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Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
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Jessica Ami Kou
Gast

 
Beitrag: #1
Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Also, ich soll hier einen neuen Teil des Fanfiction Workshops aufmachen und weiss eigentlich gar nicht wie. Ich höre auch schon wieder meinen Deutschlehrer im Hintergrund der laut schreit: „Bitte nicht die Schreibsituation schildern!!!!!“ Na ja, aber diesmal geht es nicht anders, ich bin mir einfach nicht wirklich sicher, wie ich jetzt beginnen soll...
Na gut Charaktererschaffung:

Also meiner Meinung nach sollte ein Charakter bevor man ihn hernimmt völlig fertig erschaffen sein, sonst kommt es oft zu Widersprüchen im Verhalten des Charakters. Das fällt mir oft bei Rollenspielcharaktern (ich meine jetzt eher Shadowrun-Charaktere) schwer, da mein Selbst immer durchschlägt. Kennt ihr das auch? Man möchte unbedingt jemanden erschaffen, der vielleicht ganz und gar nicht so ist, wie man selbst, aber es funktioniert einfach nicht? In verschiedenen Situationen hätte sich dieser Charakter einfach nicht so verhalten, wie man selbst es getan hat (also ich meine jetzt man selbst beim Rollenspiel, man lenkt ja die Charaktere selbst). Aber ich schweife ab, es geht ja mehr um Charaktere aus Geschichten. Jetzt kommt nämlich für mich das große aber: Meine Charaktere entwickeln sich mit der Geschichte. Eigentlich sollte es nicht so sein, schließlich kann man sich so schnell in seinen eigenen Aussagen verstricken, aber ich finde es wirklich schwierig, Charaktere völlig zu erschaffen. Manchmal entwickeln meine Charaktere auch ein richtiges Eigenleben, ich hatte gar nicht gewusst, dass sowieso sich jetzt so verhalten würde, aber er hat es einfach getan! Geht es euch auch manchmal so? Ich hoffe auf jeden Fall ihr habt gute Tips für mich, was ich bei der Charaktererschaffung besser machen könnte.

Na ja, auf jeden Fall wollte ich noch eine kleine Liste beginnen, was man sich zu einem neuen Charakter fragen sollte. Ich hoffe ihr ergänzt sie!!

Also als erstes natürlich die obligatorischen Dinge:

- Name
- Alter
- Aussehen (Haarfarbe, Größe, schön?)
- Kleidungsstil
- Besondere Merkmale

Dann wird es für mich schon schwieriger:

- Auftreten

Hier finde ich es besonders lohnenswert sich passende Eigenschaftswörter für die Person auszudenken, wie z.B. selbstsicher, ängstlich, zurückhaltend, schüchtern, heroisch....
Wenn ihr wollt, können wir eine Sammlung dieser Wörter anlegen, dann können wir, wenn wir einen neuen Charakter erschaffen gleich besser loslegen! Außerdem finde ich solche Wörter ganz nützlich um einen Charakter in einer Geschichte gut zu beschreiben.
Mit dem Auftreten verbunden ist natürlich die

- Sprechweise
Der eine sagt vielleicht: „Ach wie schön!“ Der andere dann wieder: „Echt geil, mann...“ (hüstel) oder der nächste: „Sehr attraktiv!“

Hm, mal überlegen, was könnte man sich noch fragen....
Natürlich!

- Vorgeschichte!

Was hat ein Charakter vorher erlebt? Beeinflusst dies seine Handlungsweise entscheidend?
Z.B. könnte jemand schon mal im Aufzug stecken geblieben sein. Dann könnte er grundsätzlich nicht mehr mit dem Aufzug fahren! Das ist natürlich nur ein etwas harmloseres Beispiel, aber ich finde, dass das die Charaktere erst so richtig tiefgehend macht.

Also für den Moment fällt mir nichts mehr ein, aber ich bin mir sicher, dass wenn ich dieses Topic poste, dass mir dann noch hunderttausend Sachen einfallen. Aber na ja, ich kann ja noch etwas hinzufügen... Lächeln
Jetzt bin ich aber gespannt auf eure Meinungen! Lächeln *freut sich schon*
Was ich euch noch fragen wollte: Wollen wir das Thema: Mary Sues zu dem Thema Charaktererschaffung dazu nehmen, weil es vielleicht bei der Charaktererschaffung ein großer Fehler sein kann? Oder wollen wir das extra behandeln?
So, bis dann! Hoffe ihr meldet euch bald!! Lächeln
23.05.2002 22:26
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Emma Offline
Baumbewohner

Beiträge: 8.746
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #2
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Vielen Dank fürs Eröffnen des neuen Themas! Lächeln

*gibt dem vorlauten Deutschlehrer eins aufs Dach* Unmöglich hier zu rumzuschreien! Zwinkern Was hat er denn dagegen, wenn man die Schreibsituation schildert? Was ist daran falsch?

Es ist wohl richtig, dass man im Idealfall, den Charakter schon fertig haben soll, bevor man zu schreiben beginnt. Allerdings kann ich mir auch überhaupt nicht vorstellen, wie das gehen soll. Für mich beginnt ein Charakter zu leben, wenn ich über ihn schreibe. Ich kann das unmöglich am Reißbrett entwerfen und mich dann daran halten. Und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob das prinzipiell so eine gute Idee ist. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass ich automatisch, ganz instinktiv ein Gefühl für einen Charakter erhalte, sobald ich ihn in die Geschichte einfüge. Oder besser noch, er fügt sich selbst ein, einfach weil die Logik der Geschichte an dieser Stelle einen neuen Charakter braucht. Und aus der Situation die diesen neuen Charakter erfordert, entsteht dann ganz organisch dessen Art. Natürlich wächst er dann noch und bekommt mehr und mehr Farbe, eine Vergangenheit, ein Umfeld und auch die Beziehungen zu den anderen Charakteren klären sich erst mit der Zeit und werden komplexer, aber all das kann ich unmöglich vorher wissen. Für mich ist es immer eher so, als würde ich meine Charaktere mit der Zeit kennen lernen und nicht sie erfinden.
Es geht mir also ganz wie dir, Jessica. Ich weiß meist nicht im voraus, wie sich meine Charaktere in einer Situation verhalten werden. Manchmal läuft alles wie geplant, aber oft werde ich überrascht. Es ist fast so, wie wenn man das Verhalten von realen Menschen, die man mehr oder weniger gut kennt, einzuschätzen versucht.

