OK, Veria udn weil dem so ist, nun der vollständige Text zum Lesen.
Zornig stand die Hüterin am Fenster des Mittelraumes und schaute hinaus.
Jedakar hatte es doch tatsächlich geschafft, sie, Tho'rha, zu überlisten und von diesem Einsatz fern zu halten.
Die Kimera dachte an die vielerlei Gefahren, die den beiden Jaridian und ihren Begleitern drohen mochten im Mutterschiff, wenn nur bei einem der Mitglieder der Gruppe eines der Tarnmodule ausfallen sollte. Ja, es war nicht sehr wahrscheinlich, doch jede Technologie konnte mal einen Defekt aufweisen, auch die bewährteste.
Angst, aber auch Ärger jagten immer wieder hellgrüne Schauer über ihre zierliche Gestalt. Ihre beiden Gefährten waren bei diesem Einsatz dabei und sie konnte es sich nicht vorstellen, einen von ihnen zu verlieren.
Plötzlich erstrahlte hinter ihr buntes Licht und die Hüterin wandte sich um.
Im Kristallportal erschienen drei Gestalten, eine große, massive, eine fast ebenso große, wesentlich schlankere und Sanahi.
Mit großen Augen schaute die Hüterin in das Portal, doch es wurden nicht mehr.
Dann trat sie vom Fenster weg und auf die Gruppe zu. Sie schaute von einem zum andren und mit jedem verfinsterte sich ihr Blick mehr und als sie bei der riesigen Jaridian angelangt war, hielt diese ihrem Blick nur wenige Sekunden stand und schaute dann zu Boden.
"Wo ist er?", grollte die Kimera.
Da'an trat vor und berührte sie am Arm, doch die Hüterin schüttelte ihn mit einem verärgerten "Lass mich!" ab und starrte weiter die Jaridian an.
"Er hat unseren Rückzug gedeckt.", erklärte der ehemalige Botschafter leise.
"Und jetzt ist er in ihren Händen.", erwiderte die Hüterin, immer noch die Jaridian anstarrend. "Verdammt!"
Sie schlug sich, mangels einer anderen Möglichkeit, mit der Faust in die Hand.
"Hast du einen Schimmer, was sie nun mit ihm machen werden?"
"Verhören und dann einsperren.", vermutete die Jaridian.
Tho'rha ließ ein freudloses Lachen ertönen.
"So einfach stellst du dir das vor?!"
"Ja."
Jetzt gestikulierte die Kimera ausladend.
"Du bist hier auf der Erde und nicht auf einem der Allianzplaneten, Jedakar, wach endlich auf!", schrie sie fast. "Die Menschen sind Meister in der Art und Weise, wie sie andere Wesen mit Folter zum Reden bringen! Wenn es drauf ankommt, werden sie ihn in Stücke schneiden, bei vollem Bewusstsein, bis er alles sagt, was sie wissen wollen."
"Eher würde er sterben, als so seine Ehre zu verlieren.", konterte die Jaridian.
"Das befürchte ich auch.", erwiderte die Hüterin, in einem Ton tiefer Resignation. "Jedakar, ich will ihn nicht verlieren, nicht jetzt schon."
In ihren großen dunkelblauen Augen glänzte es feucht und sie schluckte schwer.
Nun trat Jedakar an die uralte Hüterin heran und nahm sie in die Arme.
"Ich auch nicht.", gab sie zurück. "Ich auch nicht."
"Dann lass uns zurückkehren, lass uns ihn da raus holen."
"Nein!"
Aller Ausdruck verschwand aus dem Gesicht Tho'rhas, außer dem fragenden.
"Wa ... warum?"
"Er hat es mir verboten. Keinen Rettungseinsatz, hat er gesagt, unter keinen Umständen."
"Dir hat er es verboten, nicht mir."
"Tho'rha!"
Doch die Hüterin stand schon an der Mittelstrebe, ihren Auslösekristall in der Hand aber die Jaridian war genauso schnell und schloss ihre Hand mit schraubstockartiger Kraft um das Gelenk der Kimera, noch ehe diese mit selbigem die Mittelstrebe zu berühren imstande war.
"Du wirst nicht gehen! Wir werden Rat halten und überlegen, was wir tun können, aber du wirst nicht einfach losrennen, ohne einen Plan."
"Willst du hier sitzen und diskutieren, während die ihn da oben lebendig zerstückeln?!", fauchte die Hüterin und in ihren Augen brannte kein Zorn, sondern Angst. "Jedakar, Kharak ist auch dein Gefährte! Wie kannst du das zulassen, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, ihn davor zu bewahren?"
Der Griff der Jaridian lockerte sich nicht, als sie zwischen ihnen zu Boden starrte.
"Es fällt mir genauso schwer wie dir, aber es hat keinen Sinn, einfach loszustürmen."
Die ganze Zeit hatte Tho'rha versucht, sich aus dem Griff Jedakars zu befreien, doch plötzlich ließ alle Spannung in ihr nach und ihre Schultern sanken herab.
"Du hast ja Recht. Bitte lass mich los, ich verspreche dir, jetzt keinen Versuch zu machen, zu entkommen."
Einen Augenblick schaute die Jaridian die Hüterin noch forschend an und überlegte, doch dann lockerte sie ihren Griff um das Handgelenk der Kimera. Sie war sich sehr wohl bewusst gewesen, dass sie, hätte Tho'rha es gewollt sie sie nicht hätte aufhalten können, doch sie war sich auch dessen bewusst, dass ihr die Hüterin niemals ohne triftigen Grund schaden würde und darauf hatte sie sich verlassen und letztendlich gewonnen, für den Augenblick.
Tho'rha würde sich mit ihnen zusammen hinsetzen und beraten, was nun zu tun möglich und nötig war.
Als Jedakar ihr Handgelenk los ließ, ließ die Hüterin den Kristall wieder in ihrem Innern verschwinden und schaute zu der anderen Frau hoch.
"Dir ist aber klar, dass hier die Zeit eine entscheidende Rolle spielt, wenn wir ihn auch nur annähernd in einem Stück zurück haben wollen?", raunte sie so leise, dass nur Jedakar sie hören konnte.
Die Jaridian nickte nur leicht.
"Dann bin ich beruhigt.", erwidert die Hüterin und wandte sich vom Portal ab.
