Ke't'then verfolgte mit der bestmöglichen Konzentration die er aufbrachte, was ihm Sia'ann an Gedanken unterbreitete. Er brauchte etwas Zeit um sich zu überlegen, was nun die beste weitere Vorgehensweise für ihre Mission hier unten wäre. 'Die Sensoren, sie wurden meines Erachtens mit der Energie überlastet, es ist nicht die Energie, die für sie geeignet ist. Ich bezweifle, dass sie allzuleicht beschleunigt zu reparieren sind. Jedoch, können wir auch mit den Sensoren im Lagerraum, die zu einigen der mitgenommenen Gerätschaften, zumindest unser näheres Umfeld erkunden.', ließ er Sia'ann wissen. 'Wie steht es denn um die gespeicherten Daten? Wurden sie dauerhaft beschädigt? Es müssten sich einige Karten im Schiffspeicher über diesen Planeten befinden. Vielleicht wenn wir von der letzten
sensorisch erfassten Position heraus anhand der weiteren Flugzeit ermitteln wo wir sein dürften?', fuhr er mit seinen Gedankengängen weiter. Ke't'then gehörte nicht zu jenen, die gerne untätig waren, wenn sie Aufgaben vor sich hatten die Erfüllung bedurften. Noch, dies spürte er, wäre es Unsinn aufzustehen, doch er fühlte genauso, dass er hier nicht mehr lange bleiben würde können, so musste er als jetzt von hier aus erste Ansätze finden um einer Lösung näher zu kommen. Ursprünglich wäre ja geplant gewesen, den Späher als eine Art Zentrum ihres Vorgehens zu betrachten, nun, dies traf jedenfalls für ihn nicht mehr länger zu. Er konnte sich wenn, dann nur jeweils für kurze Zeit hier noch weiter aufhalten.
Erfreut darüber, dass Ke't'then offenbar Arten von Lösungen wusste, hörte er ihm zu. 'Ja, stimmt. Es würde schneller für dich gehen, wenn ich diese Sensoren benutzen würde. Nach den Daten habe ich noch nicht gesehen, es blieb keine Zeit. Aber ich werde gleich alles überprüfen, auch ob weitere Systeme beim Absturz beschädigt wurden.'
Sia'ann löste langsam seine Hand von der Ke't'thens, ließ aber aus Vorsicht eine schwache Verbindung zu ihm bestehen. Auch wenn er sich nun erholte, machte er sich viel zu viel Sorgen, als dass er ihn wirklich alleine lassen wollte. Er war immer noch auf den Schiff, in der Nähe der ID-Technologie, wer sagte ihm, dass sich sein Zustand nicht noch einmal verschlechtern konnte?
Dann stand er auf. 'Kann ich dich hier alleine lassen, während ich die Sensoren im
Lagerraum benutze und dir einen geeigneten Ort suche? Ich denke wo wir sind und welche Daten wir noch haben, kann ich auch noch überprüfen, wenn du den Späher verlassen hast. So lange ich beschäftigt bin, wirst du hier bleiben!'
Etwas unsicher sah er ihn an. Natürlich waren die letzten Worte im falschen Ton gesprochen, erst recht gegenüber Ke't'then, einen Diplomaten. Aber er machte sich auch Sorgen um ihn und würde ihn am liebsten wohl dort einsperren und am Stuhl festbinden, wenn er dadurch verhindern konnte, dass er aufstand und sich womöglich überanstrengen konnte. Er war der einzige Taelon den er dort unten hatte. Und dass dieser ging, würde er unter keinen Umständen zulassen!
So versuchte er möglichst entschlossen auszusehen, damit Ke't'then erst gar nicht auf
die Idee kommen konnte, ihm zu widersprechen.
Ke't'then konnte nicht anders als zu lächeln, wie er Sia'ann zuhörte, es war wirklich ganz dieser eine spezielle Wissenschaftler, gerade so, wie er ihn kannte, gekannt hatte. 'Weitere Systeme?', fragte er zweifelnd nach, 'War unsere Landung dermassen hart ausgefallen?'. Schwieg dann wieder eine Weile um sich wieder ganz zu konzentrieren, bevor er mental weitersprach, 'Ich habe noch nicht vor aufzustehen.. Möchte dich aber darum bitten bereits jetzt schon ungefähr zu ermitteln wo wir gelandet sind und erst dementsprechend die Sensoren einzusetzen, um genauere Angaben zu erhalten. Es ist riskant, wenn wir zu nahe einem der belichteten Gebiete sind dort zu bleiben und es ist besser dies zu wissen, damit wir anhand der Karten eine geeignete Stelle finden, wo ich verweilen kann, ohne
aufzufallen. Mag sein, dass es mir nicht gut geht, doch dürfen wir unsere Aufgabe deswegen nicht vergessen.' Daraufhin konzentrierte sich Ke't'then wieder vermehrt darauf die aufgenommene Energie zu verteilen und vollständig zu integrieren. Je größer das Verhältnis von eigener auf die polarisierten Energien ausfiel desto besser wurde seine Konzentrationsfähigkeit, doch langsam pendelte sich dieses Verhältnis auf das endgültige Maß ein, mit welchem der Diplomat zukünftig zu leben hatte.
Ke't'thens Lächeln verwirrte ihn leicht, dennoch ging er darauf nicht weiter ein. Es gab wichtigeres zu tun. Sia'ann hatte eigentlich nicht vor, erst die Umgebung zu scannen. Er würde sich besser fühlen, wenn er Ke't'then außerhalb des Schiffes wusste. Wenn er doch nur die nähere Umgebung scannte und ihn auch dort unterbringen konnte, könnte er auch davon ausgehen, dass man dort Ke't'then nicht finden würde, wenn er dort nichts finden würde. Und sollte sie dort jemand finden, konnte man diesen bestimmt als erstes Wesen zum kennen lernen ansehen. So gerne er dies auch jetzt schon gehabt hätte, musste er zugeben, dass es für Ke't'then sicherer war, wenn er wirklich erst herausfand wo sie waren. Mental seufzte er leise auf. Das würde seine Abreise von diesen Schiff nur verkürzen. Etwas widerwillig übermittelte er ihm sein Einverständnis seinen Vorschlag gegenüber fügte aber noch eine Warnung hinzu, dass er auf jeden Fall dort bleiben sollte und nicht nur für eine Weile und zwar bis er einen Platz für ihn gefunden hatte.
Sia'ann wartete erst gar nicht auf seine Antwort sondern verließ den Raum und ging Richtung des Steuerraumes. Von dort aus, wollte er Zugriff auf sämtliche Daten nehmen und überprüfen ob welche verloren gegangen waren.
