"Quo'on! Ich empfange merkwürdige Signale! Es sieht aus, als seien es irgendwelche Störsignale! Ich weiß nicht, wie ich diese Daten interpretieren soll!", rief ein Freiwilliger ganz entsetzt in die Richtung des Taelons. Eigentlich war das das geringste Problem, denn die Brücke, nein, das ganze Schiff bebte.
"Können Sie mir schon einen Schadensbericht melden?", rief Quo'on dem Freiwilligen zu.
"Zwei Decks melden, dass es Schwankungen in der Energieversorgung gibt. Es wird von 4 Verletzten berichtet. Schwere Erschütterungen machen sich auf dem gesamten Schiff bemerkbar, externe Kommunikation ist ausgefallen", entgegnete der Freiwillige nun profesioneller.
"Finden Sie sofort die Ursache und beheben Sie das Problem!", befahl Quo'on in herrischem Ton.
"Jawohl!" Der Freiwillige machte sich sofort ans Werk und tippte wild auf seiner Konsole herum.
"Was hat das zu bedeuten?", fragte Zo'or, die gerade die Brücke betrat, mit eisiger Stimme, wenngleich sie eigentlich recht gut gelaunt war. Immerhin war es bei diesem Geschüttel eine echte Kunst gewesen, unfallfrei auf die Brücke zu gelangen. Gewohnheitsmäßig begrüßte sie jeden Freiwilligen einzeln mit einem bösen Blick und richtete dann einen fragenden auf Quo'on.
Der Freiwillige, der zuvor schon über die Probleme berichtet hatte, drehte sich um, um zu antworten, aber als er Zo'ors Blick sah, war er nicht mehr so sicher, ob er das riskieren sollte. Er entschied sich trotzdem, eine Meldung zu machen "Wir empfangen unerklärliche Signale und diese stören fast alle Systeme." Mittlerweile wurden auch die Lebenserhaltungssysteme von den Störungen betroffen.
"Signale von den Jaridians?", lehnte sich Zo'or nicht sehr weit aus dem Fenster, lag aber trotzdem falsch. Niemand wusste wirklich, was es für Signale waren. Auf der Suche nach einem potenziellen Schuldigen ließ sie ihren Blick durch die verstörend wackelnde Brücke schweifen und stoppte zum zweiten Mal bei Quo'ons Gesicht. Es störte sie inzwischen arg, dass es der Synodenführer nicht für nötig hielt, ihr zu antworten.
Da'an, der hinter Zo'or die Brücke betreten hatte, hatte die Erklärungen des Freiwilligen aufmerksam verfolgt und sah nun ebenfalls zu Quo'on.
"Wenn ich es wüsste, hätte ich es euch wohl schon längst gesagt!", fuhr dieser Zo'or und Da'an leicht an. Er war selbst schon etwas genervt, weil er ebenso wenig Ahnung hatte wie alle anderen auf dem Mutterschiff.
Zo'or, die diese leicht harsche Antwort schon beinahe als persönliche Kritik auffasste, warf Da'an einen so zornigen Blick zu, als wäre er es gewesen, der die Jaridians erwähnt hatte. Nachdem sie damit fertig war, sich eine halbe Sekunde lang für diese unfaire Handlung zu schämen, ärgerte sie sich maßlos darüber, dass sie sich geschämt hatte, und blickte umso finsterer.
Mittlerweile hatten die Energieschwankungen aufgehört und die Systeme spielten nicht mehr gar so verrückt. Der Freiwillige entschloss sich, noch einmal einen Statusreport zu geben: "Alle Systeme beginnen sich zu normalisieren! 4 Decks melden leichte Schäden. Insgesamt 12 Verletzte, keine davon schwer. Lebenserhaltungssysteme arbeiten stabil. Energieverteilung auf allen Decks wieder normal. Interne Kommunikation intakt. Externe Kommunikation komplett ausgefallen, Techniker arbeiten daran."
Die Tatsache, dass der Boden unter ihr nun wieder sicher war, gab Zo'or auch das kleinste bisschen verlorene Selbstsicherheit zurück. Sie unterdrückte den Impuls, ein weiteres Mal zu fragen, was denn nun passiert war, da Quo'ons Miene sie unmissverständlich darauf hinwies, dass er dies nicht dulden würde, und lenkte sich damit ab, die anwesenden Freiwilligen auf mögliche Fehltritte zu untersuchen. Sie fand relativ schnell ein geeignetes Opfer: Der junge Mann sah aus, als wäre er schlechte Behandlung bereits gewohnt, selbst die Menschen um ihn herum schienen zu versuchen, nicht in seine Nähe zu kommen. Er bot sich einfach an. Mit der Sicherheit, dass Quo'on gerade anderes zu tun hatte, als sich um ihr Verhalten zu scheren, machte sie einen Schritt auf den Freiwilligen zu und suchte aufmerksam nach einem kleinen Fehler. Die Tatsache, dass sie nach einer halben Minute noch erfolglos war, reizte sie dabei zusätzlich.
"Was gibt es denn?", fragte der Mensch nach zwei weiteren Minuten unhöflich genug, dass Zo'or es als Frechheit und damit als gefundenes Fressen sehen konnte.
"Ich dulde nicht", drohte sie mit ihrer eisigsten Stimme (auf die sie sehr stolz war), "dass ein Mensch so mit mir spricht. Wie ist ihr Name, Freiwilliger?"
"Kosimo Álkarez", er duckte sich ein wenig und Zo'or fühlte sich sofort wohler.
