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Handlung - Harmony
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Veria Offline
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Handlung - Harmony
Vor einem Moment war alles noch normal gewesen und dann brach die Hölle los. Das Navigationssystem meldete eine Verschiebung des Flugvektors, aber das war Harmony Kincaid auch so klar gewesen. Das Shuttle bebte und sie wollte nicht wissen, wie gründlich es sie und ihren Copiloten ohne die Dämpfungssysteme zerreissen würde.
Die Sensoren waren ausgefallen und zeigten völlig unmögliche Daten an, dass Harmony nach Sicht flog und so versuchte, den merkwürdigen dunkelblauen Schlieren auszuweichen.
Und dann, ganz plötzlich, war alles wieder ruhig. Zu ruhig, etwas stimmte nicht.
"Puh, Rodeo ist nichts dagegen", sagte Andrei Chekov, der Copilot, "Wusstest du, dass Rodeo eine russische Erfindung ist?"
Klar, alles war russisch. Harmony starrte auf ihre Anzeigen, die Sensoren waren immer noch weg und auch die Kommunikation war ausgefallen. Und es fehlte noch etwas, sie konnte die mächtige mentale Präsenz ihres Vaters nicht mehr spüren.
Liam Kincaid, der Kimera, war nicht zu spüren, er war aber nicht einfach weg. Irgendwie war er doch da, sie hatte ihn zumindest nicht verschwinden gespürt.
"Andrei, da ist was faul."
"Und was?"
Harmony setzte das Shuttle wieder in Bewegung, und das war ein Fehler. Von irgendwoher kam noch eine blaue Schliere und brachte sie ins trudeln. Der Weltraum wirkte zu leer. "Wo sind die anderen Shuttles? Andrei!", rief sie, "Die Unity ist weg!"
Die Unity, gebaut, als Harmony 16 Jahre alt gewesen war. Die Raumstation war nicht da.
Andrei bediente hektisch seinen Teil der holographischen Steuerung und meldete schliesslich: "Komsystem ist wieder da, Datumsfrequenz sagt ... scheisse."
"Sagt was, Andrei?"
"Harmony, wir müssen runter, die Taelons aus dieser Zeit sind sicher neugierig darauf, wo wir herkommen", erklärte er und beschleunigte immens, "Wir sind dreissig Jahre in der Vergangenheit!" Harmony sah ihn verdutzt an, das erklärte die unspürbare, aber nicht ganz verschwundene Präsenz ihres Vaters, der wohl gerade erst geboren worden war. "Der Antrieb läuft nicht rund", sagte Andrei, "kannst du da was machen?"
Sie versuchte es und rekonfigurierte den Energiefluss, es half nicht viel. Das Shuttle bockte und sprang, dass sie doch besser selbst die Steuerung übernahm.
Wenigstens blieben sie nicht lange am Himmel. Europa raste auf sie zu, Attika, noch eine Kurskorrektur, bitte nicht an Land zerschellen, und dann klatschten sie ins geschichtsträchtige Wasser der Ägäis und gingen sofort unter.

