(Repost und ein kleiner Teil davon wie es weiter geht)
Graue Nebelschwaden zogen durch die kalte Nacht und verbargen die funkelnden Sterne hinter ihren Schleiern. Ein kalter Nordwind, der nach Regen riechende Luft mit sich brachte, trieb die Nebelfetzen durch den nächtlichen Park. Selbst dem Vollmond der so hell über der Wolkendecke strahlte gelang es kaum, sein Licht Trost spendend zur Erde zu senden.
Still und verlassen lag diese Insel der Ruhe mitten in einer der deutschen Großstädte, und in seinem Zentrum waren weder lärmende Autos noch die anderen Geräusche zu hören, die unwillkürlich auftraten wenn große Massen an Menschen an einem Ort lebten. Die Vögel hatten sich schon lange in die Dickichte und Hecken zurückgezogen, um den Kopf unter das Gefieder zu stecken und zu ruhen, noch nicht mal ein vereinzeltes Kaninchen hoppelte über einen der mit weißen Kieseln bestreuten Wege, die sich lehmig durch den ganzen Park zogen. Kastanien, Eichen und Fichten säumten die Wege, und standen in kleinen Baumgruppen neben großen grauen Felsbrocken, auf denen sich im Sommer wenn die Sonne schien Studenten und Müßiggänger rekelten.
Der Wind ließ hin und wieder die Äste der Bäume knacken, wenn er ihnen die letzten bereits braun gewordenen Blätter entriß, und bewegte sachte das etwas zu lang gewordene Gras der Rasenflächen.
In dieser gespenstischen Stille wirkten Zo‘ors Schritte auf einem der kleineren Wege besonders laut, denn die vielen kleine Steine protestierten knirschend, wenn sein eiliger Schritt sie fester in den feuchten Untergrund drückte.
Er schritt weit kräftiger aus als sonst, seine Hände hatten sich an zu festen Fäusten verkrampft, mit denen er in seiner Enttäuschung und hilflosen Wut am liebsten auf etwas eingeschlagen hätte.
Da’an hatte ihn wieder hintergangen, wie konnte er es nur wagen ihn so zu verraten? Die Beweise die Ter’ee, der deutsche Companion, aufgedeckt hatten waren erdrückend, und er hatte so verdammt sicher geklungen in den Unterlagen und Datenbänken der Nord Amerikanischen Botschaft noch weit mehr verräterisches Material finden zu können.
Zo’or war aus der hiesigen Botschaft gestürmt, hinaus in die graue und kalte Nacht, ohne überhaupt ein Ziel zu haben. Er wollte einfach nur weg, weg von allem.
Es wollte weder Menschen noch Taelons um sich haben, so hatte er ohne auf Agent Sandoval zu warten der hinter ihm hergestürmt war, kaum das er den Hauptkonferenzraum verlassen hatte, sich in das Shuttel gesetzt und war gestartet.
Er war ein guter Pilot, vielleicht sogar ein besserer als sein Bruder der ihn früher, heimlich oft mitgenommen und ihm alles gezeigt hatte.
Aber wie er in diesen Park gelangt war konnte sich der aufgewühlte Taelon nicht erinnern.
Seine aus Enttäuschung geborene Wut loderte noch immer in ihm, wie ein gewaltiges Feuer das ihn von innen her verzehrte.
Doch war er dankbar einen Ort gefunden zu haben an dem er allein sein konnte.
Er blieb stehen und atmete tief durch. Würde es ihm nicht bald gelingen sich zu beruhigen lief er Gefahr das jemand sein Geheimnis aufdecken würde, das ihm wie ein schwarzer Schatten sein ganzes Leben lang verfolgt und an das er seinen Bruder Da‘ma verloren hatte, der einzige der ihn wirklich geliebt hatte und immer für ihn da gewesen war.
Was war das? Hatte er wirklich etwas gehört oder hatten seine überreizten Nerven ihm nur einen Streich gespielt?
Nein da war es wieder, ein kaum wahrnehmbares Rascheln, ein Fiepen!
