellung halten sollten, und die Männer gehorchten, gingen ein Stück abseits des Feuers in Deckung und verhielten sich ruhig.
Verdammt! Hoffentlich zogen sie sich vor dem Feuer zurück, bevor Kodriak hier oben verbrannte. Er war dem Feuer ja ein gutes Stück näher.
Nein, sie rührten sich tatsächlich nicht.
Kodriak spähte aus und versuchte, seine Gegner auszumachen. Die meisten waren wohl gut versteckt, aber zwei konnte er sehen. Er schoss auf beide, mindestens einen traf er auch, denn es schrie jemand. Und das war auch nicht alles an Lärm - laute Sirenen erklangen. Sollten noch mehr Menschen ihn verfolgen?
Tatsächlich war natürlich die Feuerwehr da und begann sofort mit den Löscharbeiten. Die Soldaten wurden unruhiger - rührten sich jedoch nicht. Dann gab ihnen ihr Gruppenführer ein Zeichen, worauf sich einige der Soldaten, denen das Feuer bereits gefährlich nahe gekommen war, geduckt zurück zogen, aber nur soweit, um sich gleich darauf wieder in Stellung zu bringen.
Die Taelons hatten diese Welt offensichtlich sehr gut im Griff. Kodriak hob seine Hände und schoss eine volle Breitseite auf die vermutete Linie der Menschen in Deckung ab, jene hatten ihre Stellung allerdings gerade rechtzeitig verlassen. Er hatte keine Zeit mehr! Sie zogen sich zurück, er schoss wieder, dann sprang er vom Baum und hechtete eilig in Deckung, während er ein weiteres Mal schoss.
Er konnte kaum mehr sehen, wohin er schoss, also liess er es und bewegte sich möglichst bodennah und leise zwischen den Menschen zu seiner Linken und dem Feuer zu seiner Rechten. So viele Menschen konnten es nicht sein, hoffentlich.
"Basis an alle Einheiten!", ertönte es aus dem Funkgerät des Gruppenführers, "Sofortiger Rückzug aus dem Brandgebiet! Der Brand breitet sich weiter aus! Ich wiederhole: Alle Einheiten sofort zurückziehen!" Die Soldaten taten nichts lieber als das.
Da lag die Menschenfrau, noch immer bewusstlos. Kodriak hob sie sich auf die Schultern und eilte weiter. Und dann war links plötzlich frei! Die Menschen zogen sich vor dem Feuer zurück, der Jaridian nahm die Gelegenheit wahr, die heisse Gegend ebenfalls zu verlassen. Er musste zwar vor zwei heissen Fronten fliehen, doch das war nicht sehr schwierig. Wenig später erreichte Kodriak eine Gruppe von Gebäuden, in einem davon versteckte er sich dann.

T15 - Sandoval

'Na das war ja hervoragend gelaufen', dachte Sandoval abfällig. Der Tag hatte ja auch nicht sonderlich vielversprechend angefangen. Diese 'Jagd', wenn man sie denn so bezeichnen wollte, war alles andere als 'nach Plan' verlaufen. Einige sehr gute Offiziere waren getötet worden, das Feuer loderte immer noch, der Jaridian war entkommen, Captain Marquette ging nicht an ihr Global und zu allem Überfluß würde Zo'or ihm auch noch eine Standpauke halten. Aber vielleicht kam es gar nicht mehr dazu und Zo'or hatte das ganze vom Mutterschiff aus verfolgt und soeben seine Erschiessung angeordnet.
Wie dem auch sei, er hatte keineswegs vor, jetzt schon aufzugeben. Denn selbst wenn er die Schlacht verloren hatte, denn Krieg würde er nicht verlieren. Mit diesem Gedanken machte er sich daran, die Fahndung nach dem Jaridian einzuleiten. Als erstes nahm er Kontakt zu Lieutenant Beckett auf: "Lieutenant Beckett, ich benötige Ihre Unterstützung in einer dringenden Angelegenheit."
Sie sah kein bisschen müde aus, wenngleich der Pyjama deutlich machte, wo sie gerade gewesen war. "Agent Sandoval", lächelte sie freundlich, "Ich hatte nicht erwartet, wenngleich gehofft, von Ihnen einen nächtlichen Anruf zu bekommen. Worum geht es?"
"Nicht über Global, bitte kommen Sie hierher nach Washington, nach Forest Hills, ich gebe Ihnen die Koordinaten. Alles Weitere erfahren Sie, wenn Sie hier sind", gab er nur knapp zurück.
"Natürlich, wie Sie es wünschen, Agent Sandoval." Sie schmunzelte leicht und gab einen hübschen Augenaufschlag zum Besten, dann schob sie ihr Global zu und Sandovals war schwarz.
Gleich darauf wählte er die nächste Nummer. Es war die Nummer von Liam Kincaid. Dieser nahm auch fast sofort ab. Er war müde und nicht erfreut, Sandoval zu sehen. "Agent Sandoval. Schön Sie zu sehen, was gibt's?"
"Es ist etwas vorgefallen und ich benötige Ihre Unterstützung. Kommen Sie unverzüglich zu folgenden Koordinaten", er übermittelte Liam selbige und beendete die Verbindung. Als letztes verständigte er noch die örtliche Polizeidienststelle. Jede Untersützung war hilfreich, um dieses Theater baldmöglichst zu beenden.
Es dauerte alles andere als lange, bis sich das Portal aktivierte und Siobhán Beckett darin erschien. Kurz sah sie sich um, dann marschierte sie zum schwarzen Kleintransporter und begrüsste Sandoval freundlich lächelnd: "Ich bin hier, Sie können mir erklären, worum es geht, Agent Sandoval."
"Gut, dass Sie da sind", begrüßte er sie emotionslos. "Es geht um einen entflohenen Gefangenen," er zeigte ihr wie zuvor Lili das Abbild des Jaridian auf seinem Global."Es handelt sich bei dieser Kreatur ..."
"... um einen Jaridian, ich weiss", nickte Siobhán, "die Feinde der Taelons, sie verfügen über Shaqarava und sind sehr gefährlich. Das müssen Sie mir nicht sagen, ich bin ebenso informiert wie Sie."
Sandoval zog eine Augenbraue hoch, beließ es jedoch dabei. "Gut, dass Sie bereits informiert sind, das spart Zeit. Fakt ist, dass er uns entkommen ist und sich jetzt irgendwo in diesem Stadtteil aufhält. Dieses Viertel ist nun vollständig abgesperrt. An den Highways sind Kontrollanten im Einsatz, ich glaube zwar kaum, dass er so entkommen will, aber sicher ist sicher", begann er sie über die Lage in Kenntnis zu setzten. Doch die Aktivierung des Portals unterbrach ihn.
Liam hatte wesentlich länger als seine Mutter gebraucht um aus seiner Wohnung und zu den angegeben Koordinaten zu kommen. Dafür hatte er umso schneller verstanden, wo er hin musste und leistete kurz darauf Sandoval und Beckett Gesellschaft. "Hab ich was verpasst?"
Siobhán bedeutete mit einer knappen Handbewegung, dass das Sandovals Show war. Sie würde nur zusehen.
Er sah Liam nur kurz an und fuhr dann einfach fort: "Ich habe bereits Truppen beauftragt, in diesem Viertel zu patrouillieren. Die örtliche Polizei hat ebenfalls ihre Unterstützung zugesichert", er zeigte Liam das gleiche Bild, das er zuvor Beckett gezeigt hatte "Der Flüchtige, denn wir suchen, Major."
Irgendwie hatte der Angesprochene das Gefühl, Sandoval mochte ihn nicht. Das konnte er sich gar nicht erklären, aber um einen guten Eindruck zu machen nickte er pflichtbewusst.
"Der Jaridian ist gefährlich und hat schon einige Menschen getötet, also seien Sie vorsichtig!", wies er die beiden an. Im selben Moment meldete sich sein Global und forderte seine Aufmerksamkeit. Sandoval wollte gar nicht wissen, wer das war - aber er wusste es: Zo'or. Durch einen Blick auf das Display bestätigte sich eine Vermutung. Etwas widerwillig nahm er das Gespräch entgegen: "Ja, Zo'or."
"Agent Sandoval. Finden Sie sich auf der Brücke ein", erklang es aus dem Gerät.
Was auch immer Zo'or jetzt von ihm wollte, es war bestimmt nichts Gutes. Sandoval bestätigte nur mit einen kurz angebundenen "Jawohl, Zo'or" und begab sich zum Portal. Siobhán sah ihm fast mitleidig nach, bis er schliesslich im Licht der Interdimension verschwand.