Kurze Zeit später hockten alle vier zusammen und die Einsatzgruppe berichtete erst einmal, was an Bord der Bergenden schief gelaufen war. Sanahi hatte nicht rechtzeitig ausweichen können, als plötzlich ein Freiwilliger um eine Ecke gestürmt war und es war zu einem Zusammenstoß mit dem unsichtbaren Gegner gekommen.
Sofort war der Gang in dem sich der Vorfall ereignet hatte abgeriegelt worden und es war zum Kampf gekommen. Dann hatten die Freiwilligen ein starkes Störfeld eingesetzt und die Tarnung hatte versagt.
Um dem Rest der Gruppe die Flucht ins Hüterquartier zu ermöglichen, hatte Kharak sich den Freiwilligen zum Kampf gestellt und als letzten Befehl als Einsatzerster noch die Order hinterlassen, dass ihm niemand folgen sollte.
"Ihr seid an den Befehl gebunden.", resümierte die Hüterin an die Einsatzgruppe gewandt und war zum ersten Mal froh, dass Jedakar sie ausgeknockt hatte, bevor die Gruppe aufgebrochen war. "Ich werde gehen."
"Er wird nicht erfreut sein.", warnte die Jaridian.
"Das ist mir auch klar. Aber dir scheint nicht klar zu sein, dass ihr beiden" - Jetzt schloss ihr Blick auch den Taelon mit ein, den sie bisher nicht mehr angesehen hatte. - "nicht nur ihn verlieren werdet, sollte er dort oben sterben."
Da'ans Augen wurden groß, bevor er die Kontrolle über seine Fassade verlor und in gleißendem Blau erstrahlte.
"Das hast du nicht getan! Sag mir, dass deine Worte eben nur eine Plattitüde waren!"
Doch die Hüterin schüttelte den Kopf.
"Erinnerst du dich an den Tag unserer Hochzeit, an das Versprechen das ich ihm gab?", fragte sie, doch ihr Blick machte klar, dass sie diesmal nicht nur den Taelon meinte, auf dessen eidetisches Gedächtnis in der Regel Verlass war.
Und es war auch Jedakar, die antwortete und die Worte, die sie wohl meinen mochte, wiederholte: "'Und ich werde nie mehr ohne dich leben.' Meinst du das?"
Die Kimera nickte leicht. "Ja, genau das meine ich."
"Was hast du getan?!", wollte nun der ehemalige Botschafter wissen.
Tho'rha brachte, trotz ihres Zorns, genug Verlegenheit auf, um ihren Blick zu senken, als sie erwiderte: "Ich habe unsere geistige Verbindung so gestaltet, dass sein Tod mich mitreißen wird."
"Aber...""Hast du dabei auch einen Moment lang an uns gedacht?"
Taelon und Jaridian hatten fast gleichzeitig gesprochen, während die Menschen an den umliegenden Tischen versuchten, möglichst so zu tun, als fände dieses Gespräch nicht in aller Öffentlichkeit statt.
Doch plötzlich ruckte der Kopf der Hüterin zur Seite, als habe sie jemand geschlagen und auf ihrer einen Gesichtshälfte erschien ein vager grünlich schimmernder Schemen.
Langsam hob sie die Hand uns strich über die Stelle, als habe sie Schmerzen dort und sah in die Runde.
"Ich muss gehen.", konstatierte sie "Wenn es so weiter geht, bin auch ich bald handlungsunfähig."
"Nein!", fauchte Jedakar, doch Tho'rha war bereits, schnell wie ein Gedanke, aufgesprungen, hatte, ohne sich um die Belange materieller Wesen zu kümmern, den direkten Weg zum Portal genommen, stand in einer Sekunde im Portal und war im nächsten Moment auch schon verschwunden. Ihre Kleidung lag nun auf dem Stuhl, oder hing an dem Tisch, den sie kurzerhand durchquert hatte, als wäre er nicht da.
Jedakar war aufgesprungen und der Kimera gefolgt, doch sie war nicht schnell genug gewesen. Zu überraschend war Tho'rha in Aktion getreten. "Wir müssen hinterher!", forderte sie, doch Da'an, der ihr gefolgt war, legte ihr sacht die Hand auf den Arm und schüttelte den Kopf. "Es hat keinen Sinn, Jedakar."
Fragend sah die Jaridian den Taelon an.
"Tho'rha hat sicher das Portal im Widerstand genommen und das bedeutet für uns, dass das magische Portal dort für mindestens acht Minuten unbrauchbar ist.", erklärte dieser. "Und bis dahin ist sie längst über alle Berge, wie die Menschen sagen."
"Aber wir wissen doch wohin sie will!"
"Ja, aber wie sie sehr richtig festgestellt hat, sind wir auch an Kharaks Befehl gebunden und dürfen nicht auf das Mutterschiff zurück, nicht in der Absicht, ihn zu retten." Der Diplomat betonte den letzten Teil besonders, um klar zu machen, dass sie sehr wohl zurück konnten, wenn sie einen anderen, triftigen Grund fanden.
"Aber wenn wir zurückkehren, um sie zu unterstützen..."
"Dann verstoßen wir nicht gegen Kharaks Befehl.", beendete Da'an leise.
"Dann lass uns ihr folgen, um ihr jede Unterstützung zukommen zu lassen, die sie brauchen könnte."
Der Diplomat
nickte leicht. "Aber lass uns die Wartezeit nutzen, um zu beraten, wie wir am besten vorgehen und ob Sanahi mitkommen muss, um die Rettungsmission zu unterstützen."
Jedakar kehrte zum Tisch zurück und ließ sich wieder auf ihren Stuhl sinken, während sie erwiderte: "Wenn unbedingt nötig, ja, aber nur dann."
Mit einer Geste machte der Taelon klar, dass er sich dem Befehl der Jaridian unterwerfen würde und diese nickte bestätigend. Sie war bereit, die Verantwortung zu tragen.
"Sanahi", wandte sie sich dann an den Magier "ich würde dich am liebsten hier lassen, aber vielleicht müssen wir uns schnell und unvorhersehbar im Schiff bewegen..."
"Ich werde Euch begleiten, um Euren Gefährten und Eure Gefährtin aus der Gefahr zu bringen."
"Danke, Sanahi."
Dann berieten sie noch einige Minuten lang, wie sie vorzugehen gedachten und brachen schließlich auf.
Tho'rha war, sofort nach ihrer Ankunft im Widerstandsquartier, ins Taelonportal gewechselt und hatte sich aufs Mutterschiff transportieren lassen.