Andrei öffnete seine Augen und versuchte, sich aufzurichten. Die Airbagblase behinderte ihn dabei zunächst, doch dann platzte sie und löste sich auf, wie es sein sollte. "Harmony?", rief er. Die Asiatin lag offensichtlich immer noch bewusstlos in ihrer Airbagblase, Andrei kroch zu ihr und liess auch ihren Schutz verschwinden. "Harmony?", schüttelte er sie.
"Auuuu."
"Schlimm? Ist was gebrochen?" Er versuchte, sie abzutasten, doch sie wehrte ihn ab.
"Geht schon", lächelte sie und log dabei. Ganz klar für sie spürbar war ihr linker Arm gebrochen. "Andrei", lenkte sie ihn ab, "Wie tief unter der Oberfläche sind wir?" Erwartungsgemäss wandte er sich der Steuerung zu, was Harmony die Gelegenheit gab, sich ganz kurz zumindest innerlich in ihre Energiegestalt zu wandeln. Danach verfügte sie wieder über intakte Knochen.
"Gut siebzig Meter nur", meldete er und drehte sich zu ihr um. Einen Moment runzelte er die Stirn und Harmony befürchte, dass ihre Haut noch etwas durchscheinend gewesen war. "Der Antrieb ist völlig weg, Sensoren und Kom gehen aber", fuhr Andrei fort, "Das virtuelle Glas hält auch. Hast du eine Idee, was wir machen sollen?" Tja, was sollten sie machen? Harmony seufzte und schwieg. "Kirk schaut immer, ob die Zeitlinie verändert wurde."
"Was wohl gar keine schlechte Idee ist", nickte Harmony, "Die Frage ist nur, wie wir das von hier aus machen sollen." Jetzt seufzte Andrei. "Denn wenn wir in einer virtuellen Glasblase nach oben schwimmen", fuhr sie fort, "kommen wir nicht mehr so einfach wieder runter." Sie stemmte sich hoch und trat zur Steuerung, schnell stellte sie fest, dass da gar nichts zu machen war. "Ich fürchte, wir müssen hinauf, um uns Ersatzteile zu holen. Es hat den Kern gegrillt."
Schweigend brachte Andrei neue Airbagblasen in Position, schnallte sich seinen Rucksack mit dem spärlichen Pilotengepäck auf den Rücken und schlüpfte in eines der ellipsoiden Gebilde, Harmony tat es ihm gleich und dann durchdrangen sie gemeinsam das virtuelle Glas, das den Innenraum des Shuttles vom Meer trennte. Langsam stiegen sie auf, Harmony suchte per Global die nächste Insel und begann, in diese Richtung zu paddeln.

Einige Stunden später krabbelten sie auf einen feinen Sandstrand, der zum Glück zu dieser Uhrzeit - mitten in der Nacht - leer war. Kleidung und Gepäck waren dank der Airbagblase, die sie jetzt verschwinden liessen, trocken geblieben. Müde waren die beiden Piloten aber dennoch. "So, jetzt suchen wir ein Hotel", beschloss Andrei.
"Mit welchem Geld?"
Er zog sein Portemonnaie aus der Hosentasche und hielt es stolz in die Höhe: "Damit, ich hab dreihundert Dollar drin."
"Dollars mit Ma'el drauf, das ist in dieser Zeit noch nicht so."
"Verflixt." Er stapfte grummelnd durch den Sand. "Ich hab leider keine alte Brille zum versetzen. Kirk hatte eine." Harmony rollte mit den Augen. Aber womit könnte man ein bisschen Geld besorgen? Was hatten sie denn, was halbwegs von Wert war? "Kannst du pokern?", fragte Andrei plötzlich, sie sah ihn irritiert an, "Als Data im 19. Jahrhundert war ..."
"Ich kann nicht pokern", sagte sie düster, doch dann erhellte sich ihr Blick, "Warte, ich weiß was!" Sie öffnete ihren Rucksack und griff nach einer Schatulle, die sie öffnete und den Inhalt Andrei zeigte.
Er nahm die Münze heraus und betrachtete sie von vorne und hinten. "Zwei Euro, Vatikan, geprägt 2004", murmelte er, "und das soll weit reichen?"
"Es reicht für ein bisschen Internet", erklärte sie und zog ihn hinter sich her, "jetzt müssen wir nur noch ein Internetcafé finden."
"Und?"
"Ich kenne einen Widerstandsserver samt Kennwort, und damit mache ich uns falsche Identitäten", sagte sie, "und dann, mein lieber Andrei Antonovich, dann eröffnen wir ein Konto und überziehen es."
"Ah ... in der Nacht?"
"Es wird Tag, ganz sicher."
Sie war zuversichtlich, dass das klappen würde. Immerhin kannte sie einen von Augurs Servern, und Augur war ein Genie - in jeder Zeit.

Es klappte.
Andrei behielt seinen Namen, während Harmony sich sicherheitshalber den neuen Nachnamen MacPherson zulegte. Identifiziert werden sollten sie per Fingerabdruck, denn den konnte Harmony vom Global aus überspielen, Pässe zu drucken war ja im Internetcafé naturgemäss nicht drin. Der Betreiber des Cafés freute sich sichtlich ausserordentlich über das besondere Zweieurostück, dass er gar nicht darüber schimpfte, dass eigentlich noch 83 Cent mehr verbraucht waren.
Der nächste Halt war dann eine Bank, wo Harmony auf eine Hürde in Form einer uralten Bankangestellten traf - die konnte nur Griechisch. Aber es fand sich ein Dolmetscher und damit war auch ein Konto angelegt. Harmony unterschrieb brav den Papierstapel und liess ihren Fingerabdruck prüfen und dann endlich hielt sie eine frisch codierte Chipkarte in der Hand, die sie nur mit ihrem Fingerabdruck aktivieren und in einen Bankautomaten einschieben musste, um endlich die Geldsorgen zu lösen.