Der Taelon setzte sich langsam und vorsichtig wieder in Bewegung. Er trug keine Waffe bei sich, aber um seine Sicherheit sorgte er sich auch nicht wirklich. Mehr und mehr Energie sammelte er im Zentrum seines –nun trotz der Fassade leicht glühendem- Körpers und fokusierte sie seinen Handflächen. Sein Shaqarava begann zu kribbeln.
Vielleicht handelte es ich auch um gar keinen Hinterhalt. Eine unberührte Patina aus Tau bedeckte das Gras, in der Richtung aus dem er glaubte das Geräusch vernommen zu haben, soweit er es in dem schwachen Licht erkennen konnte. Und wer sollte wissen das er hier war, vor einer Stunde hatte er selber nicht gewußt das er hier her kommen würde.
Mit einer Mischung aus Ärger und Furcht ging er einem weiteren Rascheln nach –diesmal war er ganz sicher etwas gehört zu haben- obwohl die Vernunft ihm gebot sofort zum Shuttel zurückzukehren.
Das Wasser des Nebels das sich auf den Pflanzen als kleine Tropfen gesammelt hatte, vielleicht waren es auch die ersten Tropfen des Morgentaus, durchnäßten die Beine seiner Uniform als er weiter vom Weg abkam. Und er müßte darauf achten auf dem nassen, schlüpfrigen Boden nicht auszurutschen, als er mit seinen Plateauschuhen einen kleinen Hang herabkletterte.
Die wiedergekehrte Stille um ihn blieb gestaltlos, ohne konkrete Gefahr.
Zo’or hatte fast einen weiteren Weg erreicht, der viel kleiner war als die große und prächtige Allee die er eben noch beschritten hatte. Im Gras lagen Abfälle, Dosen Papierfetzen und Glassplitter in denen sich das wenige Licht glitzernd spiegelte das die Wolkendecke durchdrungen, und an den Nebelschwaden vorbeigekommen war. Der Weg war lehmiger, es lagen weniger Steine hier auf den Wegen und die wenigen waren schmutzig und vielfach tief in den weichen Boden getreten. Offensichtlich war er in einem Teil des Parks gelangt der nicht so oft von Erholungssuchenden genutzt und infolge dessen auch nicht so gepflegt wurde.
Hätte ihn jemand angreifen wollen hätte er nun mehr als ausreichend Gelegenheit dazu gehabt, aber nichts hatte sich gerührt.
Wieder dieses leise Fiepen, obwohl er der dem Ursprung näher gekommen sein mußte, war es immer noch kaum zu hören. Aber jetzt konnte Zo’or die genaue Richtung ausmachen.
Er wandte sich einer Dornenhecke zu die seit Jahren nicht mehr Richtig geschnitten worden war, und zu deren Fuße Brenneseln wucherten. Ganz in der Nähe stand ein alter Eichenbaum dessen Stamm durch Alter oder einen Blitz mal gespalten worden sein mußte und eine Parkbank stand unter seinen ausladenen Ästen.
Drei verbeulte metallene Abfalltonen standen im Gras, sie waren mal silbern gewesen aber in den Rillen des Metalls hatte sich schwarzer Schmier abgelagert, ein Zeichen ihres Alters.
Um sie herum war noch mehr Müll angesammelt. Die Fetzen, Splitter und Dosen schienen hier ihren Ursprung zu nehmen. Eine von ihnen war halb unter das Gestrüpp gerollt, ihr Deckel lag einige Meter weit weg und es stank erbärmlich.
Der Taelon horchte wieder, in die klare Nacht Luft hinein.
Konnte es wirklich sein das das Geräusch aus einer Mülltone gekommen war? Er beugte sich vor, und ließ seine Fassade fallen um in dem sanften Glühen seines Körpers besser sehen zu können. Eine schwache Bewegung, oder hatte er sie sich nur eingebildet?
Er ließ sich auf seine Knie nieder, seine Hose zog noch mehr Wasser in sich hinein, doch er ließ diese weitere Ungemach ebenfalls unbeachtet. Da drin war etwas, etwas lebendiges das Hilfe brauchte.