Das mit den Rollenspielcharakteren kenne ich auch gut. Ich finde es schwieriger, sie einheitlich zu gestalten als Charakter in Geschichten. Zumindest am Anfang, wenn die Charaktere noch neu erschaffen sind. Ich glaube, man ist hier einfach durch den Input der anderen Spieler bzw. Spielleiter mehr abgelenkt. Mit zunehmender "Lebensdauer" der Rollenspielcharaktere gibt sich das allerdings und sie haben mehr und mehr ein Eigenleben und handeln dann auch völlig anders als ich es in der jeweiligen Situation tun würde.

Was die Liste der bei der Charaktererstellung zu beachtender Punkte angeht, so bin ich da eher vorsichtig. Braucht man das alles wirklich oder ist es nicht vielleicht nur Ballast, der einen ablenkt? Unmittelbar einleuchtend ist, dass ein Charakter einen Namen braucht! Aber Vibes Geschichte das beste Beispiel, dass diese scheinbare Selbstverständlichkeit überhaupt keine ist. Sie schafft es, dass Charaktere außerordentlich lebendig werden, obwohl sie "nur" über ihre Funktion bezeichnet werden.
Auch hab ich die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht so wichtig ist, zu wissen, wie alt ein Charakter genau ist. Ich weiß es von meinen Charakteren zumindest selbst nicht genau, geschweige denn, dass ich es in der Geschichte geschrieben hätte. Trotzdem denke ich, dass man einen gewissen Eindruck davon hat, wie alt sie ungefähr sind und war einfach aufgrund ihrer Position, ihres Verhaltens, ihrer Ausdrucksweise und der Reaktion der anderen Charaktere auf sie. Das gleiche gilt für das Aussehen. Ehrlich gesagt, finde ich es sogar stilistisch sehr unschön und auch ärgerlich, wenn mir jemand in einer Geschichte allzu deutlich sagt, wie ein Charakter aussieht. Ich will da selbst mit Hilfe einiger Andeutungen ein Bild entwickeln.
Ich will jetzt natürlich nicht sagen, dass das Verwenden von genauen Merkmalen nicht gut wäre, aber ich finde es nicht zwingend notwendig, sie als Autorin im Voraus zu kennen und oft genug braucht man sie gar nicht. Zentral ist für mich, ein Gefühl für den Charakter zu entwickeln. Das ergibt sich natürlich aus gewissen Fakten, aber es nützt auch der ausgearbeitetst Plan nichts, wenn dieses Gefühl fehlt. Dann bleibt er tot. Wenn dieses aber da ist, dann kann man die Fakten sich auch noch später entwickeln lassen, dann werden sie schon zum Rest passen.
Was die Sprechweise und das Auftreten angeht, so finde ich aber, dass sich die nicht mit der Zeit entwickeln kann. Wie ein Charakter spricht und wie er vom Autor bzw. den anderen Charakteren beschrieben wird, ist beim Schreiben so zentral, dass das schon von Anfang an passen sollte.

So, jetzt hab ich schon einen halben Roman geschrieben und es fehlt mir die Zeit auch noch genauer auf die Mary Sues einzugehen. Aber ich fände es sehr spannend die zu behandeln. Erstens weil man daran so schön zeigen kann, was man bei der Charaktererschaffung alles falsch machen kann und zweitens, weil es oft gar nicht so leicht ist Identifikationsfiguren zu schaffen, die keine Mary Sues sind.

Und dann könnten wir noch thematisieren, wie dass denn mit der Verwendung von Seriencharakteren ist. Das ist schließlich noch mal ein ganz anderes Problem als die Erschaffung eigener Charaktere.

*ist nun gespannt, was die anderen so meinen und was sie für Erfahrungen mit der Schaffung von Charakteren haben*
23.05.2002 23:47
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AlienVibe Offline
Baumbewohner

Beiträge: 17.226
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #3
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Jessica Ami Kou, klasse, daß Du den Workshop hier fortführst! Lächeln Lächeln Lächeln
Leider hat AOL mich heute jetzt erst ins Netz gelassen, und um diese Uhrzeit kann ich zwar noch lesen, aber nicht mehr ganz so klar denken, also folgen meine Anmerkungen zu dem, was Du geschrieben hast, morgen Lächeln
23.05.2002 23:55
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Jessica Ami Kou
Gast

 
Beitrag: #4
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Hm, zum Aussehen und Alter der Charaktere: Ich finde es nicht so wichtig für den Leser, dass er genau weiß, wie die Charaktere aussehen, ich finde es sehr wichtig für mich!!! Ich schreibe die Geschichte nicht nur mit meiner Tastatur am Computer sondern auch überall, wo ich hingehe. Ich denke einfach viel über das nach. Um mir alles genau vorstellen zu können, muss ich aber wissen, wie der Charakter aussieht. Für mich ist es wichtig.
Zum Alter: Na ja, es ist nicht so wichtig, wie alt der Charakter genau ist, aber ein ungefähres Alter sollte man schon bestimmen. Tut man ja in der Regel auch. Ich meine ob jemand 30 oder 80 ist, ist schon ein Unterschied. Aber das macht man ja völlig automatisch Lächeln Ich bestimme das Alter meistens schon relativ genau, aber das muss man ja nicht machen. Das hängt eben von einem selbst ab! Aber das finde ich in diesem Workshop gerade so toll, weil man einfach unterschiedliche Techniken erfahren kann! Lächeln