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29.05.2009 23:54
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Veria Offline
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Beitrag: #2
Re:Handlung - Harmony
Ihre neuen Identitäten waren der Wahrheit so ähnlich wie möglich. Sie hatten Pilotenlizenzen, Sicherheitseinstufungen der Fluggesellschaften und waren sogar als bei American Airlines beschäftigt eingetragen, was ihnen die Möglichkeit gab, gratis in einer Maschine dieser Linie mitzufliegen. Ihre Kollegen aus dieser Zeit kannten die Pilotenuniformen aber sicher genausogut wie Harmony und Andrei selbst, was bedeutete, dass die Taelonsymbolik und der Schriftzug "American Shuttlelines" hier falsch waren, und der Schnitt der Kleidung sowieso. Als eine Ironie des Flugverkehrs meldeten sie einfach ihr Gepäck verschollen und liessen sich neue Uniformen ausgeben.
Drei Tage später waren sie in Washington und zappten im Flughafenhotel durch die Nachrichtenkanäle. Für Andrei war das die einzige Informationsquelle, doch Harmony konnte auch das Gemeinwesen spüren. Noch in Griechenland hatte sie Quo'ons Tod schmerzhaft gefühlt, nun wartete sie auf weitere Veränderungen im Gemeinwesen.
Harmony zählte die Tage und als es soweit war, war Da'ans gedankliche Präsenz weiterhin spürbar. Etwas hatte sich verändert. Andrei kam zum selben Schluss: "In meinem Global stehen für heute verschrumpelte Leichen wegen Atavus, das kommt hier aber nirgendwo."
"Verdammt!", knurrte sie, denn damit war gut möglich, dass Da'an gar nichts vom Widerstand erfahren würde. Die ganze Zukunft, einfach weg.
Was hatte diese Veränderung bewirkt?
"Harmony?", fragte Andrei, "Was tun wir jetzt? Kirk würde ..."
"Kirk würde zurückreisen und alles wieder geradebiegen, ich weiss", seufzte sie, "aber wie sollen wir das machen?"
"Naja, diese Zeitlinie ist sowieso schon verändert, also können wir uns genauso gut einmischen und einen Physiker suchen."
Morgen, aber nicht mehr heute.
"Andrei, die griechische Bank wird uns auf die Pelle rücken, wenn wir das Konto immer weiter überziehen", sagte sie dann, "Berufsausübung muss sein. Kannst du ein konventionelles Flugzeug fliegen?"
Er wirkte fast beleidigt, als er erklärte: "Aber natürlich! Ein Chekov kann alles fliegen, egal ob es Propeller, Düsen oder Warpgondeln hat." Schnell sprang er auf. "Ich finde es toll, wieder ein Flugzeug fliegen zu dürfen", grinste er, "Komm, gehen wir an die Bar."

Harmony mochte nicht noch mehr Geld ausgeben, das sie nicht hatten, aber er liess nicht mit sich reden und zog sie einfach mit. Als Krönung hatte er auch sein gelbes Hemdchen mit schwarzem Kragen und Sternenflottenabzeichen an - er hatte es immer dabei, es blieb einfach nie zuhause im Schrank.
"Hallo", winkte er zwei Damen zu, dann einem Pärchen auf der anderen Seite, "Ich bin Misterr Chekov und das ist Misterr Sulu." Harmony wäre am liebsten im Boden versunken. "Hallo, kann ich zwei Wodka haben?", begrüsste Andrei den Barkeeper und bekam gleich zwei Gläser vor die Nase gestellt, "Danke."
"Haben Sie noch etwas Stärkeres?", fragte Harmony, "Ich muss immerhin den Trekkie hier aushalten."
"Ach, Harrmony, so schlimm bin ich doch wohl nicht!"
Sie sah den Barkeeper an: "Wodka, viel, bitte", und er stellte ihr gleich die ganze Flasche hin.