Dort, in der relativen Sicherheit des Hüterquartiers, hatte sie einige optische und energetische Aufzeichnungen abgerufen und schließlich die Zelle ausfindig gemacht, in der man Kharak gerade 'befragte'.
Der Jaridian, war in ein Kraftfeld eingeschlossen und schrie aus Leibeskräften und die Hüterin war kaum fähig, seine Schmerzen von ihrem Geist fern zu halten, ohne ihm gänzlich die Unterstützung, die sie ihm gewährte, zu entziehen.
"Mein Gefährte!", hauchte sie und dachte gleichzeitig darüber nach, was der schnellste und gleichzeitig sicherste Weg war, ihn aus dieser Lage zu befreien.
Nach nur einer Minute hatte sie sich für eine Hin- und eine Rückroute entschieden, denn sie rechnete damit, dass sie den Riesen die meiste Zeit über wohl würde tragen müssen, und machte sich auf den Weg.
Es dauerte nur wenig mehr als eine Minute, bis sie in der Nähe der Zelle in einen Gang trat, jetzt in Gestalt eines Taelon, doch das was sie von Kharak empfing war inzwischen fast unerträglich für sie. Er fühlte sich, als verbrenne er bei lebendigem Leibe und vollem Bewusstsein und selbst in diesem Gang, der zu der kleinen, abgelegenen Zelle führte waren seine Schreie zu hören.
Mit gemächlichem und doch schnellem Schritt kam der Taelon um die Ecke und sah in der Zelle vier Freiwillige der höheren Ränge um eine Konsole stehen, an der einer von ihnen hantierte. Dieser war es auch, der dem Jaridian im Kraftfeld immer wieder die gleichen Fragen stellte und der als Antwort immer nur dasselbe zu hören bekam.
Hoch erhobenen Hauptes trat die Hüterin in den Raum und schaute die Freiwilligen streng an. Ihre Ausstrahlung, die zum Teil von den Implantaten der Freiwilligen aufgefangen und übersetzt wurde, machte deutlich, dass sie sehr unzufrieden war.
"Was haben Sie hier zu suchen? Haben Sie nichts zu tun?", wandte sie sich zuerst an die Gaffer, die darauf sofort salutierten und verschwanden.
Dann trat sie an die Konsole heran und las kurz die Werte ab.
Jedakar würde Recht behalten, wenn sie hier nicht schnell handelte, erkannte sie. Kharak war dem Tode näher als dem Leben und nun ließ sie auch den verbliebenen Menschen ihre Unzufriedenheit spüren.
"T'than will Antworten, kein Häufchen Asche!", fauchte sie ihn, scheinbar verärgert, an, tatsächlich jedoch regte sich fast schon panische Angst in ihr.
War sie noch rechtzeitig gekommen, um ihren riesigen neuen Gefährten zu retten?
"Aber T'than wollte schnellstmöglich Antworten!", verteidigte sich der Mann.
"Ja, das hat er gesagt, aber er hat nicht befohlen, dass Sie den Gefangenen umbringen sollen, bevor er Ihnen die Informationen gegeben hat, die wir brauchen!"
"Schalten Sie das hier ab und suchen Sie sich für die nächste halbe Stunde eine andere Beschäftigung, damit der Gefangene sich erholen kann, dann befragen Sie ihn weiter!"
"Jawohl!", erwiderte der Mann und schaltete das Kraftfeld ab, das den riesigen Jaridian quälte, ohne jedoch das Fesselfeld zu desaktivieren.
Mit einer ungeduldigen Geste machte die Hüterin klar, dass er nun zu verschwinden hatte und der Mann befolgte ihren Befehl, zu ihrer großen Überraschung.
Tho'rha folgte dem Freiwilligen einige Schritte und wandte sich dann, als dieser außer Hör- und Sichtweite war, wieder um und kehrte in die Zelle zurück.
Mit wenigen Handgriffen desaktivierte Tho'rha auch das Fesselfeld und es geschah, was sie befürchtet hatte. Kharak sackte einfach zusammen und blieb bewusstlos halb auf der kleinen Plattform liegen.
Plötzlich begann eine Alarmsirene zu heulen.
"Shabra!", fluchte sie und konzentrierte sich dann.
"Gut, dass ich so gut in Form bin heute.", hauchte die Hüterin und trat an den Jaridian heran und strich ihm behutsam über den nackten Rücken, wobei sie ihm schon eine erste, kleine Menge heilender Energie zukommen ließ, um seine überstrapazierten Systeme für den Transport zu stabilisieren.
Dann hob sie ihn auf ihre Schultern um die Zelle zu verlassen, als mehrere Freiwillige um die Gangbiegung stürmten und den vermeintlichen Taelon erst einmal verdattert anstarrten, bevor sie mit den Waffen auf ihn anlegten.
Doch in diesem Augenblick öffnete sich unter ihr der Boden und sie verschwand mit ihrer Last darin, sehr zur Verblüffung der Freiwilligen.
Die Hüterin raste durch Gänge und Wartungstunnel, immer darauf bedacht, den intensiven Scanns auszuweichen, die nach ihrer gelungenen Flucht mit dem Jaridian im ganzen Schiff abliefen.
Nach fast unendlich erscheinender Zeit, die jedoch in Wirklichkeit nur wenige Minuten gedauert hatte, erreichte sie schließlich das Hüterquartier und bat das Schiff um eine Liege für den Riesen.
Es dauerte einige Momente, bis diese gewachsen war und gerade als Tho'rha Kharak darauf gebettet hatte, spürte sie den Energieaufbau im Portal hinter sich.
Kampfbereit drehte sie sich um und starrte den Ankömmlingen entgegen.
Doch schon im nächsten Moment entspannte sie sich, wenn auch nicht ganz.
"Was wollt ihr hier?", fragte sie verärgert.
"Dir helfen.", war die Antwort, die sie von Jedakar bekam.
"Wie du siehst, ist das nicht mehr nötig, ich bin voll und ganz Herr der Lage."
Die Jaridian wies auf den Verletzten hinter der Hüterin.
"Dann sollten wir sehen, dass wir ihn so schnell wie möglich zurück und in heilende Hände bekommen."
Doch die Hüterin schüttelte den Kopf.
"Geht bitte!", sagte sie leise "Er ist nicht transportfähig und mit jeder Minute die verstreicht, sinken seine Überlebenschancen. Um ihm zu helfen, brauche ich absolute Ruhe und Konzentration."