Nach ein paar Sekunden hatte er den Steuerraum wieder erreicht und setzte sich erst einmal auf Ke't'thens Stuhl, der leicht schräg hinter dem seinen stand. Mit einem Gedanken an den Späher gerichtet, mit dem er sich schon längst wieder verbunden hatte, auch um ein wenig Ke't'then überwachen zu können, befahl er diesen eine Kartezu suchen, von dem Gebiet in dem sie ursprünglich landen sollten und eine ungefähre Position anforderte, die sie erreicht haben könnten, während er ohne Sensoren geflogen war. Er musste eine Weile warten bis er die angeforderten Informationen bekam, unternahm in dieser Zeit allerdings auch keine weiteren Versuche, so sehr kannte er sich mit der Technik des Schiffes nicht aus. So war er auch dementsprechend erleichtert, als die Daten endlich auftauchten. Er wusste von der Karte her, wo sie ungefähr hätten landen sollen, der neue Standort der vermutet wurde, war ein paar 1000 km darüber hinaus, in nördlicher Richtung.
Sie waren in einer Art fünfeckiges Becken, das eine Verbindung zu einer größeren Wasserfläche hatte.
Auf zwei Seiten des ihm umgebenden Landes, an der Süd- und Westseite, konnte er auf der Karte eine Landschaft ausmachen, von der er annahm, dass intelligente Lebewesen dort wohl nicht leben würde, sei denn sie hatten sich darauf spezialisiert. Allerdings war auf den Karten, die er bisher gesehen hatte, dort keine Lichter zu erkennen gewesen, weswegen er dort Leben nahezu ausschloss. Die Landschaft wäre für derartige Wesen nur schwer zu bewohnen.
Sie könnten nahe an das Land mit dem Schiff gelangen, wo er dann auch Ke't'then hinaus lassen konnte.
Allerdings war er sich damit noch sehr unsicher, ob sie nicht lieber doch dort bleiben sollten und er Ke't'then halt in der näheren Umgebung des Schiffes raus ließ. Dann würde es für ihn auch nicht so schwierig sein, das Schiff zu der Küste zu manövrieren, was er ja ohne Sensoren machen musste und somit nur nach den Himmelsrichtungen gehen konnte.
Sia'ann blieb in seinen Stuhl sitzen und verstärkte ein wenig den Kontakt mit Ke't'then. 'Ich habe unseren ungefähren Standpunkt heraus bekommen, allerdings muss ich mit dir über unser weiteres Vorgehen reden.' Kurz hielt er inne und fügte noch hinzu: 'Wie wäre es dir lieber, wenn ich es mit dir so besprechen würde, oder würde es für dich weniger Anstrengung sein, wenn ich nach dir kommen würde?'
Ke't'then nahm ihn nur noch halb wahr, achtete eher darauf, dass es um ihn baldmöglichst besser stehen würde. Still blieb er liegen und begann sich in einen alten, einst mal von einem seiner Elter, Le'ar, beigebrachten Zustand der inneren Balance zu versetzen. Ein Zustand, der ihn von physischen Wahrnehmungen nahezu völlig abkapselte, nur die mentale Ebene noch offen ließ, diese jedoch ausreichend weit von ihm schieben würde. Es dauerte länger als sonst, bis er in diesen treibenden Zustand kam, ihm fehlte die notwendige Konzentration. Doch endlich, endlich hatte er es geschafft. Nun war er sein eigener Beobachter, gewissermaßen, und konnte aus dieser Perspektive sich selbst noch leichter wieder stabilisieren, sich von innen her mit den ihm zukommenden Energien der Energiedusche weiter und schneller stärken und sein ureigenes Wesen wieder finden. Es gab nur einen Haken, denn die ganze Sache hatte, und dies war einer der Gründe, weswegen er diesen Zustand seit langem nicht mehr herbeigeführt hatte. Sein in Stasis liegende Kind, mit dem er nie ein Wort hatte sprechen können, es nie tun können wird, von dem er wusste, dass es von Anfang an bis in alle Ewigkeit lebendig Tod war. Dieses Kind war für ihn hier, hier als ein Abbild, welches sein eigener Geist vor langer Zeit erschuf. Erschuf, als er erkannte, dass Sa'ar nicht genug Energie trug um zu leben. Und Sa'ar tanzte, lachte, spielte, zeigte ihm in jedem Moment, wie glücklich dieser sein hätte können, wenn sein Kind über ausreichend Energie verfügt hätte. Er zwang sich den Kleinen zu ignorieren und versuchte sich selbst zu finden und sich so besser zu regenerieren. Es war ihm auch eben gelungen, als ihn Sia'anns Stimme erreichte.
'Ich denke, es geht durchaus auch auf diese Weise.', antwortete er ihm, wobei er nun in seiner gerade begonnen Tätigkeit innehielt, dann nur langsam weitermachte, um dem Wissenschaftler und seinen Ausführungen folgen zu können.
Sia'ann schickte ihm mental nur ein leichtes Nicken, dann fing er an ihm die Daten zu übermitteln, wo sie nun vermutlich waren, woraufhin er seinen Vorschlag erläuterte. 'Ich könnte mit dem Schiff, zwar mit einem etwas komplizierteren Weg, da mir die Sensoren fehlen, etwas näher an das Land manövrieren. Die Gefahr der Entdeckung dürfte an diesen Ort eher gering sein...' Bei diesen Worten übermittelte er ihm eine Beschreibung der Landschaft, in der sich ein intelligentes Lebewesen wohl nur selten aufhalten würde, jedenfalls hatte er dieses noch nicht erlebt, und sprach dann weiter. 'Dort könnte ich dich dann auch vom Schiff lassen und vielleicht können wir den Ausgangspunkt unsere Basis für die Mission woanders hin verlegen, als es den Späher sein zu lassen.' Er hielt wieder inne, wartete auf eine Antwort, oder einen anderen Vorschlag von Ke't'then, wobei er auch ein wenig die Verbindung zu ihm verstärkte, er wusste nicht, in wieweit es Ke't'then Probleme machte, mit ihm auf diese Art zu kommunizieren.