Er langte in das Dornengestrüpp, seine Uniform zerfetze an einigen Stellen, und kleine weiße Energietropfen perlten aus seinem Körper, wo die langen Dornen seine Haut durchstochen hatten.
Er zerrte solange an dem schweren, schmutzigen und stinkendem Behälter, bis die große Tonne so weit bewegt hatte, das er an die Öffnung herankommen würde.
Unter Glassplittern und dieser klebriger Masse die die Menschen im Mund zu kauen pflegten, fand er einem von vorhergegangen Regen durchweichten Karton. Der Geruch von Tod und Verwesung schlug dem Taelon aus ihm entgegen.
Vor Ekel hätte Zo‘or ihn am liebsten weit von sich geworfen, aber er nahm sich zusammen und griff statt dessen hinein. Und er zog etwas daraus hervor.
Der Leichnam eines kleinen Säugetiers, das nach dem Aussehen des Gesichts und des Körperbaus nicht mehr als ein Junges seiner Art gewesen sein konnte. Der kalte Körper lag schlaf in seiner Hand, und weiße Augen starrten ihn bewegungslos an. Der Taelon mußte schlucken, selten war er bis jetzt direkt mit dem Tode konfrontiert gewesen, und so kam es das der Anblick dieses Tieres ihn zutiefst schockierte. Ihn der ohne mit der Wimper zu zucken die Auslöschung ganzer Planeten befehlen konnte, ihm der Wahllos Menschen, Skrills und andere Wesen als Experimentsmaterial benutze, ihn der bereit war ganze galaktische Quadranten mit Krieg zu überziehen.
Das leblose Junge das kaum so groß war wie seine Handteller haltend, fragte er sich, wie grausam Menschen sein konnten.
Solche Wesen sollte er schonen? Warum?
Offensichtlich war er zu spät gekommen, das arme kleine Wesen war tot.
Er wandte sich schon zum gehen als er das Fiepen wieder vernahm.
Hastig, begann der den Karton zu durchwühlen, er mußte ein paar mal hart schlucken so schlimm war sein Ekel. Fliegen hatten sich auf den Leichen der kleinen Tiere niedergelassen, ihre Rippen standen herraus, und starre Augen schienen ihn anklagend zu fixieren. Warum war er nicht eher gekommen?
Unter zwei weiteren dieser armen Kreaturen bewegte sich etwas. Schließlich hielt der nasse, schmutzige Zo’or triumphierend ein Kot beschmiertes Etwas in der Hand, das sich zitternd und winselnd an ihn drückte.
Der Taelon starrte auf das Wesen das in seine Handfläche kauerte und sie kaum ausfüllte.
Dann begann er zu rennen. Dabei glitt er zweimal im glitschigen Gras aus, seine Uniform war Schlamm verkrustet, er selber nicht minder verschmutzt. Naß, erschöpft und völlig außer Atem, durch diese ungewohnte Anstrengung, kam er an seinem Shuttel an. Seine Sorgen waren vergessen, das einzige was ihn kümmerte und berührte war das Kleine das er schützend an seine Brust drückte in der Hoffnung es ausreichend zu wärmen um es am Leben zu erhalten
Was sollte er jetzt machen?
Im Shuttel selber war es viel trocken und wärmer, aber erschreckt stellte er fest, dass das Kleine Bündel sich kaum noch bewegte.
Es brauchte Hilfe, auf der Stelle. Was war zu tun?
Zo’or setzte das kleine zitternde Ding auf seinem Schoß, nachdem er selber im Pilotensitzplatz genommen hatte, und ließ mit einem leichten Wink seiner Hand die Temperatur innerhalb des Shuttels um einige Grad ansteigen. Er überlegte fieberhaft was er noch tun konnte, probeweise legte er seine beiden Handinnenflächen um den Körper des Tierchens, und ließ blaue Energietropfen aus ihnen hervorquellen. Aber das brachte ganz offensichtlich nicht den gewünschten Erfolg, der Taelon konnte nicht spüren, dass das Etwas in seiner Hand, irgendetwas von der ihm dargebotenen Energie aufnahm, wahrscheinlich war es schon zu schwach.
