Re:#SNW – Schöne neue Welt 000 – Portalkomplikationen
Es war kurz vor Mittag als Boone entschied seinen Arbeitsplatz zu verlassen um für eine Pizza auszugehen. Es gab nichts spezielles zu tun an diesem Morgen, so dass er sich eine Pause zu dieser Stunde durchaus erlauben konnte. Kurzerhand sperrte er alle Dateien, die er geöffnet hatte, bevor er den kompletten Computer sicherte. Dann, als sich der Bildschirm ausshaltete, erhob er sich, griff nach seiner braunen Lederjacke und legte sie über seine rechte Schulter. So hing sie mit ihrer rechten Seite vorne herunter und mit ihrer linken Seite an seinem Rücken als er seinen Raum verließ.
Eigentlich würde er die Jacke nicht brauchen, draußen war es warm genug, doch darin befanden sich sein Global sowie seine Brieftasche mit seinen Dokumenten.
Schnellen Schrittes schritt er durch die Gänge, es war nicht die Eile, die ihn antrieb, sondern die Tatsache, dass es keinen Grund gab langsamer zu gehen, noch dazu nicht in einem Gebäude, in welchem man nur selten auf jemanden stieß. So war es auch heute, Boone fand sich alleine in den Gängen, die ihm anfangs noch so befremdlich vorgekommen waren, während sich dies inzwischen relativiert hatte. Und dennoch konnte er jeden Moment das Gefühl, seine Erinnerungen an die ersten Tage zwischen derart einzigartigen Strukturen in seiner Erinnerung erleben, als sei es eben gewesen. Dies war eine der Funktionen, die von den Manipulationen Belmans scheinbar vollständig unbeeinflusst geblieben war. Die erste von allen, derer er sich bewusst geworden war.
Seine Schritte halten weiterhin dumpf und gleichmässig wieder, als er sich dem Ausgang der Botschaft näherte. Hier unten waren einige Freiwillige, denen er kurz zu nickte, ohne seinen Schritt zu stoppen. Dann verließ er endgültig das Gebäude und steuerte auf sein Fahrzeug zu, mit dem er an diesem Tag wieder hierher gekommen war.
Boone hatte kaum den Wagen aufgesperrt, als ihm ein Piepsen seines Globals einen Anrufer ankündigte. Mit dem Gedanken daran, dass wohl doch nichts aus der Mittagspause wurde, zog William Boone das Gerät hervor, öffnete es und nahm den Anruf entgegen. Es war ein diensthabender Freiwilliger, der ihm am anderen Ende der eben aufgebauten Verbindung gegenüberstand. Er kannte ihn nicht, so wartete er darauf, was dieser zu sagen hatte, ehe er sprechen würde.
"Commander Boone!", grüßte der Freiwillige den Beschützer, sah dann kurz zur Seite, ehe er ohne weitere Verzögerung das ansprach, weswegen er ihn kontaktiert hatte: "Es gab... einen Zwischenfall in der Portalstation hier in Washington."
"Einen Zwischenfall?", hakte Boone nach, als ihm der Freiwillige zu allgemein blieb.
Der junge Mann nickte bestätigend. "Ja, Sir. Eine der Reisenden verlor unmittelbar nach der Ankunft das Bewusstsein und hat es bis jetzt nicht wieder erlangt.", führte er nun etwas genauer aus, beobachtete zugleich aber auch seine Kollegen, die ihrer Aufgabe für eine Situation wie dieser nachkamen.
William runzelte leicht seine Stirn. Dies klang eher als wäre medizinische Betreuung angesagt. Allerdings wusste dies auch jeder Freiwillige, so versuchte der Implantant mehr heraus zu hören, als er es bereits getan hatte. Schlagartig sammelten sich in seinem Bewusstsein die Erinnerungen, die mit dem Portal in Verbindung standen. Artikel über die geplante Eröffnung, die Einweihung an welcher er selbst auch anwesend gewesen war, sowie Kritiken von Einzelpersonen über diese Synergie von menschlicher und Taelontechnik und ihre möglichen unabsehbaren Risiken.
Nun ebenfalls knapp nickend gab Boone seine Bestätigung, dass er sich gleich auf den Weg machte um nähere Informationen zu erhalten: "Prüfen sie die Systeme. Ich werde in.. ", kurz überlegte er, schätzte die Zeit ein, die er bis an den besagten Ort brauchte, ".... einer guten halben Stunde bei Ihnen eintreffen.", kurz noch wartete er ob der braunhaarige Freiwillige weiteres sagen wollte, bevor er schließlich die Verbindung trennte und nach einem Moment das Global wegpackte. Erst dann gestattete er sich erste eigene Gedanken zu dieser Information zu machen nebst denen, in denen er sich überlegte welche Situation er vorfinden würde und was vorgefallen sein könnte. Sandoval wollte er nicht informieren, er hoffte so eher die Gelegenheit zu haben das Problem auf seine Weise zu lösen und nicht nach Sandovals Vorstellung mit der er innerlich nur zu oft absolut nicht übereinstimmen konnte.
Der Freiwillige hatte nichts weiter zu sagen, wartete aber darauf, dass der Beschützer die Verbindung trennte, ehe er seiner Aufgabe weiter nachgehen können würde und seinen Kollegen helfen konnte bis dass Commander Boone eintreffen würde.
Sich auf dem Fahrersitz niederlassend überblickte Boone rasch das Parkfeld, ehe er den nicht mehr ganz neu scheinenden Wagen startete und seinen Parkplatz rückwärtsfahrend verließ um sodann auf der Zufahrstraße hinunter in den regen Stadtverkehr einzubiegen und dort gleich einer Ameise auf einer Ameisenstraße in einer Blechlawine seinem Weg zu folgen. Unterwegs dachte er weiter an das anstehende Problem, während er zugleich über das Steuer seines Autos auf den Verkehr achtete. Das Straßennetz kennend mied William wo möglich dabei jene Straßen, die bekannt für hohe Verkehrszahlen waren und fuhr so im Endeffekt zwar eine etwas weitere Strecke, kam aber schneller an, als wenn er die dichter befahrenen Straßen verwendet hätte. Einen Parkplatz zu finden versuchte er gar nicht erst, sondern stellte das Fahrzeug direkt auf den freien Platz vor dem recht offen gebauten Gebäude wo Fahrzeuge für gewöhnlich nicht abgestellt werden durften.
Einen automatischen Handgriff später lag die grüne Berechtigungskarte auf der Fahrerseite unter der Windschutzscheibe, während Boone bereits halb ausgestiegen war und die Türe zudrückte und absperrte um anschließend über den Platz zum Eingang zu gehen. Dabei beobachtete er sein Umfeld, suchte nach Leuten, die von der Presse oder dergleichen sein könnten um einen ersten Eindruck davon zu gewinnen wieweit der "Zwischenfall" sich bereits herumgesprochen haben mochte und den Interdimensionsverkehr zwischen Washington und New York behinderte.
Noch schien es ruhig zu sein, also war es entweder zu unwichtig, oder aber die Freiwilligen hatten alles unter Kontrolle und konnten den Vorfall vertuschen. Selbst innerhalb des Gebäudes wirkte es auf den ersten Blick als sei alles in Ordnung, erst der zweite verriet ihm, dass dem nicht ganz so war. Die Freiwilligen, die die Leute auf ihre Plätze wiesen und sie in das System einführten hielten ebendiese nun zurück.
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