T15 - T'than

T'than, der von dem peinlichen Ausgang der Mission natürlich Wind bekommen hatte, wollte sich den Konflikt zwischen Zo'or und dieser Menschenfrau irgendwie zu nutze machen. Die Tatsache, dass sie ihre Aufgabe nicht unbedingt mit herausragendem Erfolg bewältigt hatte, störte ihn nicht weiter. Die Hauptsache war, dass er Zo'or ärgern konnte, indem er ihm gar nicht mehr die Gelegenheit gab, diese Frau zu bestrafen. T'than ging gleich zu der Arrestzelle, in der sich Agent Crystal aufhielt, um ihr ein Angebot zu unterbreiten. Zo'or darüber zu informieren hielt er dabei für unnötig.
"Agent Crystal", sprach er die junge Frau an, "wie ich sehe, ist ihr erster Kontakt mit Zo'or nicht besonders gut verlaufen." Er grinste Cleo hämisch an.
"So sieht's aus", erwiderte sie kurz und knapp.
"Nun, ... ich mache Ihnen einen Vorschlag, der Sie vermutlich vor Ihrem Todesurteil retten könnte. Arbeiten Sie für mich und Sie sind frei!"
Cleo sah ihn an und dachte kurz darüber nach, ob er das, was er da von sich gab, auch wirklich ernst meinen konnte. Sie überlegte was ihre Alternative wäre: der sichere Tod. "Gut, ich werde für Sie arbeiten, T'than. Lassen Sie mich jetzt raus?"
Er befreite Cleo aus der Zelle und forderte sie auf, ihm zu folgen.
Brav ging sie hinter ihm her, ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, was ihr noch alles bevorstand. "Ohne ein CVI kann ich Sie natürlich nicht für mich arbeiten lassen. Sie erhalten auch einen Skrill", sagte er in bestimmendem Ton, ohne einen Widerspruch ihrerseits zuzulassen.
"Natürlich, T'than", sagte Cleo mit leicht eingeschüchterter Stimme. Sie hatte nicht vor ihr Leben gleich wieder auf's Spiel zu setzen, indem sie einem Taelon sagte, was sie wirklich dachte. Sie würde sich wohl in Zukunft etwas zurückhalten müssen.

T15 - Zo'or

Aufmerksam beobachtete Zo'or ihren neuen Implantanten. Er war ungewöhnlich still - zumindest stiller, als sie ihn sonst erlebt hatte - und musterte sein Umfeld, als hätte das CVI alles verzaubert. Mit leisem Kopfschütteln musste Zo'or feststellen, dass der Mensch einfach glücklich aussah - nicht dass sie das hatte erzielen wollen. Aber ein klitzekleines Bisschen freute sie sich darüber.
Noch mehr jedoch freute sie sich auf den Schrecken, den sie Sandoval gleich einjagen würde, indem sie ihm den neuen Konkurrenten vorstellte. Nur müsste er dazu erst einmal da sein. Nein! Zuerst mal musste sie ihn rufen! "Agent Sandoval. Finden Sie sich auf der Brücke ein", gab sie ihm zu verstehen und fügte das "In spätestens fünf Minuten" nicht mehr an. Es erübrigte sich aufgrund ihres gereizten Tonfalls.
"Dass Sie aber auch immer unzufrieden wirken, Zo'or", seufzte ihr neuer Implantant Álkarez. Ein unangenehmer Nachname, fand Zo'or.

Schon wieder so eine nette Aufforderung von Zo'or, dachte sich Sandoval auf seinem Weg zur Brücke. Er erreichte diese auch in kürzester Zeit. "Ja, Zo'or", war das einzige, was er sagte. Noch im selben Moment bemerkte er, dass da noch jemand war, mit dem sich Zo'or gerade zu unterhalten schien. Der vorlaute Freiwillige! Sandoval war nicht im Geringsten daran interessiert, was der hier zu suchen hatte. Er zeigte sich auch dementsprechend gleichgültig.
"Agent Sandoval! Dies hier ist Kosimo Álkarez", sagte sie im beinahe milden Ton, wobei sie etwas verwundert feststellte, dass der ehemalige Freiwillige das Gesicht verzog, sie fragte nach: "Haben Sie ein Problem?"
"Ich hasse diesen Namen."
"Tatsächlich?", fragte Zo'or, die Anwesenheit Sandovals bewusst ignorierend, "Und weshalb sind Sie der Meinung, das hier kundtun zu müssen?"
"Weil Sie gefragt haben, Zo'or", erwiderte er humorvoll und um ein Haar hätte Zo'or gelächelt. Zum Glück kam es soweit nicht.
"Wie auch immer. Agent Sandoval, dies ist Ihr neuer Kollege. Er nimmt ebenfalls den Platz als mein Beschützer ein - zur Not auch als Ihre endgültige Ablösung. Es sei denn, Sie sind wider Erwarten in der Lage, den Jaridian zu beseitigen. Haben Sie schon irgendwelche Erfolge in dieser Sache zu verzeichnen?" Die Frage war gemein und das wusste sie. Immerhin hatte Sandoval den Auftrag noch nicht sonderlich lange inne.
'Der soll mich ersetzen?', dachte Sandoval abfällig, 'diese halbe Portion - ist ja lächerlich!', zu Zo'or jedoch sagte er, in gewohnt ruhiger, fast schon gleichgültiger Art "Um Ihre Frage zu beantworten, Zo'or: Ja, ich habe bereits Fortschritte erzielt. Es gibt Augenzeugen, die den Jaridian gesehen haben. Meine Leute gehen der Sache nach." Sandoval ignorierte gekonnt Zo'ors Versuch, ihn mit dem Konzept 'Neuer Partner, der ihn ersetzen sollte' zu reizen. Er blieb weiterhin vollkommen gelassen und würdigte Kosimo nicht eines Blickes.
"In dieser Sache ist höchste Eile geboten", erinnerte Zo'or ungnädig, "Enttäuschen Sie mich besser nicht." Sie warf wieder einen Seitenblick zu Kosimo (wesentlich angenehmerer Name) und sah diesen ein wenig schadenfroh grinsen. Richtig so. Aber auch klug genug, keine eigene Idee einzubringen war er, denn ein dummer Vorschlag könnte ihn sofort wieder seiner guten Position berauben. Besser Schweigen als Übereifer. Aus dem Kerl könnte was werden - wobei Zo'or am Wichtigsten war, dass sein Imperativ, von dem er nicht einmal etwas ahnte, ihn zu absoluter Loyalität ihr gegenüber verpflichtete. Nicht den Taelons gegenüber, nur ihr. "Ich erwarte baldige Erfolge, Agent Sandoval", damit entließ sie den Agenten mit einer unausgesprochenen Drohung, "Wenn Sie mir nichts mehr zu sagen haben, dann dürfen Sie wieder gehen. Bis Sie Ihren Auftrag abgeschlossen haben, wird Ihr neuer Kollege Ihre meisten Dienste auf dem Mutterschiff übernehmen."
Ohne ein weiteres Wort entfernte sich Sandoval von der Brücke. Er wusste genau, dass das ein gefährliches Spiel war, aber er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Zo'or ihn tatsächlich durch diesen Hanswurst ersetzen würde. Da er es jedoch nicht darauf ankommen lassen wollte und ihm im Grunde genommen keine Wahl blieb, machte er sich daran, diese bisher katastrophal verlaufene Jagd sobald wie möglich zu beenden.

"Sie sind schadenfroh", stellte Zo'or an Kosimo gewandt fest und war wirklich gespannt, ob er sich rechtfertigen würde.
"Ich weiß, ist kein schöner Zug von mir. Ich habe mich deswegen auch schon mal bei meinen Eltern beschwert - ich meine, die haben zu verantworten, wie und was ich bin."
"Wenn's nur so wäre", murmelte Zo'or düster und sah die Möglichkeit, Da'an die Schuld an allem, was sie je getan hatte, zu geben, davonfliegen.
"Jedenfalls haben Sie mir gesagt: Da ist nichts mehr zu machen. Das vierzehntägige Rückgaberecht sei schon abgelaufen."
Rasch drehte Zo'or den Kopf in eine andere Richtung, als ihr doch eine halbe Sekunde lang ein Lächeln übers Gesicht schlich, aber gesehen hatte der verdammte Mensch es wohl trotzdem. Er guckte so zufrieden. "Ich sagte doch: Ich will keine Anekdoten hören und erfundene schon gar nicht."
"Sie könnten mir ja auch etwas erzählen. Man weiß ja so wenig über die Taelons als Mensch. Und gar nichts über ein Privatleben."
"Ich bin keine Klatschzeitschrift", versetzte Zo'or mahnend, "Gehen Sie."
Und er gehorchte.