Ke't'then schwieg, dachte nach, vergaß aber nicht dem Anderen ein Zeichen zu geben, dass er wohl gehört und verstanden habe, was ihm unterbreitet wurde. Er konnte sich bereits vorstellen, welches Gebiet Sia'ann meinte, noch ehe dass er dessen Bestätigung dazu erhielt. Die Intelligenzen diesen kleinen Planeten waren selbst zerstörerisch, dies hatten die atmosphärischen Messungen, welche noch vom Mutterschiff aus getätigt worden waren, ergeben. Bisher gab es nur wenige Planeten mit diesen Voraussetzungen in ihrem Hoheitsgebiet, welche sie ausgiebig erkundeten und für sich beansprucht hatten. War es also möglich, das infolge damit einher gehender Überbevölkerung die auch hier aller Wahrscheinlichkeit herrschte, auch topografisch schlechte Regionen besiedelt wurden, vielleicht nur dünn, aber immerhin, die Möglichkeit war doch gegeben, fragte er sich aufgrund der vorangegangenen Feststellungen von denen er in Da'ans Quartier näheres erfahren hatte. Sie wussten es nicht, konnten eigentlich nur Hoffen, dass dem nicht so war, denn die Alternative war nicht wirklich vorhanden, war eines der Inselstücke aufzusuchen. Ohne Koordinaten oder Sensoren unmöglich, denn in den tiefen Gewässern könnte wenige Meter neben ihnen sonstwas sein, sie würden es nicht sehen können. Derselbe Grund sprach dagegen, dass sie hierblieben und er in dieser Tiefe den Späher verließ. Sia'ann könnte ihn nicht verfolgen oder ausmachen und die Sensoren der transportierten Geräte, sie waren eine allfällige Notlösung, doch hierfür nutzlos. Und Kommunikation mit dem Mutterschiff war bis auf weiteres untersagt, bis klar war, dass die Frequenzen nicht registiert werden konnten. Ja selbst das Gemeinwesen durfte sicherheitshalber nicht allzu präsent sein, für den unwahrscheinlichen Fall, dass die hiesigen Lebensformen telepathisch oder empathisch veranlagt wären. Beides konnte bis zur Klärung einige Zeit in Anspruch nehmen, besonders jetzt, da ein Standortwechsel durch seinen Zustand erschwert wurde.
'Dein Vorschlag verdient seine Berechtigung, ich sehe nichts anderes, dass wir sonst tun könnten. Jedoch müssen wir einen Weg finden vor dem Leben im Wasser verborgen zu bleiben. Hier in der Tiefe wo für auf biologischer Ebene basierendes Leben die nötige Energie fehlt, dürfte dies kaum ein Problem sein. Wo aber auch nur das geringste Restlicht hinabreicht, kann schnell einmal die Artenvielfalt in ausreichendem Masse gegeben sein, die die Ausprägung höhreren Lebens voraussetzt.', erwiderte Ke't'then seine Bedenken aus Erfahrung hervorgehend gleich miteinbringend. Die Möglichkeit, dass die Gewäßer hier sowieso sensorisch erfasst und überwacht wurden und sie dies aufgrund ihrer defekten Sensoren nicht mitbekamen, behielt er lieber für sich, nun da er sich wieder halbwegs abschirmen konnte.
Sia'ann musste eine Weile warten bis er eine Antwort bekam, versuchte dabei nicht so ungeduldig zu sein, obwohl er doch wusste, dass Ke't'then erst darüber nachdenken musste. Er könnte sicher besser als er selber die Vor- und Nachteile darin sehen. Dann bekam er aber auch die Antwort, dass Ke't'then mit seinen Vorschlag einverstanden war. Möglichst leise freute er sich darüber, dass er offenbar mit seinen Gedanken nicht so falsch gelegen hatte auch wenn er einige Aspekte, die Ke't'then angesprochen hatte, nicht berücksichtigt hatte. Aber eigentlich sollte das Schiff dort wo er es hinsteuern wollte vor der Entdeckung etwaiger intelligenten Lebewesen sicher sein.
Leise kommentierte er allerdings erst das, was ihm an Ke't'then aufgefallen war. 'Wie ich sehe, scheint es dir wieder besser zu gehen!' Sia'ann übermittelte seine Freude darüber, ihm ging es seiner Meinung nach um einiges besser als vorher, wobei er nur eine erhebliche Besserung in seinen Zustand sah, weil er sich wieder mehr vor ihm abschirmen konnte, was eine große Erleichterung für ihn selber war.
'Natürlich, es dürfte ein Problem werden, wenn in den oberen Wasserschichten intelligentes Leben existiert. Ich würde vorschlagen alle Systeme die wir derzeit nicht brauchen abzustellen. Dadurch dürfte es schwieriger werden uns zu sehen...'
Er wartete nicht auf Ke't'thens Antwort darauf, sondern widmete sich gleich einen anderen Problem. Die Sensoren die er zur Verfügung hatte, besaßen nur eine geringe Reichweite, wenn er sich damit über den Meeresgrund tasten müsste, würde es viel zu lange dauern. Wie lange wusste er nicht, es war auf jeden Fall zu lange für Ke't'then. Wenn er allerdings in 160m Tiefe fliegen würde, dann bräuchte er die Sensoren für eventuelle Hindernisse nicht einzuschalten. Er müsste nur in die Richtung fliegen, die er ausgerechnet hatte und dort dann vielleicht wieder etwas weiter nach unten gehen. So setzte er sich erst einmal wieder in seinen Stuhl und ließ den Späher langsam weiter hinauf fliegen, während er mit dem Abschalten der restlichen, nicht in Gebrauch stehenden Systeme wartete, falls Ke't'then noch etwas anderes vorzuschlagen hatte. Denn wenn er erst einmal den Späher zu den Ort fliegen würde, den er sich ausgesucht hatte, würde er sich nicht mehr stören lassen, während des ganzen Fluges über, da er wohl wieder mit seinen Gedanken sein würde.
Ke't'then drückte still seine Zustimmung zu Sia'anns Vorschlag aus. Allerdings beschäftigte ihn noch eine Frage, die er dem Wissenschaftler dann auch stellte: 'Sia'ann, wie willst du so wissen, wann wir uns der Uferzone nähern, wo das Wasser flacher als 160 m ist', schwieg dann nachdenklich und abwägend, ehe er eine weitere von der ersten unabhängigen Frage stellte, 'Wielange dauert es minimal, bis wir uns dem Küstenstreifen nähern?'. Er hatte sich entschieden. Sia'ann brauchte Hilfe unter diesen Umständen. Er hatte doch schon zuvor gespürt, wie konzentriert dieser flog. Und ihn übermäßig fordern? Nein, dies wollte er nicht tun. Doch davon teilte er dem einstigen nahestehenden Freund nichts mit, jener hätte wohl ohnehin nur an seinen Zustand appelliert und ihn doch nicht hindern können.
Vorsichtig versuchte er sich zu rühren, kehrte wieder aus dem so hilfreichen mentalen Zustand zurück, mit wieder vollends aufgebauten inneren Schilden, die sein Wesen undursichtig machten, wie es in der Diplomatenkaste vonnöten war.