Entschlossen langte er zu den Kontrollen die direkt vor ihm lagen....
In dem Gemach das sich Sandoval mit Liam teilte, begann ein Global leise zu piepen. Mißmutig warf Sandoval dem Major eine unfreundlichen Blick zu. Die letzten 7 mal war es Liams Global gewesen, das weit nach Mitternacht zu Klingeln begonnen und seine Nacht Ruhe gestört hatte.
Jedesmal hatte Liam das Global an sich gerissen, und in der entlegensten Ecke, flüsternd mit seinem Gesprächspartner gesprochen. Es reichte nun wirklich....
Aber es war das passende Ende für solch einen Tag.
Er hatte Zo’or ohne nennenswerte Zwischenfälle zu der deutschen Botschaft und einer Konferenz mit Ter’ee begleitet, nur um sich dann selber zurückzuziehen und Sichherheitspläne für ein größeres Ereignis mit Lerina Messler zu erarbeiten. Liam Kincaid war aus anderen Gründen zugegen, aber warum Da’an seinen Beschützer ebenfalls nach Deutschland geschickt haben sollte war Sandoval ein Rätsel, und die erste Unannehmlichkeit des Tages.
Als dann ein wutentflammter Synodenführer an ihm vorbeigestürmt war, so das es ihm nicht gelungen war das Shuttel zeitgleich mit ihm zuerreichen wußte der Agent schon an wem dieser sich später abreagieren würde. Manchmal fragte sich Ronald ob Zo’or mit einem Punchingball nicht mehr gedient wäre als mit einem Beschützer....
Ter’ee war außer sich gewesen, das Zo’or alleine losgeflogen war, und hatte seiner Unmut darüber, für einen Taelon ungewöhnlich lautstark, Ausdruck verliehen.
Liam hatte sich in der Zeit aus seinen Decken gerollt, müde zum Tisch gegriffen der zwischen den beiden Betten stand, und warf Sandoval sein Global zu.
„Wollen sie nicht endlich rangehen?“
Sandoval hielt das kleine Gerät an einem der beiden Griffe fest und ließ es aufschnappen in dem er es schnell durch die Luft zog.
Eine verschlammte, schmutzige Gestalt die insgesamt ziemlich heruntergekommen wirkte, begann den Bildschirm auszufüllen. Der erste Impuls des Agent war es eine harsche Antwort zu geben und das Gespräch sofort wieder zu beenden. Was bildete sich dieser Penner ein?
Aber die schnarrende Stimme war unmißverkennlich.
Zo’or!!!
Sandovals Gesichtszüge drohten zu entgleisen als er erkannte WER da, schmutzig über und über, sein Global angewählt hatte. Selbst für ihn, als CVI Träger, war es schwierig seinen Arbeitgeber wieder zu erkennen.
Sondoval konnte grade noch die verärgerte Äußerung unterdrücken zu der er bereits angesetzt hatte, und erkundigte sich statt dessen sofort und mit vielen Worten nach Zo’ors Befinden und Aufenthaltsort.
Aber anstatt seine Wut an seinem Implantanten ab zu reagieren, wie Zo’or oft tat, hielt er schweigend eine Hand hoch. Die erste um dem Redefluß Sandovals zu unterbrechen, dann die zweite in der ein kleiner verklebter Pelzball lag.
Diesmal traf weder sarkastischer Spot noch brodelnde Wut den Beschützer.
„Wo muß ich mich hin begeben damit dieses Wesen die Hilfe benötigt die es braucht?“
Wo um Himmels Willen hatte Zo’or diesen häßlichen, Schmutz verkrusteten Hundewelpen her? Und was war dem Synodenführer widerfahren?
„Ein Tierarzt Zo’or“ antworte Sandoval immer noch irritiert von dem Bild vor ihm. Mit keinem Blick und keiner Geste ließ er erkennen das er nicht wußte wie er mit einer solch ungewöhnlichen Situation umgehen sollte.