T15 - Cleo

Nach erfolgreicher Implantation gab T'than ihr auch schon die erste Anweisung. Sie sollte sich mal schlau machen, wie weit Zo'or denn mit der Suche nach dem Jaridian schon vorangekommen war. "Agent Crystal, tun Sie sich selbst einen Gefallen und fragen Sie nicht Zo'or direkt! Sie wollen doch mit Sicherheit nicht schon wieder Ihr Leben riskieren?", mit strengem Blick wies er Cleo ausdrücklich darauf hin.
"Sehr wohl, T'than, ich kümmere mich sofort darum", bestätigte sie seinen Befehl und ging.

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Beitrag: #5
Re:Alles - Chronologisch
T15 - Liam

Hätte Liam sich eine sichtbare Gefühlsregung erlaubt, wäre es mit Sicherheit nicht wie bei Siobhán Mitleid gewesen. Eher war er erleichtert, dass Sandoval fort war, obwohl er natürlich niemandem Zo'ors Gegenwart wünschte. Er warf einen verstohlenen Blick zu seiner Mutter, aber nur einen kurzen Augenblick. Das hier war kein Familientreffen, stattdessen sollte er sich Gedanken um den Jaridian und darum, wie er ihn am unauffälligsten zum Widerstand verfrachten konnte, machen. Mit einem leicht fragenden Blick wandte er sich an Siobhán: "Irgendein Plan, oder eine Strategie, die Sie für effektiv halten diesen Außerirdischen zu fassen, bevor er noch mehr Schaden anrichtet?"
"Es wäre gut zu wissen, wie die Einsatzkräfte platziert sind", sagte sie und griff nach ihrem Global. Wie erwartet hatte sie den Zugriff auf ein lokales Informationsnetz, dessen Informationen sie schnell mit Hilfe ihres CVI mit dem Terrain in Deckung brachte. "Der Jaridian hat wohl kaum die Möglichkeit, den Wald zu verlassen, was wohl bedeutet, dass er nach Norden geht. Stimmen Sie mir da zu, Major Kincaid?"
Liam nickte nachdenklich. Es war naheliegend, trotzdem traute er der Sache nicht so ganz. "Gut, gehen Sie nach Norden. Ich werde mich über Zufluchtsmöglichkeiten außerhalb des Waldes, die er erreicht haben könnte, erkundigen und sicher gehen, dass er dort weder ist, noch sie erreichen kann. Wir sollten ihn nicht unterschätzen, bisher ist unser einziger Vorteil unsere zahlenmäßige Überlegenheit." Egal wie, er musste an diesen Jaridian eher kommen, als es die Taelons konnten. Am besten kontaktierte er auch noch Lili, um sich mit ihr abzusprechen.
Siobhán nickte ihm knapp zu und marschierte los, nach Norden, wo sie an des Jaridians Stelle jetzt wohl wäre. Sollte Kincaid sich doch um die unwahrscheinliche Möglichkeit, dass der Jaridian den Kreis durchbräche, kümmern, dann würde eben sie den Flüchtigen finden.

Liam nickte kurz zurück, bevor er sein Global hervor holte und Lilis Nummer wählte. Sie wusste bestimmt ebenfalls, was geschehen war, und wäre eine Verbündete darin, den Jaridian in Sicherheit zu bringen - doch sie meldete sie nicht. 'Komm schon, Lili!', dachte er nachdrücklich, aber auch das rief sie nicht ans Global. Er machte sich Sorgen. Entweder konnte sie den Anruf nicht entgegen nehmen, weil sie zu sehr mit der Verfolgung beschäftigt war, oder es war etwas passiert. Auf jeden Fall musste er wissen wo sie war.
Die nächste Nummer die er wählte war die Augurs.
Ein reichlich beschäftigtes "Jaaaa?" drang einen Augenblick später aus dem Global, der Hacker sah auch immer noch auf irgendeinen wichtigeren Bildschirm.
"Augur? Hier ist Liam. Lilis Global ist tot", teilte Liam kurz mit.
Augur war nun voll da. "Wird sofort erledigt, Liam.", seine Finger flogen nur so über die Tastatur, "Also", fuhr er fort, "so wie ich das sehe, ist Lili's Global, unweit deiner Position vom Netz gegangen. Hier hast du die letzten GPS Koordinaten, die ihr Global gesendet hat - falls dir das weiter hilft. Leider kann ich derzeit nichts weiter für dich tun. Ich wünsch dir trotzdem viel Glück."
Das war nicht die Antwort die Liam sich erhofft hatte. "Trotzdem danke, Augur. Sobald sich etwas ändert, sagst du mir Bescheid, in Ordnung?"
"Umgehend", nickte Augur, "aber ich habe nicht nur das zu tun! Ausserdem ist Lili erwachsen, ganz im Gegensatz zu dir." Damit war die Verbindung beendet.
Liam nickte nur kurz, hatte aber keine Zeit mehr sich für die gegebenen Informationen zu bedanken, würde sich allerdings zu einem späteren Zeitpunkt bei Augur dafür erkenntlich zeigen. Er rief noch einmal den Plan der Umgebung auf und dachte über Siobháns Worte nach. Sie würde den Jaridian Richtung Norden verfolgen, Lili wäre wahrscheinlich ebenfalls auf dem Weg dorthin. Wenn er durchgebrochen war, müsste er jetzt in Siedlungsgebieten herumirren und wäre da alles andere als unauffällig, aber Liam konnte nicht wissen, ob er es wirklich geschafft hatte.
Der Kimera würde zu gerne wissen wo Lili jetzt war.
Vorerst kam er allerdings zu dem Entschluss, dass es am besten war, nicht Richtung Norden zu laufen, sondern aus Norden zu kommen. Er konnte das Risiko nicht eingehen, dass die Taelons den Jaridian eher in ihre Hände bekamen als er. Also stellte er sich in das nächste Portal und gab die Koordinaten an, die ihn so nahe wie möglich an das Gelände heran bringen würden. Nur Sekundenbruchteile später war er an seinem Ziel angekommen, orientierte sich kurz und ging dann nach Süden, den Einsatzkräften entgegen.
Die Waffe in der Hand schlich er sich von einem Schatten zum anderen, versuchte dabei so leise wie möglich zu sein und konzentrierte sich auf die Geräusche um ihn herum.
War es eine schlechte Idee nach dem Jaridian zu rufen und ihm laut mitzuteilen, dass er dem Widerstand angehörte?

T15 - Siobhán

Die irische Implantantin war kaum die halbe Strecke weit gekommen, als die erste Meldung bei ihr einging: "Ma'am, wir haben etwas gefunden."
Vor ihrem inneren Auge zeigten sich Militärausweise und sie identifizierte ihren Gesprächspartner als Herman Malcolm. "Und was, Sergeant?", blaffte sie ihn an. Wenn er nichts gefunden hätte, würde er sie wohl kaum anrufen.
"Jetzt, wo das Feuer gelöscht ist ...", begann er, doch als er ihren durchdringenden Blick spürte, schluckte er und beeilte sich, zu sagen: "Wir haben ein Global im Brandgebiet gefunden, es ist das von Captain Marquette."
"Was ist mit ihr?", zog sie ihm aus der Nase.
"Sie war nicht dort, weder lebend noch tot", sagte Herman, "Das Monster muss sie haben."
"Haben Sie auch eine Richtung?"
"Norden."
Gut, dorthin war Siobhán ja unterwegs. Sie knallte das Global zu und marschierte mit ungeminderter Geschwindigkeit weiter. Als sie ein Gebäude ausmachen konnte, wurde sie allerdings langsamer, sie wollte nicht riskieren, den Jaridian auf sich aufmerksam zu machen. Leise huschte sie näher.