"Es sieht also so aus als wären keine nennenswerten Schäden entstanden. Wenn sich die Ursache für dieses Ereignis geklärt hat, wirst du sicher die Synode informieren", wandte sich Da'an unterdessen an Quo'on und verliess dann die Brücke, das unpassende Verhalten Zo'ors ignorierend. Das, was er noch vor diesem Zwischenfall gesehen hatte, der nun leere Tank Boones, in welchem dieser sich hätte regenerieren sollen, hatte ihn zutiefst erschüttert.
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Da'an folgen ]]
"Sie werden die Brücke umgehend verlassen und sich bei ihrem Vorgesetzten melden", fuhr nun Zo'or Kosimo an, "Ich werde ihm von Ihrem Fehlverhalten berichten lassen."
"Muss das sein?"
Der Satz war ein Fehler, und zwar ein gewaltiger. Zo'or hatte ja nach Fehlern gesucht, aber auf keinen Fall tolerierte sie, dass ihr jemand ungestraft widersprach.
"Nein", erwiderte sie, "Ich kann auch Agent Sandoval auffordern, sich persönlich um diesen Fall zu kümmern."
"Kann ich mich auch einfach bei Ihnen entschuldigen? Es tut mir nämlich schon leid ..."
Zo'or wurde es langsam zu viel. Es war eine der seltenen Situationen, in denen sie die Menschen darum beneidete, einfach mal zuschlagen zu können. Sich mühsam beherrschend, den Freiwilligen nicht mit roher Gewalt persönlich zu entfernen, forderte sie Agent Sandoval auf, umgehend zu erscheinen.
"Ich nehme an, dass ich jetzt doch hier warten soll?", fragte der Freiwillige fast schon liebenswürdig und fing sich einen vernichtenden Blick.
"Sie werden jedes Wort bereuen, das sie in den letzten Minuten gesagt haben."
"Sie sind aber ein furchtbar kapriziöser Taelon", stöhnte der Freiwillige, glücklicherweise aber leise genug, dass Zo'or so tun konnte, als hätte sie es überhört, um sich nicht auf das Niveau einer Diskussion herablassen zu müssen. Kurz entschlossen ließ sie ihn stehen und begab sich zu Quo'ons Platz, um bei diesem vielleicht ein paar Informationen aufzuschnappen.
Derweil betrat Sandoval die Brücke. "Sie wollten mich sprechen, Zo'or?", sagte er kurzangebunden, da er nicht wüsste, was der Taelon von ihm wollen könnte.
"Nehmen sie diesen Freiwilligen dort mit sich und lehren sie ihn, dass er mir besser kein zweites Mal frech kommt!", wies ihn Zo'or an, froh, dass er fragte, da sie das Gespräch schon fast wieder vergessen hatte. Der bemitleidenswerte Freiwillige trat unwillig aber brav von alleine an die Seite Sandovals, seines vermeintlichen Schlächters. Vielleicht hielt er seine Fassung vor allem deswegen, weil er den Asiaten um mehr als zwei Köpfe überragte. - Was auch keine Kunst war, dachte Zo'or.
"Folgen sie mir!", wies Sandoval den Freiwilligen an und machte sich daran, die Brücke zu verlassen. Das Unglückslamm folgte ihm wort- und hoffnungslos.
Als sie die Brücke verlassen hatten, richtete Sandoval das Wort an den Freiwilligen: "Sie sollten in Zo'ors Gegenwart mit dem, was Sie sagen, etwas vorsichtiger sein, da Sie eine vorlaute Zunge leicht Ihren Kopf kosten könnte."
"Kommt mir nachträglich auch beinahe so vor", seufzte der gebürtige Spanier und bemühte sich, zu Agent Sandoval zu schauen, ohne dass es den Eindruck machte, er würde auf ihn herabsehen - leider war das fast unmöglich. "Aber sie ist ja trotzdem ganz sympathisch."
Sandoval runzelte die Stirn. "Sympathisch?", wiederholte er fragend.
"Ja", sagte Ko frei heraus, "Ich würde das mal als ganz herben Charme bezeichnen. Aber ich glaube, das würde mich auch den Kopf kosten ..."
"Wie dem auch sei", Sandoval lenkte das Gespräch wieder zurück auf das Wesentliche, "Ich verwarne Sie hiermit ganz offiziell. Unterlassen Sie Derartiges in der Zukunft! Zügeln Sie sich oder Sie könnten ein paar Probleme bekommen, wenn Sie so weitermachen. Sie sollten Zo'or besser nicht reizen. Haben Sie mich Verstanden?"
"Verstanden. Übrigens, die Verwarnung ist ein schöner Zug von Ihnen", erwiderte Ko ernst, "Ich will mich mühen, sie nicht zu reizen, aber ich kann nur hoffen, das es gelingt. Ich glaube, sie wollte einfach wütend sein. Wie auch immer - ich nehme nicht an, dass ich jetzt zur Brücke zurückkehren sollte?"
"Das sollten Sie wohl unterlassen."
"Dann will ich jetzt wohl gehen", meinte Ko leichthin und stellte mit Erstaunen fest, dass er von dem gefürchteten Sandoval nicht die schlechteste Meinung hatte - und dass Zo'ors Gemüt so gefährlich wie unterhaltsam war. Er nahm sich vor, dem Taelon bald ein weiteres Mal über den Weg zu laufen - allerdings mit einem besseren Eindruck.
'Sie?', dachte Sandoval etwas verwundert, wollte aber nicht weiter darüber nachdenken und entschied sich, den Freiwilligen ziehen zu lassen. Auf die Brücke jedoch wollte selbst er nicht zurück kehren, da Zo'or schon wieder eine seiner berüchtigten Launen hatte und Sandoval nicht in sein Schussfeld geraten wollte. Aber Zo'or einen weiteren Grund liefern, sauer zu sein, wollte er auch nicht und so beschloss er, doch zurück auf die Brücke zu gehen - was er dann auch tat.