Sia'ann konnte nicht so schnell fliegen wie er es gerne wollte, da Ke't'then schon wieder mit ihm sprach. Sicher, stellte er durchaus berechtigte Fragen, aber wäre es nun nicht wichtiger gewesen zu fliegen, damit sie schneller an ihren Zielort ankämen? Er könnte die erste Entscheidung ruhig ihm überlassen und das zweite war doch eigentlich auch nicht wichtig, Hauptsache es wäre für ihn schnell genug! Aber da Sia'ann nicht wusste, wofür er die Informationen letztendlich brauchte und da er ja einen Anspruch auf dieses Wissen hatte, entschied er sich diese ihm auch zu geben. Aber zuerst schaltete er alle Systeme aus, die er für nicht wichtig erachtete, flog dann etwas langsamer nach oben und dachte über Ke't'thens Fragen nach, während er das Schiff nahezu stoppte. 'Ich habe unsere ungefähre
Position und werde den Wert nehmen, der so nahe wie möglich am Ufer ist. Ab da werde ich dann etwas langsamer fliegen und auch die Sensoren wieder etwas gebrauchen. So dauert es zwar etwas länger, aber wir können verhindern, dass wir zu tief fliegen. Somit wird zwar die Zeit die wir bis dorthin brauchen etwas verlängert, aber nicht sehr, da ich den Radius dafür eigentlich schon sehr klein gemacht habe. Ich denke wenn alles gut geht und keine unvorhergesehene Ereignisse geschehen könnten wir frühestens in ca. 4-5 Stunden da sein. Wenn keine weiteren Fragen bestehen...' sagte Sia'ann und deutete an, dass er dann weiter fliegen würde, er war nun schon nervös, Ke't'then sollte es nicht weiter hinaus zögern, als es sein musste.
Ke't'then nickte mental und ermahnte den Jüngeren nocheinmal wachsam zu sein, während er sich weiter erholen wolle. Dies tat der Diplomat zwar in der Tat auch, doch erhob er sich nach bereits 3 Stunden und bewegte sich nach vorne in den Steuerraum, wo er sich hinter Sia'ann niederließ auf jenem Sitz, auf welchem er bereits auf dem ersten Flug mit ihm sass. Sofort spürte er, wie er sich etwas besser konzentrieren konnte, auch ohne allzugrossen Aufwand. Er sandte dem kurzfristigen Piloten beruhigende Impulse um ihn nicht wegen irgendwelchen Sorgen um ihn abzulenken und öffnete einen Datenstrom in welchem er dieselbe Ansicht wie Sia'ann direkter vor sich hatte. Dazu schaltete er die Daten der Wassertemperatur sowie die Daten, welche die äusseren Schiffswände über Druckveränderungen aufzeichneten. Dies beobachtete er einige Minuten
und versuchte Muster darin zu finden. Alsbald stärkere rythmische Druckveränderungen wellenartig über das Schiff ergehen würden, würde er wissen, dass der Grund des noch unterwasserbefindlichen Ufers nahe wäre. Dies aber würde nur funktionieren, wenn ausreichender Wellengang herrschte, Ke't'then konnte also nur hoffen, entweder so, oder in dem schwachen, dunklen Bild dergleichen rechzeitig zu erkennen. Vorsichtshalber nahm er ebenfalls zugriff auf die Kontrollen, um schnell genug handeln zu können.
Als Ke't'then ihn versicherte das er sich erholen würde, fing er auch wieder an zu fliegen, sowohl nach oben als auch weiter vorwärts, bis er die Höhe erreicht hatte, die er ausgerechnet hatte. Da ihn nun nicht mehr Ke't'then störte, richtete er seine gesamte Aufmerksamkeit wieder auf den Späher, verband sich wieder mit ihm, um so besser reagieren zu können. Bald spürte er nur noch den Späher, sah nur noch die Systeme und wie er zu fliegen hatte, verlor sich nahezu vollkommen in dem was er tat.
Er wusste nicht wieviel Zeit vergangen war, als er etwas bemerkte, was ihn verwirrte und in seiner Welt störte, in der er nun war. Sia'ann tauche etwas widerwillig auf, merkte etwas verwirrt dass mehr Zeit vergangen war, als er es gedacht hatte und er sich bei weitem nicht mehr so fühlte, wie am Anfang des Fluges.
Immer noch etwas durcheinander empfing er beruhigende Impulse von denen er auch nun wusste, woher sie kamen. Ke't'then. Und er war hinter ihm. Wieso war er dort hin gekommen? 'Ke't'then...' sagte er etwas verwundert. 'Was... solltest du dich nicht lieber ausruhen?' Sia'ann wusste kaum was er darauf sagen sollte! 'Was tust du überhaupt hier? Ich kann den Späher auch alleine fliegen. Ich denke wirklich dass du dich wieder unter die Energiedusche legen solltest, du wirst später noch genug Dinge zu tun haben!' sagte er, dabei seine Mißbilligung seiner Handlung deutlich zum Ausdruck bringend. Sicher war schon einige Zeit vergangen, aber Ke't'then musste auch nicht gleich alles überstürzen!
Ihm fiel ein, dass er sich wohl auch auf den Flug konzentrieren sollte und wandte sich wieder halb den Späher zu, wartete auf irgendeine Reaktion von Ke't'then, dort würde er ihn auf keinen Fall lassen, egal in welchen guten Zustand er sich nun auch befinden mochte. Es blieb ihm noch für später Zeit zu beweisen, dass er wieder in Ordnung war!
Fast übersah Sia'ann beim fliegen eine wichtige Veränderung. Immer noch leicht verwirrt erkannte er, dass unter ihnen, laut den Anzeigen, schon der Grund sein musste, und zog den Späher etwas über 30 Meter hoch, um diesen nicht zu beschädigen. Nach diesen Erlebnis konzentrierte er sich sofort mehr auf die Anzeigen und den Späher, verband sich wieder mehr mit ihm um besser fliegen zu können.
'Ich denke, ich sollte dir hier bei dieser schlechten Sicht etwas zur Hand gehen. Außerdem, Le'him'ar war der Meinung ich sollte soweit von der Interdimensionalen Technik sein wie möglich, solange ich auf dem Späher bin. Und dies ist nun einmal hier. Längeres Liegen unter der Dusche wäre eher schädlich, als nützlich im Moment.', erwiderte Ke't'then ruhig und selbstsicher, konzentrierte sich dann wieder auf die wenigen Daten vor ihm. Er hatte den vermeintlichen Grund erst erkannt, als er die Ursache für die Flugkorrektur suchte, schob dies aber einfach auf seine Verfassung und behielt es für sich. Auseinandersetzungen mit dem Wissenschaftler konnte er, konnten sie derzeit nicht brauchen, dazu war der Flug doch zu Fordernd von beiden. Von sehen konnte ohnehin kaum die Rede sein, es war mehr als ein Vorantasten mit den Augen: Was man erkannte, war innert weniger als einer Sekunde bereits hinter einem, ihr Tempo war hoch, sehr hoch. Der Diplomat prüfte wieder die Werte: noch keine nennenswerte Veränderungen. Dies bedeutete das Ufer war noch weit entfernt. Dafür aber waren sie soeben in einen Wasserbereich gelangt, wo erste Unterwasserlebensformen exisitierten. Von nun an würden sie auch auf diese achten müssen, alsbald sie eine gewisse Grösse überschritten. Er Seuftzte stillschweigend in seinem Innern, da ihm nur zu deutlich wurde, wieviel ihnen die Sensoren normalerweise an Arbeit ersparten und das Leben erleichterten.