Der Taelon auf dem kleinen Schirm wurde immer ungeduldiger, in Folge seines innerlichen Aufwalls, begann sein frei Hand in der Luft regelrecht zu tanzen, während die andere schützend über dem kleinen, schwachen Lebewesen lag, und ihm allen Trost spendete den zu geben er fähig war.
Soviel Inkompetenz konnte Zo’or kaum fassen, es war offensichtlich das dieses Wesen Hilfe brauchte, und Sandoval warf ihm unvollendete Sätze vor die Füße, allerdings interessierte sich Zo’or in diesen Momenten kaum für die Feinheiten der Grammatik und die Höflichkeit ihrer richtigen Anwendung.
Der sanfte Blick mit dem der Taelon das nun leise röchelnde Junge in seinem Schoß anschaute, wurde stechend als er seine Augen auf Sandoval richtete.
Betont langsam und mit einer Akzentuierung der Wörter die dem Agent kalte Schauer über den Rücken laufen ließ erkundigte sich Zo’or: „ Und wo genau, ist ein Mensch mit dieser Profession aufzufinden?“
Sandoval ließ seine Augen auf die Anzeigen schweifen die neben Gesicht des Taelons auf seinem Global leuchteten. Offensichtlich weilte der Synodenführer immer noch in Deutschland.
Oh Gott, woher sollte er denn wissen wo sich um diese Uhrzeit ein fähiger Tierarzt auftreiben lassen würde , er selbst hatte noch nicht mal Tiere, noch nicht mal als Kind hatte er welche gehabt.
Der Asiate begann die Namen und Adressen der hiesigen Tierärzte aus den Datenbanken abzurufen, etwas anderes blieb ihm nicht übrig.
Doch die kläglichen Geräusche die sein Tierchen von sich gab und dessen flache Atmung machten Zo’or noch ungeduldiger als sonst.
Er hatte schon seine Hand gehoben um die Verbindung abzubrechen um sich an jemanden im weißen Haus oder den deutschen Bundeskanzler zu wenden, als jemand Sandoval das Global förmlich aus der Hand riß, und endlich die Daten eingab die Zo’or so dringend benötigte.
Offensichtlich hatte Liam Kincaid den Wortwechsel mit angehört und hatte eingegriffen. Bei Zo’ors Anblick mußte der Major sich zusammen nehmen, aber der kleine Welpe auf dessen Schoß ließen eine Welle von Mitleid über ihn gleiten., und das erste Grinsen das sich auf seinem Gesicht gebildet hatte erfror sofort wieder.
„Guten Flug“ wünschte er ihnen noch, aber der Antrieb des Shuttels arbeitete schon wieder, und mit einem dröhnen hob es ab. Sein Wunsch war ungehört geblieben.
Sandoval streckte Liam wortlos den Arm entgegen und wartete mit starrem, eiskalten Blick bis der Major das entwendete Global wieder in seiner Hand niedergelegt hatte.
Danach begaben die zwei sich, ohne ein weiteres Wort zusagen, zur Ruhe. Das Licht wurde wieder gedämmt, bis der Raum nur noch von grauen Schemen und dem leisen Surren erfüllt war das in jedem Taelon Gebäude erklang. Trotzdem wußte Liam das Sandoval ihn beobachtete, er konnte regelrecht spüren wie sich die Augen des Agent in seinen Rücken bohrten. So konnte er unmöglich schlafen. Er warf sich in seinem Bett herum, weg von der Wand um über den kleinen Tisch den anderen CVI Träger ins Gesicht zu blicken.
„Was?“ in Liams Stimme schwang ein Unterton von Ärger mit.
„Woher wußten sie das? Woher wußten sie wo sich, noch dazu hier in Deutschland, ein Tierarzt befindet?“
Sandovals Augen verengten sich in Mißtrauen.
Erst jetzt wurde Liam bewußt das er schon wieder Gefahr gelaufen war unliebsame Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Irgend wann einmal würde er sich damit verraten. Doch der Anblick des zu Tode geschwächten Hundewelpens und Zo’ors Sorge hatten ihn so gerührt das er ohne nachzudenken jede Hilfe angeboten hatte die zu leisten er im stande war. Zo’or der offensichtlich angenommen hatte das Menschen ohnehin wußten wo sich Leute mit gewissen Professionen befanden, würde keine weiteren Fragen stellen.