T15 - Kosimo

Die Gewöhnung an das CVI war schwieriger, als Ko das angenommen hatte. Die Verbesserungen in seinen Wahrnehmungen und Erinnerungen waren teilweise weniger nützlich als lästig - und doch von intensiver Faszination. Er konnte die einfachsten Dinge oder Situationen betrachten und so unendlich viel aufnehmen und verstehen wie nie zuvor - aber das war ja auch der Sinn des Implantats.
Er hatte Recht gehabt, seine Arbeitszeiten waren zu etwas sehr Dehnbarem geworden - ganz nach Zo'ors Belieben. Dafür bekam er aber auch überaus interessante Informationen, von denen der durchschnittliche Mensch nur träumen konnte, was ihn irgendwie stolz machte. Er hatte schon immer gerne viel gewusst - aber nie viel weitergeben wollen.
Besonders interessant war der Punkt mit dem Jaridian - eines der ersten Dinge, die Ko von Zo'or erfahren hatte. "Sollte Sandoval versagen oder zu versagen drohen, dann ist es Ihre Aufgabe, das Problem zu beseitigen, und glauben Sie nicht, dass ich Sie geringer für einen Misserfolg bestrafe", hatte sie gesagt und Ko hatte genickt: "Das kann ich gut verstehen, Zo'or."
"Sie verstehen, dass ich Sie dafür töten lassen würde?"
"Ja. Damit kann ich gut leben." Noch jetzt grinste er über ihr Gesicht dabei.
"Da sind Sie ja, Kosimo. Ich darf Sie doch so nennen?", kam es zynisch von Agent Crystal. Kurz darauf änderte sie ihre Haltung und sah Ko unbewusst mit schönen Augen an. Cleo konnte sich nicht helfen, aber irgendetwas gefiel ihr an ihm. "Hören Sie, Sie wissen doch bestimmt, was für ein Problem dieser Jaridian darstellt, nicht wahr?", fragte sie ihn.
"Was wissen Sie von einem Jaridian? Sollten Sie nicht tot sein?", fragte der junge Mann ein wenig überfahren und wahrscheinlich unfreundlicher als nötig. Er erinnerte sich vage - und nur dank des CVIs, dass sie es gewesen war, die die Aufgabe gehabt hatte, den Jaridian zu töten. "Ahja ...Sie wissen von ihm...", stellte er an diesen Gedankengang anschließend fest und ärgerte sich über seine Unbedachtheit, "Trotzdem: Warum leben Sie noch? Hatte Zo'or einen guten Tag, von dem ich nichts weiß?"
Cleo musste sich enorm zurückhalten ihm nicht sofort ins Genick zu beißen. Sie musste erst einmal sehr tief durchatmen, ehe sie weitersprechen konnte: "Selbstverständlich weiß ich vom Jaridian. Warum ich noch lebe? Was geht Sie das an?" Cleo konnte sich ein leichtes Fauchen in ihrer Stimme nicht verkneifen. "Die Frage ist, was wissen Sie über den Entflohenen? Immerhin arbeiten Sie ja jetzt für Zo'or und sollten informiert sein", fragte sie und richtete nun einen strengen Blick auf ihr Gegenüber.
"Freilich bin ich informiert", antwortete Ko ziemlich ruhig, "aber nicht darüber, in welcher Position Sie jetzt sind. Und wenn Sie mir nicht nachweisen können, dass sie autorisiert sind, diese Informationen zu erhalten, dann kann und werde ich sie nicht weitergeben." Er schaute sie ein wenig neugierig an. Sie war ganz ähnlich aufbrausend wie Zo'or - aber wesentlich ungeschickter und vor allem unerfahrener. Vielleicht auch dümmer, dachte er ein wenig bösartig und grinste - was sie mit Sicherheit in den falschen Hals bekommen würde.
Seine Miene entging Cleo nicht, aber sie zwang sich einfach dazu, wenn auch etwas unglaubwürdig, ein Lächeln aufzusetzen. Was immer sein Grinsen auch bedeuten mochte, es interessierte sie jetzt nicht weiter. Nach dem Motto "ich plustere mich auf, um dir zu zeigen, wer hier der Boss ist" warf sie ihre Hände in die Hüften und gab ihm zu verstehen: "Ich bin durchaus autorisiert! Vielleicht sogar mehr als Sie, immerhin bin ich die einzige Beschützerin von T'than und muss mich nicht mit dem zweiten Platz zufrieden geben, so wie Sie!", deutlicher wollte Cleo gar nicht mehr werden und wartete nun darauf endlich Informationen aus ihm herauszubekommen.
Kosimo war sich alles andere als sicher, was er nun tun sollte. Sein
Bauchgefühl sagte ihm zwar, es wäre eine ganz nette Idee, ihr jetzt nachzugeben, aber sein Implantat schien ihn in den Kopf zu beissen und ihm immer wieder zuzuflüstern, er solle erst bei Zo'or nachfragen. Mit einem Seufzer entschied er sich dafür, dem CVI nachzugeben und wählte mit dem Global den Hauptdatenstrom zur Brücke an.
"Warum stören Sie mich?", kam liebenswürdig wie immer vom Taelon und Kosimo zeigte ein breites Lächeln: "Ich habe eine Frage."
"Eine, mit der ich zwingend behelligt werden muss?" Aha, sie hatte einen schlechten Tag.
"Sind Sie informiert, dass T'than Agent Crystal zu seiner Beschützerin gemacht hat?"
Zo'or zog eine seltsame Art von Gesicht und erblaute kurz. "Nicht direkt informiert. Er hat sich darüber hinweggesetzt, dass er meine Zustimmung haben sollte."
"Wie auch immer", lenkte Kosimo ein, der es ablehnte, sich in Bereiche einzumischen, in denen er nichts zu melden hatte, "Ich wüsste gerne, ob sie befugt ist, Informationen über den Jaridian zu erhalten."
"Soweit, wie die anderen Beschützer auch. Sowie Major Kincaid oder Lieutenant Beckett."
"Ich danke Ihnen." Kosimo verstand durchaus, was diese Worte bedeuten sollten: Das Wichtigste stand Cleo zu, die empfindlichen Informatioen nicht. Nun, damit konnte man doch etwas anfangen.
"Fragen Sie mich noch einmal konkret", forderte er sie auf und schloss sein Global, "Was wollen Sie wissen?"
Cleo rollte leicht mit den Augen. Was sollte das denn eben, sah sie wirklich so wenig vertraunswürdig aus, fragte sie sich. "Na schön. Wissen Sie, wo sich der Jaridian im Moment aufhalten könnte? Wer hat ihn gejagt, falls jemand das getan hat?", fragte Sie Kosimo nun noch einmal, aber etwas höflicher als zuvor.
"Agent Sandoval gibt sein Bestes - ich meine natürlich seine Leute. Was genau er selbst dabei tut weiß ich nicht. Einige andere Beschützer sind jetzt an der Jagd beteiligt und man hat versucht, den Jaridian bei Forest Hills zu stellen. Er entkam im Feuer, das er wohl auch verursacht hat. Es gibt noch keine Neuigkeiten. Haben Sie sonst noch Wünsche?"
Ein zufriedener Gesichtsausruck war bei Cleo zu erkennen. "Vielen Dank!", sie zwinkerte ihm charmant zu und sagte noch: "Vielleicht haben wir beide die Gelegenheit, uns öfter zu unterhalten, ich hätte jedenfalls nichts dagegen." Mit ihren neu erungenen Informationen stöckelte sie davon, um so schnell wie möglich T'than Bericht erstatten zu können.
Kopfschüttelnd blickte Ko der jungen Dame nach. Sie war seltsam. Mehr als seltsam. Aber das war er ja auch, nur, ob das bei ihr nun gut oder schlecht für ihn war, das konnte er noch nicht einschätzen. Aber vielleicht bald. Er nahm sich vor, sie im Auge zu behalten - und diskret zu versuchen, Sandoval bei dessen Auftrag zuvorzukommen. Natürlich ging dies nur so weit, wie man ihn nicht belangen könnte, wenn etwas schief ginge. Er musste vorsichtig sein, das wusste er.

T15 - T'than

T'than hatte langsam genug davon noch länger auf die Informationen zu warten, die ihm Agent Crystal besorgen sollte und wählte umgehend ihr Global an. Wenn sie ihm nicht sofort etwas Neues sagen würde, würde er sie sofort zu Zo'or zurückbringen. Was hatte er sich nur dabei gedacht, diese Frau für sich arbeiten zu lassen. Er hatte angenommen, sie würde ihm eine neue Möglichkeit eröffnen, Zo'or in ihrer Position zu schaden, aber jetzt hatte er den Salat. Endlich antwortete sie auf ihrem Global. "Was konnten Sie herausfinden?", fragte er Cleo direkt.
"Es sind nun auch andere Beschützer an der Jagd beteiligt und man hat versucht, den Jaridian bei Forest Hills zu stellen. Aber er entkam im Feuer, dass er wohl selbst verursacht hatte. Ansonsten gibt es leider noch keine Neuigkeiten", antwortete Cleo außergewöhnlich seriös.
"Machen Sie sich auf die Suche nach diesem Jaridian, ich dulde keine Niederlage ihrerseits!", befahl er Cleo und beendete abrupt den Kontakt. Sie nahm seinen Befehl folgsam entgegen und dachte sich, dass sie sich zur Stärkung vor dieser Aufgabe noch ein Erdbeereis genehmigen sollte.