Vor Schreck leuchtete Sia'ann leicht auf. Mit so etwas hatte er in einen Zustand am allerwenigsten gerechnet! Plötzlich waren seine Kontrollen weg und der Späher bewegte sich sehr abrupt zur Seite. Verwirrt brauchte er eine Weile, bis er verstand, dass Ke't'then die Kontrollen nach sich übertragen hatte und irgendetwas ausgewichen war, was er selber wohl übersehen hatte. Immer noch etwas neben sich, erkannte er auch, dass er sich wieder im Stuhl an den Kontrollen spüren konnte und nicht mehr so eng mit den Späher in Kontakt war.
Leicht verärgert über sich selber übertrug er die Kontrollen wieder auf seinen Platz. Eigentlich hätte er sich darauf auch vorbereiten können, wenn sich Ke't'then schon an seinen Platz setzte, dann bestimmt nicht ohne vorzuhaben, auch zu handeln. Er beruhigte
sich langsam wieder und bereitete sich nun etwas besser auf Unregelmäßigkeiten und Eingriffe von Seiten Ke't'thens vor. Zu ihm sagte er nichts, dass er einfach so die Kontrollen übernommen hatte. Theoretisch war es nur logisch, dass er ihn damit aus den Konzept bringen konnte und Ke't'then musste das eigentlich wissen. Wenigstens eine Warnung hätte er geben können!
Nun etwas zögernd verband er sich zum wiederholten Male mit dem Späher, nun aber auch seine Aufmerksamkeit auf Aktionen von außerhalb lenkend, dass er ihn nicht wieder so überraschen könnte.
Er flog noch eine Stunde lang, in der er immer wieder ein paar Schwärmen von Tieren auswich, die aber nicht intelligent waren, hin und wieder auch Ke't'then noch die Kontrollen übernahm, wenn er etwas nicht sah, wobei er darauf nun aber auch besser vorbereitet war, bis sie nahe an ihren Zielort waren. Er erkannte dies einfach an seinen Sensoren und er konnte es auch durch den Späher spüren.
Das Wasser war dort niedriger geworden und Sia'ann fing an nach einen geeigneten Platz für den Späher zu suchen, den er dann auch schließlich eher durch Zufall fand. Er hatte nur in näherer Umgebung, dass er dort etwas fand, hatte ihn gefreut. Wenigstens etwas lief richtig. Erleichtert ließ er den Späher in eine Senke sinken und kontrollierte noch einmal ihre Position. Sie waren auf jeden Fall in der Nähe von dem Punkt, den er sich ausgerechnet hatte, in 50 Meter Wassertiefe.
Nachdem er alle Systeme wieder ausgeschaltet hatte, drehte er sich zu Ke't'then um, sah ihn etwas geschafft, aber auch sehr erleichtert an und sagte: „Dies wäre dann unser Zielort, zwar nicht der, den wir eigentlich geplant hatten... Wir sollten jetzt damit anfangen, deine Abreise vom Späher vorzubereiten. Vielleicht solltest du dir überlegen, wie wir das machen wollen? Ich werde derweil schon deine Sachen von meinen trennen und sie für einen Transport vorbereiten, meine werden noch eine Weile hier bleiben, ich werde ja auch noch hier bleiben. Selbstverständlich wirst du jetzt hier bleiben da, wie du selber gesagt hast, du einen größtmöglichen Abstand zur ID-Technologie haben musst.“ Sia'ann konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen, als er sich umdrehte und sich anschickte den Raum zu zu verlassen. Das Nachdenken über etwas dürfte ihn kaum schwächen.
Ke't'then ging auf die letzte Erwiderung Sia'anns nachdem der Späher endlich gelandet und soweit gesichert war, nicht ein, überging ihn schlichtweg. „Ich werde hier vorbereiten was ich kann, danach jedoch, werde ich dir helfen kommen, so sind wir schneller soweit, dass ich aufbrechen kann um draußen ein geeignetes Lager aufzuschlagen.“, erwiderte er einzig bereits beschäftigt ehe Sia'ann den Raum verlassen hatte.
Dann konzentrierte er sich wieder auf die vor ihm liegende Aufgabe. Zuerst musste er prüfen, wieweit sein Fehler die Daten beschädigt hatte und dann erst konnte er die spezifischeren Daten, welche ihm von nutzen waren auf einen seperaten Datenkern kopieren, welchen er ohne weiteres bei sich tragen konnte. Es dauerte eine Weile, bis er an das gewünschte kam, eine Weile, in der er feststellen konnte, dass keine Daten definitiv verloren waren, sich jedoch noch immer neu ordnen mussten. Ke't'then schien einiges durcheinander in der Ordnung hervorgerufen zu haben. Schlussendlich hatte er dann doch was er brauchte, geografische und topografische Karten, die Daten dieses Teils des Planeten, welche sie sonst noch gesammelt hatten, sowie die Berichte und Erkenntnisse früherer Erkundungen anderer Planeten dieser Art. Als alles sicher gespeichert war, entnahm er dem Schiff den entsprechenden Kern und folgte mit diesem in der Hand Sia'ann endlich nach, um ihn trotz der größeren Beeinflussung der ID-Technik zur Hand zu gehen. Wie er vorgehen wollte, dies hatte er ohnehin schon bei der Prüfung der relevanten Daten entschieden. Je nach Menge des zu transportierenden Materiales würde er auf dem ersten Weg nur 'leichtes Gepäck' mitnehmen um damit eine gute Stelle auszukundschaften und anschließend weniger zum transportieren zu haben. Auch wenn es noch ein weiter weg war, so waren die hier verbreiteten Sümpfe gewiss das beste Gebiet, in welchem er sich verborgen niederlassen konnte und ihm Sia'ann auch folgen konnte, so dieser seine Erkundungen in Schiffsnähe abgeschlossen hätte und den Späher ausreichend gesichert hätte. Einer Zeit, in welcher er hier ein zweites Lager würde errichten können.