Was mich bei Mary Sues besonders interessiert, ist, ist einfach, wie sie genau definiert sind! Puh, das wird glaub ich hart für mich... *zittert ein bisserl*

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FidelioRa
24.05.2002, 15:50:00

Tcho, eigentlich kann ich zu dem Thema noch nicht soo viel theoretisches sagen. Bin ja noch nicht alzu lange im Geschäft.

Ich schreib meistens einfach drauf los und guck was draus wird. So richtig vollkommen eigene Geschichten, wo ich mir alle Charaktere ausdenken muss, hab ich noch gar nicht geschrieben. Hier bei den Fan Fics ist das ein bisschen einfacher, da ich ein oder zwei selbst ausgedachte Leute habe und der Rest "festgelegt" ist. Da verlier ich nicht so schnell den überblick und hab einen gewissen Rahmen, in dem ich mich bewegen kann.

Was eigene Erfindungen angeht... ich weiß nicht so recht, was da bei mir zu erst im Kopf da ist: das Aussehen oder der Charakter der Person. Für mich hängt das schon irgentwie zusammen. Ich kann mir schlecht ne wasserstoffblondine mit Riesenbalkon als angagierte Mitarbeiterin in nem Waisenhaus vorstellen, nur mal so als Bsp. Was natürlich nicht heißen soll, dass es das in Wirklichkeit nicht gibt.... *kratz, kratz* Kommt in etwa rüber was ich meine? Na gut, solche Sachen tragen natürlich dazu bei, Rollen und Schubladen zu festigen.... Aber ich kann das irgendwie nicht trennen.

Dann such ich mir für "meine" Leute immer Sachen raus, die ich selber mag. Kombi von Haar- und Augenfarbe z.B. Wie sie sich anziehen.... Beim Bösewicht natürlich eher nicht. Obwohl- ein sexy Rotschopf, der einem das Leben schwer macht.... *g* Bis ins kleinste Detail denk ich mir das Aussehen auch nicht aus, nur die wichtigen Sachen: Augen-, Haarfarbe, vielleicht ethnische Zugehörigkeit, Hautfarbe, Stil der Klamotten, bi ba bo. So bleibt der Charakter auch ausbaufähig. Kann auch mal schnell 'n Tattoo oder so was dazu kommen. Also so richtig in Beton gegossen ist das bei mir nicht. Ob's gut ist weiß ich nicht. Hängt vielleicht auch davon ab, wie weit ich die Geschichte ausbreiten will. Isses eher ne kurze Sache oder zieht sich über Monate oder gar Jahre hin. Da gilt sowohl für die Zeit in der ich's schreibe, als auch in der es spielt.

So, muß schluß machen, mir wird gleich der Saft abgedreht und ich will noch was posten. Aber ich schlaf noch mal drüber und meld mich noch mal zu Wort.

Fido

PS: Was is ne Mary SueVerwirrt? *Riesenfragezeichen seh*
24.05.2002 11:47
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Emma Offline
Baumbewohner

Beiträge: 8.746
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #5
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Nur kurz eine sehr amüsante, aber trotzdem auch erhellende Seite zu Mary Sues: http://www.cheery.de/Gedenkpage.htm

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AlienVibe
24.05.2002, 17:41:00

Emma: Den Link habe ich gerade angeklickt - allein die Titelseite ist schon klasse, und alles Weitere gehe ich mir noch in Ruhe anschauen - ein Interview mit Mary Sue, was für eine Idee Grinsen

Jessica Ami Kou, hat Dein Deutschlehrer eigentlich jemals selbst eine Geschichte geschrieben? Es hört sich nicht so an Traurig ...
Was das Schildern der Schreibsituation betrifft, kann ich Emma nur zustimmen - was soll daran falsch sein? Im Gegenteil, ich finde das sogar spannend - es erinnert mich an das ‚Making of ...' zu einem Film und liefert meist sehr interessante Hintergrundinformationen, die auf die betreffende Geschichte noch einmal ein anderes Licht werfen.

Was das Erschaffen von Charakteren betrifft, kann ich mich Emma ebenfalls anschließen - ich habe die Handelnden in meiner Geschichte bisher alle kennengelernt, nach und nach, und bei keinem einzigen hatte ich das Gefühl, auch nur den winzigsten Einfluß darauf zu haben, wie sie sind und was sie tun ... im Gegenteil, sie hatten von Anfang an ein sehr ausgeprägtes Eigenleben und haben meine Einflußnahme-Versuche schlichtweg verweigert. Daß fast alle keinen Namen haben, hat sich einfach so gefügt - ich denke inzwischen, daß das am ehesten damit zusammenhängt, daß die Hauptfiguren Empathen und Kontakttelepathen sind, die andere Wesen so komplett wahrnehmen, daß das in einem Namen kaum wiederzugeben ist, und da die Geschichte aus der Perspektive eines solchen Charakters geschrieben ist, werden nur deren Namen akzeptiert und verwendet, die aus dessen Sicht wirklich stimmen - ansonsten wird der Aspekt benannt, der die entsprechende Figur am besten charakterisiert. Als Obi mich danach gefragt hat, habe ich mich wirklich hingesetzt und versucht, Namen für meine Hauptfiguren zu finden - ich habe sie in Gedanken gefragt, wie sie heißen, und habe jedesmal eine Antwort in ihrer Sprache bekommen - und jeden Versuch, das in hier verständliche geschriebene Worte zu übersetzen, haben sie mit einem Grinsen quittiert - und würden sie die Geste des ‚Vogelzeigens' kennen, hätten sie genau das getan ... mit Ausnahme derer, die von der Handlung der Geschichte singt - sie war mit meiner 'Übersetzung' ihres Namens einverstanden, weil diese wenigstens 'zu ihren Farben paßt'.