T15 - Sandoval

Wenig später war Sandoval wieder am Ort des Geschehens - dem Portal, an dem er zuvor Liam und Beckett instruiert hatte. Einer seiner Männer schien bemerkt zu haben, dass er wieder zurück war, denn er stieg fast im selben Moment aus dem Kleintransporter, wie Sandoval im Portal erschien und kam direkt auf ihn zu. "Sir", grüßte er ihn in typischer Millitär-Manier.
"Was gibt es Neues?", wollte Sandoval wissen.
Der Offizier gab auch prompt eine Antwort: "Das Subjekt muss sich noch hier in der Gegend aufhalten ..."
"Mit anderen Worten", fiel Sandoval ihm ins Wort, "Sie haben keine Ahnung, wo er sich zur Zeit aufhält."
"Im Moment sind unsere Leute dabei, Spuren auszuwerten." Der Soldat winkte Sandoval, mit ihm zu kommen, was dieser auch tat. Sie gingen zum Transporter. Der Offizier öffnete die Tür und holte etwas heraus. "Wir haben das hier gefunden." Er hielt Sandoval eine transparente Beweistüte mit einem verbrannten Global hin und fügte hinzu: "Wir haben es bereits als Captain Marquettes Global identifiziert. Über ihren Verbleib wissen wir leider nichts, Sir. Wir gehen davon aus, dass er sie als Geisel genommen hat. Einige Spuren, die wir der Kreatur zuorden konnten, deuten darauf hin, dass er sich womöglich in Richtung, der Baufirma 'Hans Hagen Homes' bewegt. Unsere Leute beginnen bereits damit, die Gegend genauer zu untersuchen. Lieutenant Beckett ist bereits auf dem Weg dorthin."
"Gut", nahm Sandoval den Report zur Kenntnis, "Begeben wir uns auch dorthin." Sie stiegen nacheinander in den Transporter und fuhren dann in Richtung der Baufirma.

T15 - Lili/Kodriak

Lili hatte Kopfschmerzen und das nicht zu knapp. Es dauerte einen Moment, bis sie sich dessen bewusst wurde, dass sie in einem dunklen, staubigen Raum mit dem Rücken in einer Ecke sass, und noch einige Momente mehr, bis sie begriff, dass die Gestalt ihr gegenüber der gejagte Jaridian war. "Äh ... hallo", grüsste sie ihn, "Sind Sie vor Sandoval und seinen Leuten jetzt in Sicherheit?" Sie sah kaum etwas von seiner Mimik, aber sie hatte den Eindruck, dass er grinste. Jedenfalls schwieg er und Lili beschloss, es ihm vorerst gleichzutun.
Wo waren sie hier? Irgendwo in der Pampa definitiv, aber es wunderte Lili trotzdem, dass Sandoval dieses Haus nicht schon lange auf den Kopf gestellt hatte. Oder hatte der Jaridian den Kreis irgendwo unbemerkt durchbrochen?
"Was sagen die Taelons über mich?", fragte der Jaridian plötzlich.
Lili sah ihn einen Augenblick lang verdutzt an, dann sagte sie: "Dass Sie eine ... Bestie sind, aber ich glaube das nicht."
"Sondern?"
Ja, das war schwierig. "Sie verteidigen sich", sagte Lili, "Die Taelons sind doch Ihre Feinde!" Darauf gab es keine Antwort. Lili zog ihre Beine an und umschlang sie mit den Armen. "Warum sind Sie und die Taelons Feinde?", fragte sie dann, aber auch darauf sagte er nichts.
Kodriak musterte die Menschenfrau ihm gegenüber genau. Sie schien vernünftig, aber darauf durfte er sich nicht verlassen. "Du arbeitest für die Taelons", sprach er aus, was offensichtlich war.
"Zum Schein", widersprach sie, "Ich arbeite für den Widerstand."
Ja, natürlich. Jeder, der für die Taelons arbeitete, würde einem Jaridian genau das sagen. Vielleicht war das sogar in diesen Implantaten drin, die die Taelons doch jedem einpflanzten, dem sie nur begegneten. "Wir müssen weiter!", griff er nach ihrem Arm und zog sie hoch.
"Weiter?", war Lili verdutzt, "Sie meinen, Sie sind noch im Suchbereich?"
Keine Antwort.
Also wohl ein Ja.
In Anbetracht des glühenden Shaqarava ging Lili brav mit erhobenen Händen voraus. Sie verliess das Lagergebäude und fand sich in der Morgendämmerung auf dem Gelände einer Baufirma wieder. Kodriak wies auf einen LKW: "Kannst du dieses Fahrzeug steuern?"
Lili sah ihn kurz an und nickte. "Steuern, ja, aber ohne Schlüssel nicht starten."
Das war also kein Ausweg. Kodriak wäre gern gefahren, er spürte die zunehmende Schwäche. "Weiter!", bestimmte er und wies wieder in den Wald. Nach Norden, wie Lili erkannte, und sie gehorchte ihm.

Siobhán huschte den beiden praktisch lautlos hinterher, bis sie nahe genug war, um zu schiessen. Leise zischend entlud sich ihr Skrill auf den Jaridian, der nach einem kurzen, schmerzvollen Augenblick das Bewusstsein verlor.
"Captain Marquette, wie ist Ihr Zustand?", rief Siobhán.
"Unverletzt, danke der Nachfrage", sagte Lili und hockte neben dem Alien nieder, um seine Lebenszeichen zu prüfen.
"Gut zu wissen", bemerkte die Irin, während sie ihr Global vom Gürtel hakte und Lili einen leicht missbilligenden Blick zuwarf. Der Jaridian war am Leben, Siobhán war schliesslich fähig, die Energie exakt zu dosieren. Sie sah in ihr Global: "Ich habe ihn. Marquette ist unverletzt bei mir."
"Verstanden," entgegnete Sandoval, "geben Sie mir Ihre Position durch!"
Sie tat es und lächelte knapp: "Ich erwarte Sie, Agent Sandoval." Dann schob sie das Global zu und hakte es zurück an den Gürtel. Sie stapfte einige Schritte Richtung Strasse, Sandoval müsste ja bald da sein.

Liam hatte Lili endlich gefunden und da lag auch der Jaridian, also musste wohl schon etwas passiert sein. Er schaute sich genau um und entdeckte auch Beckett, die glücklicherweise gerade dem Jaridian den Rücken zukehrte. Er musste die Gelegenheit sofort ausnützen, ein zweites mal würde sie sich ihm bestimmt nicht mehr bieten. Er aktivierte sein Shaqarava und musste nur noch in Becketts Richtung zielen. Ein Schuss und sie lag auch schon am Boden, eine andere Möglichkeit hätte es nicht gegeben. Aber vermutlich hatte sie Sandoval schon informiert, das hieß, den Jaridian so schnell es geht von hier wegzuschaffen und vor allem Lili. Liam eilte sofort zu den beiden. Lili starrte ihn verblüfft an: "Schön, dass Sie auch hier sind. Danke."
"Ist doch klar!", antwortete er kurz und widmete sich dann auch gleich dem bewusstlosen Jaridian zu. Er musste
ihn wecken und zwar sofort. Und wieder konnte ihm sein Shaqarava sehr behilflich sein.
Tatsächlich erwachte der Jaridian - Kodriak war nicht wenig verblüfft, sich nicht in einer Taeloneinrichtung wiederzufinden, sondern nach wie vor unter freiem Himmel. Sein Blick fiel auf die Menschen, die bei ihm knieten, die Soldatin und einen Mann ... in dessen Händen es glühte. "Shaqarava!", stellte er fest, "Sie sind kein Mensch."
"Wir haben jetzt keine Zeit darüber zu diskutieren! Sie müssen schleunigst weg von hier. Können Sie aufstehen?", drängte Liam sofort und griff dem Jaridian vorsorglich unter die Arme um ihm beim Aufstehen zu helfen. Kodriak wies die Hilfe stolz zurück und erhob sich ganz allein aus eigener Kraft.
"Liam, Sie müssen auch verschwinden!", sagte Lili, "Und machen Sie mit mir dasselbe wie mit ihr. Also ... ich hoffe, Sie lebt noch, ja?"
Liam blickte sie für einen kurzen Augenblick beunruhigt an. Lieber wäre es ihm gewesen, Lili einfach mitnehmen zu können. Er nickte und versuchte sie mit seinem Shaqarava so schwach es ging zu treffen. Er war sich sicher, viel konnte ihr dabei nicht geschehen. Dann drehte er sich zu dem Jaridian: "Kommen Sie!"
"Welchen Weg nehmen wir?", fragte Kodriak, "Haben Sie einen Plan? Ein Versteck?" Er folgte Liam.

Wenig später, nach Agent Becketts Anruf, bog der kleine schwarze Transporter mit quietschenden Reifen um die Ecke und kam ruckartig zum Stehen. Die Schiebetür ging auf und zwei Soldaten sprangen aus dem Transporter, gefolgt von Sandoval, der sofort Anweisungen an diese verteilte. Einer der Soldaten näherte sich langsam den Koordinaten von Beckett, welche er auch sofort bewusstlos am Boden liegen sah. Die anderen beiden folgten in einem geringen Abstand, um nicht in einen Hinterhalt zu geraten.