Sia'ann verließ einfach den Raum und sagte auf das letzte zu Ke't'then nichts mehr. In diesen Moment mit ihm darüber zu streiten, wäre nicht sinnvoll gewesen. Zudem war es nicht unbedingt seine Art lange Diskussionen zu führen, erst recht nicht mit einem älteren Taelon. Mit Ke't'then wollte er am allerwenigsten etwas riskieren, seine frühere Freundschaft mit ihm, wollte er nicht verlieren, er
war froh, dass er auf diesem Planeten mit einem Taelon war, mit dem er sich mehr oder minder gut verstand, etwas anderes würde ihn nur behindern.
So in Gedanken ging er zum Lagerraum und sah sich um. Überall lagen und lehnten ihre Kästen gesichert auf den Boden und an den Wänden. Von außen war nicht zu erkennen welcher nun Ke't'then, oder Sia'ann gehörten, aber es war alles im Computerterminal
gespeichert. Wenn es sein musste, konnte er auch noch jeder einzelne Kennzeichnung an den Kartons lesen, was aber eine Weile dauern konnte, er wusste nicht ob nicht einiges ihres Gepäckes die Signatur auf der ihn abgewandten Seite hatte.
Er ging zu einem Computerterminal und öffnete einen Datenstrom. Mittels ein paar Gedanken gab er dem Computer den Befehl nach der Lagerliste zu suchen, in der alle Kästen aufgeführt waren die Ke't'then und auch ihn gehörten. Anhand eines Planes des Raumes, hatte er auch schnell alle Kästen die ihm gehörten gefunden. Nur hatte er keine Ahnung was dort drin war, so dass er wohl nachsehen müsste, wobei er nicht wusste, ob Ke't'then etwas dagegen hatte. Eigentlich war es ihm egal.
Er schloss den Datenstrom wieder als er sich alles behalten hatte und ging zielstrebig auf eine der Kisten zu. Sia'ann beachtete nur die kleinen und nicht die großen, die er zusammen mit Ke't'then hineingetragen hatte, und löste diese als erstes aus den Sicherungen. Er schaffte diese alle zu einem Platz und packte dabei auch seine Kiste, die er vorher noch auf der Suche nach einen Scanner durchwühlt hatte zurück auf ihren Platz. Danach inspizierte er alles was in Ke't'thens Kisten war und räumte sie um. Alles würde er am Anfang nicht brauchen können, und zu viel von seinen Sachen konnte er eh nicht mitnehmen, irgendwie musste er ja auch noch dafür sorgen, dass er etwas wie eine Energiedusche mitnehmen konnte, ohne Energie würde ein Aufenthalt, egal an welche Ort, nur für kurze Zeit möglich sein und eigentlich sollte er ja nicht wieder zurück zum Späher kommen müssen.
Die ersten paar Kisten hatte er schon entsprechend gepackt, dass Ke't'then sie mitnehmen konnte, die Sachen die er für weniger wichtig empfand, hatte er in den restlichen gelassen, die er nun erst einmal wieder zurückstellte, damit er keine Fehler machte, wenn er mal wieder zu weit vor dachte.
Als Ke't'then bei seinem Artgenossen ankam schien es, als wäre dieser bereits fertig. Kurz überblickte er die Situation, ehe er einen kleineren Stapel sah, welcher wohl dafür gedacht war, auf dem ersten Gang ins Unbekannte mitgenommen zu werden. „Sia'ann, ich danke dir.“, sprach er den Anderen an, „ist darunter auch einer der wenigen Scanner?“, denn diesen würde er brauchen, wollte er den Weg zum Schiff zurück irgendwie noch einmal finden. Der Grund dürfte wohl überall zu eintönig sein, als dass er sich dabei allein vom sehen her ausreichend orientieren konnte, selbst jetzt wo es eine Hellphase war, in der sie sich befanden und winzige Spuren des Tageslichtes selbst in diese Wassertiefe vordrangen. Er schwieg, ging auf die kleine Ladung mit, welche er mitnehmen würde und fragte dann: „Was wirst du in der Zeit bis zu meiner Rückkehr unternehmen? Fängst du bereits mit der Suche an?“
Etwas verwirrt sah Sia'ann auf. Er hatte schon längst wieder vergessen, dass Ke't'then zu ihm kommen wollte. Mit langsamen Bewegungen stand er auf, sah ihn an und neigte kurz den Kopf um daraufhin zu sagen: „Natürlich.“ Danach packte er die letzten Sachen zusammen, die er für Ke't'then vorgesehen hatte, woraufhin er sich dann wieder Ke't'then zuwandte, die Fragen hatte er für diese Zeit ignoriert.
„Ich denke bis ich fertig gewesen wäre, hättest du noch im Steuerraum auf mich warten können. Du hättest nicht unbedingt hierher kommen müssen. Wohin hast du vor zu gehen?“ Er sprach mit seiner gewohnten sanften Stimme, die mit einer leichten Belustigung durchzogen war. Sia'ann fand es in dieser Situation sehr wichtig zu wissen, wo Ke't'then sich aufhalten würde.
„Ich denke ich versuche in Richtung der Sümpfe etwas geeignetes zu finden, von wo aus ich unserer Aufgabe nachzukommen gedenke. Es dürfte zwar noch einige Kilometer unter Wasser voran gehen, doch halte ich die Mühe für gewiss nicht verfehlt. Sobald ich für die ersten Gegenstände ein passendes Versteck gefunden habe, dass sich als Unterkunft ebenfalls eigenen würde, kehre ich wieder zurück. Allzubald werde ich wohl nicht wieder hier sein, also mach dir keine Sorgen, Sia'ann.“, gab Ke't'then dem Jüngeren zur Antwort, schwieg dann ehe er weitersprach, „Wirst du bis auf weiteres in der Nähe des Schiffes verweilen?“
Sia'ann nickte, obwohl er die Sümpfe dann doch etwas weit entfernt fand. „Und es gibt keinen Ort der nicht etwas näher wäre?“ fragte er etwas unbehaglich. Zum ersten wohl, weil Ke't'then dann so lange fort bleiben würde und zum zweiten, weil diesem dabei viel passieren könnte. Obwohl die Entfernung die er dann zu der ID-Technologie hätte, perfekt wäre. „Wir werden in Kontakt bleiben?“ fragte Sia'ann wobei es auch eine halbe Bitte war. So könnte er wenigstens wissen, wo er gerade war und ob es ihm gut ging. Und er konnte ihn oft sagen, dass er sich nicht sorgen sollte, sein Verhalten hatte ihm gezeigt, dass er wenigstens für seine Begriffe sehr unvernünftig war.