Ich muß zugeben, daß ich noch nie versucht habe, einen Charakter vorab zu ‚entwerfen' - ich wüßte gar nicht, ob ich das könnte. Bei mir ist meist als erstes die Idee zur Handlung einer Geschichte da, mit ein paar grob gezeichneten Figuren, und wenn ich mich auf so eine Idee einlasse, kommt alles andere von allein, deshalb habe ich mit etwas wie Deiner Merkmalsliste gar keine Erfahrung. Eine solche Liste könnte ich jetzt sehr detailliert von den Handelnden meiner Geschichte aufstellen - mit Ausnahme genauer Zahlenangaben über Alter, Größe, Gewicht und sonstiger ‚meßbarer' Faktoren, weil sie außerstande sind, über so etwas klare Aussagen zu machen, weil es für sie höchstens in Relation zu anderen Wesen zählt, im Sinne von z.B. "Dieser Jaridian war älter als der andere und damit diesem gegenüber weisungsbefugt" oder "Das Wesen war so leicht, daß ich mit ihm auf dem Rücken eine ganze Hellphase lang hätte fliegen können, ohne daß ich mehr wahrgenommen hätte als die Berührung mit ihm".
Was die genaue Beschreibung des Aussehens einer Figur angeht, geht es mir beim Lesen auch so, daß ich lieber mehr Spielraum dafür habe, mir ein eigenes Bild zu machen im Rahmen der Vorgaben des Autors. Emma z.B. schafft es immer wieder, ihre Charaktere allein durch ihr Handeln und ihre Sprache so plastisch werden zu lassen, daß man das Gefühl hat, man sieht sie in einer ME-Folge agieren - ich habe einige ihrer Passagen wirklich mehrmals gelesen, um herauszufinden, wo ich eine Personenbeschreibung übersehen habe - über Haarfarbe, Kleidungsstil, Größe etc. z.B. des Charakters Frank Stratton wird so gut wie kein Adjektiv verloren, und trotzdem sehe ich ihn so genau vor mir, daß ich ihn in allen Details zeichnen könnte, wenn ich so gut zeichnen könnte ...
Bekomme ich, vor allem, nachdem eine Geschichte sich bereits eine Weile entwickelt hat, plötzlich eine Beschreibung für eine Figur, von der ich mir bereits ein eigenes Bild gemacht habe, und die Beschreibung paßt mit meinem Bild nicht überein, finde ich das eher irritierend, vor allem, wenn mein Bild sich dann hartnäckig hält ...

Sprechweise und Auftreten bringen auch für mich Charaktere von Anfang an mit - und meine lassen sich keine inkongruenten Verhaltensweisen oder unpassenden Sprachgebrauch unterschieben.
Das gleiche gilt für meine bisher einzige Rollenspiel-Erfahrung - wann immer ich, als ‚Charakterlenkende' eine Idee zu irgendeiner Reaktion hatte, die meiner Rollenfigur nicht paßte, hat diese Idee schlicht nicht funktioniert und ich stand da und mußte sie entweder einfach handeln lassen oder so lange grübeln, bis ich eine Lösung gefunden hatte, mit der sie einverstanden war - das war sehr spannend, weil das sowohl bedeutete, ihre Grenzen auszuloten als auch ihre Möglichkeiten zu entdecken und zu nutzen - die die meinen zum Teil überstiegen und damit ganz neue Lösungsansätze entstehen ließen ... Den Input der anderen Mitspieler(Spielleiter gab's nicht) fand ich enorm spannend und er hat mich teilweise vor richtige Herausforderungen gestellt – die Antworten darauf, die ich jeweils gefunden hatte, haben meiner Figur fast alle nicht gefallen, und das in einem Kontext, wo man schnell reagieren mußte, bevor irgendwer die nächste Katastrophe anzettelte –ächz- ...

Zum Thema ‚Mary Sue' werden sich die meisten der Fragen, die ich dazu noch habe, wohl durch den Link klären – ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich überhaupt schon einmal eine Mary Sue-Geschichte gelesen habe, geschrieben habe ich mit ziemlicher Sicherheit wohl noch keine – zumindest nicht nach der gängigen Mary-Sue-Definition (wie heißt eigentlich das männliche ‚Gegenstück' zu Mary Sue – Ronny Joe? Und ich vermute mal, daß auch entsprechende gleichgeschlechtliche Beziehungsgeschichten unter ‚Mary Sue' eingeordnet werden, oder?). Sollte es darüber hinaus eine andere oder weiter gefaßte Definition von ‚Mary Sue' geben, wäre ich neugierig darauf, um das für mich noch einmal überprüfen zu können.