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06.06.2009 20:42
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Veria Offline
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Beitrag: #3
Re:Handlung - Harmony
Andrei wirkte nicht auf alle Anwesenden grenzenlos peinlich. Eine junge Blonde setzte sich neben ihn an die Bar, verlangte "Aldebaran-Whisky, das grüne Zeug" und stellte sich als klingonische Kriegerin Pra'Toch aus dem Neutrale-Zone-LARP vor.
"Geil, wie sieht Ihrr Kostüm aus?", war Andreis Reaktion, "Haben Sie ein Bat'leth? Können Sie damit umgehen?"
Sie grinste: "Klar." Sie legte ihr Global auf die Bar und zeigte Bilder einer fast originalgetreuen Klingonin - mit Bat'leth. Die Stirn war nicht ganz perfekt, aber das war natürlich auch schwierig.
"Worrum geht's in eurrem LARP?"
"Ein Föderationsschiff und ein klingonisches sind auf einem Planeten abgestürzt und schlagen sich mit wilden Eingeborenen rum. Oh, die Eingeborenen haben wir uns übrigens aus einem Mittelalter-LARP ausgeborgt."
"Cool ..."
"Jaaa", sie lächelte verträumt, "Ich hab mal gegen einen von denen gekämpft, er mit Schwert, ich mit Bat'leth, das war ein Riesenspass." Andrei prostete ihr zu und sie leerten beide ihre Gläser. "Und was machen Sie so, Chekov? Sie haben einen tollen Akzent, lange geübt?"
"Derr ist echt - also fast. Ich bin Rrusse und meine Elterrn rreden wirrklich so, das kann ich gut nachmachen." Er griff nach der Flasche und schenkte sich nach. "Ich hab leiderr nicht mehrr die Zeit für irrgendein LARP oderr so, ich bin halt Pilot."
"Also ... jetzt wirklich?"
"Naja, Passagierrflüge." Er trank einen Schluck.
"Check-In, London Heathrow", sagte die Klingonin, "wenn Sie mal vorbeifliegen ... ich habe gerne Besuch, der nicht die Augen verdreht."
Harmony verdrehte tatsächlich die Augen. Jetzt machte der Trekkie auch noch innerhalb von zehn Minuten eine nette Bekanntschaft - dabei war "Pra'Toch" wohl irgendwie dreissig Jahre älter als er! Unauffällig goss sie ein wenig Wodka aus ihrem Glas in seines.
"Und Sie?", sprach die Blonde jetzt Harmony an.
"Nur Pilotin, kein Trekkie", sagte diese und trank ihr nun nur mehr halbvolles Glas aus - und keuchte.
"Ich versuchs ja!", mischte sich Andrei ein, "Aberr sie steht auf so ein Zeug mit Rroboterrn."
"Mit Zylonen", korrigierte Harmony, "und wenn schon ein allgemeiner Begriff, dann Androiden. Immerhin können sie fühlen."
"Data ist der einzig wahre Android", sagte die Blonde fest und blickte zustimmungsheischend zu Andrei, der allerdings den Kopf schüttelte. "Was ist?", fragte sie verdutzt.
"Doch nicht Data!", widersprach er, "Mudds Andrroiden sind da auch noch wichtig, vorr allem das Modell Xanthippe."
"Pra'Toch" grinste und nickte: "Ahja, richtig."
Harmony rollte nur wieder mit den Augen, wartete einen günstigen Moment ab und goss nocheinmal Wodka aus ihrem wieder aufgefüllten Glas in Andreis. Sie hatte schon sooft Fangespräche gehört, sie wusste inzwischen doch so einiges, allerdings interessierte es sie nicht.
Sie machte weiter wie bisher: Sie starrte gelangweilt auf das Getränkeregal hinter der Bar, spürte beiläufig ins Gemeinwesen und goss immer wieder unauffällig Wodka aus ihrem in Andreis Glas. Entsprechend war er schneller betrunken als sie, begann fürchterlich zu lallen ... und die "Klingonin" ergriff ihre Chance und schleppte ihn in ihr Zimmer ab.
Harmony blieb verdutzt zurück, zuckte aber nur die Schultern und reichte dem Barkeeper ihre Geldkarte. Andrei war immerhin erwachsen.

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09.06.2009 18:55
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