„Das weiß ich noch nicht... es kommt darauf an.“ sagte er kurz, entschied sich dann aber doch eine etwas ausführlichere Antwort zu geben. „Ich werde so weit es die Sensoren erlauben, nach irgendetwas metallisches suchen, was vielleicht Spuren von Bearbeitung aufweisen könnte. Vielleicht ist hier unten irgendetwas was auf intelligentes Leben schließen könnte. Daher weiß ich nicht, wie weit ich mich entfernen muss, um an meinen Zielort anzukommen.“
Die Suche nach Metallen war eine gute Idee, Metalle kamen nur seltenst in reiner Form in der Natur vor, zu oft oxidierten sie zu Erzen, waren so fest in Gestein eingebunden. „Es gäbe Orte, die näher liegen, nur denke ich eignet sich eine Stellung in den Sümpfen weitaus besser zur einer genaueren Erkundung an Land. Außerhalb des Wassers ist es leichter sich fortzubewegen, wenn es auch nicht leichter ist, Lasten zu tragen, von daher entschied ich mich für die Sümpfe, so läst sich die Ladung gut auf dem Wasser transportieren, ohne dass auch ich dem Widerstand des Wassers mit meinem ganzen Körper dagegenhalten muss. Und, Sia'ann, du weißt, dass wir den Kontakt selbst im Gemeinwesen auf ein Minimum zu beschränken haben, solange nicht klar ist, ob dieses belauscht werden kann. Wenn hier alles
soweit ist, werde ich mich wohl gleich auf den Weg machen.“, sprach Ke't'then zu seinem einstigen Freund in für ihn ungewohnt vielen Worten, ehe er auf diesen zutrat um sich noch ein letztes Mal intensiver in seiner Nähe fühlen zu können durch ein Sharing. Ein Sharing in welchem sie nocheinmal einander wissen ließen, worum es hier ging, aber auch ein Sharing in welchem sie sich gewissermassen in der alten Freundschaft bestätigen konnten, die verstrichenen Jahrhunderte dazwischen, in denen sie sich Sa'ars wegen verloren hatten, für einen Moment vergessen. Anbietend hob Ke't'then Sia'ann seine Handfläche hin, eine Geste, welche er nur noch selten ausführte.
Sia'ann hörte still zu und fühlte sich unwohl, als er von Ke't'then das hörte, was er eigentlich auch selber wusste. Dass sie keinen Kontakt würden halten können. So nickte er nur und erwiderte: „Natürlich...“, ohne noch weiterhin etwas hinzuzufügen. Dabei war er Ke't'then aber schon dankbar, dass er alles so ausführlich erklärte. Ke't'then würde also nun gehen, immerhin war alles fertig.
Er sah ihn etwas verwirrt an, als er nach seinem Vortrag auf ihn zutrat und eine Hand ausstreckte. Mit einem fragenden Gesichtsausdruck legte er den Kopf leicht schief. Wollte er tatsächlich mit ihm ein Sharing eingehen? Sie hatten sich lange nicht gesehen und es war viel in der Zwischenzeit passiert. Es war nicht mehr so wie früher, als er dies ohne Zögern angenommen hätte.
Sia'ann streckte mit einem Lächeln auch seine Hand aus und legte sie gegen Ke't'thens. Ob er wohl etwas neues bei ihm würde sehen können?
Ke't'thens Energie erstrahlte in hellen Blautönen als Sia'ann einwilligte und so stellte er mit innerlicher Freude, welche nach außen hin für Dritte nur wie Ruhe gewirkt hätte, eine Verbindung zu seinem Gegenüber her. Langsam erst, dann etwas forscher öffnete er sich, tastete gleichermaßen aber auch den Geist des Anderen ab, ob dieser ebenso handelte, oder sich lieber verdeckt hielt. Er nahm Bilder hervor, wie er es erlebte, als sie einander früher oft begegneten, oft sprachen, gemeinsam was unternahmen, als sie beide noch fast Kinder ihrer Art waren. Dann hielt er sich zurück, ließ Sia'ann Raum, während er sich selbst ihm gegenüber jedoch nicht verschloss, sondern einfach die Nähe eines seiner Art, welchen er zudem einst sehr gut kannte, genoss.
Sia'ann konnte seine Freude spüren, als er leicht seine Hand gegen Ke't'thens legte und dieser das Sharing einleitete. Doch etwas verwundert bemerkte er, dass er sich ihm tatsächlich öffnete. Am Anfang etwas langsam, dann aber in einer Art entschlossener, wobei er auch Sia'anns Geist selber abtastete. Sia'ann hatte dies eigentlich zurückhalten wollen, entschied sich dann aber doch Ke't'then dies nicht zu verbergen, er würde dies fühlen und ließ ihn so seine Belustigung ob dieser Handlungsweise spüren. Als wenn Sia'ann sich jemals vor jemanden verschlossen, oder anderes hätte!
Er sah sich die Bilder an, die Ke't'then ihm zeigte, seine Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit, wie es aus seiner Sicht gewesen war. Sia'ann lächelte leicht, fühlte aber auch eine tiefe Sehnsucht nach der Vergangenheit. Eine derartige freundschaftliche Beziehung hatte er seit dem nie wieder gehabt. Zudem erinnerte er sich gerne an seine Jugend. Dort war vieles noch nicht so kompliziert
gewesen, wie nun.
Ke't'then übermittelte nach diesen Bildern nichts mehr, sondern schien vielleicht auch etwas von ihm zu erwarten?
Er blieb weiterhin in seiner Nähe und schien diese zu genießen. Auch Sia'ann begrüßte es wieder seine Nähe spüren zu können, aber lieber hätte er es gehabt, wenn Ke't'then ihm mehr gezeigt hätte. Vor Neugierde konnte er sich kaum zurückhalten, ihn nicht etwas näher kennen zu lernen, zu erfahren, wie er sich verändert hatte, um sein Bild über ihn aktualisieren zu können. Nur wusste er dabei nicht, ob Ke't'then ihn dies in einen derartigen Ausmaß erlauben würde, wie er es gerne machen würde.
Sia'ann übermittelte nun seinerseits Bilder, erst jene, welche Ke't'then ihn auch zuvor gezeigt hatte, um ihm auch seine Seite zu zeigen. Dann ging er dazu über, ihm auch anderes zu zeigen, wie sie sich kennen gelernt hatten, dann aber schließlich auch, wie die Trennung statt fand, ohne Worte, ohne dass er wirklich einen Grund gewusst hatte und wie er sich in den Jahren gefühlt hatte, was er selber getan hatte.