Bei der Verwendung von Serien-Charakteren ist mir wichtig, möglichst genau bei dem zu bleiben, wie die Serie sie geschaffen hat, egal, ob es sich um Menschen oder um Aliens handelt - das heißt, in meiner Geschichte handeln, kommunizieren und sprechen sie möglichst exakt so wie in der Serie, ihre Gefühle sollten dazu passen, ihre Kleidung, Gestik etc. ebenfalls. Wenn ich etwas Abweichendes einbringe, macht es für mich Sinn, dazu dann auch eine Erklärung liefern ( z.B. Charakter befindet sich in Ausnahmesituation wie Wahnsinn, Vollrausch, Bewußtseinstrübung ..., oder jemand anderes hat nur von ihm geträumt etc.). Dadurch, daß ich die Seriencharaktere, die in meiner Geschichte handeln, aus der von der menschlichen sehr abweichenden Wahrnehmung meiner Hauptfiguren darstelle, habe ich mir eine Menge Freiraum im Umgang mit ihnen verschafft, trotzdem habe ich bei auftauchenden Unsicherheiten immer versucht, an möglichst genaue ‚Hintergrundinformationen' über sie zu kommen, mit denen ich das jeweils Geschriebene abgleichen konnte (vor allem über die verschiedenen EFC-Sites im Netz, da ich etliche ME-Folgen gar nicht gesehen habe ...). Grobe Unstimmigkeiten oder Logikbrüche versuche ich möglichst zu vermeiden – was allerdings auch nicht immer gelingt ...

Sorry - wenn Emma weiter oben einen halben Roman geschrieben hat, dann ist das hier wohl schon fast ein ganzer ... aber Ihr werft so viele spannende Themen auf, daß man gar nicht anders kann, als sich dann auch damit auseinanderzusetzen - ich stelle fest, dieser Workshop macht wirklich Spaß! Lächeln Lächeln Lächeln
24.05.2002 17:00
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Jessica Ami Kou
Gast

 
Beitrag: #6
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Sehr sehr interessant das zu hören. Zu dem Link bin ich leider noch nicht gekommen, aber ich hole das so bald wie möglich nach!
Na ja, ich hatte noch nicht so viele Handelnde zum Kennenlernen. Jessica selbst kenne ich seit ich 12 oder so bin. Natürlich hat sie sich entwickelt – sehr sogar – aber ich kenne sie doch schon sehr lange. Was mich beschäftigt, seit Emma das Thema Mary Sues angesprochen hat, ist, ob Jessica in diese Definition fällt. Deswegen war ich schon sehr aufgeregt als wir das Thema weiterführen wollten. Eigentlich finde ich Mary Sues nicht wirklich gut. Das wirkt einfach sehr sehr unglaubwürdig, meiner Meinung nach. Aber ich frage mich immer mehr, ob Jessica nicht doch so was ist. Ich bin eigentlich sehr traurig darüber, aber ich kann und will nicht leugnen, dass Jessica eindeutig über Charakterzüge verfügt, die ich eindeutig auch besitze. Oft würde sie sich aber auch in Situationen anders verhalten als ich. Und natürlich habe ich nicht geschrieben, dass ich jetzt irgendwie zuhause sitze und zufällig plötzlich auf die Idee komme, zu Da’an zu gehen und mit ihm zu quasseln, aber trotzdem... Diese Frage lässt mich einfach nicht zur Ruhe kommen... Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen...

Auf jeden Fall finde ich eure Beschreibung davon, wie ihr einen Charakter entwerft sehr interessant und werde es bei meiner nächsten Geschichte auf jeden Fall mal ausprobieren Lächeln
Na ja, aber zuerst muss ich die andere Mal zu Ende bringen. Bin ja gespannt was jetzt passiert Zwinkern

Ich finde deine Geschichte mit den Charakteren ohne Namen sehr interessant, bin aber leider noch nicht dazugekommen, besonders viel davon zu lesen *schämt sich* Ich bin immer noch ziemlich am Anfang, aber ich werde das demnächst mal alles ausdrucken, da kann ich ja dann mal in Deutsch lesen Zwinkern

Bei den Seriencharakteren geht es mir genauso! Ich versuche mir vorzustellen, was sie jetzt sagen würden. Ich höre sie den Satz sprechen, den ich geschrieben habe und dann weiß ich, ob sie das sagen könnten oder nicht.

Na ja, diese kleine Liste hilft mir schon ein wenig, mich bei meinen Charakteren zu orientieren, aber mir macht es vor allem auch Spaß, über solche Dinge nachzudenken. Ich liege gerne im Bett und stelle mir vor, wie Vincent (einer meiner Charaktere) nachhause kommt in sein Apartment. Als erstes seufzt er und dann legt er seinen Mantel ab. Dann geht er erst einmal in die Küche und holt seine Gießkanne, um die vielen kleinen Blumenstöcke zu gießen, die die ganze Wohnung besiedeln... Ich stelle mir so was einfach gerne vor, angefangen davon, was in seinem Schrank hängt über sein Lieblingsgetränk bis hin zu dem Grundriß seines Apartments. Es bietet viel Stoff zum Nachdenken, besonders in gewissen Deutschstunden.... Zwinkern

So, jetzt ist es schon ein bisserl spät... Ich glaub ich leg mich jetzt mal hin...
Bye bye!
25.05.2002 08:25
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Jessica Ami Kou
Gast

 
Beitrag: #7
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Sehr sehr interessant das zu hören. Zu dem Link bin ich leider noch nicht gekommen, aber ich hole das so bald wie möglich nach!
Na ja, ich hatte noch nicht so viele Handelnde zum Kennenlernen. Jessica selbst kenne ich seit ich 12 oder so bin. Natürlich hat sie sich entwickelt – sehr sogar – aber ich kenne sie doch schon sehr lange. Was mich beschäftigt, seit Emma das Thema Mary Sues angesprochen hat, ist, ob Jessica in diese Definition fällt. Deswegen war ich schon sehr aufgeregt als wir das Thema weiterführen wollten. Eigentlich finde ich Mary Sues nicht wirklich gut. Das wirkt einfach sehr sehr unglaubwürdig, meiner Meinung nach. Aber ich frage mich immer mehr, ob Jessica nicht doch so was ist. Ich bin eigentlich sehr traurig darüber, aber ich kann und will nicht leugnen, dass Jessica eindeutig über Charakterzüge verfügt, die ich eindeutig auch besitze. Oft würde sie sich aber auch in Situationen anders verhalten als ich. Und natürlich habe ich nicht geschrieben, dass ich jetzt irgendwie zuhause sitze und zufällig plötzlich auf die Idee komme, zu Da’an zu gehen und mit ihm zu quasseln, aber trotzdem... Diese Frage lässt mich einfach nicht zur Ruhe kommen... Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen...