Dann trat sie dicht an den Taelon und die Jaridian heran und raunte:
"Entweder bringe ich ihn einigermaßen auf eigenen Beinen stehend wieder, oder keiner von uns beiden kehrt zurück von hier. Lasst mich mit ihm allein, bitte!"
"Aber...", setzte Jedakar an, doch Da'an legte ihr die Hand auf den Arm und schüttelte den Kopf.
"Sie weiß, was sie tut, glaub mir!", raunte er ihr zu "Kehren wir zurück und hoffen auf das Beste, mehr können wir im Augenblick nicht ausrichten."
Die Kimera nickte und lächelte beide aufmunternd an. Dann wandte sie sich ab und trat an die Liege mit dem Bewusstlosen.
Augenblicklich glühten ihre Hände in einem sachten goldenen Schein auf und sie berührte zuerst sein Gesicht, das verschwollen und blutüberströmt war.
"Mein Geliebter! Lass mich nicht allein! Kämpfe! Kämpfe nur noch dieses eine Mal, hilf mir, dich zu heilen.", raunte sie kaum hörbar, als sich hinter ihr das Portal erneut aktivierte.
~Gib mir einen Überblick über seine Verletzungen, physische und energetische.~, bat sie in Gedanken das Schiff und schon im nächsten Augenblick erschien vor ihr ein Datenstrom, der detailliert anzeigte, wie es um den Riesen stand und die Hüterin erstrahlte in gleißendem Grün. Es war schlimmer als sie gedacht hatte und ihr würde nur eine Möglichkeit bleiben, ihn zu retten, wenn das überhaupt noch möglich war.
Sie legte ihre Fassade ab und schwebte zu ihm auf die Liege, um sich dann ausgestreckt auf seinen geschundenen Körper sinken zu lassen. Dann löste Tho'rha das Kraftfeld auf, das ihrem energetischen Körper scheinbare Festigkeit verlieh und sank in Kharak hinein.
Je tiefer der Kontakt zu ihm wurde, desto mehr kämpfte sie gegen den schier unerträglichen Schmerz an, der ihm das Bewusstsein geraubt hatte und der nun sie zu übermannen drohte.
Doch sie wusste, wenn sie jetzt die Kontrolle verlor, würden sie beide sterben und so ertrug sie es und setzte nun ihren ganzen Körper ein, um schnell und effektiv zu heilen, was dem Riesen sonst sein Ende bereitet hätte.
Es dauerte geraume Zeit, die der Hüterin wie eine Ewigkeit erschien, bis sie alle Schäden in seinem Körper mehr oder weniger gründlich repariert und sein überstrapaziertes Nervensystem stabilisiert hatte und sich wieder aus ihm löste.
Kraftlos sank Tho'rha neben Kharaks Liege zu Boden, wo es ihr gerade noch gelang, das Schiff um eine Decke für ihn zu bitten, bevor sie gänzlich handlungsunfähig und zusammengekrümmt fast bewusstlos liegen blieb.
Sie bekam gerade noch mit, wie das Erbetene über den Körper des Riesen wuchs und dann verlor die Hüterin auch die Fähigkeit, ihre Umgebung wahrzunehmen.
Wie lange sie so gelegen hatte, wusste sie nicht, als plötzlich eine sachte Berührung und eine tiefe, leise Stimme die Hüterin zurück in den Raum rief.
Tho'rha spürte um sich und bemerkte, dass sie auf einer relativ weichen Unterlage auf dem Rücken und nicht mehr zusammengekrümmt auf dem Boden lag. Erst jetzt öffnete sie die Augen und sah über sich ein besorgtes Gesicht, mit markanter Zeichnung.
"Was ist geschehen?", fragte Kharak nun, da er sah, dass sie wieder ansprechbar war.
"An was erinnerst du dich noch?", fragte Tho'rha zurück.
Der Jaridian überlegte, während die Hüterin das Schiff darum bat, die Liege breiter und niedriger zu gestalten.
"Eine Energieentladung traf mich in Schulterhöhe
genau in die Wirbelsäule und ich wurde augenblicklich bewegungsunfähig. Dann haben mich mehrere Freiwillige zusammengeschlagen. Noch halb gelähmt, wurde ich in diese kleine Zelle gebracht, entkleidet und in das Kraftfeld eingesperrt und dann..." Er schluckte hart. "Dann war da nur noch Schmerz und ... und ich habe ... ich habe geschrien,... glaube ich. Aber an mehr erinnere ich mich nicht, bis ich hier aufwachte, unter einer warmen Decke und du neben mir am Boden lagst, völlig zusammengekrümmt und anscheinend bewusstlos. Was ist geschehen, wie komme ich hierher?"
Die Hüterin sah nun zu ihrem Gefährten auf und klopfte sacht auf die Liege, auf den Platz neben sich, der inzwischen entstanden war.
"Komm her, du brauchst genauso dringend Ruhe, wie ich.", bat sie "Ich werde dir alles erklären."
Kharak ließ sich neben die Kimera auf die Fläche sinken, legte sich hin, stützte jedoch seinen Arm so auf, dass er ihr weiterhin ins Gesicht sehen konnte.
Die Hüterin berührte sacht das Gesicht ihres Gefährten, als müsse sie sich erst einmal überzeugen, dass er wirklich hier neben ihr lag und sie nicht nur träumte.
Dann betrachtete sie seinen muskulösen Körper. Es machte ihr nicht das Geringste aus, dass er völlig nackt war. Sein Körper war ein Kunstwerk, vom Kopf bis zu den Füßen und es war eine Freude für sie, ihn einfach nur betrachten zu können und das ließ sie ihn auch spüren.
Das Gefühl, das Tho'rha für ihn hatte, zauberte ein Lächeln auf die Lippen Kharaks und er beugte sich herab und küsste sie sacht, bevor er bat:
"Bitte erkläre es mir."
Die Hüterin senkte die Lider ein wenig und formte eine unbestimmte Geste.
"Die anderen hattest du mit deinem Befehl gebunden. Sie durften dir nicht folgen, um dich zu befreien, also blieb nur ich.
Trotz Jedakars Versuch es zu verhindern, bin ich gegangen. Ich hatte einen Plan und wusste, dass meine Kraft ausreichen würde, dich notfalls zu tragen bis wir in Sicherheit sind und das habe ich schließlich auch getan, als ich dich aus dem Fesselfeld geholt hatte.", begann sie leise, während ihre Hand behutsam seine Seite berührte.
"Und wie bist du die Freiwilligen los geworden, die mich dort hinein verfrachtet hatten? Du hast sie doch nicht etwa umgebracht?"