T15 - Cleo

Nach einer Weile kam Cleo dann doch in den Sinn, dass sie sich vielleicht langsam mal auf die Jagd begeben sollte. Aber allein wollte sie das keinesfalls tun. Und so zückte sie ihr Global und wählte den an, der ihr als Partner bei der Jagd noch am ehesten zusagte und vielleicht schon wieder etwas Neues wusste. Kosimo!
Ko war überrascht, dass Agent Crystal sich schon wieder meldete. Nachdem er ihr mitgeteilt hatte, dass sich der Jaridian bei Forest Hills befand, hatte er angenommen, sie wäre dort in vollem Einsatz und zu beschäftigt, um ausgerechnet bei ihm anzurufen, aber er hatte sich wohl geirrt. In beiden Punkten, denn das im Hintergrund des Bildes, das das Display zeigte, war sicherlich kein Wald.
"Was gibt es denn?", fragte er daher milde interessiert.
"Haben Sie schon mal einen Jaridian gejagt?", fragte sie auffällig fordernd, "Bestimmt wäre Zo'or ziemlich erfreut, wenn Sie dabei erfolgreich wären, meinen Sie nicht auch?" Bestimmt würde dieses Argument ziehen, dachte sie sich.
"Nein, habe ich noch nie", antwortete der junge Mann ehrlich, "und ich nehme an, dass es mir gut täte, wenn ich bei so etwas Erfolg hätte. Aber ich weiß nicht, ob es mir so gut täte, dass es das Risiko aufwiegt, einen Misserfolg zu haben. Denn dann wird Zo'or leicht mordlüstern, fürchte ich. Dennoch nehme ich an, Sie wollten darauf anspielen, dass es Ihnen lieb wäre, wenn ich mich trotzdem dafür entscheide?"
Cleo verzog ob dieser unnötig langen Antwort einen Moment fragend das Gesicht und antwortete schließlich kurz und bündig: "Ja!" Sie war sich sicher, direkter konnte sie kaum noch werden und hoffte auf eine positive Reaktion von Kosimo.
Okay, das war eindeutig. Das brachte ihn tatsächlich ein wenig aus dem Konzept. "Ich weiß nicht, wie weit die anderen sind mit der Jagd ... wir sollten uns beeilen, bevor wir alles verpassen", meinte er schließlich und fügte hinzu: "Ich treffe Sie beim Portal bei Forest Hill. In zehn Minuten. Seien Sie pünktlich."
Nach diesen Worten schloss Agent Crystal ohne ein weiteres Wort ihr Global und eilte zum nächsten Portal. Sie wollte sich keinesfalls Unpünktlichkeit von diesem noch relativ jungen Mann nachsagen lassen.

T15 - Liam

Liam beeilte sich, mit dem Jaridian so schnell wie es ihm möglich war, weit genug von den heraneilenden Truppen zu entfernen. Er musste Kodriak in Sicherheit bringen, oder besser gesagt zum Widerstand! Liam warf immer wieder einen Blick zurück zu Kodriak um sicher zu gehen, dass er noch da war. Immerhin war er bewusstlos gewesen, als er ihn und Lili fand. Aber der Jaridian folgte seinem Retter dicht und überlegte, ob jetzt die Zeit dafür war, über das Shaqarava dieses Menschen zu diskutieren. Tatsächlich kam Kodriak zum Schluss, dass eine Frage gerechtfertigt war: "Wie kommt es, dass Sie Shaqarava haben?"
"Wie kommen Sie denn darauf?", entgegnete ihm Liam. Er wollte ihm nicht unbedingt hier draußen klar machen, woher das kam, wenn überhaupt. "Wir müssen Sie erst mal an einen sicheren Ort bringen", meinte er, "dann können wir uns über alles unterhalten."
"Welchen sicheren Ort haben Sie im Auge?"
"Das werden Sie bald sehen!", fasste sich der Kimeramischling kurz. Ein Portal konnte er unmöglich nehmen, um endlich ans Ziel zu gelangen. Einfach, aber viel zu riskant! Er würde den ganzen Weg zum Hauptquartier des Widerstands mit dem Jaridian vermutlich zu Fuß zurücklegen müssen. Kodriak war von Liams Wortkargheit wenig angetan, aber er hatte kaum eine andere Wahl als sich zu fügen. "Hören Sie", meinte Liam plötzlich und machte Halt, "es darf Sie niemand erkennen. Sie sollten sich zur Sicherheit irgendwie tarnen oder verkleiden. Nehmen Sie meine Jacke!" Liam warf sie Kodriak zu. "Über den Kopf, damit wenigstens das Gesicht nicht so auffällig ist." Er konnte nur hoffen, dass es auch funktionieren würde.
"Ich bezweifle, dass das die übliche Verwendung dieses Kleidungsstückes ist", sagte Kodriak, während er skeptisch die Jacke entgegennahm, "Würden Sie jemanden, der sich so kleidet, nicht genauer ansehen wollen?"
Liam beschlich der Gedanke, das Kodriak recht haben könnte, aber etwas Besseres fiel ihm im Moment nicht ein. "Dann behaupte ich einfach, Sie hätten eine Sonnenallergie!", erklärte er und war sichtlich stolz auf diesen hilflosen, aber vielleicht glaubwürdigen Einfall. Und wenn sie ein schnelles Tempo beibehalten würden, wäre niemandem überhaupt die Möglichkeit gegeben sie sich genauer anzusehen.
"Nun, Sie kennen diese Welt, will ich doch hoffen." Vielleicht sollte Kodriak daran lieber zweifeln, Shaqarava liess durchaus den Schluss zu, dass Liam getarnter Jaridian war und sich auch nicht auskannte. Wie gewünscht zog er aber das schwarze, glatte Kleidungsstück über seinen Kopf und verknotete die Ärmel.
"So ist es gut!", und Liam konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Und ja, ich kenne diese Welt, keine Sorge!" Der Ablick des Jaridians war einfach amüsant, aber die Realität holte Liam zum Glück sehr schnell wieder ein und er wurde ernst. "Ich hoffe Sie sehen noch genug?", meinte er und blickte etwas skeptisch auf den Ärmelknoten, aber es musste einfach gehen. Kodriak musterte den Menschen kurz irritiert, dann verwarf er dessen Amüsement und wartete auf die Fortsetzung des Weges. Liam deutete ihm mit einer Handbewegung an, dass es wieder weiterging. Er steuerte die nächstgelegene Straße an, wollte aber erst noch ein Stückchen abseits von dieser mit dem Jaridian im Schlepptau in Richtung Kirche marschieren. Er musste ja nicht gleich auf volles Risiko spielen! A propos Risiko! Langsam aber sicher kamen Liam doch Zweifel an seinem Vorhaben. Einen ganzen Jaridian samt dessen auch nicht gerade üblicher Kleidung unter einer einfachen Lederjacke zu verstecken könnte am Ende doch etwas problematisch werden. Liam seufzte: "Warten Sie!", und blieb zum wiederholten Male stehen.
"Was ist jetzt?", fragte Kodriak und verkniff sich das Augenrollen nicht, der Mensch (oder was auch immer) konnte es unter diesem Kopfschmuck ohnehin nicht sehen. Liam schien Kodriaks Frage erst völlig zu ignorieren. Ein Auto wär jetzt ziemlich praktisch und er hatte auch schon eine Idee, wer ihm da behilflich sein könnte. Augur! "Was ist jetzt?", wiederholte der Jaridian unterdessen seine Frage energischer.
"Einen Moment!", deutete ihm Liam mit erhobenem Zeigefinger und griff mit der anderen Hand nach seinem Global, "Wir lassen uns abholen." Das schien eine wesentlich bessere Lösung zu sein. Zügig wählte er Augur an, welcher auch sofort ran ging. "Ja, Liam. Was gibt es neues?", entgegnete er prompt, "kann ich dir irgendwie helfen?"
"Du musst mich und", stockte Liam kurz und blickte den Jaridian an, "noch jemanden abholen. Sofort!"
"Ist gut Liam", Augur tippte kurz auf seiner Tastatur, "Ich hab deine Koordinaten. Ich komme so schnell wie möglich.", er beendete die Verbindung und machte sich auf den Weg.
Kodriak sah seinen Begleiter prüfend an: "Bei ihm bin ich dann sicher?"