Aber was sollte Liam seinem Vater sagen. Er entschloß sich zu einer Halbwahrheit, den seine Arbeit bei den Taelons selbst die bei dem sanftmütigen Da’an hatten ihm gezeigt das eine Lüge sich am effektivsten in einer Wahrheit verbergen ließ.
„Ganz einfach, von meiner Mutter. Sie hat lange Zeit in Deutschland gelebt, genau in dieser Stadt und pflegte sich zwei stets zwei Katzen zu halten. Daher weiß wo sich hier Tierärzte niedergelassen haben und ihre Praxen betreiben.“
Liam drehte sich wieder zur Wand, zog die warme Decke über die Schulter und schloß die Augen. Doch er schlief nicht, sondern wartete darauf wie Sandoval reagieren würde. Ob er ihm seine Lüge glauben würde?
Einige Zeit später verriet sein gleichmäßiger ruhiger Atem das der Asiate eingeschlafen war.
Liam hatte nicht wirklich gelogen. Beckett hatte während ihrer Studienzeit wirklich einige Semester in Deutschland verbracht. Lili ihre Perserkatze hatte sie aus Irland mitgenommen, und bald nach ihrer Ankunft war ihr ein kleiner getigerter Hauskater mit weißen Pfoten und einer weißen Schwanzspitze zugelaufen denn sie Duffy getauft hatte. Die beiden benötigten selbstverständlich auch hier medizinische Versorgung, wie Impfungen, Wurmkuren und die anfälligere Perserkatze auch hin und wieder Medikamente. Daher hatte er auch noch die Adresse einer deutschen Tierärztin gewußt, aus dem genetischem Gedächtnis in dem er alles Wissen fand das Beckett jemals erlangt hatte. Ebenso das seines Vaters und das Ha’gels das Liam sich aber nur teilweise zugänglich machen konnte und was er oft nicht verstand.
Liam lag noch lange wach unter seiner Decke und fragte sich wie es dem Hundebaby wohl ging.
Der Flug dauerte nicht lange. Die Verwerfungen von komprimierten Raum und Zeit, glätteten sich und das prismatische Farbspiel des Interdimensionsflug endete mit einem lauten Knall.
Während es Fluges hatte Zo‘or die ganze Zeit seine Hand schützend über dem kleinen Wesen ruhen lassen. Leise murmelte er in Eunoia um das Kleine zu trösten und zu beruhigen, das zitternd auf seinem Schoß lag, jetzt aber zumindest nicht mehr fiepte. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen war
vermochte Zo’or nicht zu sagen, noch nie in seinem Leben hatte der Taelon je so um eine andere Lebensform gebangt.
Noch immer lag eine seiner Hände schützend über dem Jungen und streichelte es vorsichtig, er hatte alle Abschirmungen fallen lassen und bot dem Kleinen uneingeschränkt seine eigene Energie an, doch das Tierchen reagierte nicht auf ihn.
Kaum das sie die Koordinaten erreicht hatten die Major Kincaid in den Navigationscomputer gespeist hatte, ließ Zo’or das Shuttle sanft auf einer Rasenfläche aufsetzten, dort wo es in Schatten einer großen Eiche dem zufällig vorüber gehendem nicht direkt ins Auge springen würde.
Das Geräusch des Antriebs verlor seine Mächtigkeit, bis nur noch ein leises Summen zu hören war.
Die Bügel des Sicherheitsgurtes glitten nach hinten, und ganz vorsichtig hob der Zo’or das Junge hoch, bettete es gegen seine Brust und schirmte es mit beiden Händen gegen die kleinen, kalten Tropfen ab die in grauen Fäden vom nachtschwarzen Himmel fielen und dem Wind der unabläßig an den alten Blättern in den hohen Baumwipfeln zerrte, als der Taelon den Shuttel endstieg.