Tho'rha schüttelte den Kopf und grinste kurz.
"Nein, das war gar nicht nötig.", meinte sie, machte aber gleichzeitig klar, dass sie auch dazu bereit gewesen wäre, wenn ihr keine andere Wahl geblieben wäre "Ich habe sie fortgeschickt, in meiner Eigenschaft als Taelon. Ihnen blieb praktisch keine Wahl, als zu gehorchen, doch als ich das Fesselfeld abschaltete, wurde Alarm ausgelöst und ich konnte nur mit knapper Mühe entkommen."
"Wie?"
Wieder zeigte die Hüterin dem Jaridian ein schelmisches Grinsen.
"Es hat Vorteile, der erste Hüter zu sein.", erklärte sie "Ich habe das Schiff um Hilfe gebeten und als die Freiwilligen die Zelle erreichten, bin ich buchstäblich vor ihren entsetzten Augen im Boden versunken, mit dir auf meiner Schulter."
Sie wollte nicht, dass er wusste, wie gefährlich und schwierig die Operation trotzdem für sie gewesen war und in wie viele Sensorfallen sie fast hineingelaufen wäre.
Eine Weile sagte der Riese gar nichts, doch dann beugte er sich zu ihr herab und seine Lippen berührten die ihren.
~Du hast alles riskiert, um mich da raus zu holen.~, flüsterten seine Gedanken und ein leiser Vorwurf lag in seiner geistigen Stimme ~Das war taktisch nicht sehr klug.~
~Ich weiß, aber ich hatte keine Wahl.~, raunten die ihren zurück, während sich ihre Lippen fast schon gierig um die seinen schlossen und sie die Arme um seinen Nacken schlang.
Plötzlich löste sich der Jaridian wieder von den Lippen seiner Gefährtin und sah ihr fest in die Augen.
"Warum?"
"Hm?" Die Hüterin schaute fragend zurück.
"Warum hattest du keine Wahl? Es gibt immer einen Ausweg."
"Erinnerst du dich an den schönsten Tag, den wir zusammen erlebt haben? An das Versprechen das ich dir gab?", wollte sie leise wissen, während ihre Hand weiter sacht über seine Seite strich, ohne eine bestimmte Wirkung zu beabsichtigen.
Er überlegte einen Moment, schaute den Ring an, den ihm, aus irgendwelchen Gründen, die er nicht verstand, die Freiwilligen nicht abgenommen hatten und meinte schließlich:
"Du hast mir versprochen, für den Rest unseres gemeinsamen Lebens zu mir zu halten, mich zu respektieren und zu lieben und dass du dir ein Leben ohne mich nicht mehr vorzustellen vermagst."
Langsam nickte die Hüterin und sah dem Jaridian tief in die Augen, deren Farbe sie so faszinierte.
"Das ist gut zusammengefasst", stellte sie fest "aber erinnerst du dich auch an den Wortlaut?"
"Ja, ich höre die Worte immer wieder in meinem Geist. Aber was meinst du?"
Tho'rha sah nur zu ihm auf, als erwarte sie, dass er die Antwort auf seine Frage allein fände.
Es dauerte einen Moment, doch dann wurde die Augen Kharaks groß und er schüttelte leicht den Kopf. "Das hast du nicht so gemeint, wie du es gesagt hast.", versuchte er sich zu beruhigen, doch die Hüterin nickte nun deutlicher.
"Doch, genauso habe ich es gemeint."
"'Ich werde nicht mehr leben können, ohne dich.'", zitierte er noch genauer, was sie an diesem Tag vor allen Zeugen zu ihm gesagt hatte.
"Ja, mein Geliebter", flüsterte sie, kaum hörbar "es tut mir leid, wenn dich diese Situation überfordert, aber wenn dein Leben endet, dann werde ich dir in die Dunkelheit folgen, um dich ins Licht zu führen."
"Wie soll das gehen?"
"Das möchte ich dir nicht auseinandersetzen, Kharak, bitte.", bat sie leise "Es klingt für jemanden, für den Telepathie nicht so selbstverständlich ist, wie für unsereinen, zu schrecklich, was es aber nicht ist."
"Du wirst nicht leiden?", wollte er nachgebend nur noch wissen.
Tho'rha schüttelte den Kopf. "Nein, nicht mehr, als jedes Wesen, das ein geliebtes solches verliert."
"Dann will ich vorerst nicht mehr darüber wissen.", beschloss der Jaridian das Thema und nahm seine Gefährtin fest in die Arme. ~Weiß der Rest der Gruppe wo du bist und wann du zurück kehrst?~
~Ja~, bestätigte sie, während ihre Lippen erneut nach den seinen suchten und sie fanden ~sie waren vorhin hier, doch ich habe sie fort geschickt. Ich konnte keinerlei Störung gebrauchen zu diesem Zeitpunkt und du warst nicht mehr transportfähig.~
~Was hast du ihnen gesagt, wann du zurück kommst?~
~Gar nichts, es war unmöglich einzuschätzen, wie lange ich brauchen würde.~
Die Hüterin stockte einen Moment, doch Kharak spürte, dass sie noch mehr zu sagen hatte und schwieg.
~Ich sagte Jedakar und Da'an, dass ich entweder mit dir, einigermaßen gesund und auf eigenen Beinen stehend, zurück kommen würde, oder keiner von uns beiden.~
~Sie werden sich Sorgen machen.~
~Ich weiß, aber im Augenblick ist keiner von uns schon in der Lage, sich auf eigenen Beinen zu bewegen, zumindest nicht mehr als ein paar Schritte weit. Wir kämen im Hauptquartier nicht mal vom Interdimensionsportal zum Kristallportal, ohne zusammenzubrechen.~
Kharak fühlte in sich hinein und musste der Einschätzung seiner Gefährtin widerwillig recht geben. Selbst der kurze Moment, den er gebraucht hatte, um von der Liege aufzustehen und sie darauf zu betten hatte ihn fast zu Tode erschöpft.
~Was machen wir nun?~, wollte er wissen.
~Das, wonach dir ist, Kharak.~, gab die Hüterin zurück ~Es gibt mehrere Möglichkeiten, seine Energiereserven wieder aufzufüllen. Such dir die aus, die dir im Moment am angenehmsten ist.~
Der Jaridian tat so, als müsse er erst einmal überlegen, doch sein Körper hatte sich längst entschieden und so wanderte seine freie Hand sacht über die imaginäre Haut der Kimera und strich schließlich über scheinbar weiche Fülle, während er sich wieder zu ihr herabbeugte und sie erneut küsste.