Auf jeden Fall finde ich eure Beschreibung davon, wie ihr einen Charakter entwerft sehr interessant und werde es bei meiner nächsten Geschichte auf jeden Fall mal ausprobieren Lächeln
Na ja, aber zuerst muss ich die andere Mal zu Ende bringen. Bin ja gespannt was jetzt passiert Zwinkern

Ich finde deine Geschichte mit den Charakteren ohne Namen sehr interessant, bin aber leider noch nicht dazugekommen, besonders viel davon zu lesen *schämt sich* Ich bin immer noch ziemlich am Anfang, aber ich werde das demnächst mal alles ausdrucken, da kann ich ja dann mal in Deutsch lesen Zwinkern

Bei den Seriencharakteren geht es mir genauso! Ich versuche mir vorzustellen, was sie jetzt sagen würden. Ich höre sie den Satz sprechen, den ich geschrieben habe und dann weiß ich, ob sie das sagen könnten oder nicht.

Na ja, diese kleine Liste hilft mir schon ein wenig, mich bei meinen Charakteren zu orientieren, aber mir macht es vor allem auch Spaß, über solche Dinge nachzudenken. Ich liege gerne im Bett und stelle mir vor, wie Vincent (einer meiner Charaktere) nachhause kommt in sein Apartment. Als erstes seufzt er und dann legt er seinen Mantel ab. Dann geht er erst einmal in die Küche und holt seine Gießkanne, um die vielen kleinen Blumenstöcke zu gießen, die die ganze Wohnung besiedeln... Ich stelle mir so was einfach gerne vor, angefangen davon, was in seinem Schrank hängt über sein Lieblingsgetränk bis hin zu dem Grundriß seines Apartments. Es bietet viel Stoff zum Nachdenken, besonders in gewissen Deutschstunden.... Zwinkern

So, jetzt ist es schon ein bisserl spät... Ich glaub ich leg mich jetzt mal hin...
Bye bye!
25.05.2002 08:26
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Jessica Ami Kou
Gast

 
Beitrag: #8
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Was soll denn das? Wieso macht er das zweimal hin?

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AlienVibe
25.05.2002, 15:32:00

Was diesen Doppelpost betrifft - das ist ein technisches Problem, das passiert, wenn z.B. ezboard 'klemmt' Traurig - d.h. auf das Klicken auf 'Add Reply' nicht reagiert, man klickt es ein zweites Mal an - und schon ist der Text auch zwei Mal drin ... wenn es Dich stört, kannst Du Dich einloggen und unter 'Bearbeiten' den zweiten Post löschen und durch ein Smilie oder den Text 'shitezboard' Teufel oder was Du sonst willst ersetzen - Doppelposts sind hier wahrscheinlich jedem schon x-Mal passiert ...

Inzwischen habe ich das Interview mit Mary Sue gelesen - und ich finde sie richtig sympathisch, wie sie sich da darstellt - als jemanden, der professionell seine Arbeit macht, Traumjobs von Sch...aufträgen sehr wohl zu unterscheiden weiß und sogar Wünsche und Vorstellungen davon hat, wie und mit wem sie am liebsten arbeiten würde ...
Und ich stelle fest, daß ich 1.) doch schon Mary-Sue-Geschichten gelesen habe, 2.) sich auch in meiner Geschichte Mary-Sue-Elemente finden, vor allem, wenn man die in dem Trinkspiel auf dem Link aufgeführten Kriterien anwendet und daß ich 3.) überhaupt gar nichts gegen solche Geschichten einzuwenden habe, sofern sie spannend geschrieben sind und in meinem Kopf einen Film entstehen lassen, den ich mir gerne anschaue.

In Deine Geschichte habe ich unter diesem Aspekt noch einmal hineingeschaut - und auch sie enthält, wendet man die oben genannten Kriterien an, Mary-Sue-Elemente (z.B. trägt Deine Hauptfigur fast den gleichen Namen wie Dein Cyber-Ich und hat, wie ich vermute, in etwa Dein Alter und Deine Statur) - und es beeinträchtigt die Qualität Deiner Geschichte nicht im Mindesten Lächeln Lächeln - die Handlung ist so flüssig und abwechslungsreich geschrieben, daß man das einfach vergißt. Deine Hauptfigur ist glaubhaft und keineswegs überhöht oder übertrieben dargestellt, sie ist sympathisch und ihre Gefühle, Handlungen und Schwierigkeiten sind nachvollziehbar, sie lädt einen ein, sich mit ihr zu identifizieren, und das gehört für mich zu einem gut ausgeformten Charakter in einer Geschichte.
Das Erschaffen Deiner Charaktere ist Dir gut gelungen Lächeln Lächeln Lächeln
Daß ich Deine Geschichte nicht mitlese, liegt ausschließlich an den Taelons darin - bzw. daran, daß ich sie in solchem Ausmaß anders sehe als Du, daß in meinem Kopf sofort bei Deinen ersten beiden Posts ein so schräger Film gestartet ist, daß ich nicht mehr weiterlesen konnte. Ich hatte ständig das Gefühl, irgendwo gäbe es da einen ganz dicken Haken, den Jessica übersieht - und damit war es für mich keine erst einmal unbeschwerte Geschichte über ein kleines Hybridenwesen und seine beginnende Freundschaft mit einer jungen Frau, sondern etwas unterschwellig Unheimliches - ich wäre dem, was Du wirklich meinst, nie gerecht geworden mit eventuellen Feedbacks ...