Um Ke't'then nicht vielleicht abzuschrecken, oder traurig zu machen, bemerkte er mehr am Rande ein paar Veränderungen, die er selber durchlaufen hatte, wobei ein wichtiger Aspekt seine Art zu träumen war. Diese zeigte er niemanden, zwar wussten alle, dass er oft abwesend war, aber Ke't'then bot er in ein paar Bildern an, mehr darüber zu erfahren, wobei er aufpasste, ihm welches Wissen über ihn auch immer, nicht aufzudrängen, sondern so gut wie möglich die Harmonie aufrecht erhaltend, die zwischen ihnen bestand. Er wunderte sich nur wenig, dass er sich trotz, dass er Ke't'then so lange nicht gesehen hatte, in einem Sharing so wohl bei ihm fühlte.
Ke't'then freute sich, dass ihm Sia'ann auch aktiv Bilder und Ausschnitte der Vergangenheit zeigte, die ihn beschäftigten, ihm etwas bedeuteten, so gewann er wieder ein besseres Bild jenes Taelons, den er einst nahezu ebenso gut kannte wie sich selbst. Er fühlte dessen unverborgene Neugierde, wie er alles von ihm wahrnahm, da dieser sich ebenso wenig wie er selbst im Moment vor dem anderen verschloss. Noch zögerte er, war sich nicht sicher, ob er die Geschichte, die Tragödie um sein Kind wiederherauskramen wollte um zu erklären, weswegen er sich langsam mehr und mehr zurückgezogen hatte vor nun bald 1700 Jahren. Doch Sia'ann hatte ihm soviel von sich gezeigt, dass er es ihm schuldig war. Erst brachte er mit einiger Distanz noch einmal kurz die Tatsachen hervor, die Sa'ar direkt betrafen, und seine Gefühle die damit einhergingen. Er war bereit gewesen für sein Kind alles zu tun, damit dieses ein langes und friedvolles Leben hätte führen können. Gab, als er erfuhr, dass auch sein Kind zuwenig Energie haben würde nicht auf, wollte es nicht wahrhaben, dass dem wahrlich so sei. Ke't'then zeigte ihm, wie oft er den leblosen, kleinen Körper vergeblich aufgesucht hatte um ihm nahe zu sein, war er anfangs doch sogar versucht, Sa'ar seine Energie zu übertragen, da er dort minimst fühlte, wie in der Stasis etwas von dem jungen Leben war und doch nie mehr werden würde. Der Diplomat hatte lange gebraucht um innerlich damit fertig zu werden, dass auch er zu schwach gewesen war, ein lebensfähiges Kind zu zeugen und somit gegen das drohende Schwinden ihres Volkes anzukämpfen. Lange hatte er kalt, ohne eigentliche Motivation seine Arbeit ausgeführt, war in Gedanken nur bei Sa'ar gewesen, alleine. Irgendwo wusste, er, dass man ihn nicht verstehen konnte, er deswegen alleine war, selbst einen Weg herausfinden musste. Er hatte einen Weg gefunden, doch führte er ihn nicht von Sa'ar weg. Mit der Zeit sah er ein, dass er alleine seinem Kind nicht würde helfen können und dass seine Tätigkeit das einzige war, dass alle voranbrachte und sie so am ehesten einer Lösung für ihre Sorge näher bringen konnte. So hatte er angefangen seinem Kind jede seiner Tätigkeiten zu widmen und für dieses sie erfolgreich abzuschließen, es war die stärkste Motivation, die er gefunden hatte. Zugleich aber fing er an Steine als Symbol der Unvergänglichkeit für sich persönlich zu sammeln. Hinter jedem
seiner Besitzstücke auf dem Mutterschiff stand so eine Geschichte. Dies fing an sein Leben wieder zu füllen, und doch blieb immer eine Leere. Jene Leere, die sich bei ihnen allen anfing zu verbreiten, die eine stumme Verzweiflung in sich barg, die alle zu vergessen suchten und doch keiner konnte, weil sie tagtäglich daran erinnert wurden, wie kurz ihre Lebensdauer noch war, welches Schicksal den Kindern bevorstand. Eine Leere, die selbst die noch lebenden schwächte und auseinandertrieb. So hatte sie auch Ke't'then damals von Sia'ann entfernt. Er wollte dies nicht, hatte dies nie gewollt, konnte es aber nicht verhindern. Er wusste nicht, ob ihn sein damaliger Freund dieses Mal verstanden hatte, damit umgehen konnte, aber dieses Mal hatte er sich dagegen entschieden es wieder zu verbergen.
Nicht nachdem er wieder die Nähe zu einem seiner Art derart intensiv spüren hatte dürfen. Nicht nachdem er deutlich um Sia'anns Sorge seinetwegen wusste. Er blieb wieder still, brachte seinen aktiven Geist zur Ruhe. Es war als verstummten die letzten traurigen Töne einer alten Melodie, die jedem bekannt war, auch ohne sie jemals vernommen zu haben, jemals vernehmen zu können. Dann aber tat er etwas, dass er mit dem Jüngeren früher oft getan hatte, besonders noch, als dieser erst wenige Jahrzehnte alt war und genauso wenig wie er selbst einmal auch, dauernd die Sorge um ihre Zukunft, die Zukunft ihres Volkes zu verspüren. Sie war damals auch nochnicht so verbreitet wie heute gewesen. Langsam fing Ke't'thens Geist an, den des Jüngeren zu umgeben, völlig auf die Verbindung zu lenken wo er dann um sie beide jenen Flecken eines Planeten in Erinnerung rief, den Sia'ann als ersten von vielen folgenden kennengelernt hatte. Er holte auch aus der Erinnerung jenes Spiel hervor, dass sie beide damals gerne spielten, doch nicht um es jetzt zu spielen, sondern um ihm noch ein letztes Mal zu zeigen, dass er nichts von alledem jemals vergessen hatte. 'Weißt du noch, wie wir gemeinsam versuchten das Ul'ka'pla gemeinsam noch größer werden zu lassen?', fragte er ihn leise mental, jedoch keinerlei Antwort erwartend, als er sich auch mit der Frage verabschiedete, die Szene ausklingen ließ und somit Sia'ann versuchte zu zeigen, dass er sich, wie damals auch, keinerlei Sorgen zu machen brauchte, egal was sich äußerlich geändert hatte. Stumm und mit geschlossenen Augen löste er seinen Geist von dem des Anderen, zog sich zurück und beendete letzten Endes das Sharings, womit er in ihnen beiden unweigerlich eine grosse Stille hervorrief, da die Nähe gleichsam nachließ. Einen Moment blieb er stehen, wandte sich dann um und schickte sich an, seine Sachen zu nehmen um zu gehen. In Freundschaft, wie er hoffte.
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