Jetzt ließ auch die Hüterin absichtsvoller ihre Hände wandern und übte geschickt hier und da bewusst leichten Druck aus.
Ein leises Seufzen entrang sich der Kehle des Männlichen, als er zu spüren bekam, was die Hände seiner Gefährtin bewirkten.
Dann wanderte seine Hand fort und tiefer, bis sie erreichte, was nun ihr einen leisen Seufzer entlockte.
Sehr behutsam bewegte er sich und sank schließlich ganz langsam und genussvoll in ihr Inneres.
Die Hüterin keuchte auf, als sie sein Feuer so tief in sich spürte und dachte dann daran, dass für ihn jede körperliche Anstrengung nicht gut war und so schlang sie ihre Beine fest um seine Hüften und drehte sich mit ihm, so dass er auf dem Rücken zu liegen kam.
Sie sah ihm fest in die Augen, als sie sich nun langsam und behutsam zu bewegen begann. Es war für die Kimera einfach nur reiner Genuss, mit dem riesigen Jaridian zusammen zu sein.
Zuerst verdattert, doch dann voller Freude blickte er zu ihr auf, doch dann ließ er seine Hände über weiche Haut wandern und folgte ihren Bewegungen, in dem Bemühen, sie noch tiefer zu erkunden, zu fühlen was goldenes Feuer in ihren dunkelblauen Augen entzündete.
Trotz der Behutsamkeit ihrer beider Bewegungen dauerte es nicht lange, bis sich Energie in jedem zentrierte, sammelte und noch mehr zentrierte und der Jaridian gab zuerst ein leises Keuchen von sich, auf welches die Kimera ihren Kopf in den Nacken legte und nun ihrem Körper die Führung überließ. Schnell wurden ihre Bewegungen heftiger, schneller, fordernder und ihre Augen glühten golden auf.
Tho'rhas Hände krallten sich in Kharaks Arme als sie spürte, wie sich Feuer in ihrem Inneren ausbreitete, dann zentrierte und im nächsten Moment explodierte und ihr Bewusstsein mit sich riss.
Wie lange sie nichts mehr von ihrer Umgebung wahr genommen hatte, wusste die Hüterin nicht zu sagen, als sie sich wieder ihres Körpers bewusst wurde.
Sie fand sich auf der Brust des riesigen Jaridian liegend und hörte einen Moment dem rasenden Herzschlag zu, bis ihr auffiel, dass mit selbigem etwas nicht stimmte.
Sofort war sie hellwach, legte sacht eine Hand an
den Hals ihres Gefährten und fühlte nach seinem Puls. Sie hatte sich nicht getäuscht, der Herzschlag Kharaks war nicht mehr ganz regelmäßig.
Konzentriert überlegte sie, in welchen Bahnen sich die Abweichungen bewegen durften, ohne dass sie als Alarmsignal ausgelegt werden mussten und erkannte bald, dass es dem Männlichen den Umständen entsprechend gut ging, worauf auch das selige Lächeln in seinem Gesicht hindeutete.
Langsam ließ sich Tho'rha wieder in ihre frühere Lage sinken und horchte und fühlte in ihren Gefährten hinein. Es ging ihm energetisch schon wesentlich besser, als noch vor einiger Zeit und sie traute ihm nun zu, dass er sich auch über eine gewisse Strecke wieder auf eigenen Beinen würde bewegen können.
Dann überprüfte sie ihren eigenen Energiezustand und war erstaunt. Sie hatte sich fast völlig von den Strapazen der Befreiung und Heilung Kharaks erholt.
Wie war so etwas möglich geworden?
Tiefer und tiefer fühlte die Hüterin nun in sich und auch in den Jaridian hinein.
Da waren Energien, strömend und sacht pulsierend und Blut, das kraftvoll durch Gefäße floss, aber auch Energie, genau wie bei ihr.
Da waren ein leises Flüstern im vierten Zentrum und das machtvolle Schlagen eines großen Herzens.
Und da war etwas, das sie zuerst übersehen hatte und jetzt, als sie es bemerkte, nicht glauben konnte, in der Nähe des zweiten solchen des Jaridian.
In dem Moment, als sich Tho'rha dessen bewusst wurde, erwachte Kharak und schaute in ein Gesicht, das vor Freude von innen heraus zu leuchten schien und auf dem ein Grinsen lag, das so breit war, wie er es bei seiner neuen Gefährtin noch nie gesehen hatte.
"Was ist?", wollte er verblüfft wissen, doch die Hüterin schüttelte den Kopf.
"Du würdest es mir doch nicht glauben."
"Versuchs!", forderte Kharak sie heraus.
"Was würdest du sagen, wenn ich dir sagte, dass es nicht mehr eurer Heiler bedarf."
"Um was zu erreichen?" Er ahnte etwas, doch zugleich wollte sich der Jaridian versichern.
"Um dich noch mal Vater werden zu lassen.", gab die Hüterin grinsend zurück.
"Um mich Vater werden zu lassen?" Die Augen Kharaks wurden groß. "Du meinst..." Wieder stockte er und der Griff seiner muskulösen Arme verstärkte sich unwillkürlich. "Was hast du getan?!"
"Hey!", protestierte sie "Tu mir nicht weh! Ich kann nichts dafür!" Dann grinste sie wieder, als er seinen Griff bewusst etwas lockerte. "Nun ja, dafür kann ich schon, aber es geschah nicht mit Absicht."
"Wie... wann?"
"Als du vorhin verletzt warst, als ich dich heilte.", begann sie und gestikulierte vage mit der einen Hand.
Sie hatte keinen Schimmer, ob er das, was sie ihm nun erklären würde, auch verstehen würde, ja es überhaupt konnte.
"Shaqarava reichte nicht aus, um dich schnell genug außer Gefahr zu bringen.", raunte sie und produzierte gleichzeitig auf der geistigen Ebene das Bild, das ihr der Datenstrom gezeigt hatte. "Also setzte ich meinen gesamten Körper und damit meine eigenen Selbstheilungsfähigkeiten ein, um zu retten, was ich nicht aufzugeben gedachte."
Sanft glitt seine Hand über ihren Rücken.
"Und was geschah dann?"