Ich frage mich, was an Mary-Sue-Geschichten so abgelehnt wird - ich denke mal, daß, egal, in was für einer Art Story, immer Elemente des/der Schreibenden enthalten sind, Eigenschaften, Weltbilder, Wünsche ... Eine Story ist für all das doch genau so Ausdrucksmittel wie ein Bild, ein Lied, eine Skulptur ... Ich merke, daß 'Mary Sue' als solche als 'Qualitätsmerkmal' für eine Geschichte für mich keine Rolle spielt.
25.05.2002 08:29
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Obi-Wahn Offline
Baumbewohner

Beiträge: 1.493
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #9
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Ich kann kaum noch was dazu sagen, denn alle haben schon gesagt was ich sagen wollte also bleibt mir nur noch über zu wiederholen und zu bestätigen.
Ich meine auch das man ein Charakter kaum erschaffen kann und ihn dann wenns einem passt rein baut, denn der Charakter wird meiner Meinung auf die Situation abgestimmt. Wenn man einen tolpschigen C. braucht dann macht man ein und überlegt dabei wie er ausehen soll und wenn man diese information nicht braucht, dann überlässt man eben dem Leser wie er ausieht, nur ob er Taelon oder mensch... ist oder männlich oder weiblich ist muss man natürlich sagen. Man nutzt hierbei vielleicht die spontane Verbindung des Lesers von Menschen/Gegenständen/Situationen mit anderen M/G/S wegen Mangel an Infos. z.B. ein Mann hat eine Wwaffe in der Hand, eine Frau guckt ihn erschrocken an. Was würdet ihr jetzt denken? Ich würde denken (das ist geklaut und am anfang bin auch drauf reingefallen) das der Mann böse ist und die Frau töten will. Was wäre nun wenn er Soldat ist und in den Krieg ziehen will? und die fFrau angst DAVOR hat? Ihr wisst was ich meine. Schon wieder ein Roman.
Vibe: Danke dass du das Beispiel mit den Taelons gebracht hast. Es kommt auch darauf an, wie der Autor die Figuren sieht und wie er sie danach beschreibt. so kann zum beispiel das mit Vibe passieren. Einer hat eine völlig andere Sicht von einem Charakter und finden ihn nicht gut.
Man muss irgendwie so schreiben das alle ihn gut finden, man selber aber auch noch. Wenn mir sagt wie das geht schreibe ich DliA3 an einem Tag zu Ende (nehmts mir nicht übel: benutze eigentlich nur ich meine Geschichte als Beispiel, bisher ist das mir nur bei Vibe aufgefallen. Oder liegt es daran das die andren inzwischen so viele Stories geschrieben haben und sie sich garnicht mehr mit einer indentifizieren sondern mit dem Gesamtwerk??

Mary Sue kenn ich garnicht muss mal den link besuchen

Teufel

Hin und wieder ist alles relativ!
25.05.2002 18:00
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Taoynin Offline
Baumbewohner

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Registriert seit: Apr 2010
Beitrag: #10
Re: Fanfiction Workshop: Charaktererschaffung
Bei der Erschaffung von Charakteren ergeht es mir genau wie Emma und Vibe. Anfangs habe ich nur eine sehr vage Vorstellung, was Aussehen oder Alter betrifft, außer ich verknüpfte mit einer Person bereits ein sehr lebhaftes Bild. Ich lerne sie praktisch erst während des Schreibens kenne. Bestimmte Dinge, die eine zentrale Rolle spielen, habe ich zwar vorher festgelegt, aber bis es soweit ist, kann sehr viel passieren. Unter Umständen stelle ich dann fest, dass mein ursprünglicher Plan gar nicht funktioniert.
Meiner Figur "Jemen" hatte ich z. B. nur eine Nebenrolle zugedacht. Aber sie entwickelte dann eine so starke Eigendynamik, die insgesamt auch die ganze Geschichte beeinflusste. Hätte ich hier eingegriffen, um zum ursprünglichen Konzept zurückzukommen, hätte es der Story geschadet.

Ich kann mich erinnern, dass ich, als ich mit dem Schreiben anfing, meine Personen ziemlich festlegte, was Alter, Aussehen und Eigenschaften betraf. Im Nachhinein wird mir klar, dass ich diese Beschreibungen brauchte, um die von mir erschafften Personen erkennen zu können. Meine ersten Geschichten waren so etwas wie Nacherzählungen, und sie basierten auf Fernsehfilme, mit deren Ende ich vielleicht nicht einverstanden war oder die mich so faszinierten, dass ich darüber einfach schreiben musste. Die Personen brauchten nicht neu erschaffen werden, es gab sie ja bereits. Ich musste mir nur merken, wer was war und ebenso musste ich mir merken, wenn ich einem bestimmten Charakter eine Veränderung verpasste.
Später haben sich meine Geschichten dann selbst entwickeln. Einen Bezug zu meinen Charakteren hatte ich glaube ich zunächst gar nicht. Sie haben sich in den Geschichten auch nicht entfalten können, weil ich ihre Verhaltensweisen vorgab. Meine Charaktere war nicht direkte Mary-Sues (endlich weiß ich, was es mit dieser ominösen Person auf sich hat Grinsen ), aber vermutlich ziemlich dicht dran. Als ich mit dem Schreiben anfing, ging es mir auch nicht darum, irgend jemand eine Geschichte zu erzählen. Es war für mich der einzige Weg, all die vielen Gedanken, die sich in meinem Kopf anhäuften, loszuwerden. Hätte ich nicht schreiben können, hätte ich meine Umwelt wahrscheinlich mit meinen erfundenen Geschichten in den Wahnsinn getrieben. Grinsen Ups, ich komme vom Thema ab.
Ich denke, je mehr man eine Person "entwirft" und ihr Gestalt gibt, um so mehr Schwierigkeiten wird man anschließend mit ihr haben. Das Besondere am Schreiben ist ja, dass man vorab nie weiß, wie sich eine Geschichte entwickelt. Man kann eine Handlung noch so genau festlegen, es gibt immer wieder einen Punkt, wo dieser Ablauf nicht mehr funktioniert und es zu einer Änderung kommt. Gäbe es diese Unberechenbarkeit nicht, wäre es für den Schreibenden bald zu langweilig. Und ähnlich wie mit der Handlung ist es auch mit den Charakteren. Auch sie werden erst richtig lebendig, wenn man sie lässt.