Code:
HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
22.09.2009 18:28
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Veria Offline
Admin, Wandermaus und Baumbewohner

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Beitrag: #6
Re:Alles - Chronologisch
T14 bis T15 - Harmony

Sie traf ihn am nächsten Morgen beim Frühstück wieder, neben ihm sass "Pra'Toch", die er nun als Eleanora Stilson vorstellte. Beide Trekkies strahlten fröhlich, doch Harmony musste das gegenseitige Füttern unterbrechen und zog Andrei zum Nebentisch.
"Du gehst heute zum Büro der Linie und sagst, dass du deine Freistellung aufheben willst", bestimmte sie leise, "Ich sehe, dass ich an meinen Vater rankomme."
"Klar", nickte er, "viel Erfolg." Er kehrte zu seinem Schatz zurück und liess sich ein Gäbelchen Kuchen in den Mund schieben.
Harmony lud sich am Büffet gut auf und ass sich mehr als satt, bevor sie sich verabschiedete, in einen Bus stieg und die 45 Kilometer zur eigentlichen Stadt fuhr. Den ganzen Tag lang sah sie sich um und mimte eine Touristin, und schliesslich ging sie beten. Innerlich grinste sie darüber, wie Augur sie wohl beobachten und dann vermutlich als absolut harmlos einstufen würde. Immerhin hielt sie sich ja an alle Betvorschriften genauso wie ihre Grossmutter, von der sie dieses Wissen geerbt hatte.
Eigentlich hatte sie gehofft, dass während ihres Gebets ihr Vater die Kirche betreten würde, aber das war nicht der Fall. Dass aus dem Versteck niemand herauskam, war natürlich klar und sie wollte den Ausgang auch nicht weiter blockieren, also kehrte sie zur Bushaltestelle zurück und nahm einen Bus zum Flughafen.
Andrei hatte wie ausgemacht seine Freistellung aufheben lassen und würde am folgenden Tag bereits als Copilot nach Honolulu fliegen, worüber Eleanora sichtlich nicht sehr glücklich war. Den Abend verbrachten die Trekkies alleine, Harmony sass mit einem schönen Rotwein und einer scharfen Pizza im Hotelrestaurant und starrte aus dem Fenster.
Oder vielmehr starrte sie ins Gemeinwesen. Jetzt, einen Tag zu spät, war Da'ans Präsenz nicht mehr zu spüren, aber ... nicht ganz fort, er wurde nicht zum Atavus und wechselte auch nicht die Ebene.
Was war da los?
Sie bezahlte, ging ins Zimmer und schaltete den Fernseher ein.
Nichts. Nur irgendwelche Promiskandale hier, Finanzveruntreuung dort, Aktienabstürze da. Harmony döste vor dem Fernseher weg, bis sie dann irgendwann so gegen drei von einer das normale Gemurmel übertönenden Stimme über ein schreckliches Attentat informiert wurde und senkrecht im Bett sass.
Da'an war einem Attentat des Widerstandes zum Opfer gefallen und jetzt im "Koma"? - Von der Stasis hatten die Taelons dieser Zeit also noch nicht erzählt.
Welche Möglichkeiten hatte Harmony, sich dem Widerstand anzuschliessen? Sie schaltete den Fernseher aus und grub sich ins Kissen ein. Sie könnte Augur kontaktieren und ihm die Wahrheit sagen, ein Genscan würde das ja beweisen. Es war ja nicht so, als wäre die Vergangenheit noch so, wie sie aus Harmonys Sicht sein müsste.
Ihrem Vater konnte sie es aber wohl kaum sagen, er war doch gerade einmal zwei Wochen alt und alles andere als reif und erwachsen. Ausserdem würde er garantiert versuchen, sie zu beschützen, und sie war doch wohl wirklich eine ganze Ecke erfahrener als er, wenn es darum ging, Mensch und Alien zugleich zu sein.
Augur, sie würde es Augur sagen. Und über diesen Gedanken schlief sie ein.

BISHER NOCH ZUKÜNFTIG

T15 - Harmony

Am Frühstückstisch traf Harmony nur mehr Eleanora an, die geistesabwesend Fruchtkompott löffelte. "Guten Morgen", grüsste sie und setzte sich ihr gegenüber, "Andrei ist schon weg?"
"Sitzt schon im Cockpit, ja." Und damit erstarb das ohnehin karge Gespräch, sie frühstückten beide nur wortlos.

Ein kurzer Abstecher zu einem Mobilfunkladen bescherte Harmony dann eine Chipkarte, die im archaischen Globalnetz dieser Zeit gültig war, und sie baute sie in ihr Global ein, womit sie wieder fast alles damit tun konnte, was sie wollte, sofern sie einen uralten Übertragungsmodus auswählte. Auf die Art surfte sie kurz bei der griechischen Bank vorbei und stellte fest, dass es einen Geldeingang von der Fluglinie gegeben hatte. Das Konto war wieder ausgeglichen.
Dann noch kurz die aktuellen Nachrichten überprüfen, nichts Neues zu Da'an. In Washington hatte ein Brandstifter einen Wald angezündet, die Naturschützer waren mehr als empört, verständlicherweise, wie Harmony fand.
Schliesslich suchte sie, bequem in einer ruhigen Ecke sitzend, in den geerbten Erinnerungen ihres Vaters nach Augurs aktueller Globalnummer, die sie dann auch anrief.

Es hatte zwar eine Minute länger gedauert als erwartet, aber Augur hatte nun die Informationen, die er gewollt hatte. Er wollte sie sich gerade näher ansehen, als er wieder vom nervenden Piepen eines ankommenden Gesprächs gestört wurde. Nun wandte er sich dem Störenfried zu und blaffte: "WAS?" Er stutzte jäh, als er sah, dass das Bild des Anrufers, einer Anruferin, dasselbe war wie das, das er in der Datei auf dem Server gefunden hatte.
Sie lächelte freundlich und grüsste ihn: "Hallo, Augur. Sie kennen mich nicht, aber Sie haben - also eigentlich war es Ihr Identitätenserver - mir sehr geholfen."
"Was zum Henker??", entgegnete er mit einer Mischung aus leichter Verwirrung und Ärger - der sich schnell in Wut wandelte. "Wer sind Sie?", fügte er noch an.
"Sind Sie alleine? Nur dann kann ich offen sprechen."
"Tja, also...", er sah sich kurz um, "kann man so sagen", antwortete er immer noch in genervten Tonfall.
"Ich stamme dreissig Jahre aus der Zukunft und heisse Harmony Kincaid", liess sie die Bombe platzen, "Liam Kincaid ist mein Vater." Wie er darauf wohl reagieren würde?
Diese Frau verarschte ihn. Sie konnte unmöglich meinen, was sie da sagte, oder? "Wie Bitte?", wollte er wissen. Harmony zog einen Mundwinkel etwas hoch und sah ihn weiterhin abwartend an. Augur sah sie misstrauisch an und fügte hinzu: "Was genau soll das heißen: 30 Jahre aus der Zukunft? Glauben Sie wirklich, das ich Ihnen das abkaufe?", er glaubte ihr kein Wort und schon gar nicht, das sie Liams Tochter war.
"Oh, meine Ähnlichkeit zu meinem Grossvater genügt Ihnen nicht?", sah sie ihn unschuldig an, "Ich kann Ihnen auch meine Hand zeigen, wenn Sie wollen." Sie prüfte kurz die Umgebung, dass niemand sie dabei sehen konnte, und hob dann ihre linke Hand vor die Globalkamera - ein kleiner oranger Punkt glühte in der Mitte der Handfläche.
Augur runzelte die Stirn. Dieses Handflächen-Ding konnte Liam auch, aber bei ihm war es blau? Nicht orange! Oder? Auch egal, dachte Augur sich. Sie konnte ja auch genausogut eine Neuschöpfung der Taelons sein! Ja! Das klang plausibel! Oder es war irgendsoein Spezialeffekt. Aber wenn sie aus dem Reagenzglas stammte, mussten die Taelons etwas von Liams Herkunft wissen. Aber woher? Da'an!, schoss es ihm durch den Kopf. Sollte Da'an Liam etwa ans Messer geliefert haben? Er hatte es ja gleich gewusst, dass man einem Taelon nicht vertrauen durfte! Zu der Frau sagte er total unbeeindruckt: "Soll ich Ihnen das jetzt etwa abkaufen? Nur weil sie wissen, wie man Spezialeffekte in ein laufendes Telefonat einfügt?"
"Pah, Spezialeffekte", wischte Harmony seinen Einwand beiseite und schloss ihre Hand wieder, "Sie können doch Effekte von der Wahrheit unterscheiden, lassen sie doch Ihren Computer drüberrechnen ... "
Die ist gar nicht so doof, wie sie aussieht, dachte Augur.
Sie atmete kurz tief durch, dann fuhr sie fort: "Augur, ich kann es beweisen. Mein Global kommt genauso wie ich dreissig Jahre aus der Zukunft und ist entsprechend ... neu, wenn man das so sagen kann."
Augur hatte dieses Ich-komme-aus-der-Zukunft-Spiel satt. "Was wollen Sie von MIR?", wollte er nun wissen und das sichtlich ungehalten und hoffte, so endlich klarheit zu bekommen.
"Nun, meinem Vater kann ich es schlecht erzählen", sagte Harmony, "Ich meine, ich könnte schon, aber dann knipsen sich alle Beschützergene an und das, wo ich siebenundzwanzig Jahre älter bin als er. Jedenfalls ... die Zeitlinie wurde verändert und ich brauche jemanden, der mir sagen kann, wie ich das wieder geradebiegen soll."
Ach du große Güte, dachte Augur, die hält doch tatsächlich an der Nummer fest. Na gut. Spiel mit. Vorerst. "Na schön. Wo genau sind Sie im Moment?", Augur bemerkte zu spät, das die Worte vielleicht ein wenig zu gleichgültig rüber kamen. Aber im Grunde war ihm das auch egal.
Harmony kannte ihn aber besser, als er es vermutete. Sie bemerkte durchaus, dass er noch nicht wirklich überzeugt war. Aber mit einem Treffen würde das schon werden. "Washington Dulles, im Hotel, aber ich komme in die Stadt, gerne auch zur Kirche oder sonstwo, wo Sie mich treffen wollen."
Sie wusste von der KircheVerwirrt Das gefiel Augur überhaupt nicht. Er hielt es für besser, einen anderen Treffpunkt zu wählen, nur für den Fall, dass es doch eine Falle wäre. "Ich nehme an, Sie wissen, wo das Flat Planet Café ist?", schlug er deshalb vor und konnte sich die Antwort bereits denken.
"Natürlich", nickte sie erwartungsgemäss.
"Also gut, melden Sie sich bei mir, wenn Sie da sind. Ich werde Sie dann da treffen." Augur wollte erst abwarten, ob nicht doch irgendwelche Tricks auf ihn lauerten. Er würde schön erstmal alles abchecken, bevor er sich mit dieser Frau traf. Es war ja immerhin nicht ausgeschlossen, dass es doch eine raffinierte Falle der Taelons war, und er war nicht so bescheuert, das auszuprobieren.
"Ganz wie Sie meinen", nickte Harmony wieder, "Ich melde mich dann." Damit schob sie ihr Global zu, holte ihr spärliches Gepäck aus dem Zimmer, checkte aus und nahm den nächsten Bus.
Natürlich kannte sie das Flat Planet! Sie hatte dort noch und nöcher Hausaufgaben gemacht!