Das weiche und fauchte Gras mit seinen Moospolstern federte die Schritte Zo’ors als dieser auf ein schlichtes Gebäude zueilte. Die roten Backsteine wirkten schwarz in der tiefen Nacht, nur dort wo der warme Lichtkranz aus den Fenstern drang ließ sich die wahre Farbe des Gebäudes ausmachen. Ein Teil des goldenen Lichts viel auch in den Garten und beleuchtete Zo’or mit einem schwachen goldenen Licht, seinen Weg zu der Tür.
Schon bald erreichte er einen Weg, der aus Steinplatten bestand, die aber wegen des Regens schlüpfrig und glatt waren.
Schon während des Landemanövers hatte Zo’or ein Schild gesehen, das den Reklametafeln in New York und Washington glich, aber nicht so aufdringlich war. Diesmal hatte er auch nicht Verachtung für solch primitiven Kommunikationsmittel empfunden, sondern war im stillen dankbar dafür das die schwarzen Lettern und der Eskulabstab, um den sich zwei stilisierte Schlangen wanden, ihm sagten, dass er hier richtig war.
Als der durchnäßte Taelon die Tür erreichte, war er erst verwundert das diese nicht automatisch vor ihm zurückwich. Vorsichtig schob Zo’or das Junge auf seine Schulter, wo er es sicherer mit einer Hand festhalten konnte, um die andere frei zu haben um nach der Klingel zu tasten.
Seine Hand fuhr über den rauhen Stein, und mit der anderen hielt er das Tier fest. Mit seinem Daumen strich er beruhigend über dessen kleinen, abgemagerten Rücken. Er hatte kaum etwas in der Hand, und konnte jede der Rippen fühlen die nur von verklebten Fell überdeckt zu sein schienen.
Eine neue Welle von Panik überkam ihm. So sehr er sich auch bemühte, er konnte keine Atmung des Kleinen mehr hören. Als seine Hand endlich den kleinen Knopf gefunden hatte, der auf der rechten Seite, neben der Haustür, in die Wand eingelassen worden war, drückte er diesen und ließ ihn nicht wieder los.
Angst schnürte seine Kehlte zu, und noch nie war er so froh gewesen den Schritt eines Menschen zu hören. Schlurfend näherte sich jemand, und die Tür wurde einen Spalt breit geöffnet.
Das Licht das durch die nun halbgeöffnete Tür viel brannte in seinen Augen, und Zo'ors Lieder verengten sich. Aber trotz der Blendung konnte er die Schemen eines Gesichts ausmachen. Das Bild wurde schnell klarer und er konnte nun das gleichmäßige Gesicht einer müdenn und eindeutig überarbeiteten jungen Frau sehen.
Sie hatte ihre Hände in die Taschen ihres Kittels geschoben, ihr Haarknoten hatte sich teilweise gelöscht, und eine Strähne ihres blonden Haares viel in ihr Gesicht.
„Es tut mir leid, wir schließen grade. Und ich bin wirklich nciht mehr in der Lage mich auf irgenetwas zu konzentrieren. Kommen sie bitte morgen wieder.“
Die Frau brachte ein schwaches Lächeln zustande, und wollte die Tür schon wieder schließen.
Doch Zo’or schob sich an ihr vorbei in den Flur der Praxis, ohne eine Antwort zu geben, oder auf ihren leichten Widerstand zu achten.
In der Wärme des Raumes nahm er seine schützende Hand von dem Jungen, so das die Frau es sehen könnte.
„Helfen sie ihm!“ seine Stimme drohte ihm zu versagen als er diese Worte mit heiserer Stimme heraus presste.
Ungeweinte Tränen brannten in seinen Augen. Ohne es selbst zu merken, hatte er diesem kleinen Wesen sein Herz geöffnet. Schon lange war ihm niemand mehr so nahe gewesen.
Seine Hände zitternden, ob der Anstregungen, der Kälte oder der Furcht um dieses zarte Leben, vermochte er nicht zu sagen. Vorsichtig hielt er ihr das Jungtier entgegen.
„Es atmet nicht, mehr. Tun sie doch etwas!“ Das letzte war ein verzweifelter Schrei, bevor die Stimme des stolzen Synodenführers an Verzweifelung brach.
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