Was mir zu Mary-Sue ganz spontan einfällt, ist die neue Serie Dark Angel. Die Hauptdarstellerin ist eine Superheldin, sieht gut aus (Geschmacksache), hat immer coole Sprüche drauf und meistert jede Situation – also eine perfekte Mary-Sue. Grinsen Für mich hatte diese Serie einen interessanten Einstieg und wurde dann langweilig, so dass ich außer der ersten Folge keine weitere mehr gesehen habe. Aber es muss ja eine Menge Leute geben, die Dark Angel klasse finden. Demnach würde ich sagen, dass Mary-Sue auch eine Frage der Definition ist.
Eigentlich geht es ja nur darum, dass man den klassischen Mary-Sue-Typ vermeiden soll. Ein Charakter, der niemals Fehler macht, sich niemals selbstkritisch betrachtet, immer nur gewinnt oder sich aufopfert, wirkt auf lange Sicht unglaubwürdig. Das gilt ebenso für die Guten, die immer nur gut sind, und die Bösen, die immer nur böse sind.

So, das war jetzt mal ein bisschen aus meiner Sicht beschrieben. Lächeln

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Hier war eine umzugsbedingte Lücke

AlienVibe
26.05.2002, 13:40:00

Taoynin: Was Deine Überlegungen zu 'Dark Angel' betrifft, stimme ich Dir zu - die Heldin hat einiges von einer Mary Sue, und zwar von der Sorte, die das darstellt, was viele Zuschauende vielleicht gerne wären: stark, kämpferisch sehr geübt, setzt sich sogar gegen Übermacht durch, weiß stets einhundertprozentig, was richtig ist und was falsch ... was mir an ihr gefällt, ist, daß sie dadurch so gut wie gar nichts mehr von den alten Identifikations-Klischees weiblicher Hauptfiguren hat (sogar in der Science Fiction gibt es diesen angeblich typisch weiblichen Character ja leider immer noch: jammert statt zu handeln, kreischt hilflos, muß gerettet werden, klimpert mit den Augen, ist einfach nur so körperlich schwach, fürchtet sich vor allem und jedem, schmachtet um ihren Liebsten etc.pp.) - mit Ausnahme des Äußeren, das darstellt, was für einen modernen Filmemacher die aktuelle Klasse-Frau ausmacht (das ist ein Thema für sich). Leider wird sie dadurch so merkwürdig eindimensional und damit, wie Du schon sagst, auf die Dauer immer weniger glaubwürdig, was ich schade finde - wieder eine Serie, die viele Möglichkeiten verschenkt.

Obi: Wenn Du sagst, man müsse einen Charakter so gestalten, daß ihn möglichst alle gut finden und man selber auch noch, habe ich den Impuls, Dir sofort zu widersprechen.
Du bist der Autor, in Deinem Kopf entsteht Deine Geschichte, in der Deine Charaktere handeln - also wer muß in erster Linie von diesen Charakteren überzeugt sein und sie, seien sie nun die 'Guten' oder die 'Bösen' im Kontext der Handlung, als richtig, stimmig und kongruent empfinden? Für den Film, den eine Geschichte in mir ablaufen läßt, ist nicht der/die Schreibende verantwortlich, sondern ich allein - wer schreibt, hat alle, aber auch wirklich alle Gestaltungsfreiheit - so, wie ich die Freiheit habe, eine Geschichte zu lesen oder nicht.
So, wie es mir mit Jessicas Geschichte gegangen ist, haben sich mit Sicherheit sehr viele Lesende hier auch mit meiner gefühlt - meine Wahrnehmung der Taelon und Jaridian unterscheidet sich so krass von ihrer eigenen, daß sie sich wahrscheinlich an den Kopf gefaßt oder das Gruseln oder Würgen bekommen haben - und das ist in Ordnung. Ich kann nur zu Papier bzw. in den Rechner bringen, was sich da von selbst schreibt - und einige sagen dazu 'ja' und andere 'nein' - und das ist richtig so.
Wenn Du sagst, Du kannst DliA3 in einem Tag fertig schreiben, dann tue genau das - wenn Deine Charaktere für Dich richtig und gut sind, genügt das. Die Kriterien, die Deine Lesenden darauf anwenden, sind so vielfältig und verschieden wie diese selbst - Du kannst gar nicht allen gerecht werden, diesen Anspruch als Leserin an Dich zu stellen, wäre einfach unverschämt - und was für unendlich langweilige Geschichten würden dabei herauskommen, wenn alle Schreibenden versuchen würden, allen Lesenden gerecht zu werden?
25.05.2002 22:59
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