T15 - Harmony/Augur

Harmony brauchte nicht sehr lange, nur knapp eine Stunde, bis sie in der Stadt war, und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis sie vor der vormittäglich geschlossenen Bar stand. Sie zückte ihr Global und tippte die Wahlwiederholung an.
Erneut aus seiner Konzentration gerissen
nahm Augur das Gespräch entgegen. "Ja", grüßte er nur kurz und fügte noch hinzu: "Sind Sie angekommen?" Sie machte es sich einfach und schwenkte ihr Global nur kurz so, dass er das Leuchtschild sehen konnte. "Ah, gut. Ich treffe Sie dann da", sagte er noch kurz und trennte die Verbindung. Harmony steckte das Global wieder weg und lehnte sich neben der Türe an die Wand. Augur würde schon kommen, er war zu neugierig.
Seine Paranoia trieb ihn aber dazu, die Umgebung mehr als einmal zu untersuchen. Als er auch nach dem dritten Mal keine Anzeichen dafür gefunden hatte, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging, beschloss er, sich auf den Weg zu machen. Es dauerte auch nicht lange, bis er sein Lieblingslokal erreicht hatte und der unbekannten Fremden, die sich als Liams Tochter aus der Zukunft ausgab, von innen die Tür öffnete. Harmony grüsste ihn höflich und trat ein, sie folgte ihm zum Tresen, wo sie sich auf den Barhockern niederliessen.
"Also", begann Augur in ruhigem und ernstem Ton, "Wer sind Sie wirklich? Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich Ihnen das mit der Zukunft abnehme, oder?"
Harmony schmunzelte: "Nein. Noch nicht. Krieg ich auch was zu trinken?" Kurz rückte sie sich auf dem Hocker zurecht. "Fragen Sie mich, verlangen Sie etwas, was Sie überzeugt."
Augur erhob sich und ging hinter den Tresen "Was darf's sein?", fragte er beiläufig.
"Mothership Core Break, wenn Sie den schon haben", sagte sie, "Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der nicht erst ein paar Monate später kam." Augur runzelte nur die Stirn, was ein Nein ausdrückte. "Naja, Margarita tut's auch." Augur nickte und mixte ihr das Getränk, sie nahm auch sogleich einen Schluck und lächelte anerkennend.
"Werden die New York Jets den Super-Bowl gewinnen?", wollte er wissen.
"Wie wollen Sie das in akzeptabler Zeit verifizieren?", gab sie zurück, "Warten Sie kurz, ich sehe nach, ob ich Sportnachrichten habe." Er beäugte sie skeptisch, während sie ihrem Global die Abfrage eingab. "Sie gewinnen nicht", war das Ergebnis.
"Und", hakte er nach "wer wird gewinnen?"
"Pittsburgh Steelers, steht hier."
"Hmm ...", er war sich nicht sicher, ob er darauf setzten sollte oder nicht, denn das hätte ihm auch jede Statistik verraten, da die Manschaft sowieso recht stark war. Aber bis zum Spiel war es auch noch eine Weile hin, also würde er erstmal abwarten.
Augur startete einen Versuch und fragte blind ins Blaue: "Wie sieht es mit den Taelons in Ihrer Zeit aus?"
"Sie wurden nicht geteert und gefedert, auch wenn es knapp war." Augur konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. "Da'an hat sie rausdiskutiert", fügte Harmony hinzu, "Und dann wurde die ganze Sache langsam friedlicher, nicht zuletzt, also eigentlich vor allem, dank meines Vaters." Sicher, dachte Augur, Sonnenblumenland-Erde, sicher. Er glaubte ihr kein Wort. "Die Jaridians machen noch Ärger", relativierte sie noch.
"Krieg?", wollte Augur wissen, "Zwischen denen und uns?"
"Zwischen denen und den Taelons" widersprach Harmony, "aber sie nehmen den Unterschied zwischen Neu-Taelon, also dem Mars, und der Erde nicht so genau, wie es wünschenswert wäre."
"Also sieht Ihre Gegenwart auch nicht besser aus als meine."
"Naja, man läuft nicht mehr Gefahr, bei einer Portalreise implantiert zu werden. Ich sehe das als Verbesserung an."
Wer's glaubt, dachte er. "Und Zo'or? Der ist doch bestimmt nicht das Liebchen vom Dienst geworden, oder?"
Harmony grinste jetzt bis zu den Ohren und nahm einen Schluck Tequila. "Das Gemeinchen vom Dienst bekam ein Problem, denn es wurde vom Gemeinwesen abgeschirmt, übrigens durch Ihre Erfindung", sagte sie, "und um nicht zu einer atavistischen Urform zu werden wurde Zo'or von einem Ersatzgemeinwesen abhängig, das ihm der nicht namentlich bekannte einzige Kimera des Planeten gnädigerweise spendete." Sie trank wieder einen Schluck. "Das Gemeinchen an der Leine war nie sehr begeistert davon."
"Also so eine Art Taelon-Knast."
"Kann man so sagen, ja", nickte sie.
"Und was meinen Sie mit Urform? Die werden doch nicht etwa zu soeiner Art Taelon-Affe, oder?", Augur amüsierte der Gedanke sichtlich.
"Wenn Affen sich dadurch ernähren, dass sie anderen die pure Lebensenergie aussaugen, dann ja", seufzte sie, "Vampir trifft es besser."
"Dracula-Zo'or. Was für eine Vorstellung.", entgegnete er angewidert.
"Sonderlich intelligent sind die Atavus-Viecher ja nicht, nur jagen."
"Welcher Kimera?", das interessiere ihn sehr, denn Ha'gel war der einzige Kimera, von dem er wusste.
"Dad natürlich", erklärte Harmony, "aber sie wissen nicht, dass er es ist."
"Die Taelons oder der Rest der Welt?"
"Nur eine Handvoll Leute weiss es, der Rest glaubt an einen Kimera, der vom Himmel gefallen oder sonstwie plötzlich aufgetaucht ist." Sie runzelte die Stirn. "Also eigentlich so ähnlich wie jetzt, wo ja auch ein paar Leute wissen, dass er Kimera ist. Nur wissen in meiner Zeit alle, dass es eben einen Kimera gibt."

Code:
HAI
    CAN HAS STDIO?
    VISIBLE "HAI WURLD!"
KTHXBYE
22.09.2009 18:31
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