"Ich weiß es nicht genau, doch irgendwie müssen meine instinktiven Heilungsfähigkeiten, die ich in dem Moment für dich einsetzte, erkannt haben, dass da ein Schaden vorliegt, dass eine Verbindung unterbrochen wurde, die eigentlich zusammen gehörte und so wurde auch diese wieder zusammen gebracht. Frag mich bitte nicht wie, ich könnte es dir nicht erklären."
Sie grinste verschmitzt.
"Wenn du willst, kann ich den Prozess rückgängig machen, aber ich kann es auch so lassen, wie es jetzt ist, dann aber müsstest du dich in Zukunft etwas mehr vorsehen. Was ist dein Wunsch?"
Tho'rha blickte aufmerksam in die goldgelben Augen des riesigen Jaridian und dieser lächelte.
"Ich weiß, was du dir mehr als alles andere wünschst, auch wenn du seit jenem Tag nicht mehr darüber gesprochen hast.", erwiderte er nachdenklich.
War es ihr gegenüber fair, überlegte Kharak, wenn er ihr ihren Wunsch ausschlug, nur weil er sich selbst für zu alt hielt, noch einmal ein Kind aufzuziehen?
"Es geht hier nicht darum, was ich will, sondern darum, was du dir wünschst.", gab sie fordernd zurück "Wünschst du dir intensiv genug Nachkommen mit mir, um das Risiko einzugehen, Gale ungewollt zu schwängern, zum Beispiel?"
"Gale verhütet, hat sie mir gesagt.", konterte er leise.
Tho'rha kniff für einen Augenblick die Augen ein wenig zusammen, als sie antwortete:
"Du weißt, wie ich das meine."
Der Blick des Jaridian wanderte vom Gesicht der Hüterin hinab zu einem Punkt irgendwo an ihrem Hals, als er überlegte.
"Ich weiß es nicht, nicht so schnell. Ich muss darüber nachdenken, mich vielleicht auch mit Jedakar beraten."
Tho'rha legte den Kopf ein wenig schief und lächelte leicht.
"Das verstehe ich.", erwiderte sie und strich sacht über seine Lippen "Doch bis du dich entschieden hast, solltest du vorsichtig sein, bis dahin kommen für dich nur Jedakar und ich als Partnerinnen in Frage, nur um ganz sicher zu gehen."
"Das verstehe ich. Gale hat mir gesagt, dass ihre Verhütungsmethode nicht hundertprozentig sicher ist."
Die Hüterin nickte und löste sich behutsam von dem Riesen.
"Dann sollten wir jetzt erst einmal zurück kehren.", bestimmte sie und ließ sich von der Liege gleiten.
Einen Augenblick später stand sie neben dem Möbel und wirkte, als sei sie in eine helle Hose, gleichfarbige Schuhe und ein himmelblaues Top gekleidet.
Suchend schaute sie sich im Raum um.
"Du brauchst was anzuziehen.", stellte sie fest "Schließlich wollen wir doch nicht mehr Aufsehen erregen, als unbedingt nötig."
Für einen Moment schaute sie sich noch im Raum und schnippte dann mit den Fingern.
"Warte einen Moment, ich bin gleich zurück.", meinte sie dann und trat ans Interdimensionsportal. Einen Augenblick später war sie durch selbiges verschwunden.
Der Jaridian war einfach liegen geblieben und ließ sich nun wieder nach unten sinken.
Was hatte seine uralte Gefährtin denn nun ausgeheckt?
Es dauerte nur wenige Momente, als sich das Portal erneut aktivierte und Tho'rha zurück brachte. Doch statt der erwarteten Kleidung hatte sie scheinbar nichts bei sich.
Fragend schaute Kharak zu ihr auf, als sie an die Liege trat und ihn angrinste.
"Ich weiß doch, dass es dir nichts aus macht, in Wirklichkeit nackt zu sein, also reicht doch das hier.", kommentierte sie und in ihrer Hand erschienen drei kleine Tarnmodule und ein Gurt, mit welchem selbige am Arm Kharaks befestigt werden konnten.
"Stimmt.", erkannte er, stand auf, nahm ihr zuerst den Gurt und dann die Module ab und befestigte alles an seinem Körper. Einen Moment später stand er vor ihr, scheinbar voll bekleidet, in Kampfanzug und Stiefeln.
Prüfend glitt der Blick der Hüterin über die muskulöse Gestalt und dann nickte sie.
"Wunderbar, so können wir los. Man wird uns schon erwarten."
Kharak machte ein paar Schritte auf das Portal zu und strauchelte plötzlich.
"Hey!", ermahnte Tho'rha den Riesen, an dessen Seite sie geblieben war und den sie nun bei seinem Bemühen das Gleichgewicht wieder zu finden unterstützte. "Nicht so hastig. Du bist alles andre als wieder voll hergestellt."
"Das ist mir nun auch klar.", brummte Kharak und ließ sich von seiner zierlichen Gefährtin führen.
Wenige Sekunden später erschienen beide im Portal im Widerstandshauptquartier, wechselten den Raum und verschwanden durch das magische Portal in die Siedlung.
Im Mittelraum, der Silberblütigensiedlung hockten Jedakar und Da’an an einem der Tische nahe des Portals und beobachteten selbiges.
Es hatte eine Weile gebraucht, bis der ehemalige Botschafter die Jaridian hatte überzeugen können, in der Siedlung zu warten und sich hier zu setzen und so war die Zeitspanne verhältnismäßig kurz, die sie hier erst warteten, als sich das Portal erneut aktivierte und im Wirbel zwei Gestalten erschienen.
Die größere und massivere wurde offenbar von der kleinen und zierlichen gestützt.
Sofort sprang Jedakar auf und war mit der Geschwindigkeit ihres Volkes schneller am Portal, als der Transport beendet war.
Sie trat an die andere Seite ihres Gefährten und griff mit zu, um ihn zu stützen und wunderte sich, wie schwer er sich an ihre Seite lehnte.
"Komm", wandte sich die Hüterin an die riesige Jaridian "Kharak muss so schnell wie möglich wieder in ein Bett. Er braucht Ruhe und Erholung."
"Gut", nickte die Jaridian und führte ihren Gefährten in Richtung Krankenstation.
"Und du wirst schlafen!", bestimmte die Hüterin, die bei den beiden geblieben war, auch wenn Jedakar nun die Hauptlast trug.
Kharak nickte nur, während sein Blick auf der zierlichen Gestalt an seiner Seite ruhte.
"Ich werde bei dir bleiben, versprochen.", raunte sie, nach einigen Schritten.
"Guuut." Ein leichtes Grinsen erhellte sein Gesicht.
Sacht klopfte sie ihm mit der freien Hand auf den um ihre Schulter liegenden Arm und er verzog das Gesicht. Diese Art von Berührung schmerzte ihn.
"Es wird alles gut werden, glaub mir.", versprach sie leise.
Kharak nickte nur und ließ sich bis zum Krankenzimmer führen und in eines der Betten verfrachten.
Erst als sie ihn zugedeckt hatte, griff Tho'rha behutsam nach den Tarnmodulen und schaltete sie ab, so dass nun zu sehen war, dass der Riese unbekleidet war.
"Ich werde Xel bitten, dich noch mal zu checken, damit wir sicher gehen, dass ich nichts übersehen habe, was dir noch zur Gefahr werden könnte.", bestimmte sie und verschwand aus dem Zimmer.
Jedakar schaute auf ihren geretteten Gefährten herab. Sie erkannte in seinen Augen, dass etwas in ihm arbeitete.
"Möchtest du darüber reden?", fragte sie leise.
Der Männliche nickte. "Ja", erwiderte er "Es ist etwas geschehen und es muss eine Entscheidung getroffen werden, die uns alle angeht, uns alle vier."
"Was?"
Kharak rang mit sich, suchte nach
Worten, doch endlich erklärte er:
"Als Tho'rha mich heilte ... Sie hat mich verändert." Er formte eine unbestimmte, hilflose Geste, als er fortfuhr: "Sie sagte, es sei nicht mit Absicht geschehen und ich glaube ihr. Als ich erwachte, habe ich ihre Überraschung gespürt ... und ihre Freude."
"Was hat sie verändert?" Jedakar ahnte etwas, wollte es jedoch aus dem Munde ihres Gefährten hören, um sicher zu sein.
"Sie ... sie hat die Verbindung wieder hergestellt und sagt, ich könne wieder Vater werden, wenn ich es will." Er schwieg und formte wieder die hilflose Geste.
"Sie wünscht sich so sehr Nachkommen von mir.", setzte nach ein paar Sekunden, in denen seine Gefährtin ihn nur fragend angeschaut hatte, hinzu "Aber sie hat mir auch angeboten, den früheren Zustand wieder herzustellen, wenn ich das wünsche."
"Und nun weißt du nicht weiter und bittest mich um Rat?", seufzte Jedakar.
Kharak nickte nur und wich ihrem Blick aus.
"Was soll ich dir raten, wie entscheiden? Es ist dein Leben, dein Wille, Kharak."
"Es geht uns alle an, uns alle vier. Wie würdest du in meiner Lage entscheiden?"
"Ich weiß es nicht.", gab Jedakar zurück, beugte sich über ihren Gefährten und umarmte ihn. "Willst du Nachkommen mit Tho'rha?", fragte sie leise.
"Ich weiß es nicht. Was würden das für Wesen werden?"
"Wahrscheinlich Wesen wie Liam Kincaid, uns also recht ähnlich." Sie überlegte einen Moment und fügte dann an: "Das hängt wohl davon ab, was sie ihnen mit gibt, denn im Gegensatz zu uns, kann ein Energiewesen wohl steuern, welche Eigenschaften es seinen Nachkommen zukommen lässt."
Gerade in diesem Moment öffnete sich die Tür und die Hüterin betrat den Raum, zusammen mit Xel.
Sie grinste die beiden Jaridian an und nickte dann.
"Du hast in gewissem Maße Recht, Jedakar, bis zu einem gewissen Grad können wir steuern, welche Gene bei unseren Nachkommen aktiv sind und welche ruhen, doch in diesem Körper kann ich es nicht in dem Umfang, wie du es vielleicht gemeint hast."
"Und was würdest du deinem Kind gern mitgeben?", wollte nun Kharak wissen.
Die Hüterin legte den Kopf ein wenig schief und betrachtete ihren riesigen Gefährten.
Inzwischen war Xel ans Bett des Befreiten getreten und ließ seinen winzigen Scanner über dessen Körper gleiten.
Als der Heiler fertig war, sah ihn die Hüterin fragend an.
"Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.", beantwortete er die unausgesprochene Frage Tho'rhas „Sein Nervensystem wurde unverhältnismäßig belastet und es kann einige Tage dauern, bis es sich wieder völlig beruhigt hat, aber es sollten keine permanenten Schäden zurück bleiben."
"Danke, Xel.", antworteten die Hüterin und beide Jaridian wie aus einem Munde und mussten dann grinsen.
Der Heiler nickte allen einen freundlichen Gruß zu und wandte sich ab, doch in dem Moment legte die Hüterin ihm die Hand auf den Arm.
"Und was ist mit Kharaks Reproduktionsfähigkeit?", fragte sie nun ganz direkt.
Xel wandte sich um und sah dem Jaridian ins Gesicht, in dessen Augen die selbe Frage stand, die Tho'rha in Worte gefasst hatte.
"Sie brauchen sich keine Gedanken zu machen, ungewollt für Nachwuchs zu sorgen, Kharak.", erklärte er "Zumindest nicht in absehbarer Zeit."
Eine gewisse Erleichterung machte sich im Gesicht des Männlichen breit, während das seiner neuen Gefährtin eher von Enttäuschung zeugte, auch wenn sie sie zu verbergen suchte.
"Was verstehen Sie unter absehbarer Zeit?", gelang es der Hüterin schließlich zu fragen.
"Für die nächsten Wochen und Monate.", beschwichtigte der Arzt sie "Was in ein paar Jahren sein wird, lässt sich jetzt noch nicht voraussagen. Dieser Organbereich blieb sehr lange ungenutzt und so besteht die Möglichkeit, dass er nie mehr in der Lage sein wird, gesunde und fortpflanzungsfähige Keimzellen zu bilden."
Für einen kurzen Moment senkt die Hüterin den Kopf und presste die Lippen zu einem dünnen, blutleeren Strich zusammen, bevor es ihr gelang, sich zu fassen und dem Heiler zu danken.
Als dieser den Raum verlassen hatte, fühlte sie plötzlich eine sehr warme Hand auf ihrem Arm und eine andere auf der Schulter und blickte in die ruhigen Gesichter der beiden Jaridian.
"Wir schaffen das, wir alle vier.", meinte Jedakar und Kharak fügte hinzu: "Es ist noch nicht alles verloren, aber es verschafft uns Zeit, zeit zum Nachdenken und Entscheidungen treffen."
Traurig nickte Tho'rha.